Ich könnte mir vorstellen, daß der eine oder andere
hier das ganze durch eine andere Wahl des Kamerastandpunkts
vermeiden würde, in dem Fall hat der Künstler aber weder
das gemacht, noch das Objekt rausgephotoshoppt.
Fällt euch dazu was ein?
Es geht natürlich um das Mädchen mit dem Schmetterlingsnetz und
das Haus/die Kirche im Hintergrund. Und ja, das Haus/Mädchen/Netz
rechts ist fast die Spiegelung der Frau mit Schirm links davon. Aber
würdet ihr sowas machen, oder lieber noch etwas warten bevor ihr
abdrückt?
Hat sowas außerhalb der "keine Bäume aus dem Kopf wachsen lassen"-
Kultur der Fotografie vielleicht sogar eine Tradition und Bezeichnung?
/ralph XP, fup2 drf
--
http://alltagsbilder.pangea.at <- Neu! Mit Blog in Vorbereitung!
http://www.flickr.com/photos/sooperkuh/
> Ein Objekt im Hintergrund
> verschmilzt beinahe, nur durch die Luftperspektive
> leicht abgemildert mit einem Objekt im Vordergrund.
...
> Es geht natürlich um das Mädchen mit dem Schmetterlingsnetz und
> das Haus/die Kirche im Hintergrund.
Das ist doch farblich sauber getrennt - sehr subtil, aber getrennt. Ich
halte das nebenbei für eine der blödesten Amateur-Regeln, dass Leuten
auf Portraits nichts aus dem Kopf wachsen darf. Vielleicht bin ich der
einzige, der das so sieht, aber der
<http://www.corbijn.co.uk/page_photo_brown.htm> kann die Regel schonmal
nicht kennen ;-). Da gibt's auch noch was von Helmut Newton mit Wim
Wenders drauf, was ich gerade nicht finde.
Gruss,
Wiens.
Wetten dass er sie kennt und verstanden hat!
--
Jödel.
Jedenfalls ist ein Foto die Zukunft des in der Vergangenheit liegenden
Momentes einer Betrachtung, nicht wahr?
Privat: http://www.johannes-leckebusch.de
Fotoseiten: http://www.johannes-leckebusch.de/Fotogalerien/
Schnappschussfotowettbewerb: http://www.foto.ungruen.de/Index.html
Ralph Aichinger schrieb:
> Es geht natürlich um das Mädchen mit dem Schmetterlingsnetz und
> das Haus/die Kirche im Hintergrund.
Das ist doch kein Schmetterlingsnetz, sondern eine Bildstörung. Und das
Mädchen knippst mit einer Kompaktdigi in die Felder. Also eher eine
Frage für d.a.r.d. ;-)
Grüßle, Helmut
> Das ist doch farblich sauber getrennt - sehr subtil, aber getrennt. Ich
> halte das nebenbei f�r eine der bl�desten Amateur-Regeln, dass Leuten
> auf Portraits nichts aus dem Kopf wachsen darf. Vielleicht bin ich der
> einzige, der das so sieht, aber der
> <http://www.corbijn.co.uk/page_photo_brown.htm> kann die Regel schonmal
> nicht kennen ;-). Da gibt's auch noch was von Helmut Newton mit Wim
> Wenders drauf, was ich gerade nicht finde.
Der l�sst aber nicht aus Dusseligkeit irgendetwas aus anderer Leute Kopf
wachsen, sondern bei den Bildern wurde das mit Sicherheit ganz gezielt so
aufgenommen. Gerade beim Wegestern und dem gro�en Rad. Bei letzterem sagt
er das auch ganz deutlich: "Shot for Esquire (USA) this is Nic at his home
in front of a metal sculpture and I used it to centre his head in the
shot.".
Tobi
Ja, klar. Und das war ja auch meine Frage: Der Spitzweg hat ja auch nicht
versehentlich ein Haus genau hinter den Kopf gemalt (oder doch?).
Warum?
/ralph
Er hätte das Haus ja wo anders hinmalen können - der Maler hat da
ungeahnte Freiheiten!
Ich argwöhne aber, dass die Wiedergabe des Bildes zu schlecht ist, um zu
beurteilen, wie klar sich das Mädchen vom Hintergrund abhebt. Links ist
eine weitere kleine Person (noch ein Mädchen), deren Kopf auch unter den
Horizont taucht.
Und hinter dem Mann scheint noch eine Figur zu sein, ein Kleinkind, das
fast ganz im Getreide oder den trockenen Grashalmen untertaucht.
Vielleicht wollte er die unterschiedlichen Körpergrößen betonen.
>Tobias Meyer <alle_mails_hierher...@nurfuerspam.de> wrote:
>> Der l�sst aber nicht aus Dusseligkeit irgendetwas aus anderer Leute Kopf
>> wachsen, sondern bei den Bildern wurde das mit Sicherheit ganz gezielt so
>> aufgenommen. Gerade beim Wegestern und dem gro�en Rad. Bei letzterem sagt
>
>Ja, klar. Und das war ja auch meine Frage: Der Spitzweg hat ja auch nicht
>versehentlich ein Haus genau hinter den Kopf gemalt (oder doch?).
>
>Warum?
Weil er es konnte? 8-)
Was er da f�r eine Landschaft im Kopf hatte, weiss der Geier.
Vierlleicht hat er da sein Elternhaus mit rein gemalt oder das vom
Auftraggeber. Kann auch sein, da0 es eine Kirche sein soll (ist ja so
ein Aufbau vorhanden).
Nun kannst Du anfangen zu interpretieren. Das Kind, welches ganz
hinten, in der N�he dieses Geb�udes ist, ist als einzige Person
unbeschwert. Der Rest der Famile wandert im G�nsemarsch dem dicken
Vater hinterher und sieht nicht vergn�gt aus.
Fangen wir mal an ein wenig rumzuspinnen:
Der dicke Vater mit Sicherheit ein Gesch�ftsmann, steht f�r das
Kapital, die Industrialisierung. Ihm trotten fast alle m�hsam
hinterher, nur die Person, die etwas weiter von ihm weg ist, in der
N�he der Kirche hat eine Unbeschwertheit, kindliche Naivit�t.
Oder Du interpretierst es autobiografisch, alle trotten dem
vorbestimmten Weg des Vaters hinterher, nur er tollt in der Welt herum
und versucht die Muse zu fangen.
> Fällt euch dazu was ein?
Wenn man die Koepfe der Erwachsenen und die der Kinder verbindet und
eine Linie zeichnet, dann ist die Kirche zusammen mit dem Horizont (der
fast waagerecht ist) der Schnittpunkt.
Da entsteht eine Gegenbeqegung zur Gangrichtung der Gesellscahft, ich
glaube darum geht es - Gegensaetze zu schaffen, eine eigentlich
belanglose und zwar romantische, aber 1000 mal gesehene Situation
rueberretten ins gesehen werden. Spannung erzeugen auf subtilke art u nd
weise.
Goldener Schnitt?
Tatsaechlich ist es ja keine Fotografie, es duerfte also alles dort wohl
komponiert sein. Vielleicht war es ja auch nur eine Uebung von Carl ;)
und fuer ihn voellig belanglos.
Beste Gruesse
Thomas
Interessant - hatte ich noch nicht bemerkt.
Sowas m�sste man mal als Fotograf hinzukriegen versuchen {;-))
--
J�del.
>Ralph Aichinger <ra...@pangea.at> schrieb:
>
>>Hat sowas au�erhalb der "keine B�ume aus dem Kopf wachsen lassen"-
>>Kultur der Fotografie vielleicht sogar eine Tradition und Bezeichnung?
>
>Diese gew�hnungsbed�rftige Vorstellung von "w�chst was aus Kopf" ist
>ja wohl nur in DRF und in xt-klassigen Leerb�chern (sic) ein Thema.
AUA!
>Spitzweg und seine Kollegen haben ganz einfach die Betrachter f�r
>f�hig gehalten, zwischen der Person (z.B.) u. dem Hintergrund zu
>unterscheiden,
Was vielleicht daran liegt, da� er auch mit Farbperspektive gearbeitet
hat?
>Am 30.12.2009 18:17, schrieb Thomas Krenzel:
>> Ralph Aichinger schrieb:
>>
>>> Fällt euch dazu was ein?
>>
>> Wenn man die Koepfe der Erwachsenen und die der Kinder verbindet und
>> eine Linie zeichnet, dann ist die Kirche zusammen mit dem Horizont (der
>> fast waagerecht ist) der Schnittpunkt.
>
>Interessant - hatte ich noch nicht bemerkt.
>
>Sowas m�sste man mal als Fotograf hinzukriegen versuchen {;-))
Kompositionslehre f�r Anf�nger...
Weiss nicht ob ich jetzt lachen oder weinen soll...
> Ein Objekt im Hintergrund verschmilzt beinahe, nur durch die
> Luftperspektive leicht abgemildert mit einem Objekt im Vordergrund.
Auf diese Weise erh�lt der Junge (!) mit dem Schmetterlingsnetz ungef�hr
dasselbe Gewicht wie die �brigen Personen. So wird auch die Magd als
gr��te Figur der hinteren Gruppe nicht durch ihre schiere Gr��e
aufgewertet, denn sie w�re sonst die Spitze einer Pyramide.
Dem kann mit Recht entgegengehalten werden, dass vom Nesth�kchen �berhaupt
nur der Hut zu sehen ist. Das dient jedoch wohl der Verniedlichung, denn es
ist eine witzige Karikatur.
> Hat sowas au�erhalb der "keine B�ume aus dem Kopf wachsen lassen"- Kultur
> der Fotografie vielleicht sogar eine Tradition und Bezeichnung?
Nach meiner Kenntnis nicht. Jedenfalls gehe ich davon aus, dass Du jetzt
nicht den Oberbegriff Komposition h�ren m�chtest.
--
Tsch�s!
Arnulf
Ja. Ich lese jetzt schon dutzende wichtige Interpretationen und etwas von
'Kompositionslehre' - warum das wohl ...lehre und nicht ...wissenschaft heißt?
Carl Spitzweg war vermutlich ein nicht ganz erfolgloser Künstler, weshalb
man seine Werke heute noch kennt. Er hat sich wahrscheinlich für die
Interessen, Anschauungen und Erwartungen seiner Kunden interessiert und in
seinen Bildern verarbeitet.
Die Kunden haben's gekauft und heute versuchen schlaue Leute iregnd eine
Systematik hineinzuinterpretieren, die losgelöst von der Zeit und den
wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmnbedingungen ist.
Mit anderen Worten: Vergiß es und freu Dich an einem schönen Bild.
>
>Carl Spitzweg war vermutlich ein nicht ganz erfolgloser K�nstler, weshalb
>man seine Werke heute noch kennt. Er hat sich wahrscheinlich f�r die
>Interessen, Anschauungen und Erwartungen seiner Kunden interessiert und in
>seinen Bildern verarbeitet.
Komische Schlussfolgerung. Zum Einen, weil der eine oder andere zu
seienr Zeit g�nzlich erfolglose K�nstler heute ganz gro� ist, zum
Anderern, weil Spitzweg offensichtlich aus einer gutsituierten Familie
kam und es nicht unbedingt so n�tig hatte, seine Bilder zu verkaufen,
wie es andere hatten.
Es �ndert aber nix daran, da� er wohl um die 400 Bilder zu Lebzeiten
verkauft haben soll, was man durchaus als erfolgreich bezeichnen kann.
Da er seine Bilder doch eher ironisch, teils bissig gestaltet hat,
w�rde ich aber kaum sagen, da� er dem Publikum nach dem Maul geschaut
hat.
Weder noch. Nimm einfach hin, dass nicht jeder eine k�nstlerische
Ausbildung hat und selbst die Begabung recht ungleichm��ig verteilt ist.
Gr��e aus dem Saaletal
Christian
--
http://christian.hat-gar-keine-homepage.de/
Danke, das ergibt Sinn! Das Haus/die Kirche als Gegengewicht, damit die
Reihe oben zu der unten paßt.
/ralph
Ah, stimmt, damals hätte ein Mädchen keine Hosen angehabt. Ich habe
von der Frisur auf Mädchen geschlossen.
> dasselbe Gewicht wie die übrigen Personen. So wird auch die Magd als
> größte Figur der hinteren Gruppe nicht durch ihre schiere Größe
> aufgewertet, denn sie wäre sonst die Spitze einer Pyramide.
Ja, das ergibt absolut Sinn. Danke!
> Dem kann mit Recht entgegengehalten werden, dass vom Nesthäkchen überhaupt
> nur der Hut zu sehen ist. Das dient jedoch wohl der Verniedlichung, denn es
> ist eine witzige Karikatur.
>
>> Hat sowas außerhalb der "keine Bäume aus dem Kopf wachsen lassen"- Kultur
>> der Fotografie vielleicht sogar eine Tradition und Bezeichnung?
>
> Nach meiner Kenntnis nicht. Jedenfalls gehe ich davon aus, dass Du jetzt
> nicht den Oberbegriff Komposition hören möchtest.
Nein, nein, den kenne ich schon ;)
/ralph
> Ah, stimmt, damals h�tte ein M�dchen keine Hosen angehabt.
Zugegeben, in dem in Deinem OP angegebenen Link war das kaum
unterscheidbar. Ich belauerte nat�rlich eine deutlichere Abbildung.
>> So wird auch die Magd als gr��te Figur der hinteren Gruppe nicht durch
>> ihre schiere Gr��e aufgewertet, denn sie w�re sonst die Spitze einer
>> Pyramide.
Nachtrag: Dass es die Magd ist, schlie�e ich einfach aus ihrer schlichteren
Kleidung (z.B. Kragen). Mit etwas M�he k�nnte es auch die �lteste
Schwester sein, aber dann m�ssten Mama und Papa schon seeehr fr�h
angefangen haben - einmal probiert, gleich gekonnt. Das ist zwar auch um
diese Zeit nicht auszuschlie�en, aber in einer Karikatur der
(Spie�-)B�rgerlichkeit des Biedermeier fehl am Platze. Die war auch ohne
dunkle Punkte in der Vita schon l�cherlich genug.
Zu schaffen macht mir noch immer der modische Hut, wo ein Kopftuch zu
erwarten gewesen w�re. Der d�rfte aber auch bei einer Magd zum
Sonntagsstaat gez�hlt haben, zumal er deutlich schlichter ist als
derjenige der Frau Mutter. Ungef�hr zeitgen�ssische Kopft�cher kenne ich
auch eher aus realistischen Gem�lden, in denen die soziale Situation Thema
ist. Die Magd tr�gt auch den Picknickkorb, was wohl alle Zweifel
beseitigt.
Aber das geht v�llig an Deinem rein kompositorischen Anliegen vorbei. SCNR.
--
Tsch�s!
Arnulf
> Ich halte das nebenbei für eine der blödesten Amateur-Regeln, dass
> Leuten auf Portraits nichts aus dem Kopf wachsen darf. Vielleicht bin
> ich der einzige, der das so sieht, aber der
> <http://www.corbijn.co.uk/page_photo_brown.htm> kann die Regel
> schonmal nicht kennen ;-). Da gibt's auch noch was von Helmut Newton
> mit Wim Wenders drauf, was ich gerade nicht finde.
Kennt er, ganz bestimmt. Und weil er sie so gut kennt, weiß er auch,
wann er dagegen verstossen kann und wofür.
Wer die Regel aber für eine blöde Amateur-Regel hält, wird das wohl
nicht nachvollziehen können.
Gruß
Thomas
So pauschal ist das ja auch falsch. Man wendet Gestaltung zur
Verbesserung der Bildwirkung und Verdeutlichung der Bildaussage an, und
nicht, weil man das so *normalerweise* macht.
> Ich könnte mir vorstellen, daß der eine oder andere
> hier das ganze durch eine andere Wahl des Kamerastandpunkts
> vermeiden würde, in dem Fall hat der Künstler aber weder
> das gemacht, noch das Objekt rausgephotoshoppt.
>
> http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/b/bb/Carl_Spitzweg_036.jpg/736px-Carl_Spitzweg_036.jpg
>
> Fällt euch dazu was ein?
Er verbindet daduch Vorder-Mittelgrund mit dem Hintergrund, unterstützt
durch die gedachte Linie der Personen.
Nichts außergwöhnliches, nur halt mit Hinblick auf die gewollte
Bildwirkung gut angewendet.
Gruß
Thomas
> Ja, klar. Und das war ja auch meine Frage: Der Spitzweg hat ja auch nicht
> versehentlich ein Haus genau hinter den Kopf gemalt (oder doch?).
Mit ein bisschen Gefühl für das ganze Bild sollte man doch eigentlich
sehen können, dass es garnicht schlimm ist, dass da ein Haus hinter dem
Kopf ist - weil es garnicht stört. Das farbliche Gesamtkonzept des
Bildes ist, dass nur pastellige Töne vorkommen und der Gesamtkontrast
gering ist. Damit ist die Tontrennung, die zwischen einem grauen Haus
und einem farbigen Mädchen erreicht wird, völlig ausreichend.
Gruss,
Wiens.
> Der l�sst aber nicht aus Dusseligkeit irgendetwas aus anderer Leute Kopf
> wachsen, sondern bei den Bildern wurde das mit Sicherheit ganz gezielt so
> aufgenommen.
Das war ja auch so gemeint ;-)
Gruss,
Wiens.
wir haben das Bild mal ins Bildbearbeitungsprogramm geladen und das
Gebäude wegretuschiert.
Fazit:
Das Bild verliert an Tiefe und die Aussage: Spaziergang am
Sonntagnachmittag ist für uns weg, weil das Heim der Familie nicht
mehr zu sehen ist. Aus dem "auf dem Dorf" wird "auf dem Feld".
Das Schmetterlingsnetz hebt sich auch nicht mehr so vom Hintergrund
ab.
In der Komposition befindet sich auf einer Achse sowohl eine
horizontal, wie auch vertikal leicht gebogene Linie, die im Haus eine
Fortsetzung finden.
>Hat sowas außerhalb der "keine Bäume aus dem Kopf wachsen lassen"-
>Kultur der Fotografie vielleicht sogar eine Tradition und Bezeichnung?
In der NG offensichtlich ja = "Tonne" :-), obwohl wir da nicht
zwangsläufig der Meinung sind, denn 1000x Tonne ergibt mit Sicherheit
ein beachtenswertes Kunstwerk!
Schön das du mal auf eine Malerei geschaut hast - es lassen sich viele
Erkenntnisse transportieren. Besonders, wenn du anfängst dich mit der
Lichtverteilung auf den Kunstwerken zu befassen...
... wir würden uns hier gern mal mehr "Bildanalysen-" und "-
Interpretationen" Wünschen!
LG
vom Zappa und dem kleinen Tiger (... würd süch och jern mal in Öl
jemalt müt rüsügem Schnurrbar sehn!)
Ralph Aichinger schrieb:
...[...]...
> http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/b/bb/Carl_Spitzweg_036.jpg/736px-Carl_Spitzweg_036.jpg
>
> Fᅵllt euch dazu was ein?
Ja. Zuerst mal den Hintergrund des Kᅵnstlers suchen. Und da habe
ich mich an Wikipedia vergriffen. Resultat (ohne Gewᅵhr): Carl
Spitzweg war ein angepasster und hochbegabter Autodidakt. Damit
wird es schwer mit einer Beurteilung, so man nicht selber ein
angepasster, hochbegabter Autodidakt ist. Mir fehlt dazu das
Angepasste. Der Rest ist zwar vorhanden, nutzt aber nix wegen des
einen Mangels. Hier also erst mal die Hausaufgabe:
http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Spitzweg
Da findet man einen Link auf die Commons mit mehr Bildern und
dem gezeigten Bild in hᅵherer Auflᅵsung. Damit wird die Sache
etwas einfacher.
> Es geht natᅵrlich um das Mᅵdchen mit dem Schmetterlingsnetz und
> das Haus/die Kirche im Hintergrund. Und ja, das Haus/Mᅵdchen/Netz
> rechts ist fast die Spiegelung der Frau mit Schirm links davon. Aber
> wᅵrdet ihr sowas machen, oder lieber noch etwas warten bevor ihr
> abdrᅵckt?
Malen und Zeichnen ist anders als Fotografieren. Man erschafft
sich eine virtuelle Realitᅵt, was beim Fotografieren mit Mensch
und/oder Tier viel zu aufwendig ist. Und das Mᅵdchen ist ein
Junge, der taucht in anderen Bildern auch auf, siehe Commons
auf Wikipedia. Das ist vmtl. die Darstellung des kleinen und
unbeschwerten Jungen in Carls Spitzweg. Schmetterlinge ->
Biologie und damit Verbindungsglied zur Botanik, siehe auch
Ausbildung als Apotheker und Studium der Pharmazie, Botanik und
Chemie ... Damit sollte die Figur erklᅵrbar sein?
Das mit der Anordnung wᅵrde ich auf die einfachst-mᅵgliche Art
und Weise erklᅵren. Vmtl. hat er sich einfach die Szene im Kopf
vorgestellt und da war der Junge nun mal vor der Hᅵtte im
Hintergrund. Warum der Junge dann gerade vor der Hᅵtte war?
Mᅵge man die Akten des behandelnden Plyschologen untersuchen
oder die Sache einfach als die freie Entscheidung des Kᅵnstlers
werten. Ich bevorzuge letzteres. Da Carl Spitzweg Autodidakt
war hat er sicherlich eine ungezwungenere Herangehensweise an
die Gestaltung gehabt. Er hat einfach nur die Bildung und ihre
,,selbstzensierende Wᅵrgung'' durch Begabung ersetzt. Da wirst
Du sicher auch einiges an Fotografen finden die das ebenso
handhaben. Dazu braucht man nur etwas technisch-mathematische
Vorbildung und eine kleine Prise Begabung.
MfG
Uwe Borchert
>Am 30.12.2009 18:37, schrieb Gerrit Brodmann:
>> ...
>> Weiss nicht ob ich jetzt lachen oder weinen soll...
>
>Weder noch. Nimm einfach hin, dass nicht jeder eine k�nstlerische
>Ausbildung hat und selbst die Begabung recht ungleichm��ig verteilt ist.
Naja, eigentlich sollte es in jedem halbwegs vern�nftigen Fotobuch
auch mal behandelt werden und selbst im "normalen" Kunstunterricht in
der Schule stehen Kompositionslinien mit auf dem Programm.
Aber bei n�herer Betrachtung der doch recht techniklastigen Gruppe
hast Du insofern Recht, da� es nicht wirklich verwundert.
Wer sich einen kleinen �berblick �ber die Grundlagen verschaffen mag,
der ist mit diesem Buch
http://www.amazon.de/Was-ist-Kunst-Carla-Prette/dp/3704390119/ref=sr_1_3?ie=UTF8&s=books&qid=1262263290&sr=8-3
nicht ganz falsch.
Ein kleiner Querschnitt durch die Kunstgeschichte und Theorie, mit
vielen Beispielabbildungen auf jeder Seite. Dazu auch �fter mit
schematischen Abbildungen der Werke, Komposition oder Perspektivlinien
usw...
Alex Eberl schrieb:
> Aber das war nicht die Antwort auf die Hauptfrage: "warum macht er das
> so?"
> Ich weiᅵ es nicht. Ich habe nicht den genialen Geist des Bildautors
> und kann nur bewundern. Ich entdecke im Bild Einiges und staune.
Die Denkstruktur basiert auf verschiedenen Eigenschaften. Hier
(nach Wikipedia):
* hochbegabt
* angepasst (-> fleiᅵig?)
* Autodidakt (Malen)
* gebildet (Wissenschaft)
Es langt bereits wenn man eine der Eigenschaften nur mangelhaft
aufweist um da nicht mehr mitzukommen. Ich halte es auch nicht
fᅵr so wichtig das zu analysieren. Hauptsache das Bild kommt
beim Betrachter an.
MfG
Uwe Borchert
Thomas Tremmel schrieb:
> Er verbindet daduch Vorder-Mittelgrund mit dem Hintergrund, unterstᅵtzt
> durch die gedachte Linie der Personen.
>
> Nichts auᅵergwᅵhnliches, ...
Doch!
> ... nur halt mit Hinblick auf die gewollte
> Bildwirkung gut angewendet.
Eben! Das es so gut klappt ist schon aussergewᅵhnlich. Jeder der
selbst malt oder zeichnet kann/sollte das IMHO verstehen. Bzgl
der Trennung der einzelnen Objekte sind die Bilder allesamt sehr
gut. Geniale Segmentierung trotz fotorealistischer Darstellung.
IdR tendieren viele Maler und Zeichner dazu das Problem teilweise
zu umgehen. Fotografen auch ...
MfG
Uwe Borchert
Gerrit hat mal wieder den Satz nicht verstanden: Nimm mal eine solche
Gruppe von Leuten, einschlie�lich der kleinen Kinder, gehe in die
Landschaft in so ein Feld mit der Kirche am Horizont und baue alles so
auf, bis sich diese "kompositorische Linienf�hrung" ergibt. Da wirst Du
ganz sch�n zu tun haben ... es ging um die Leichtigkeit der malerischen
Komposition versus der Schwierigkeit, eine Reihe von Motivteilen so zu
arrangieren ... und es dann noch aussehen zu lassen wie ein spontanes Foto!
Hast Du Deinen Link nochmal zur Hand? Oder hatte ich den �bersehen?
> In der Komposition befindet sich auf einer Achse sowohl eine
> horizontal, wie auch vertikal leicht gebogene Linie, die im Haus eine
> Fortsetzung finden.
>
>> Hat sowas au�erhalb der "keine B�ume aus dem Kopf wachsen lassen"-
>> Kultur der Fotografie vielleicht sogar eine Tradition und Bezeichnung?
>
> In der NG offensichtlich ja = "Tonne" :-), obwohl wir da nicht
> zwangsl�ufig der Meinung sind, denn 1000x Tonne ergibt mit Sicherheit
> ein beachtenswertes Kunstwerk!
In welcher NG "Tonne"? Wo liest Du denn das?
> Hast Du Deinen Link nochmal zur Hand? Oder hatte ich den �bersehen?
Ich sitze hier in der NG drkm. Die hiesige NG-Bev�lkerung hat von so
ber�hmten Bildern mindestens drei Abbildungen im Regal stehen. Meine konnte
ich sogar von der Festplatte abrufen, weil es entsprechende "B�cher" heute
auch digital gibt.
Mit einem Link kann ich Dir leider nicht helfen.
--
Tsch�s!
Arnulf
Ein weiterer Erkl�rungsversuch w�re: Die Verbindung der Familie mit dem
Haus. Offensichtlich sind die Ausfl�gler in der Natur nur zu Besuch.
Die Pyramide erg�be sich auch ohne Geb�ude kaum, da h�lt das
Schmetteringsnetz und der Schirm der Mutter dagegen.
> Fällt euch dazu was ein?
Wären die vier vorderen Personen nicht mit im Bild, würde mich die
Verschmelzung des Mädchen mit dem Hintergrund immens stören.
So schweift mein Blick von links nach rechts durch das Bild und findet
dann nach links eine Art Verlängerung in die Ferne.
Wenn Bilder besser gefallen, weil man Regeln bricht, so ist das Grund
genug, die Regeln zu brechen. Das heißt nicht, dass gewisse Regeln
generell falsch wären.
Gruß
Ilja
Verstehe ... {;-)))
Uwe Borchert wrote:
> [...]
> Ja. Zuerst mal den Hintergrund des Kᅵnstlers suchen. Und da habe
> ich mich an Wikipedia vergriffen. Resultat (ohne Gewᅵhr): Carl
> Spitzweg war ein angepasster und hochbegabter Autodidakt. Damit
> wird es schwer mit einer Beurteilung, so man nicht selber ein
> angepasster, hochbegabter Autodidakt ist. Mir fehlt dazu das
> Angepasste. Der Rest ist zwar vorhanden, nutzt aber nix wegen des
> einen Mangels.
Das verstehe ich zwar nicht, ich unterhalte mich
aber auch gerne mit Hochbegabten :-))
> http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Spitzweg
>
> Da findet man einen Link auf die Commons mit mehr Bildern und
> dem gezeigten Bild in hᅵherer Auflᅵsung. Damit wird die Sache
> etwas einfacher.
Die noch hᅵhere Auflᅵsung findet man, wenn man sich an
der Google-Bildersuche "vergreift" :-))
>>Es geht natᅵrlich um das Mᅵdchen mit dem Schmetterlingsnetz und
>>das Haus/die Kirche im Hintergrund. Und ja, das Haus/Mᅵdchen/Netz
>>rechts ist fast die Spiegelung der Frau mit Schirm links davon. Aber
>>wᅵrdet ihr sowas machen, oder lieber noch etwas warten bevor ihr
>>abdrᅵckt?
>
> Malen und Zeichnen ist anders als Fotografieren. Man erschafft
> sich eine virtuelle Realitᅵt, was beim Fotografieren mit Mensch
> und/oder Tier viel zu aufwendig ist. Und das Mᅵdchen ist ein
> Junge, der taucht in anderen Bildern auch auf, siehe Commons
> auf Wikipedia.
Je eindringlicher Du darauf bestehst, umso weniger mag
ich dies glauben.
Du meinst sicher den Jungen in diesem Bild:
<http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e3/Carl_Spitzweg_037.jpg>
Im Gegensatz zu dem "Jungen" im anderen Sonntagsspaziergang
trᅵgt dieser aber weder ein blaues Kleid, noch langes Haar
und schon gar kein Spitzenhᅵubchen in demselben und auch
die Schleife am Ohr suche ich hier vergebens.
Man sieht aber an diesem Bild, daᅵ Spitzweg die Damen gerne
in bunte Gewᅵnder hᅵllte - ausgesprochen oft blau - wᅵhrend
die Herren der Schᅵpfung mit farblosem Braun vorlieb nehmen
mᅵssen. Bunte Herrschaften finden sich ab und zu noch in
Uniformen gehᅵllt.
Den "Jungen in blauer Latzhose" finde ich, selbst, wenn man
einen satirischen Hintergrund annimmt, auf der Spitzweg-Darstellung
eines Sonntagsspaziergangs reichlich fehl am Platze. Zumal, wenn
der gesamte Rest der Familie im stolzen Sonntagsstaat unterwegs ist.
> Das ist vmtl. die Darstellung des kleinen und
> unbeschwerten Jungen in Carls Spitzweg. Schmetterlinge ->
> Biologie und damit Verbindungsglied zur Botanik, siehe auch
> Ausbildung als Apotheker und Studium der Pharmazie, Botanik und
> Chemie ... Damit sollte die Figur erklᅵrbar sein?
Das finde ich recht weit hergeholt.
Kann man keine Schmetterlinge malen, ohne selbst
Schmetterlinge im Bauch zu haben?
> Das mit der Anordnung wᅵrde ich auf die einfachst-mᅵgliche Art
> und Weise erklᅵren. Vmtl. hat er sich einfach die Szene im Kopf
> vorgestellt und da war der Junge nun mal vor der Hᅵtte im
> Hintergrund. Warum der Junge dann gerade vor der Hᅵtte war?
> Mᅵge man die Akten des behandelnden Plyschologen untersuchen
> oder die Sache einfach als die freie Entscheidung des Kᅵnstlers
> werten. Ich bevorzuge letzteres. Da Carl Spitzweg Autodidakt
> war hat er sicherlich eine ungezwungenere Herangehensweise an
> die Gestaltung gehabt. Er hat einfach nur die Bildung und ihre
> ,,selbstzensierende Wᅵrgung'' durch Begabung ersetzt. Da wirst
> Du sicher auch einiges an Fotografen finden die das ebenso
> handhaben. Dazu braucht man nur etwas technisch-mathematische
> Vorbildung und eine kleine Prise Begabung.
Ich weiᅵ natᅵrlich nicht, was die genaue Intention
Spitzwegs war.
Die Kirche (eine solche ist es offensichtlich, man erkennt
problemlos die Kirchturmspitze - abgebrochen, eingestᅵrzt
oder noch unfertig - und den typischen runden Vorbau - Spitzweg
hat es verstanden, trotz seines groben Pinselstrichs
in seinen Bildern eine Vielfalt genialer Details unterzubringen)
dient offensichtlich als "Bremsklotz" beim Betrachten des Bildes.
Dies wurde schon in mehreren Beschreibungen angemerkt:
"Angelpunkt" oder "Schnittpunkt von Linien". Das alles
hat die gleiche Wirkung: der Blick folgt einer Linie
von links nach rechts und statt rechts im freien Feld zu
"versanden", hᅵlt Spitzweg den Beobachter auf und fᅵhrt
ihn auf einer anderen Linie ins Bild zurᅵck.
Ohne die Kirche gelᅵnge dies nicht ansatzweise so gut.
Spitzweg zu unterstellen, er hᅵtte sich nichts bei diesem
Element gedacht, finde ich recht mutig :-))
Viele Grᅵᅵe
Ronald
>> So wird auch die Magd als gr��te Figur der hinteren Gruppe nicht durch
>> ihre schiere Gr��e aufgewertet, denn sie w�re sonst die Spitze einer
>> Pyramide.
>
> Ein weiterer Erkl�rungsversuch w�re: Die Verbindung der Familie mit dem
> Haus. Offensichtlich sind die Ausfl�gler in der Natur nur zu Besuch.
Hier speziell mit der Kirche. Ja, auch das k�nnte Spitzweg im Auge gehabt
haben. Dieser Hinweis ist zwar nur recht unscheinbar, aber es k�nnte sein.
> Die Pyramide erg�be sich auch ohne Geb�ude kaum, da h�lt das
> Schmetteringsnetz und der Schirm der Mutter dagegen.
Ich sprach von der hinteren Gruppe. Die Gesamtheit der Figuren ist viel zu
sehr horizontal komponiert, als dass ein solcher Eindruck entstehen
k�nnte.
--
Tsch�s!
Arnulf
>Am 31.12.2009 00:02, schrieb Christian Thomas:
>> Am 30.12.2009 18:37, schrieb Gerrit Brodmann:
>>> ...
>>> Weiss nicht ob ich jetzt lachen oder weinen soll...
>>
>> Weder noch. Nimm einfach hin, dass nicht jeder eine k�nstlerische
>> Ausbildung hat und selbst die Begabung recht ungleichm��ig verteilt ist.
>
>Gerrit hat mal wieder den Satz nicht verstanden: Nimm mal eine solche
>Gruppe von Leuten, einschlie�lich der kleinen Kinder, gehe in die
>Landschaft in so ein Feld mit der Kirche am Horizont und baue alles so
>auf, bis sich diese "kompositorische Linienf�hrung" ergibt. Da wirst Du
>ganz sch�n zu tun haben ... es ging um die Leichtigkeit der malerischen
>Komposition versus der Schwierigkeit, eine Reihe von Motivteilen so zu
>arrangieren ... und es dann noch aussehen zu lassen wie ein spontanes Foto!
Wenn Du meinst, da� das Malen einfacher ist, probier es doch mal.
Beim Fotografieren musst Du eben Deine F�sse bewegen und mit etwas
�bung sieht man beim durchschauen durch den Sucher oder auf der
Mattscheibe die Kompositionen und ver�ndert ggfls schnell Ausschnitt
und Standpunkt und/oder wartet so lange, bis sich das Motiv in die
richtige Position begeben hat (nat�rlich nur bei bewegten
Motivteilen).
Dazu gibt es dann auch noch die Retusche, die dann wieder zum
Grenzgebiet zur Malerei hin wird.
"Gestellte Schnappsch�sse" sind �brigens in der Fotografie ein
inzwischen recht breit getretenes Feld. Ich f�r meinen Fall finde es
allerdings spannender mit vorhandenem zu arbeiten, als mit viel
Aufwand ein Bild herzustellen, welches ausschaut wie ein
Schnappschuss.
>Das ist vmtl. die Darstellung des kleinen und
>unbeschwerten Jungen in Carls Spitzweg.
Wie ich schon weite roben schrieb.
> <http://www.corbijn.co.uk/page_photo_brown.htm> kann die Regel schonmal
> nicht kennen ;-).
*g*
Da hab ich auch noch was... ein ... �hem... Selbstportrait...
http://www.oliver-scheuch.de/temp/web-02278.jpg
Zum Gl�ck sind wir hier ja unter uns :)
Glaubt mir hier jemand, dass das ein total blinder Gl�ckschuss war?
Nein? Doch...! War es.
Ciao Oli
Der Fall ist eindeutig: Das ist der Dreibeiuns in Gr�n. Besonders t�ckisch!
Dann wird klar, dass 'etwas aus dem Kopf wachsen lassen'
ein großes Missgeschick sein kann oder ein gezielt eingesetztes
gestalterisches Element. Die Surrealisten haben dieses Stilmittel
gerne verwendet um psychische Prozesse sichtbar zu machen.
In dem Bild von Spitzweg würde ich sagen soll die Überschneidung
einfach einen realistischen Eindruck machen so wie es in der
Natur vorkommen kann und keine 'gekünstelte' Komposition wie
auf eine Perlenschnur aufgereiht als 'perfekt'.
gruß fluuu
Am 04.01.2010 21:52, schrieb fluuu:
> ...der Unterschied beim Anwenden der Kompositionslehre,
(...)
> Die Kompositionslehre vermittelt eine Art der Gestaltung von
> Bildern wie sie zielf�hrend ist um Inhalt und Form optimal
> zum Ausdruck zu bringen, es bedeutet nicht schmeichelhaft
> oder Weg des geringsten Wiederstandes, im Gegenteil, die
> Lehre vermittelt wie die bestm�gliche Spannung aufgebaut
> werden kann.
> Habe ein halbes Jahr die Kompositionslehre der bildenden
> Kunst in der Fotografie an der Wiesbadener Freien Kunstschule
> studiert. Kann ich nur jedem bewussten Fotografen empfehlen.
>
> Dann wird klar, dass 'etwas aus dem Kopf wachsen lassen'
> ein gro�es Missgeschick sein kann oder ein gezielt eingesetztes
> gestalterisches Element. Die Surrealisten haben dieses Stilmittel
> gerne verwendet um psychische Prozesse sichtbar zu machen.
>
> In dem Bild von Spitzweg w�rde ich sagen soll die �berschneidung
> einfach einen realistischen Eindruck machen so wie es in der
> Natur vorkommen kann und keine 'gek�nstelte' Komposition wie
> auf eine Perlenschnur aufgereiht als 'perfekt'.
Mit f�llt dazu ein: Wenn man sich "sehend" mit Fotografie besch�ftigt,
wird einem irgend wann einmal auffallen, dass Fotos, die man an einem
Ort macht, wo man "etwas gesehen" hat, oft gar nicht das ausdr�cken zu
wollen scheinen, was man gesehen hat und in dem Foto festhalten wollte.
Das hat viele Gr�nde, manche davon liegen darin, dass "Sehen" was ganz
anderes ist als "Fotografieren" (wiewohl das Sehen dem Fotografieren
vorausgehen sollte, indem man bildlich etwas ausdr�ckt, das man
"Gesehen" hat - aber schon halb im �bertragenen Sinne).
Die Geschichte mit den Dingen, die einem aus dem Kopf wachsen, hat
zun�chst einmal einen v�llig banalen Grund: Das stereoskopische Sehen
trennt Vorder- und Hintergrund, viel mehr als Sch�rfe-Unsch�rfe. Zum
einen haben wir, vor allem bei Tageslicht(helligkeit) kaum die
F�higkeit, den Hintergrund per Unsch�rfe oder "begrenzter Sch�rfentiefe"
abzuheben, sobald die Entfernungen mehr als ein, zwei Meter betragen,
und subjektiv erleben wir normalerweise die Welt von nah bis fern als
scharf. Dennoch werden Dinge, die sich in verschiedenen Ebenen befinden,
normalerweise als getrennt wahrgenommen (bis zu wesentlich gr��eren
Entfernungen), so lange sie �ber die Paralaxe der beiden Augen aufgel�st
werden k�nnen, oder soweit sie aus anderen Gr�nden (Gestaltwahrnehmung)
als nicht zusammengeh�rig erkannt werden. Das plastische Sehen entf�llt
in der herk�mmlichen Fotografie, in der klassischen SW-Fotografie sogar
die Farbe, daher muss sich die Fotografie anderer Mittel bedienen, um
die Objekte zu vereinzeln, die sie darstellen will. Je nach Umst�nden
zieht das Auge mal in einem Foto Dinge zusammen, die "gesehen"
eigentlich nicht zusammengeh�ren, oder das "geschulte Auge" st�rt sich
daran, wenn der Fotograf es unterlassen hat, diese Trennung mit anderen
Mitteln darzustellen (entweder durch Hintergrundunsch�rfe oder,
beispielsweise, durch farbliche Absetzung, oder dadurch, die Kamera so
verr�cken, dass es keine irritierende �berschneidung gibt).
Drum hei�t "Motive sehen" auch "Sehen lernen, was die Kamera sehen
wird", oder, besser gesagt, was wir im Foto sp�ter durch das Auge der
Kamera, also das Objektiv, flachprojiziert auf eine "Bildebene", sehen
werden. Eine reduzierte, abstrahierte "Wirklichkeit", eine Abstraktion
der Realit�t. Und die kann mehr- oder auch missdeutig sein.
In der Malerei geht es ja zun�chst umgekehrt: Man sieht und schafft
nach, der Maler malt, was er innerlich sieht oder zu sehen glaubt, was
er "in dem Motiv sieht", auf die Leinwand.
Der Fotograf bildet zuerst unbewu�t ab, indem er den Ausl�st dr�ckt, und
wundert sich dann, dass er im Foto nicht sieht, was er vor dem Akt des
Fotografierens gesehen hatte. Er muss lernen, dass "die Kamera nicht
sieht", was er gesehen hat.
Aber letztendlich ist das ganze auch ein Spiel - ein Spiel mit den
Wahrnehmungsweisen, der Abstraktion und sogenannten
"Kompositionsregeln". Die beschreiben ja nur in Form von Rezepten, wie
man versuchen kann (aber nicht muss), das bildlicht auszudr�cken, was
man "gesehen" hat. Arm dran, wer den Unterschied nicht wahrzunehmen in
der Lage ist, noch �rmer vielleicht aber auch, wer nicht unterscheiden
kann zwischen Einhaltung irgendwelcher Regeln und dem, was tats�chlich
ausgedr�ckt ist, ausgedr�ckt sein kann, in einem Bild gesehen werden
kann! Auch oder gerade dann, wenn die Lehrbuchregeln nicht darauf passen
wollen! Und nicht immer ist es leicht, zu sehen, ob ein Fotograf die
Regeln nicht kannte, oder bewu�t nicht oder vielleicht sogar bewu�t
angewandt hat, nur anders!
Und...
> Dann wird klar, dass 'etwas aus dem Kopf wachsen lassen'
> ein gro�es Missgeschick sein kann oder ein gezielt eingesetztes
> gestalterisches Element.
Das ist einfach sehr gut in Worte gefasst und ziemlich treffend.
Gru�
Thomas
gruß fluuu