Am 30.04.2013 19:17, schrieb Frank Kemper:
> Daniel Mueller <nos...@is.invalid> wrote:
>
>> Wie häufig "muss" eine digitale Kamera denn auf den neuesten Stand
>> gebracht werden, damit der Fotofreund glücklich ist und mit besten
>> Ergebnissen leben kann?
>
> Das kommt sehr auf den Fotofreund an. Grundsätzlich funktioniert eine DSLR
> immer auf dem Niveau, das sie hatte, als man sie gekauft hat.
Es gibt da einen fundamentalen Unterschied: Eine brauchbare
"Analog-"Kamera war ein mehr oder weniger perfektes Werkzeug, von dem
das Bildaufnahmemedium (der "Film") unabhängig war. Man konnte
verschiedene Filmsorten einlegen (Farbe, Negativ, Dia, Infrarot ...) und
im Laufe der Jahrzehnte neu erscheinende Filmtypen ausprobieren, ohne
sich dadurch besondere Kosten aufzubürden.
Heute sind eine Kamera und ihr Sensor fest miteinander verheiratet. Der
Sensor "kann" im Ergebnis heute mehr als (ein bestimmter) Film,
vielleicht nicht alles, was Filme konnten, aber das meiste längst besser.
Umgekehrt: Wenn ich Repros von mehr oder weniger großen Vorlagen für
einen bestimmten Zweck mache, lasse ich die EOS 400D im Reprogestell,
deren Auflösung uns sonstige Fähigkeiten sind völlig ausreichend. Wäre
die 300D nicht kaputtgegangen, würde auch sie oft noch ausreichen.
Eine "Vollformat" habe ich mir aus verschiedenen Gründen zugelegt: Wegen
der gestalterischen Möglichkeiten, die das größere Format bietet,
besserer Rauschwerte bei höheren ISO usw. Da will ich aber auch
weiterhin nicht alle paar Jahre hinter jeder Neuerung herrennen,
sondern, soweit ich kann, lieber noch in die Erweiterung des
Objektivparks investieren. Noch mehr Pixel brauche ich bestimmt nicht
(dann müsste ich wirklich endgültig den restlichen Computerpark
aufrüsten), noch bessere Rauschwerte könnte man manchmal brauchen, muss
ich aber nicht unbedingt gleich haben, nur weil es das inzwischen
vielleicht gibt.
Den Wechsel von Analog zu Digital bereue ich aber nicht: Ich kann jetzt
/alles/ selbst machen, auch "Farbentwicklung", ich muss nicht mehr in
einer "Dunkelkammer" sitzen, ich kann am selben Abend Bilder
veröffentlichen usw. usf.
Ich habe sogar eine Zeit lang bei der EOS 5D MKII mit reduzierter
Raw-Auflösung fotografiert, das jetzt allerdings aufgegeben (inzwischen
sind USB-Laufwerke mit mehreren Terabytes erschwinglich, als
Archivspeicher, usw.). Schließlich gibt es aus meiner Sicht ein Niveau,
ab dem das Werkzeug für meine Zwecke "hinreichend" ist und "mehr Pixel,
schnellere Bildfolge, ..." nur Geldausgeben ohne echten Nutzwert für
mich wäre.
Ich habe jetzt Selektivmessung (gab es in den ersten Crop-DSLR noch
nicht oder nur beschränkt), kann manuell zuverlässig messen/belichten,
ein paar Modi voreinstellen, die auf dem Wahlrad liegen - mir reicht
das. Die ganzen Automatiken nutze ich sowieso gar nicht oder nur ganz
selten - ich kann im Prinzip fotografieren wie früher auch.
Derweil sich die Kameraindustrie abzappeln muss, immer irgendwelche
neuen Features zu propagieren, damit sich eben die Amateure gegenseitig
Neid machen und zum Kauf neuer Kameras verleiten können. Aber wozu
brauchen sie diese wirklich?
Es gibt ein paar wenige Features, die ich schon mal in der Hand hatte
und mir wünschen könnte, zum Beispiel ein Klappdisplay (Winkelsucher von
der alten FTb habe ich noch, passt auch an die aktuellen DSLRs, das
hilft in manchen Fällen auch gut, ist halt teils umständlicher, aber
auch wieder authentischer als eine elektronische Bildvorschau oder ein
Sucherplagiat.
Letztlich muss halt jeder für sich selbst herausfinden, was er wirklich
braucht und will, um für sich mit seiner Arbeit (oder seinem Hobby)
zufrieden sein zu können.
> Meine Leica M3 musste nach 30 Jahren zum Justieren von Verschluss und
> Sucher. Für das Geld hätte ich mir heute eine neue DSLR kaufen können. Und
> Analog-Kameras mit Elektronik drin halten nicht länger als DSLRs mit
> Elektronik drin.
>
>> Eine Digitalkamera ist doch schon nach 5 Jahren technisch
>> veraltet.
>
> Das waren Analogkameras auch, als sie noch gebaut wurden. Ich fotografiere
> mit einer Canon EOS20D von 2005. Mehr brauche ich nicht. Es ist alles eine
> Auffassungsfrage.
Ja.
> Niemand will dir die Analogfotografie madig machen, aber du verteidigst
> eine künstlerische Technik mit (falschen) rationalen Argumenten. Das ist,
> als ob du die Aquarellmalerei gegen Acrylfarben verteidigen wolltest mit
> dem Hinweis, dass bei dir die Pinsel billiger sind.