Zunächst zum Ankern. War zum Glück selten notwendig, weil wir zwar fast
nie Schwimmstege oder Molen, dafür aber öfter Bojen zum Festmachen
vorgefunden haben. Ansonsten war der Gezeitenstrom an den Ankerplätzen
nicht so stark, daß man einen zweiten Anker (am Heck) ausbringen mußte.
Jede Menge Kette läßt einen i.d.R. ruhig schlafen. Außer es liegt wie in
Tinkers Hole eine Yacht mit verdammt wenig Kette (die schon am
nachmittag zum Drift geführt hat) daneben. Da schiebt man dann doch
lieber Ankerwache ab dem Zeitpunkt, wo der Strom kentert.
Ankern kann manchmal aber auch sehr mühsam sein, z.b. in Canna Harbour.
Da steht schon im Revierführer über den total verkrauteten Grund
sinngemäß: "gives a lot of entertainment for those who have already
safely anchored". Ich kam mir vor wie bei der Unterwasser-Ernte und erst
im 3. Anlauf hielt der Schlammhaken.
Ansonsten ist die schottische Westküste ein wirklich tolles Revier. Nix
für Weicheier, weil wir Wind satt hatten (bis 37 kn und höchst selten
unter BF 4) und die Temperaturen auch nur mal 12° erreichten, wenn der
aus NW oder N kam und somit deutlich unter der Wassertemperatur von 16°
blieb. Nach 3 Landaufenthalten in Schottland hatte ich nun erstmals
Gelegenheit, die Landschaft auch von der Wasserseite aus zu bewundern
und war begeistert. Ist teilweise wie Segeln in den Alpen und erinnert
mich an Norwegen. Wenn die Sonne scheint, isses allerdings nur halb so
schön. Die Landschaft braucht einfach einen wolkenverhangenen Himmel und
Nebelschwaden, die an den sattgrünen Berghängen entlangwabern. Regen
dazu muß nicht unbedingt sein, hält sich aber aufgrund des sich sehr
schnell ändernden Wetters in Grenzen. Max. 2 h Regen am Stück, dann
war's wieder vorbei (meist sah man das Ende schon frühzeitig in Form von
hellem Horizont. Ansonsten nur selten kurze Schauer.
Das Revier ist definitiv nix für Anfänger. Vor dem Törn war mir fast
etwas mulmig zumute beim Blick auf die Karte und die vielen Rockies und
Untiefen. Ist vor Ort aber halb so wild (man muß natürlich trotzdem
aufpassen). An manchen Stellen erlebt man sein blaues Wunder mit dem
Gezeitenstrom, wenn man sich auf die Angaben im Stromatlas verläßt und
dann (unter Motor) nur noch 1 kn FüG macht. Hier hilft ein genauer Blick
in die Karte, wo man für ausgewählte Stellen auch Stromangaben findet,
u.U. die Vermeidung derselben und eine geschickte zeitliche Planung.
Gechartert haben wir ab Oban (repektive Dunbeg/Dunstaffnage Marina) eine
Sun Fast 40 (5 Jahre alt), die wirklich super lief und auch in einem
guten Zustand sowie sehr gut ausgerüstet war (inkl. Raymarine
Farbplotter im Cockpit). Unsere Route: Oban - Tobermory (Insel Mull) -
Inverie (Loch Nevis) - Canna Harbour (Canna) - Carbost (Skye) -
Castlebay (Barra; äußere Hebriden) - Loch Eatharna (Coll) - Tinkers Hole
(Mull / Ross of Mull) - Craobh Haven (Marina) - Port Ellen (Islay) -
Loch Crinan - Oban. Roundabout 450 nm.
Mal schauen, wann ich das nächste Mal da bin ;)
Manfred
PS: Ein paar Eindrücke gibt es unter
http://web.mac.com/spreiter/ClassicMaltsCruise/2008_Photos.html (Bilder
einer prof. Fotografin im Rahmen des Classic Malts Cruise).
Hallo Manfred,
vielen Dank für den Beitrag. Ich hoffe, es ich es auch bald endlich
nach Schottland schaffe :-)
Ich war so frei, den Newsgroups-Beitrag auch mal bei SkipperGuide zu
verlinken (http://skipperguide.de/wiki/Schottland)
Viele Grüße,
Peter