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Vegetarisch - Skuril

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Birgit

unread,
May 19, 2013, 2:16:45 AM5/19/13
to
Zwei Fundstücke zum Thema vegetarisch - skuril aus der letzten Woche:

Im Speisewagen der Bahn: Auf der Speisekarte folgender Satz zur
Erklärung des Veggie-Symbols:
"Bestandteile dieses Gerichts beinhalten keine Erzeugnisse, die aus
oder mithilfe von Erzeugnissen hergestellt werden, die aus
verendeteten, geschlachteten oder aufgrund ihres Verzehrs zu Tode
gekommenen Tieren gewonnen wurden"

Abgesehen davon, dass man den Satz 3 Mal lesen muss, um überhaupt im
Ansatz zu verstehen, was gemeint ist (wieso ist er mir in den Sinn
gekommen: http://www.youtube.com/watch?v=E5agWxzWTsc), da kommen
Fragen auf, die für Vegetarier wie für Carnivoren, die bei der Bahn
speisen gleichermaßen von Bedeutung sind:

- Bestandteile dieses Gerichtes sind - ich verkürze - fleischfrei.
Heißt das, dass man einem Vegggie aber wohl ein einzelnes Nürnberger
Würstchen als Veggiemahlzeit serviert?

- Wenn dem Veggie Bestandteile verendeter Tiere nicht geboten werden,
heißt das, dass der Omnivore damit rechnen muss, was bedeutet, dass
ihm Fleisch angeboten wird, das von Tieren stammt, die rechts und
links der Bahngleise im Zuge des Betriebs "verunfallt" sind?

- "aufgrund ihres Verzehrs zu Tode gekommen" wirft ebenfalls die Frage
auf, was genau damit gemeint ist. Austern bspw. kommen aufgrund ihres
Verzehrs zu Tode. Das vom Wolf gerissene Rebhuhn auch. Wenn das
Fleisch beim Omnivoren auf dem Teller landet, ist der Vorgang aber
schon abgeschlossen. Heißt das also, dass die Bahn Omnivoren
"gebrauchtes" Fleisch serviert?

Noch interessanter Fundstück 2:
Die Zeit berichtet diese Woche von einem Experiment eines Bonner
Forschers zum Thema Markt und Moral. (dort - ich nehme an noch - nicht
online, aber u.a. hier: http://www3.uni-bonn.de/Pressemitteilungen/099-2013
(allerdings nicht so ausführlich)

Das Experiment ist super interessant und ziemlich komplex, alles im
Detail zu beschreiben, spar ich mir hier. Im Kern ging es darum,
herauszufinden, wie viel Wert ein Mäuseleben hat bzw. wie schnell (für
wie viel / wenig Geld) Menschen bereit sind, bewusst den Tod einer
Maus in Kauf zu nehmen.

Interessant der zweite Teil des Experiments, bei dem zwei Gruppen
(Verkäufer und Käufer) die Wahl hatten, zu handeln oder nicht. Die
Entscheidung zu handeln bedeutete, dass jeweils (pro Handel) eine Maus
stirbt, kam der Handel zu stande, konnten Verkäufer und Käufer je nach
Verhandlungsgeschick 20 Euro untereinander aufteilen. Oder sie
weigerten sich, zu handeln, dann bekam keiner einen Cent - dafür
konnte die Maus aber leben.

Nicht nur erschreckend, dass Dreiviertel unter diesem Umständen
überhaupt gehandelt haben (und damit reihenweise Todesurteile für
Mäuse ausgesprochen haben), interessant auch, dass Vegetarier zwar
weniger oft gehandelt haben, aber immerhin noch gut 30 % von ihnen!
D.h. eine nennenswerte Zahl von Vegetariern war für Beträge von
weniger als 10 Euro (die nicht einmal zu zahlen waren, auf deren
Erhalt man nur hätte verzichten müssen)bereit, das Leben einer Maus zu
opfern.

So ist das mit der Moral. Wobei das jetzt kein Vegetarierbashing
werden soll, dafür sind die anderen Zahlen erschreckend (wenn auch
nicht sehr überraschend) genug.

Kulinarische Grüße

Birgit

--

Goccus - der Genießertempel
www.goccus.com

Johann Mayerwieser

unread,
May 19, 2013, 4:33:35 AM5/19/13
to
Am Sat, 18 May 2013 23:16:45 -0700 schrieb Birgit:

> Nicht nur erschreckend, dass Dreiviertel unter diesem Umständen
> überhaupt gehandelt haben (und damit reihenweise Todesurteile für Mäuse
> ausgesprochen haben), interessant auch, dass Vegetarier zwar weniger oft
> gehandelt haben, aber immerhin noch gut 30 % von ihnen!

Es gibt ja nicht nur die ethischen Vegetarier, sondern auch solche, die
kein Fleisch essen, weil es ihnen nicht schmeckt oder ihnen davor graut.
Sohn einer Arbeitskollegin weigerte sich schon als Kleinkind aus eben
diesem Grund, Fleisch zu essen, heute ist er zum Veganer mutiert.

Hannes

--
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Daniela Duerbeck

unread,
May 20, 2013, 8:17:50 PM5/20/13
to
Birgit wrote:

> So ist das mit der Moral. Wobei das jetzt kein Vegetarierbashing
> werden soll, daf�r sind die anderen Zahlen erschreckend (wenn auch
> nicht sehr �berraschend) genug.

Also f�r mich h�tte es wohl einen Unterschied gemacht, ob eine Maus oder
ein Hund zu Tode kommen w�rde.
Obwohl ich weder die betreffende Maus, noch den betreffenden Hund
pers�nlich kenne, w�re mir die Maus deutlich wichtiger als der Hund.

Das liegt aber haupts�chlich daran, dass mich weit mehr Hunde bedrohen
als M�use.

In unserem Garten wohnen einige M�use und ich �berlege schon, den
Rasensprenger mit einem Bewegungsmelder gegen Katzen auszur�sten.
Das w�rde auch den Singv�geln zugute kommen, die durch die Katzen
bedroht sind.

Viele Gr��e von Dani

Axel Schwenke

unread,
May 21, 2013, 4:23:39 AM5/21/13
to
Daniela Duerbeck <daniela....@gmx.de> wrote:
> Birgit wrote:
>
>> So ist das mit der Moral. Wobei das jetzt kein Vegetarierbashing
>> werden soll, daf�r sind die anderen Zahlen erschreckend (wenn auch
>> nicht sehr �berraschend) genug.
>
> Also f�r mich h�tte es wohl einen Unterschied gemacht, ob eine Maus oder
> ein Hund zu Tode kommen w�rde.

F�r mich auch.

> Obwohl ich weder die betreffende Maus, noch den betreffenden Hund
> pers�nlich kenne, w�re mir die Maus deutlich wichtiger als der Hund.

Das w�rde ich aber genau anders herum sehen.

> Das liegt aber haupts�chlich daran, dass mich weit mehr Hunde bedrohen
> als M�use.

Bei mir ist noch nie ein Hund ins Haus eingebrochen und hat in
meiner Speisekammer ger�ubert. F�r die insgesamt 4 M�use, die in
meinen Fallen verendet sind, empfinde ich jedenfalls kein Mitleid.
Ist ja nicht so, da� es keinen M�usewohnraum auf dem Feld hinter
der H�userzeile auf der anderen Stra�enseite g�be.

> In unserem Garten wohnen einige M�use und ich �berlege schon, den
> Rasensprenger mit einem Bewegungsmelder gegen Katzen auszur�sten.
> Das w�rde auch den Singv�geln zugute kommen, die durch die Katzen
> bedroht sind.

F�r merkw�rdige Interpretationen von "bedroht". Seit Millionen von
Jahren fangen und fressen Katzen (und beileibe nicht nur die) V�gel
und anderes Getier, das leichtsinnig genug ist, in ihre Reichweite
zu kommen bzw. nicht schnell genug zu fliehen. Das liegt halt in
ihrer Natur. Genauso wie V�gel ihrerseits Regenw�rmer und K�fer
"ermorden" und verspeisen.

Mal sehen, wann der erste K�ferliebhaber ein Katzenzuchtprogramm
ank�ndigt, um der Singvogelplage Herr zu werden ;)


XL

Frank Nitzschner

unread,
May 23, 2013, 12:41:47 PM5/23/13
to
Birgit schrieb:

> Nicht nur erschreckend, dass Dreiviertel unter diesem Umstᅵnden
> ᅵberhaupt gehandelt haben (und damit reihenweise Todesurteile fᅵr
> Mᅵuse ausgesprochen haben),

http://www.youtube.com/watch?v=F9nGyPz9uT0

Die Musiker sind noch schlimmer..

Grᅵsse
Frank


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