Harald Maedl meinte:
> RA J. Geraedts. wrote:
>>
http://is.gd/U2Gib3
> Nun ja, es sind immer wieder dieselben "kleinen" Nachlässigkeiten, die
> aufsummiert dann katastrophal enden: Unzureichende Einweisung, sich
> nicht einpicken, keine Westen anlegen, mangelnde Übung bei der Bergung,
[usw.]
Ja, wenn beim Segeln Schwerwiegendes passiert, sind immer schon mehrere
Fehler ungestraft gemacht worden, wie hier mit anderen Worten schon jemand
postierte.
Wobei mir die beschriebenen Voraussetzungen schon vergleichsweise
fortgeschritten vorkommen. Einiges an Erfahrung an Bord, jedenfalls nicht
ein Skipper als alleiniger Wissensträger, überhaupt eine
Sicherheitseinweisung, Rettungswesten, die auch getragen werden... da habe
ich auch unter Profi-Skippern schon deutlich übleres erlebt.
Liegt vermutlich an Jahreszeit und Revier - 2..3 Monate später oder 20
Grad südlicher ist ein ähnliches Sicherheitsniveau schon deutlich
unwahrscheinlicher.
> Zum ersten Bericht: Es ist schon schwierig genug, bei leichtem Seegang
> an Bord zu kommen. Ich halte es fast für unmöglich einen 110-kg-Mann
> nebst nasser Kleidung und sperriger Weste bei rauher See aus dem Wasser
> zu hieven.
Zu zweit und mit dem Schlauchboot geht das - deswegen auch der Hinweis auf
das Rettungsfloß. Aber daran muss man halt auch denken und de facto lernt
man das nicht im SBF/SKS/usw., sondern nur auf qualifizierten
Sicherheitstrainings.
Die Alternative wird leider nur angedeutet: Freies Fall, notfalls in
Bergeschlaufe (hier: "Talamex") eingepickt und ab auf die Ankerwinsch oder
Genuawinsch (je nachdem wie sie geschoren ist).
> Unklar ist mir, warum im Bericht das Talamex-Rescue-System als optimales
> Rettungssystem angesehen wird. Ich glaube nicht, dass damit die Rettung
> des Mannes erfolgreicher abgelaufen wäre, selbst wenn dieser es noch
> irgendwie geschafft hätte, an die Rettungsschlaufe zu kommen.
Ich nehme an, dass hier unterm Stichwort "Talamex" ein System mit
Bergeschlaufe beschrieben wird, auch wenn m.W. Talamex nur Halterungen für
sowas im Programm hat.
Es ist eine Möglichkeit, nachdem der Lifebelt "ausgefallen" war. Man muss
es aber am Mann anlegen und das geht nur ohne zweite Person im Wasser,
solange die Person noch autark beweglich und nicht durch Unterkühlung
gelähmt ist. Wäre denkbar, wenn man nicht die Zeit mit der Bergung via
Heck vergeudet.
Leider wird nach wie vor häufig das Heck (mit oder ohne Badeplattform) als
primärer Rettungsweg angepriesen. Bei richtig Seegang scheint mir das eher
die perfekte Methode, den Mann zu erschlagen - was ihm andererseits
zumindest den Tod durch Ertrinken erspart. :-\
last but not least: Hinterher fallen einem immer tausend Dinge ein, die
man besser gemacht hätte und von Stunde zu Stunde werden es mehr.
Es ist mein Verständnis vom Ziel der BSU-Berichte, auf dem Trockenen an
der Verarbeitung dieser Erfahrungen teilhaben zu können und sich dank
mentalem Training im Falle des Falles sich besser vorbereitet zu haben.
--
Gruss,
Tobias.