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[Bericht] Quelle Challenge Roth 2008

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Manuel Schmidt

unread,
Jul 29, 2008, 4:26:18 PM7/29/08
to
Name des Laufes: Quelle Challenge Cup (VID7014)
Datum des Laufes: 13.7.2008 (Sun)
Ort: Roth
Plz: D9
Homepage: www.challenge-roth.com
Name des Berichtenden: <manuel-schmidtgmxde> (Autor-LID zuordnen: Login
und [Edit])
Datum eingegeben: 21.7.2008 (Mon)
Strecken: 3,8 km / 180 km / 42,195 km
Beschaffenheit: Asphalt, feiner Schotter, Flüße
Profil: weitgehenst flach
Wetter: Nass
Teilnehmer: mehere Tausend


Bericht:

Zunächst einmal muss ich gestehen:
Ich bin nur gelaufen! Mein Debut über die Langdistanz wird erst nächstes
Jahr folgen.

Im vergangenen Jahr nahmen drei Arbeitskollegen einer anderen
Außenstelle zum zweiten mal als Staffel in Roth teil. Gleichzeitig
kündigten sie an, in 2008 nicht mehr als Staffel anzutreten.
"Kommt Leute, was die von der 2 können, können wir von der 6 auch" tönte
ich rum und begann aus meinem Team Leute für eine Triathlonstaffel
zusammenzusuchen.
So wurde nicht viel überlegt, angemeldet, Briefe an Vorgesetzte
geschriebe und trainiert.
Naja, unser Schwimmer hat nicht trainiert. Ach, hier geht es nicht um
Schwimmen sondern um's Laufen? Ok...
Die Anreise am Vortag des Wettkampfes war problemlos. Gleichwohl hätten
wir etwas früher auf die 500km-Strecke gehen sollen um mehr Luft zur
Abholung der Startunterlagen zu haben. Aber es gab Leute, die hatten
vorher noch Dienst.
Startunterlagen abgeholt, Wechselzonen besichtigt, Rad abgestellt und
gehofft, dass es am nächsten Tag zumindest trocken für den Radfahrer und
den Läufer wird.
In der Wettkampfbesprechung wurde darauf Hoffnung gemacht: "Am
Nachmittag soll man sogar teilweise die Sonne sehen können".
Er sollte recht behalten. Zumindest für etwa 30 Minuten...

Roth2008 sollte mein fünfter Marathon werden. Ganz unerfahren war ich
also nicht. Dennoch hatte das Rennen für mich etwas ganz neues: Die
Startzeit! Ich startete nicht am Morgen, ich wusste nichtmals genau wann
ich starte.
Um 08:40 ging unser Schwimmer auf die Reise. Unser Radfahrer war genau
wie ich der am Kanal die Leute anfeuerte genauso nass, wie unser
Schwimmer: Es regnete in Strömen. Egal wo ich nochmal antreten werde:
ich werde einen SChirm dabei haben.
Den Schwimmer habe ich wieder eingesammelt und wir begaben uns zum
Triathlonpark in dessen Nähe sich auch die zweite Wechselzone befand.
Wir hätten gerne unseren Radfahrer noceh etwas angeschrieen, aber das
klappte leider nicht...
Schwimmzeit: etwa 1h, Radzeit: 6h, ab 15:30 könnte es für mich also
lsogehen. Aber auf keinen Fall sollte man zu spät in der Wechselzone
sein. Also begab ich mich bereits um kurz vor 15:00 dorthin. Frühstück?
Essen vorher? Alles, was ich sonst vor einem Marathon mache, klappt hier
irgendwie nicht. Nach dem nicht sehr umfangreichen Frühstück um halb
sieben entschied ich mich für einen Energie-Riegel in der Wechselzone
und einem Gel, das ich zu mir nehme sobald es los geht.
Nervosität machte sich breit. Wann kommt Stefan? früher? oder später?
Ich nehme Platz im Wartebereich meiner Startnummer. Und warte...
Irgendwann stehe ich auf und stelle mich an den Rand der
"Durchlaufstrecke". Sogar kurz drauf höre ich jemanden meinen Namen
rufen. Ich rufe zurück, aber er sucht mich auf der falschen Seite. Er
läuft fast an mir vorbei, ich nehme ihn am Arm und ziehe ihn zur Seite.
"Hier ist der Chip", keucht er. Ich sage "Gute ARbeit" und erzähle ihm
noch: "hier nimmt meine Jacke. der Kai wartet vorne in der Bierzone auf
dich" und er brüllt an ich solle endlich loslaufen, wir wären nicht zum
quatschen hier. Recht hat er ja, also geht es los.
Es geht über ein Stück wiese aus der WZ2 auf die Laufstrecke. Aufpassen,
Einzelstarter kreuzen! Nochmal eine Kuve und man läuft einen Hügel
hinab. Diesen Hügel hätte ich mir merken müssen. Er sollte mir noch in
schmerzhafter erinnerung bleiben....
Recht bald nach dem Start folgte ein langer Anstieg. Nicht besonders
hart, wenn man eben erst startet. Die Einzelstarter habe ich etwas
bemitleidet. Die erste Verpflegungsstelle verwende ich nicht. Ich
brauche sie noch nicht. An den nächsten Verpflegungsstellen (4 und 6)
nehme ich ein Gel und etwas Sportgetränk.
Das aufsättigen hilft. Ich mache mit der Verplegung weiter, wie im
Training ausprobiert: etwa alle 4-6km ein Gel. Klappt.
Der Anfang des Laufes geht richtig gut. Nach dem ersten Kilometer
reduziere ich etwas das Tempo um auf mein geplantes Marathon-Tempo von
5:40/km zu kommen. Es gelingt einigermaßen.
Das Wetter? Während ich zu Beginn tatsächlich die Sonne sehen konnte,
sehe ich jetzt nur Wolken. Ab km15 fängt es an zu regnen. Der Regen
macht es richtig: Langsam Anfangen und dann steigern. Bei km 20 bin ich
endgültig klatschnass und ich friere. Vielleicht hätte ich doch besser
eine Weste drüberziehen sollen. Gut, dass ich wenigstens eine Kappe auf
habe. Am unangenehmsten waren die nassen Schuhe. Es fühlte sich selbst
bei den Schritten, die man nicht in eine der zahlreichen Pfützen setze
so an, als würde man in eine treten.
Ich habe gefroren....
Ein Wettkampfrichter fand die Frage von mir, ob man bei diesen
Temperaturen auch im Neoprenanzug laufen dürfe nicht witzig. Mein
Mitläufer schon :-)
Das war für mich das Zeichen, dass ich mich anstrenge. Ich fange schon
bei km15 an saublöde Sprüche zu reißen. Sonst fange ich damit erst
später an.
Ich quäle mich so durch den Regen, ärgere mich, dass ich doch keine
Laufweste drüber gezogen habe, freue mich aber, dass ich ausnahmsweise
mit Kappe laufe.
Die Pfützen formen sich zu Rinnsalen. Erst kleiner, später größer. Man
kann die nächsten Kilometer abkürzen: ich war total genervt! Irgendwann,
ich meine das war so bei km22 rum, hörte es auf zu Regnen. Das war schon
ein Grund zur Freude. Nebenbei bemerkt lag ich bei km22 5 Minuten vor
der Zeit. Die Devise hieß jetzt also: Bis mindestens km32 nichts von dem
Vorsprung einbüßen. Die letzten 10km sollte ich auf jeden Fall dann in
6:10/km schaffen.
Ich war wieder guter Dinge.
Zumindest bis km26. Meine Oberschenkel wurden innerhalb eines Kilometers
sauschwer und fingen an wehzutun. Menno! Das war mein fünfter Marathon,
und so früh hat noch keiner weh getan! Ich fange innerlich an zu
verzweifeln. Daher komme ich auch nicht so wirklich dazu mich über mich
selbst zu ärgern, dass 3 Läufe über 35km scheinbar zu wenig waren.
"Weiter auf sub4:00:00 und vermutlich spätestens bei km35 total
abkacken" und "Tempo rausnehmen und auf 4:15:00 gehen" waren die
alternativen.
Ich entschied mich für die Variante mit der vorne stehenden 3. Ich war
nicht nach Roth gekommen um ohne eine neue persönliche Bestzeit wieder
heimzukehren. "Quäl dich du sau und lauf weiter".
Die Kilometer vergehen und ich quäle mich. Im Nachhinein werde ich auch
bewußt feststellen, dass ich teilweise sehr unterschiedliche
Kilometerzeiten gelaufen bin.
Ich hätte die Strecke besser studieren sollen. Ich habe keine Ahnung
mehr wo auf der Strecke mit insgesamt 3 Wendepunkten ich bin, ob noch
ein Anstieg kommt oder wo die erwähnten Toiletten sind.
Ich finde an einem Anstieg durch den Wald bei km33 schlieslich eine
Toilette. So konnte ich das nötige mit dem nötigen verbinden. Ob der
Toilettengang oder eine kurze Pause für die Beine nötiger waren? Ich
weiß es nicht.
Ich rede mir ein, dass 9km ja nun nicht mehr so weit ist und ich 9km im
Training ohne Probleme laufe. Kurz drauf bin ich zu sehr mit mir selbst
beschäftigt, als dass ich noch wie zu Beginn die Zuschauer anfeuern
könnte. Die haben an diesem Tag bei diesem Wetter auch gute Arbeit gemacht.
Ich frage einen Mitläufer: "Kommt noch ein Anstieg?" "nur ein ganz
kurzer vor'm Ziel. Das geht". Gut, denke ich mir. Weiter.
Ich bin von meiner leidensfähigkeit begeistert. Spaß macht das momentan
bei km36 nicht mehr. Aber ich bin noch gut in der Zeit.
Weiterlaufen, weiter quälen...
Irgendwan geht es bergab. Ich bin begeistert! Es geht bergab! Bei jedem
Schritt sticht es zwar in die oberschenkel, aber nicht allzuschlimm. Ich
erkenne den Berg. Das war der, den ich zu Beginn hochgelaufen bin. Das
Ziel naht! Ich bin immer noch 5 Minuten vor und endlich wieder guter Dinge.
Ich sehe km40, die letzte Verpflegungsstelle. Ich will Wasser oder
"Iso", aber erwische ienen Becher mit Cola. Will ich nicht. Egal. 2km
vor dem Ziel wird das nicht so schlimm sein. Weiterlaufen!
Etwa 200m vor dem Schild das das Ende von km41 ankündigt mache ich einen
Fehler: Ich schaue auf die Uhr! Nicht auf meine Stoppuhr, sondern auf
die Uhrzeit (normalerweise laufe ich mit Gesamtzeit und rundenzeit auf
der Uhr). Wir haben 19:35. Unser Schwimmer ist um 08:40 gestartet. "Wenn
du den rest in 5 Minuten läufst,bleiben wir unter 11 stunden!" gedacht
und das Tempo maximal angezogen. Ich wusste jedoch: Die Chancen stehen
schlecht.
Etwa 100m hinter dem 41-Schild ist der erwähnte kurze Anstieg. Kurz aber
recht steil. "Komm Berg, ich fress dich!", "Hey! Wer hat mir mit einem
Stock auf die oberschenkel gehauen?!" ich muss kurz stehenbleiben und
sehe mich um, wer das wohl war. Nicht stehenbleiben, weiter laufen,
wieder beschleunigen. Ich habe aus dem Stand bis zum maximal noch
möglichen Tempo eine gefühlte Beschleunigung wie eine Weinbergschnecke.
Ich Laufe, ich denke nur noch an "Lauf Manuel! Lauf!" Irgendwann bemerke
ich meine staffelkollegen, die mich begleiten. Wo sie hergekommen sind?
hab ih nicht mitbekommen. Tunnelblick. ich überhole noch zwei Leute auf
dem blauen Teppich, die alles richtig machen. Denn im Gegensatz zu denen
konnte ich vor lauter "schnell! laufen!" die grandiose Stimmung im
Zielbereich nicht geniesen...
Hinter der Ziellinie bleibe ich stehen. Gerade so. Mensch das war eine
Quälerei...
Für mich hat es sich gelohnt. 3:53:23. 20 Minuten schneller als meine
bisherige Marathon-Bestzeit (aus Mai2007). Gesamtstaffelzeit: 11:01:16.
Nachher rational betrachtet war das ein vergeblicher Versuch die letzten
1,3km noch in unter fünf Minuten laufen zu wollen. Ich beschliese das
nicht nochmal zu versuchen.

Alex Dummer

unread,
Aug 5, 2008, 4:26:33 PM8/5/08
to
Manuel Schmidt schrieb:

> Name des Laufes: Quelle Challenge Cup (VID7014)

Hi Manuel,

> hinab. Diesen Hügel hätte ich mir merken müssen. Er sollte mir noch in
> schmerzhafter erinnerung bleiben....

...


> Etwa 100m hinter dem 41-Schild ist der erwähnte kurze Anstieg. Kurz aber
> recht steil. "Komm Berg, ich fress dich!", "Hey! Wer hat mir mit einem

das war aber auch das einzigste Hügelchen auf der Laufstrecke ;-).

> konnte ich vor lauter "schnell! laufen!" die grandiose Stimmung im
> Zielbereich nicht geniesen...

Ja, da hab ich mich auch schon mal mächtig geärgert, wegen ein paar
Sekunden.

> Für mich hat es sich gelohnt. 3:53:23. 20 Minuten schneller als meine
> bisherige Marathon-Bestzeit (aus Mai2007). Gesamtstaffelzeit: 11:01:16.

Gratulation und danke für den Bericht.
Im Gegensatz zu den Vorjahren hattet ihr ja reichlich Wasser von oben.
Ich glaub da schwitze ich lieber, besonders auf der Radstrecke.

Hast Du Dich schon angemeldet für nächstes Jahr? Die Anmeldung war ja
schon nach ein paar Tagen dicht.

Gruß Alex

Manuel Schmidt

unread,
Aug 6, 2008, 3:54:33 PM8/6/08
to
Alex Dummer schrieb:

> Manuel Schmidt schrieb:
>> Name des Laufes: Quelle Challenge Cup (VID7014)
>> hinab. Diesen Hügel hätte ich mir merken müssen. Er sollte mir noch in
>> schmerzhafter erinnerung bleiben....
> ....

>> Etwa 100m hinter dem 41-Schild ist der erwähnte kurze Anstieg. Kurz
>> aber recht steil. "Komm Berg, ich fress dich!", "Hey! Wer hat mir mit
>> einem
>
> das war aber auch das einzigste Hügelchen auf der Laufstrecke ;-).

Naja, der Anstieg zu Beginn der Lauftstrecke war auch zu spüren, ging
aber, da man zumindest als Staffelläufer noch frisch war. ok, dann die
kleinen Anstiege zu den Brücken und so.
Letztendlich bin ich da anderes gewohnt :)


>> konnte ich vor lauter "schnell! laufen!" die grandiose Stimmung im
>> Zielbereich nicht geniesen...
> Ja, da hab ich mich auch schon mal mächtig geärgert, wegen ein paar
> Sekunden.

Das passiert mir nächstes Jahr nicht!
Vor allem hat es nicht mehr für sub11 gereicht. Hätte man vorher wissen
können. die letzten 1,3km in 5 Minuten laufen? nicht mit mir.


> Gratulation und danke für den Bericht.
> Im Gegensatz zu den Vorjahren hattet ihr ja reichlich Wasser von oben.
> Ich glaub da schwitze ich lieber, besonders auf der Radstrecke.

Ich hab zeitweise richtig gefroren...
"Kalt" vertrag ich gar nicht.


> Hast Du Dich schon angemeldet für nächstes Jahr? Die Anmeldung war ja
> schon nach ein paar Tagen dicht.

"ein paar Tagen" ist gut.
Staffelplätze innerhalb von 48h ausgebucht.
Dafür waren wir zu spät. Ich wollte nächstes Jahr als Radfahrer
mitmachen und hatte im Vorfeld keinen neuen Läufer gesucht. Als ich ihn
am Mittwoch hatte, waren alle Staffelplätze weg.

Aber ich werde dennoch in Roth sein.
Es gab noch Plätze im Kontingent für die Feuerwehr-WM...

Eigentlich wollte ich ja erst 2010 die Langdistanz angehen. Aber es
erschien mir machbar. Wir werden sehen :-)


Grüße

Manuel, der jede Menge unterstützung brauchen kann

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