Hallo allerseits,
mal keine Frage, sondern ein Plausch aus der Schule. Da jetzt gerade
keine Saison ist, hat sich ein wohlbeleumundeter Spezialgärtner mit mir
auf ein E-Mail-Gespräch eingelassen, das ich auch hier wiedergeben darf,
allerdings anonymisiert. Ich hatte ihn extra drum gebeten, weil es mir
wirklich die Sprache verschlagen hat, was für Leute nicht nur rumlaufen,
sondern auch Pflanzen kaufen und sich dann über die Effekte wundern. Ich
hab mal in Klammern gesetzt, wo ich die Nachverfolgbarkeit verhindert habe:
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Es ist teilweise wirklich absurd nach welchen Kriterien bestellt wird.
Sie müssen davon ausgehen dass Texte nur in Ausnahmefällen gelesen
werden und in der Regel das Bild den Kauf auslöst. Die häufigste
Begründung warum tropische [Pflanzen] zurückgeschickt werden ist die,
dass nirgends darüber informiert worden sei dass es sich um eine
tropische [Pflanze] handle (oder die Variante, dass nicht klar gewesen
sei, dass tropische [Pflanzen] nicht winterhart sind). Um tropische
[Pflanzen] zu bestellen muss man sich im Shop in die Rubrik `Tropische
[Pflanzen]` begeben, und dort steht dann bei jeder einzelnen Sorte im
Titel `Tropische [Pflanzen]` dabei. Im Infoteil der Seite ist die
längste und ausführlichste Kulturanleitung zu finden, die es auf Deutsch
im Internet gibt. Aber trotzdem sind manche Kunden dann überrascht, dass
man diese Pflanzen nicht dauerhaft im Freiland (und am besten noch
[kalt] und Schatten) halten kann. Selbst ausführliche Beratung hilft da
nicht immer. Auf einem Pflanzenmarkt hatte ich einmal tropische
[Pflanzen]blüten dabei, richtig große Exemplare mit 20 cm Durchmesser.
Zwei Damen fragten mich sicher eine halbe Stunde darüber aus und
bestellten dann ein blaue tropische [Pflanze]. Ich erhielt sie
postwendend zurück. Begründung: sie sei viel zu groß für die Salatschale
in der sie auf dem Terrassentisch gehalten werden sollte. Wie soll denn
eine Pflanze mit diesem Blütendurchmesser [...] in eine Salatschale passen?
Sie schreiben Sie kämen nicht auf die Idee lebende Ware zurückgehen zu
lassen. Da sind wir vermutlich beim Kern des Problems. Immer mehr
Menschen betrachten Pflanzen nicht als Lebewesen, der Gedanke befremdet
sie sogar. Wenn ich Vorträge halte, dann bin ich mit dieser Tatsache oft
konfrontiert. Die Leute lachen wenn ich Pflanzen als Lebewesen
bezeichne, weil sie denken ich mache einen Witz. So eine Reaktion erlebe
ich selbst wenn ich vor Gartenbauvereinen referiere. Zunehmend werden
Pflanzen heute als Dekorationsartikel betrachtet. Man hat da hohe
Ansprüche an die Pflanzen: sie sollen immer schön sein, und wenn sie
ihren Zweck erfüllt haben, dann wirft man sie weg. Dass die Pflanzen
ihrerseits Ansprüche haben könnten kommt nicht in den Sinn. Ich habe
sogar schon einmal einen regelrechten Wutausbruch erlebt weil ich
erklärte dass man nicht jede Pflanze überall halten kann und man sich
nach ihren Bedürfnissen richten muss. Einmal wurde eine winterharte
[Pflanze] zurück geschickt weil sie nicht richtig funktionierte. Ihre
Blüten verwelkten einfach immer nach ein paar Tagen. Der Kunde hatte
erwartet dass eine einmal geöffnete Blüte für Zeit und Ewigkeit blühen
würde. Ein anderer Kunde verfiel in Panik als alle seine teuer
erworbenen Pflanzen Ende Oktober unansehnlich wurden. Das Phänomen
Herbst war ihm bis dahin unbekannt gewesen. Das tönt alles recht lustig,
aber wir haben damit täglich zu tun und dann wird es frustrierend. Je
bekannter unsere Gärtnerei wird, desto mehr solche Kunden verirren sich
auf unsere Internetseite. Solange wir ein Geheimtipp unter
Pflanzenfreunden waren sah die Sache anders aus. Das traurige daran ist,
dass die Pflanzenliebhaber jetzt die Kosten mittragen müssen, die durch
die Ignoranten erst entstehen. Ausgerechnet die besonders raren und
schwierigen Pflanzen werden von dieser Gruppe besonders gern bestellt.
Eine Lösung für dieses Problem habe ich leider nicht parat.
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Ist das nicht zum Heulen? Zumindest ich werde an diese Mitteilung jetzt
immer denken, wenn ich glaube, dass hier jemand fragt, der sich zu wenig
Gedanken macht. Angesichts des Trauerspiels oben müsste man jedem
dankbar sein, der eine gewisse Bereitschaft zeigt, sein Hirn
anzuschalten. Denn diese Bereitschaft scheint ja nicht
selbstverständlich zu sein.
Bleiben wir stark!
Ina
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Es wächst!
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Der Vorgarten bei Steinmetzens:
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