Am Fri, 10 Feb 2012 22:30:44 +0100 schrieb Wolfgang Broeker:
> Alexander Stielau schrieb:
>> Nein. Es gibt keine diesbezügliche Ausrüstungspflicht für Sportboote,
>> d.h., dafür würdest Du - solange nix passiert - kein Ticket bekommen.
>> 'gute Seemannschaft' wird erst hinterher rechtlich relevant.
>
> Da wäre ich mir nicht so sicher. Die allgemeinen Regeln "guter
> Seemannschaft" (siehe meinen anderen Artikel in diesem Thread
> dazu) gelten immer, also auch vorher. Dieser englische Seefahrer,
> der wiederholt - nur mit dem Shellatlas ausgestattet - von den
> britischen SAR-Kräften aufgegriffen und gerettet wurde, könnte
> durchaus gebüsst werden, auch wenn niemand zu Schaden gekommen
> ist.
Ja, aber das ist ja eben genau 'hinterher' - er wurde aufgegriffen, es
gibt Nachfragen oder eine Untersuchung, wie es dazu kam und eine wie
auch immer geartete Beurteilung.
Schlechte oder keine Seemannschaft ist, solange nix passiert, nicht
rechtlich zu beanstanden, weil sie in der Regel eben keiner bemerkt oder
zumindestens niemand geschädigt wird.
Wenn bei einer Routinekontrolle im Hamburger Hafen auf einem Sportboot
keine Seekarte vom Hafen an Bord ist, sondern von mir aus Karten von der
Oberelbe (ab Hafengrenze) oder eine topografische Karte, ist das eben so
- es gibt keine Ausrüstungspflicht, der jenige hat dann wohl
ausreichende Ortskenntnis und wird erstmal so akzeptiert.
Wenn allerdings bei dieser Kontrolle ein weiterer Sporti angeschossen
kommt, kurz Gas raus nimmt, und 'ey, wo gehts denn hier nach
Lauenburg' brüllt; um dann, nachdem alle nach einer Phase des kurzen
Unglaubens, die Frage richtig verstanden zu haben, wild elbaufgestikulieren,
wieder Fahrt aufzunehmen, kann das eben genau deshalb nen Ticket geben,
weil hier der Verstoss gegen die gute Seemannschaft offenkundig wird - keine
gehöriger Gebrauch der nach guter Seemannschaft zu verwendenen
navigatorischen Hilfsmittel.
Und es löst selbst bei den ziemlich entspannten Hamburger Waspos Stirnrunzeln
bis in den Nacken aus (das ist keine erfundene Geschichte).
>> (oder bei entsprechender Verblendung auch gerne mit dem Elbe-
>> Atlas) rum.
>
> Was hast Du gegen den Elbe-Atlas? Und was hat das mit dem Roman
> des seligen Stieg Larsson zu tun? ;-)
Das hab ich doch schon mal ausgeführt. :)
Ich überspitze es mal:
Im Grunde sieht der Elbeatlas aus, als wäre er zur Kartenarbeit
geeignet. Das ist er aber nicht, weil er durch ziemlich willkürliche
Weg- und Auslassungeni, Detailkarten ohne Bemassung und so weiter bei
weitem nicht die Genauigkeit hat, die er vorgaukelt.
Die Darstellung ist an vielen Punkten skizzenhaft, ohne das
das ohne Ortskenntnis erkennbar wäre. Ich halte das für gefährlich.
Abgesehen davon finde ich die Heftung (will immer wieder zuklappen)
ungeeignet für ein Nachschlagewerk, das bei mir griffbereit offen
herumliegen soll.
> Im Ernst: Ich habe zwar den Sportbootkartensatz 3010 des BSH an
> Bord, verwenden tue ich aber fast ausschließlich den Elbe-Atlas.
Ja, Du kennst das Revier, zum Überprüfen der eigenen Erinnerung ist er
geeignet. Das kann aber nicht der Maßstab für Kartenmaterial sein,
sondern allerhöchstens für Skizzen und persönliche Aufzeichnungen.
Aleks