Am 28.02.2013 07:16, schrieb Benito Müller:
> Weimarer Sozialbauten.
> Nazi-Sozialistische Bunkerbauten und potthäßliche Protzbauten.
> Seelenlose BRD-Bauhaus-Ruinen bei gleichzeitiger Zerstörung ganzer
> Gründerviertel durch Abschlagen der Stuckverzierungen, menschen-
> zerstörende DDR-Einheitsplattensiedlungen bis zum Horizont bei
> gleichzeitigem Abriß ganzer Gründerzeitstädte aus dem Kaiserreich.
Das würde ich so nicht sagen: Du findest sehr schön Wohnbauten
("Gemeindebaue") aus der Zeit des "Roten Wiens", was in der Nazizeit
gebaut wurde, kann man großenteils auch anschauen, etwa die
repräsentativen Wohnbauten bis hin zu Görings Jagdhäusern
(Heimatschutzstil?), aber auch die Blut-und-Boden-Siedlerhäuschen und
die Industriebauten ebenfalls.
Nach 1945 gab es noch ein paar schöne Industriebauten und Schulen, z.B.
das Voith-Getriebewerk in Heidenheim an der Brenz und die dortige
gewerbliche Berufs- und Fachschule aus den 50ern (letztere mittlerweile
leider durch Um- und Anbau total verschandelt).
Seither wird aber tatsächlich praktisch nur noch Schund gebaut, sieht
man mal von den Anthroposophen ab (gewöhnungsbedürftig, aber die Bauten
haben oft was, z.B. die Waldorfschule in Heidenheim). Erst in den
letzten vielleicht 20 Jahren sieht man da und dort wieder Ansehbares,
wie etwa die Berufsakademie in Heidenheim (ich meine nicht diese
unsägliche Kaabah am Bahnhof, sondern den Bau in der Wilhelmstraße/Ecke
Bergstraße aus den 80er oder 90ern).
Das schlimmste, was mir so ad hoc einfällt, ist übrigens Rotterdam, auch
wenn Lelystad und Almere auch Meilensteine des Bauungeschmacks der
zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind.
Ich frage mich, ob die Architekten Angst haben, als altmodisch zu
gelten, wenn Sie etwas Ansehbares bauen oder ob sie gerne schöne Häuser
bauen würden, die Bauherren aber solchen Mist verlangen, weil' halt
modern sein muss... ;-)
Fakt ist, dass es offenbar Archies gibt, die noch was Nettes bauen
können: Die Rettungswache des DRK in Nördlingen ist ein echt
schnuckeliger Bau im Stil der - ich würde mal sagen 30er - Jahre. Sie
liegt zwar nicht im historischen Stadtkern, aber gleich außerhalb der
Stadtmauer. Deswegen gab's da wohl keine Baugenehmigung für ein Scheusal
wie es sich die Rotkreuzler üblicherweise bauen.
Ganz grausam finde ich Pultdachhäuser. Wenn die dann im Grundriss etwa
quadratisch sind und einige Stockwerke hoch, sehen Sie aus wie zu groß
geratene Exemplare jenes Häuschens, welches bekanntlich auch der Kaiser
zu Fuß aufsucht. In den anderen Fällen sehen sie aus wie Gebäude, die
das enthalten, was im Amtsdeutsch "Schlichtwohnungen" heißt.
wy
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