Christian H. Kuhn meinte:
> Tobias Crefeld wrote:
>> Zweitens: Die Frage ist, ob Du primär den SKS erlangen willst oder ob
>> Du primär Praxis lernen möchtest?
> Primär will ich den Schein. Ich bin allerdings nicht lernresistent und
> selbstbewusst genug, um mir nach der Prüfung ggf. einzugestehen, dass
> ich mit den paar Tagen noch nicht reif bin, um eigenverantwortlich zu
> fahren. In dem Falle würde ich dann schon schauen, dass ich über Schulen
> oder Vereine weitere Praxis unter Aufsicht sammle.
Wenn Du außer einem "Standard"-SKS-Ausbildungstörn mit seiner Handvoll
Meilen nichts mitbringst, hast Du ganz sicher nicht die nötige Reife.
Die gewinnst Du eher in kleiner Crew mit einem Skipper, der einen machen
läßt. Überführungen sind nicht schlecht, brauchen wenig Zeit, aber man
sollte schon vorher seine Seefestigkeit überprüft haben.
Egal wie auch immer: Eine Woche reichen sicher nicht, zwei können im
Idealfall ein guter Einstieg sein, wenn Revier und Wetter anspruchsvoll
genug sind.
Bei den üblichen Ausbildungstörns lernt man zwar alles von der Pieke, was
auch wichtig ist, aber bei reinen Tagestörns, also ohne Wacheinteilung,
bekommt bei einem vollbesetzten Boot jeder seine persönliche Schot in der
Hand gedrückt, die er dann für den Rest des Tages nicht mehr aus der Hand
gibt. Wie man mit kleiner Crew, z.B. zu zweit oder dritt anlegt und Segel
führt - worauf moderne Yachten durchaus ausgelegt sind -, lernt man so
sicher nicht.
> Andernfalls hingegen
> habe ich die Möglichkeit, nach eigenem Gusto in anfängergeeigneten
> Revieren zu friedlichen Zeiten selbst meine Erfahrungen zu machen.
Anfängergeeignet sind halt nur windarme Reviere. Muss man mögen, aber
kommt halt auch darauf an, ob man eher auf sportliches Segeln oder auf
Gin-Tonic-Törns (c) aus ist.
Von eigenen Törns würde ich nicht zuviel Lerneffekt erhoffen. Die
potentiellen Gefahren und die Dimensionen lassen jeden so vorsichtig
agieren, dass zwar wenig kaputt geht, aber eine risikoarme Lernkurve ist
halt auch sehr flach.
Retrospektiv würde ich mir wünschen, viel eher an reinen Manövertrainings
teilgenommen zu haben. 3 Tage lang Ab- und Anlegen in San Remo ist nicht
wirklich ein Segelurlaub, aber fürs handling unter Maschine hat es mir am
meisten gebracht. Zwei Meter Freibord bei 20 kn Seitenwind im Hafen zu
rangieren, hat seither seinen Schrecken verloren. Hätte ich viel früher
machen sollen.
> Da sehe ich keine Probleme. Zur Not
> muss ich hat die Führungs- und Moderationstechniken anwenden, die mir
> diverse Arbeitgeber beibringen zu müssen gemeint haben ;-)
:-) Lief bei mir eher umgekehrt: Als Ausbilder oder Schiffsführer habe
ich die Lehren gezogen, die dann gelegentlich in Projekten und Trainings
zugute kamen.
Aber gut, damals hatte man das auch noch nicht so amtlich und mit Theorien
unterfüttert betrieben. Da stand auf dem Waschzettel nur "Anforderung" und
heute wird da gleich ein eigenes Ressort "Change Management" aufgemacht.
> Aber die Anfahrt erzeugt keine Kosten.
Na, wenn das tatsächlich so ist, dann würde ich für eine komprimierte
Lehre auf alle Fälle Nordsee, Dänemark oder Solent unter professioneller
Anleitung und nur im Frühjahr oder Herbst anstreben, also wenn Wind
relativ sicher gegeben ist. In diesen Revieren wird auch navigatorisch
genug geboten. Danach bist Du wahrscheinlich reif für Urlaub, aber gelernt
hast Du auf alle Fälle maximal.
--
Gruss,
Tobias.