Marc Haber <
mh+usene...@zugschl.us> schrieb:
> Hallo,
>
> ein Bauträger bietet ein schlüsselfertiges (Achtung, ggf. OffT) Haus
> mit Sole-Wasser-Wärmepumpe über eine Fußbodenheizung an. Dabei ist
> keine raumindividuelle Wärmeregelung vorgesehen; statt dessen hat man
> vor, das Verhältnis der Raumtemperaturen mit fest eingestellten
> Ventilen in den Verteilern einzustellen.
Dass diese Bauweise nicht mit den Vorschriften der aktuellen EnEV zu
vereinbaren ist, wurde ja schon geschrieben.
Ma könnte argumentieren: Eine FBH ist sowieso so träge im Regelverhalten,
dass eine Einzelraumregelung, so wie sie mutmaßlich von den späteren
Nutzern eingesetzt würde, überflüssig bis kontraproduktiv ist.
Teilweise würde ich einer solchen Argumentation sogar zustimmen, gerade
bei Kombination mit Wärmepumpe und entsprechend niedrigen
Systemtemperaturen. Aber:
> Mir scheint dieses Verfahren ziemlich sparsam und ohne Rücksicht auf
> den Wohnkomfort, denn es gibt ja nun Räume wie z.B. das Schlafzimmer,
> in denen man für unterschiedliche Nutzungsformen unterschiedliche
> Temperaturen haben möchte.
Genau das.
Der Nutzer soll doch wenigstens die Möglichkeit haben, seine
Wunschtemperatur für jeden Raum einzeln zu wählen, statt auf die
Vorgabe des Heizungsbauers angewiesen zu sein.
> Auf diese Sparsamkeit angesprochen, erhielt ich die Antwort, dass
> moderne Heizungsanlagen alle so arbeiten würden ("Bullshit, das habe
> ich bei anderen Bauträgern auch schon anders gesehen"),
In den 1970er bis 90er Jahre wurden FBHs so gebaut.
> und dass die
> Anlage eine gewissen Mindestdurchfluß benötigen würde, da sie sonst
> kaputt (!) ginge,
Das ist durchaus möglich, wäre dann aber ein Konstruktionsfehler, den
der Ersteller der Anlage zu verantworten hätte.
Mir ist kein Wärmepumpenhersteller bekannt, der nicht dringend den
Betrieb über einen Pufferspeicher empfiehlt, u.a. um lange Laufzeiten
der WP zu erreichen bzw. Taktbetrieb zu vermeiden und um ggf.
Sperrzeiten des WP-Stroms zu überbrücken. Schon mit diesem
Pufferspeicher wäre das Argument des Mindestdurchflusses hinfällig.
Wenn aus Kostengründen unbedingt auf den Pufferspeicher verzichtet
werden muss, kann auf ein Überströmventile oder hydraulische Weiche
zurückgegriffen werden, um einen Mindestdurchfluss zu garantieren.
> und man somit ausschließen möchte, dass alle Ventile
> zugedreht werden. Man könne maximal ein oder zwei Räume abschalten.
>
> Aus welcher Motivation außer "billig um jeden Preis" baut man sowas?
Man baut es tunlichst nicht. Jedenfalls nicht, wenn man vorhat, mit
seiner Firma mehrere Baustellen und deren Gewährleistungszeiträume zu
überdauern.
Für einen Bauherren gibt es daher nur einen Ratschlag: Man mache einen
großen Bogen und halte Abstand von solchen vermeintlich preiswerten
Angeboten.
> Lässt sich eine so gebaute Anlage zu einem späteren Zeitpunkt auf eine
> etwas komfortablere Lösung umbauen oder werden hier unwiderruflich
> Weichen gestellt?
Es gibt natürlich die Möglichkeit, mit Leerrohren eine spätere
kabelgebundene Einzelraumregelung vorzubereiten. Honeywell / Centra hat
afaik auch eine Funklösung im Programm, bei der die Raumregler
batteriebetrieben und per Funk an die Zentrale angebunden sind. Da
benötigt man dann nur beim FBH-Verteiler einen 230V~ Netzanschluss.
--
____________
/schüüüüüüüß Martin Kienaß, Hamburg
Früher war mehr Lametta!