On 16 Mai, 21:59, Harald Maedl <harald.ma
...@gmx.de> wrote:
> Karl-Ludwig Diehl wrote:
> > Wachsseife für den Wandanstrich in der Biedermeierzeit:
> > eine Wirkung wie Satin
> > In der Biedermeierzeit rührte man, auf Satinwirkung be-
> > dacht, eine Farbe an, die mit einem Gemisch aus flüs-
> > sig gemachtem Wachs, Pottasche und Wasser ver-
> > mengt wurde. Man nennt diesen Zusatz Wachsseife.
> > Wie man sich diese spezielle Farbe herstellte, wird er-
> > klärt. Zunächst schuf man sich eine Wachsseife:
> > "Zu einem Pfund fein geschabtem Wachs werden 3 - 4
> > Loth Pottasche und 1/4 Quart Wasser genommen und
> > die Mischung auf nicht zu starkem Feuer, unter fort-
> > währendem Umrühren, in einem großen Gefäße (einem
> > kupfernen Kessel) gekocht." (1)
> 1 Loth (Sachsen)= ca 14,6 gr
> 1 Loth (Bayern) = ca 17,5 gr
> 1 Quart = 1,145 l
> 1 Quart (Bayern) = 0,267
> l Quart (brit)( = 2 Pints = 1,136 l
> Vermutlich ist das erste gemeint, da man sonst die 3-4 Loth beim
> bayerischen Quart imho nicht lösen könnte. Demnach
> wären 1/4 Quart rund
> 0,36 ltr.
Da dieses Rezept in Form Berliner Angaben bis nach
Wien gelangte, müßte ein Berliner Maß gelten.
> > Sich diese Maßangaben etwas bewußter zu machen,
> > dürfte nicht verkehrt sein.
> Nun, wenn du da schon im Biedermeier herumgurkst,
> hättest du das gleich
> bei der Recherche miterledigen können.
> Muss ma denn alles selber
> machen! ;-)
Tja, wenn Angaben so einfach greifbar wären, kein
"problem", um ma wieda mit meim Inglish zu prahlen.
> > [Zubereitung]
> > Wenn nun Wände zu streichen sind, hat einerseits
> > die Farbe bereitzustehen, denn dieser wird der erneut
> > aufbereitete Zusatz, genannt "Wachsseife" beigege-
> > ben. Dazu muß die Wachs-Pottasche-Mischung wie-
> > der aufgelöst werden:
> Hier wäre es nun wirklich interessant
> zu wissen, was seinerzeit Mitte
> des 18. Jahrhunderts für Farben
> verwendet wurden, z.B. Kaseinfarben,
> Farben auf Leinölbasis, Kalkfarben etc.
Ich bin dicht dran. Aufsätze zur Farbe wanderten
mir schon entgegen. Hoffentlich enthalten sie
solche Angaben.
> Wenn es denn nun irgendwelche
> wasserlösliche Farben gewesen wären, dann
> hätte sich vernmutlich unter Zugabe der
> Wachseife eine Emulsion
> gebildet. Ich könnte mir vorstellen,
> dass bei einer Emulsion mit sehr
> kleinen Farbtröpfchen ein satinartiger
> Effekt aufgetreten sein könnte.
Dazu mußte ich mir erst bewußt machen:
"Unter einer Emulsion versteht man ein
fein verteiltes Gemisch zweier verschiedener
(normalerweise nicht mischbarer) Flüssigkeiten
ohne sichtbare Entmischung." aus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Emulsion Hm, keine Ahnung, ob ausgerechnet das einen
Satineffekt ergibt. Sagt das bei Dir, Wachseife und
Farbe sind sehr fein gemischt und dadurch kommt
der Effekt zustande? Oder eher gegenteilig?
Bei Satin müßte eigentlich eine sehr feine
Verteilung der Tröpfchen vorliegen müssen.
> Anmerken möchte noch, dass dieser Wandanstrich
> durch die Zugabe von
> Kaliumkarbonat (Pottasche) vermutlich
> sehr alkalisch war. Jedenfalls
> wirken alkalische Anstriche antibakteriell
> und bei pH-Werten >10, was
> sich sicherlich leicht erreichen lässt,
> auch gegen Schimmelpilze.
Das ist ein interessanter Aspekt, denn die
Beheizbarkeit der Häuser war nicht gerade
optimal. Es dürfte komplizierte Übergangs-
zeiten gegeben haben, will sagen, bei großen
Häusern, las ich einmal, zog man mit dem
Mobiliar in die Sommerresidenz und später in
die Wohnung, die im Winter genutzt wurde.
Da konnten Räumlichkeiten lange leerstehen.
K.L.