Zwei Fundstücke zum Thema vegetarisch - skuril aus der letzten Woche:
Im Speisewagen der Bahn: Auf der Speisekarte folgender Satz zur
Erklärung des Veggie-Symbols:
"Bestandteile dieses Gerichts beinhalten keine Erzeugnisse, die aus
oder mithilfe von Erzeugnissen hergestellt werden, die aus
verendeteten, geschlachteten oder aufgrund ihres Verzehrs zu Tode
gekommenen Tieren gewonnen wurden"
Abgesehen davon, dass man den Satz 3 Mal lesen muss, um überhaupt im
Ansatz zu verstehen, was gemeint ist (wieso ist er mir in den Sinn
gekommen:
http://www.youtube.com/watch?v=E5agWxzWTsc), da kommen
Fragen auf, die für Vegetarier wie für Carnivoren, die bei der Bahn
speisen gleichermaßen von Bedeutung sind:
- Bestandteile dieses Gerichtes sind - ich verkürze - fleischfrei.
Heißt das, dass man einem Vegggie aber wohl ein einzelnes Nürnberger
Würstchen als Veggiemahlzeit serviert?
- Wenn dem Veggie Bestandteile verendeter Tiere nicht geboten werden,
heißt das, dass der Omnivore damit rechnen muss, was bedeutet, dass
ihm Fleisch angeboten wird, das von Tieren stammt, die rechts und
links der Bahngleise im Zuge des Betriebs "verunfallt" sind?
- "aufgrund ihres Verzehrs zu Tode gekommen" wirft ebenfalls die Frage
auf, was genau damit gemeint ist. Austern bspw. kommen aufgrund ihres
Verzehrs zu Tode. Das vom Wolf gerissene Rebhuhn auch. Wenn das
Fleisch beim Omnivoren auf dem Teller landet, ist der Vorgang aber
schon abgeschlossen. Heißt das also, dass die Bahn Omnivoren
"gebrauchtes" Fleisch serviert?
Noch interessanter Fundstück 2:
Die Zeit berichtet diese Woche von einem Experiment eines Bonner
Forschers zum Thema Markt und Moral. (dort - ich nehme an noch - nicht
online, aber u.a. hier:
http://www3.uni-bonn.de/Pressemitteilungen/099-2013
(allerdings nicht so ausführlich)
Das Experiment ist super interessant und ziemlich komplex, alles im
Detail zu beschreiben, spar ich mir hier. Im Kern ging es darum,
herauszufinden, wie viel Wert ein Mäuseleben hat bzw. wie schnell (für
wie viel / wenig Geld) Menschen bereit sind, bewusst den Tod einer
Maus in Kauf zu nehmen.
Interessant der zweite Teil des Experiments, bei dem zwei Gruppen
(Verkäufer und Käufer) die Wahl hatten, zu handeln oder nicht. Die
Entscheidung zu handeln bedeutete, dass jeweils (pro Handel) eine Maus
stirbt, kam der Handel zu stande, konnten Verkäufer und Käufer je nach
Verhandlungsgeschick 20 Euro untereinander aufteilen. Oder sie
weigerten sich, zu handeln, dann bekam keiner einen Cent - dafür
konnte die Maus aber leben.
Nicht nur erschreckend, dass Dreiviertel unter diesem Umständen
überhaupt gehandelt haben (und damit reihenweise Todesurteile für
Mäuse ausgesprochen haben), interessant auch, dass Vegetarier zwar
weniger oft gehandelt haben, aber immerhin noch gut 30 % von ihnen!
D.h. eine nennenswerte Zahl von Vegetariern war für Beträge von
weniger als 10 Euro (die nicht einmal zu zahlen waren, auf deren
Erhalt man nur hätte verzichten müssen)bereit, das Leben einer Maus zu
opfern.
So ist das mit der Moral. Wobei das jetzt kein Vegetarierbashing
werden soll, dafür sind die anderen Zahlen erschreckend (wenn auch
nicht sehr überraschend) genug.
Kulinarische Grüße
Birgit
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Goccus - der Genießertempel
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