Ihn kann ich nicht mehr fragen, er gaertnert jetzt sicher im Garten
Eden...
Kennt vielleicht jemand von den irdischen Gaertnern diesen "Trick"?
Peter.
Es ist ein Desinfektionsmittel. Ich habe es mal gegen Schimmel bei
Kakteensamen eingesetzt.
Bye,
Robert
Peter Langmesser schrieb:
Es handelt sich um Tabletten aus denen man eine Desinfektionslösung
herstellen kann. Gibt es für ein paar Pfenning in der Apotheke gegen
Wundliegen und Fußpilze. Inhaltstoffe sind Schwefelverbindungen
(Sulfate). Wirkt gegen Bakterien und Pilze. Einsatz vor allem zum ersten
Gießen der Aussaaterde und später evtl. Einsprühen der Jungpflanzen wenn
wegen der Treibhausluft Pilzbefall droht. Bei selbstgeernteten oder
getauschten Samen weiche ich die auch immer ein paar Stunden in der
Lösung ein - seit dem hab ich kaum noch Probleme mit der
Umfallkrankheit.
Grüße
Mike
Michael Mayer schrieb:
> Peter Langmesser schrieb: [...]
> > ein Bekannter von mir hat bei seiner Jungpflanzenanzucht stets auch
> > "Chinosol" (Chininpraeparat?) verwendet.[...]
> > Kennt vielleicht jemand von den irdischen Gaertnern diesen "Trick"?
>
> Es handelt sich um Tabletten aus denen man eine Desinfektionslösung
> herstellen kann. Gibt es für ein paar Pfenning in der Apotheke gegen
> Wundliegen und Fußpilze. Inhaltstoffe sind Schwefelverbindungen
> (Sulfate).
Im Prinzip hast Du zwar recht (Chinolinolsulfat und
Kaliumsulfat); der Wirkstoff ist jedoch genau genommen das
Chinolinol, dessen Sulfatsalz hier wohl wg. der Löslichkeit
genommen wurde. Chinolinol (8-Hydroxychinolin) ist aber
nicht zu verwechseln mit Chinin (siehe ? von P. Langmesser
oben).
> Wirkt gegen Bakterien und Pilze. Einsatz vor allem zum ersten
> Gießen der Aussaaterde und später evtl. Einsprühen der Jungpflanzen wenn
> wegen der Treibhausluft Pilzbefall droht.
Wie sieht`s mit der Dosierung bzw. Verdünnung aus? Für die
'humanen' Anwendungen stellt man 1:2000 bis 1:1000 Lösungen
her.
Heiner
Prima, jetzt weiss ich Bescheid. Wird demnaechst auch angewendet. Aber
neue Frage(n):
Kuerzlich war in dieser NG beklagt worden, dass die Ertraege in den
"Ost-Gaerten" (n-i-c-h-t: Obstgaerten!) stark ruecklaeufig seien.
Erinnerung: jemand fehrte das auf sauberere Luft (weniger Schwefel drin)
zurueck.
Und ganz hinten in den grauen Zellen geistert eine irgendwo
aufgeschnappte Randbemerkung herum, dass Lava-Erde sehr fruchtbar sei.
Lava - Vulkan - speit "Feuer und Schwefel", jedenfalls die meisten
wohl...
Wird der Schwefel also nicht nur desinfizieren sondern evtl. auch
nahrhaft sein?
fragt
Peter,
"Heiner F. A. Harder" schrieb:
>
>
> Im Prinzip hast Du zwar recht (Chinolinolsulfat und
> Kaliumsulfat); der Wirkstoff ist jedoch genau genommen das
> Chinolinol, dessen Sulfatsalz hier wohl wg. der Löslichkeit
Und was ist Chinolinol ??
> Wie sieht`s mit der Dosierung bzw. Verdünnung aus? Für die
> 'humanen' Anwendungen stellt man 1:2000 bis 1:1000 Lösungen
> her.
>
genauso 1 Tablette (1g) auf 2 l Wasser
Grüße
Mike
Schwefel ist auf jeden Fall in einigen Aminosäuren (Eiweißbausteinen)
enthalten.
Grüße,
Anke
Hat Heiner doch geschrieben: 8-Hydroxychinolin, also Chinolin, das in
Position 8 eine Hydroxy-Gruppe trägt. (Die Zählung beginnt am
heterocyclischen Stickstoff.) Chinolin könnte man auch als
1-Azanaphthalin bezeichnen.
Gruß
G.W.
--
G. Wolmershaeuser
wolm...@chemie.uni-kl.de
G Wolmershaeuser schrieb:
>
> Michael Mayer schrieb:
> >
> > Und was ist Chinolinol ??
>
> Hat Heiner doch geschrieben: 8-Hydroxychinolin, also Chinolin, das in
> Position 8 eine Hydroxy-Gruppe trägt. (Die Zählung beginnt am
> heterocyclischen Stickstoff.) Chinolin könnte man auch als
> 1-Azanaphthalin bezeichnen.
Auweia - noch 5 Begriffe die mir nichts sagen ;-((
Ok. Gute Antwort auf eine schlechte Frage. Ich versuchs nochmal:
Ich bin kein Chemiker und Chinolin sagt mir gar nichts. Kommt es in der
Natur vor oder ist es ein Kunststoff wie PVC. Wie wirkt es gegen was und
auf welche Art? Oder kann man das ohne Chemiestudium nicht verstehen -
dann nehm ich es halt einfach weiterhin weil es ein anscheinend
funktionierender Tip aus einer englichen Zeitschrift war. Aber
eigentlich weiß ich auch ganz gerne warum etwas funktioniert.
Neugierig.
Mike
Hallo Michael,
ich zitiere einfach mal aus dem "Römpp"
8-Chinolinol (8-Hydroxychinolin),
C9H7NO, MR 145,16. Farblose Krist. od. Kristallpulver, Schmp. 76°C,
Sdp. 267°C, in Wasser u. Ether schwer lösl., lösl. in Alkohol, Aceton,
Chloroform, Benzol, wäss. Mineralsäuren. C., auch bekannt unter dem
Namen Oxin, wird seit 1927 als quant. Reagenz zur Bestimmung von Al,
Mg, Bi, Cd, Th, Ti, Zn usw. verwendet; ................In Form seines
wasserlösl. Sulfats (8-Chinolinol-sulfat, bekanntestes Wz.: Chinosol)
wird C. als Rachendesinfiziens u. als Fungizid im Weinbau eingesetzt.
Vom C. leiten sich eine Reihe von pharmakolog. aktiven, in der Tab.
aufgeführte Verb. (Hydroxychinoline) ab. Präp. mit Clioquinol od.
Broxychinolin werden seit 1970 für das Auftreten einer SMON genannten
Erkrankung (subacute myelo-optic neuropathy) in Japan verantwortlich
gemacht.
Lit.: Arzneimittelchemie III, 159–163 ï Beilstein E V 21/3, 252 ff. ï
Hager (5.) 7, 841 ï Kirk-Othmer (3.) 11, 705 f.; 19, 550–553 ï Some
Miscellaneous Pharmaceutical Substances (IARC Monogr. 13), Lyon: IARC
1977 ï Ullmann (4.) 9, 277 ff., 312; 13, 193.
CAS 148-24-3
Quelle: Römpp Lexikon Chemie – Version 2.0, Stuttgart/New York: Georg
Thieme Verlag 1999
-------------------------------------------------------------
Zitat Ende
Die Substanz selbst kommt als Grundkörper m.W. so nicht in der Natur
vor. Über den Wirkungsmechanismus müsste man wohl einen Toxikologen
befragen. Dazu kann ich leider keine Auskunft geben. Chinolin ist aber
ein wichtiges Strukturelement der Chinolin-Alkaloide.
Ich zitiere wieder aus dem "Römpp"
Chinolin-Alkaloide
Sammelbez. für ca. 200 Alkaloide mit dem Grundgerüst des Chinolins,
das durch Hydrierung od. Ankondensation weiterer Ringe verändert sein
kann. Hierzu sind bes. die therapeut. wichtigen China-Alkaloide
(Cinchona-Alkaloide) Chinin u. Chinidin, aber auch Cinchonin u.
Cinchonidin, einige Furochinolin-Alkaloide u. Acridin-Alkaloide u. im
weitesten Sinne auch die Alkaloide der Brechnuß, Strychnin u. Brucin,
die ein hydriertes Chinolin-Syst. besitzen, zu zählen. C.-A. kommen in
Mikroorganismen, Pflanzen u. Tieren vor, in Pflanzen hauptsächlich in
Rutaceae u. Rubiaceae (Rauten- u. Rötegewächse). C.-A. kommen auch in
Käfern u. Schwämmen vor, u. a. mit bitterer, antisept., convulsiver
u. antineoplast. Wirkung. Chinolin ist auch Teilstruktur im
Redoxfaktor PQQ (= Pyrrolochinolinchinon) in den Chinoenzymen, s. Lit.
. Auch das 1-(2-Chinolinyl)-b-carbolin (Nitramarin), C20H13N3, MR
295,34, aus dem Jochblattgewächs Nitraria zählt zur Reihe der C.-A.,
es zeigt schlaffördernde Eigenschaften im Tierversuch .
Biosynth.: Bei Pflanzen kann das Chinolin-Syst. biogenet. auf
verschiedenen Wegen entstehen (biochem. Konvergenz). Bei
China-Alkaloiden fungiert Tryptophan als Vorstufe, während einfache
Chinoline, Furochinoline u. Acridine aus Aminobenzoesäure entstehen.
Der zweite Biosynthesepartner ist häufig ein Hemiterpen (für
Furochinoline) bzw. ein iridoides Monoterpen (Secologanin) bei
Cinchona-Alkaloiden.
Lit.: 1 Alkaloids 1, 33 (1983). 2 J. Am. Chem. Soc. 110, 4856 (1988).
3 Annu. Rev. Biochem. 63, 299–344 (1994). 4 Chem. Pharm. Bull. 35,
2261 (1987).
allg.: Alkaloids (London) 12, 84–93 (1982); 13, 99–121 (1983) ï Manske
32, 341 ï Nat. Prod. Rep. 1, 195–200 (1984); 2, 393–400 (1985) ï
Teuscher u. Lindequist, Biogene Gifte, S. 428–433, Stuttgart: G.
Fischer 1994 ï Ullmann (5.) A 1, 366.
CAS 95360-17-1 (Nitramarin)
Quelle: Römpp Lexikon Chemie – Version 2.0, Stuttgart/New York: Georg
Thieme Verlag 1999
------------------------------------------------------------------
Zitat Ende
Ich hoffe, Du bist jetzt hinreichend aufgeklärt!?
G Wolmershaeuser schrieb:
>
<ausführliche Erklärung gesnippt>
Danke Dir. Jetzt hab ich zumindest eine Vorstellung was Chinolin ist.
Grüße
Mike
snip
> ich zitiere einfach mal aus dem "Römpp"
>
ca 60 (!) Zeilen gesnipt
>
> Ich hoffe, Du bist jetzt hinreichend aufgeklärt!?
> Gruß
> G.W.
Zwar war diese Heidenarbeit auf eine Frage von "Michael"
zurueckzufuehren, dem die Fleissarbeit in erster linie gewidmet war,
aber als der eigentlich Ausloeser der Chinosol-Eroerterungen moechte ich
n u r sagen:
Danke.
MvG
Peter Langmesser