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Departed - Unter Feinden

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lutz feustel

unread,
May 14, 2008, 3:00:54 PM5/14/08
to
Achtung, koennte Spoiler enthalten!


Neulich zum ersten mal Departed gesehen, es gab ja ne Menge gute
Kritiken und Lob, also war ich gespannt.

Aber ach, wie hat mich Scorsese enttaeuscht. Der Typ, dem ich
Lieblingsfilme wie "King of Comedy", "Raging Bull" oder "Casino"
verdanke. (Wenn ich es jetzt so sehe, ist das etwas deNiro-lastig,
oder?)

Story war klar und von Anfang an waren weisse und schwarze Huete klar
verteilt. Einen winzigen Augenblick lang hoffte ich ja auf einen Twist,
da der junge Sullivan eher wie Wahlberg aussah. Aber Suspense und
Twists sind wohl nicht Scorseses Staerken.

Logik btw auch nicht, ein einfacher Trooper, der ein tolles und sicher
auch teures Appartement mietet. Wer da wohl gebuergt hat? Spaetestens
nach dem Aufstieg Sullivans haette man seine finanzielle Situation unter
die Lupe genommen.

Costello, Chef der irischen Mafia eine FBI-Ratte? Wen soll der
bespitzeln? Seine Angestellten? Ok, es ist ein Film, aber das FBI wuerde
wohl kaum seine schuetzenden Haende ueber einen derartigen
Gewaltverbrecher halten. Besonders ueber einen so wertlosen. Denn ueber
Costello duerfte niemand mehr stehen, Boston ist die irischste Stadt der
USA, auch wenn Costello selbst eher als Chef einer Truppe Tunichtsgute
mit Optimierungspotential dargestellt wird, die hoechstens mal nen
Schnapsladen ueberfallen. Chef der irischen Mafia? Die scheint keine
grosse Bedrohung darzustellen, selbst Pesci in Casino schien da ne
groessere Nummer zu sein.

Das mit dem Briefumschlag hab ich nicht verstanden, warum sollte da
"Citizen" draufstehen? Und bei der anschliessenden Verfolgung des
"Brieftraegers" entsteht der Eindruck, Costigan habe Sullivan erkannt.
Irgendwie handwerklich schlecht gemacht.

Der sterbende Polizeispitzel war irgendwie bei "Reservoir Dogs"
abgeguckt. Und nachdem ihn der Mafioso nach eigenen Angaben allein in
den Sumpf geschleppt hat, wieso wurde er so schnell gefunden?

Warum wurde nicht aufgeloest, was in dem Umschlag war, den Costigan der
Psychologin gab? Warum hat sie ihn nicht der Poilzei uebergeben? Und
dieses Geballere da am Schluss, herrje, ich dachte, es sei schon wieder
Domino-Day.

Auf mich wirkt der Film, als haette man wahllos Seiten aus dem Drehbuch
gerissen, vielleicht musste sich ja Scorsese dem Zeitdiktat des Studios
beugen und schneiden. Aber imho haette man schon im Drehbuch den
Rotstift ansetzen und zahlreiche Subplots streichen koennen. Haette dem
Film besser getan als so ein Gewusel mit massig losen Enden und einem
Zuschauer, der mit fragendem Gesicht zurueckbleibt. Fuer viele offene
Fragen haette man problemlos Erklaerungen geben koennen. Wenn die Zeit
dazu nicht reichte, haette man die offenen Fragen weggelassen und sich
mehr der Hauptstory widmen koennen. So jedenfalls ist es ein "gewollt
und nicht gekonnt"-Film. Schade eigentlich, denn die Idee ist gut, die
Schauspieler ok (nur Nicholson liefert eine miese Performance ab und man
fragt sich, ob er im Joker-mode war) und die Bilder sehr gut.

Lieber Herr Scorsese, wie waere es mal wieder mit deNiro? Der traegt so
einen Film locker.

--
tz

Hannes Schwarz

unread,
May 14, 2008, 7:11:22 PM5/14/08
to
Hallo Lutz,

lutz feustel schrieb:

> Achtung, koennte Spoiler enthalten!

> Chef der irischen Mafia? Die scheint keine
> grosse Bedrohung darzustellen, selbst Pesci in Casino schien da ne
> groessere Nummer zu sein.

Hat nur am Anfang ein paar Computerchips geklaut, die die
Chinesen kaufen wollen. Über den Verbleib der Dinger erfährt
man später afair nichts mehr.

> Das mit dem Briefumschlag hab ich nicht verstanden, warum sollte da
> "Citizen" draufstehen? Und bei der anschliessenden Verfolgung des
> "Brieftraegers" entsteht der Eindruck, Costigan habe Sullivan erkannt.
> Irgendwie handwerklich schlecht gemacht.

Dann hast Du nicht aufgepasst (oder die deutsche Synchro
geschaut). Das Wort für die "Bürger-Daten" wurde von einem
Mafioso falsch geschrieben; DiCaprio schrieb es richtig
(wofür er von den Mobs ausgelacht wurde) und erkannte später
seine Handschrift. Bei mir gab es auch keinen Zweifel, daß
keiner der Beiden irgendjemanden erkannt hat - keine Spur
von "handwerklich schlecht gemacht"; ganz im Gegenteil.

> Der sterbende Polizeispitzel war irgendwie bei "Reservoir Dogs"
> abgeguckt. Und nachdem ihn der Mafioso nach eigenen Angaben allein in
> den Sumpf geschleppt hat, wieso wurde er so schnell gefunden?

Weil er schlampig gearbeitet hat wie etwa Samuel L. Jackson
in "Goodfellas", der den Wagen nicht in die Müllpresse fährt?

Von welchem Polizeispitzel reden wir hier? Doch nicht etwa
von dem Gangster, den die Presse zum Spitzel erklärt, um
DiCaprio zu schützen?

> Warum wurde nicht aufgeloest, was in dem Umschlag war, den Costigan der
> Psychologin gab? Warum hat sie ihn nicht der Poilzei uebergeben?

Mußte das noch aufgelöst werden? Der Inhalt des Umschlags
hatte sich mit den besseren Beweisen in Form der
Überwachungstapes eh erledigt. Und das Frauen nicht
unbedingt den Vater ihres ungeborenen Babies verraten, ist
nichts Neues.

> Auf mich wirkt der Film, als haette man wahllos Seiten aus dem Drehbuch
> gerissen, vielleicht musste sich ja Scorsese dem Zeitdiktat des Studios
> beugen und schneiden. Aber imho haette man schon im Drehbuch den
> Rotstift ansetzen und zahlreiche Subplots streichen koennen. Haette dem
> Film besser getan als so ein Gewusel mit massig losen Enden und einem
> Zuschauer, der mit fragendem Gesicht zurueckbleibt.

Keine offenen Fragen auf meiner Seite und kein fragendes
Gesicht. Das Ding entspricht teilweise sogar bis in
Einzelheiten dem Original "Infernal Affairs" ("Departed" ist
ja nur das Hollywood-Remake eines erfolgreichen und sehr
guten Hongkongfilms). Lediglich das aufgesetzte Ende in
Damons Appartment hat mich geärgert; das war der typisch
amerikanische Zusatz der gerechtfertigten Selbstjustiz.

Vollkommen gleich sind z. B. die Sache mit dem
"Citizen"-Umschlag; in beiden Filmen gibt sich der "Bad Cop"
bei einem Verhafteten als Anwalt aus; in beiden Filmen wird
dem "Good Mobster" der Gips von der Hand geprügelt, weil man
eine Wanze vermutet. Sogar das Spiel, woran an einen
Polizisten erkennt, ist in beiden Filmen vorhanden, woran
man sieht, wie wenig die Schreiber am Grundgerüst
tatsächlich verändert haben. Selbst die Enden sind bis auf
den bereits angemerkten Punkt absolut identisch.

Die neuen bzw. erweiterten Sub-Plots geben "Departed" im
Gegensatz zum Original ein wenig mehr "Fleisch" und Drama
(das Original bekam übrigens ein "Prequel" und ein
"Nachspiel", mit Flashbacks garniert, damit's so richtig
episch und keine offenen Fragen übrig bleiben). Ansonsten
tun sich beide Filme in der Qualität nicht viel - in meinen
Augen hervorragende Beispiele des Polizeithrillers und alles
andere als eine Enttäuschung.

Grüße
Hannes

lutz feustel

unread,
May 15, 2008, 11:02:52 AM5/15/08
to
Am Thu, 15 May 2008 01:11:22 +0200 schrieb Hannes Schwarz:

> Hat nur am Anfang ein paar Computerchips geklaut, die die
> Chinesen kaufen wollen. Über den Verbleib der Dinger erfährt
> man später afair nichts mehr.
>

Sicher beim 1. Showdown sichergestellt, die Chips wirkten aber irgendwie
arg aufgesetzt, wie der Chef eines richtigen Syndikats wirkte der
ohnehin (IMHO) mies spielende Nicholson eh nicht.

> Dann hast Du nicht aufgepasst (oder die deutsche Synchro
> geschaut). Das Wort für die "Bürger-Daten" wurde von einem
> Mafioso falsch geschrieben; DiCaprio schrieb es richtig
> (wofür er von den Mobs ausgelacht wurde) und erkannte später
> seine Handschrift.

Was bitte ist das fuer ne Truppe? Beschriften brav den Umschlag? Warum
nicht gleich "Daten von allen, die wo bei unserer Bande mitmachen"
draufschreiben. Wozu dieser daemliche Kunstgriff mit der Handschrift.
Ein Umschlag mit Cranberrysaftflecken haette es doch auch getan.

>Bei mir gab es auch keinen Zweifel, daß
> keiner der Beiden irgendjemanden erkannt hat - keine Spur
> von "handwerklich schlecht gemacht"; ganz im Gegenteil.
>

hmm, ok, Interpretationssache



> Von welchem Polizeispitzel reden wir hier? Doch nicht etwa
> von dem Gangster, den die Presse zum Spitzel erklärt, um
> DiCaprio zu schützen?

Der, der DiCaprio ins Ohr hustet, er haette ihn zur falschen Adresse
geschickt, dass er trotzdem da war, bewiese, das er der Spitzel sei,
aber er habe nichts verraten weil *roechel*

Fuer mich ein Spitzel, dessen Tod und Aufenthaltsort der Leiche
DiCaprio, ohne das es angedeutet oder gar gezeigt wurde, den Cops
meldet. Nur eben erzaehlt der eine Mobster, er haette die Leiche allein
rausgeschleppt.



>> Warum wurde nicht aufgeloest, was in dem Umschlag war, den Costigan der
>> Psychologin gab? Warum hat sie ihn nicht der Poilzei uebergeben?
> Mußte das noch aufgelöst werden? Der Inhalt des Umschlags
> hatte sich mit den besseren Beweisen in Form der
> Überwachungstapes eh erledigt. Und das Frauen nicht
> unbedingt den Vater ihres ungeborenen Babies verraten, ist
> nichts Neues.

Nun, mit den Beweisen waere Damon festgenommen wurden, so konnte er noch
"Ordnung" schaffen. Lassen wir uns auf die mickrigen Hinweise ein, dann
hat die Psychaterin wohl das Material an Wahlberg gegeben, denn woher
haette der sonst wissen koennen, wer der Spitzel war. Trotzdem irgendwie
unausgereift, ich mag Filme, die mich zum Denken bringen, aber diese
Stocherei nervt. Da kann ich auch "Crazy Machines" spielen, kommt aufs
selbe raus.



> Keine offenen Fragen auf meiner Seite und kein fragendes
> Gesicht.

Ach, du hast bloss nicht aufmerksam genug zugeschaut, gibs doch zu....

> man sieht, wie wenig die Schreiber am Grundgerüst
> tatsächlich verändert haben. Selbst die Enden sind bis auf
> den bereits angemerkten Punkt absolut identisch.

Nunja, haette man ja alles nicht machen muessen. Die Begruendung "Weil
das dort auch so war" ist irgendwie bloed, wenn es bessere Wege gegeben
haette. Mittel und Moeglichkeiten hatte Scorsese.

Gus van Sant hat in Psycho auch alles genauso wie Hitch gemacht (von der
Farbe mal abgesehen), trotzdem laesst der Erfolg nun schon 10 Jahre auf
sich warten.
--
t"Durchhalten Gus!!!"z

Gerald Fix

unread,
May 15, 2008, 11:39:51 AM5/15/08
to
On Wed, 14 May 2008 21:00:54 +0200, lutz feustel
<usene...@nurfuerspam.de> wrote:

>Neulich zum ersten mal Departed gesehen, es gab ja ne Menge gute
>Kritiken und Lob, also war ich gespannt.
>
>Aber ach, wie hat mich Scorsese enttaeuscht.

Mir haben schon die Dialoge gereicht, denen Matt Damon bei den beiden
Cops ausgesetzt war. Das war nicht mal Dutzend-Serien-Niveau.


--
Viele Gr��e
Gerald Fix

lutz feustel

unread,
May 15, 2008, 3:42:38 PM5/15/08
to
Am Thu, 15 May 2008 17:39:51 +0200 schrieb Gerald Fix:

> Mir haben schon die Dialoge gereicht, denen Matt Damon bei den beiden
> Cops ausgesetzt war. Das war nicht mal Dutzend-Serien-Niveau.

Die good cop/bad cop-Nummer? Vielleicht wollte Scorsese ja auch nur den
"Fuck"-Counter von Scarface toppen.

Wenn ich Casino und Goodfellas sehe, kann ich einfach nicht glauben,
dass Departed aus der selben Hand stammt

Hannes Schwarz

unread,
May 15, 2008, 8:17:04 PM5/15/08
to
Hallo Lutz,

lutz feustel schrieb:

>>Hat nur am Anfang ein paar Computerchips geklaut, die die

>>Chinesen kaufen wollen. Über den Verbleib der Dinger erfährt
>> man später afair nichts mehr.

> Sicher beim 1. Showdown sichergestellt, die Chips wirkten aber irgendwie
> arg aufgesetzt, wie der Chef eines richtigen Syndikats wirkte der
> ohnehin (IMHO) mies spielende Nicholson eh nicht.

Sichergestellt wurden die Chips doch gar nicht. Es hieß, man
habe ein paar Chinesen mit den Chips geschnappt - die sich
als Fälschungen erwiesen. Ob Nicholsons Verbindung zum FBI
da nicht auch eine Rolle spielte, weiß man nicht. Daß ein
Verbrecher dieser Größenordnung für das FBI tätig ist,
impliziert ja fast schon Korruption in höheren Etagen.

Davon ab mochte ich Nicholsons Charakter in diesem Streifen.
Er ist eine Art Verdrehung des typischen Selfmade-Mans, der
auch, als er es eigentlich gar nicht mehr nötig hat, immer
noch selbst den Overall überstreift und mit anpackt.

>>Dann hast Du nicht aufgepasst (oder die deutsche Synchro
>>geschaut). Das Wort für die "Bürger-Daten" wurde von einem
>>Mafioso falsch geschrieben; DiCaprio schrieb es richtig
>>(wofür er von den Mobs ausgelacht wurde) und erkannte später
>>seine Handschrift.

> Was bitte ist das fuer ne Truppe? Beschriften brav den Umschlag? Warum
> nicht gleich "Daten von allen, die wo bei unserer Bande mitmachen"
> draufschreiben.

Warum nicht? Der Umschlag war nur für Nicholson bestimmt;
keiner der Leute sollte den Raum verlassen. Der Kerl, der
ihn beschriftete, war obendrein kein besonderes Cleverle.

> Wozu dieser daemliche Kunstgriff mit der Handschrift.
> Ein Umschlag mit Cranberrysaftflecken haette es doch auch getan.

Ich empfand es schon im Original als wunderbar einfach. Der
Wiedererkennungswert beim Zuschauer war so in jedem Falle
gegeben (nicht zwischen den Filmen, sondern im Falle des
Umschlages). Warum komplizieren, wenn es auch schlicht geht?
Wichtig an der Szene ist nur, daß es einen eindeutigen
Hinweis gibt. Das hat Scorsese noch mit der netten Idee
verbunden, daß die Mobs DiCaprio auslachen, als er das Wort
richtig schreibt. Das alles ist prägnanter und eindeutiger
als ein paar Saftflecken auf einem unbeschrifteten Umschlag,
wo es sich auch um einen simplen Zufall handeln könnte.

>>Von welchem Polizeispitzel reden wir hier? Doch nicht etwa
>>von dem Gangster, den die Presse zum Spitzel erklärt, um
>>DiCaprio zu schützen?

> Der, der DiCaprio ins Ohr hustet, er haette ihn zur falschen Adresse
> geschickt, dass er trotzdem da war, bewiese, das er der Spitzel sei,
> aber er habe nichts verraten weil *roechel*
>
> Fuer mich ein Spitzel, dessen Tod und Aufenthaltsort der Leiche
> DiCaprio, ohne das es angedeutet oder gar gezeigt wurde, den Cops
> meldet. Nur eben erzaehlt der eine Mobster, er haette die Leiche allein
> rausgeschleppt.

Was der Beseitiger erzählt, ist völlige Nebensache. Entweder
ist ihm DiCaprio gefolgt, oder er hat tatsächlich völlig
schlampig gearbeitet - was durchaus vorkommen soll. Ob es
tatsächlich ein Polizeispitzel war (was ich kaum glaube)
oder er DiCaprio nicht verraten oder einen besseren Moment
dafür abwarten wollte, erfahren wir nicht. Warum auch? Muß
alles immer haarklein erklärt werden?

>>>Warum wurde nicht aufgeloest, was in dem Umschlag war, den Costigan der
>>>Psychologin gab? Warum hat sie ihn nicht der Poilzei uebergeben?

>>Mußte das noch aufgelöst werden? Der Inhalt des Umschlags
>>hatte sich mit den besseren Beweisen in Form der
>>Überwachungstapes eh erledigt. Und das Frauen nicht
>>unbedingt den Vater ihres ungeborenen Babies verraten, ist
>>nichts Neues.

> Nun, mit den Beweisen waere Damon festgenommen wurden, so konnte er noch
> "Ordnung" schaffen.

Welchen Beweisen? Der Behauptung eines Mobsters, er wäre
Polizist und kein Verbrecher, sondern der Topstar des
Dezernats wäre der Maulwurf? Alles, was DiCaprio als
"Beweis" hatte, war der Umschlag im Büro Damons. Ob da diese
Aussage für eine Verhaftung ausgereicht hätte, wage ich zu
bezweifeln. Die Sache mit den Tapes kommt erst später.

Davon ab war das Material für den Todesfall DiCaprios
bestimmt. Wie wir klar erfahren, will er den Mistkerl selbst
zur Strecke bringen, um endlich seine wahre Identität
zurückzubekommen. Als Farmiga den Umschlag erhält, lebt
DiCaprio noch - sonst könnte er kaum das entlarvende Tonband
mit seiner Handschrift auf dem Umschlag an Damon senden, was
dann der Verlobten in die Hände fällt (das zweite Mal, daß
eine Handschrift auf einem Umschlag etwas in Gang bringt.
Gibt es da noch mehr in "Departed"? Beim nächsten Sehen
werde ich mal darauf achten).

> Lassen wir uns auf die mickrigen Hinweise ein, dann
> hat die Psychaterin wohl das Material an Wahlberg gegeben, denn woher
> haette der sonst wissen koennen, wer der Spitzel war.

Vielleicht hat sie auch einfach nur mit Wahlberg geredet -
oder der hat sich den Lebensstil Damons mal näher
vorgenommen und daraus seine Schlüsse gezogen. Wie schon
beschrieben hätte Scorsese dieses Ende weglassen sollen. Das
Original endet auf der Beerdigung - der Damon-Charakter
kommt ungestraft davon, was man wohl den westlichen
Zuschauern nicht zumuten wollte (vielleicht spielt da auch
Scorseses katholisches "Schuld-/Sühne-Verständnis" eine
Rolle - so ein "gerechtfertigter Mord" hinterläßt bei mir
zumindest einen üblen Nachgeschmack).

>>Keine offenen Fragen auf meiner Seite und kein fragendes
>>Gesicht.

> Ach, du hast bloss nicht aufmerksam genug zugeschaut, gibs doch zu....

Beide Versionen erst kürzlich hintereinander recht
aufmerksam geschaut und immer noch begeistert gewesen.

>>man sieht, wie wenig die Schreiber am Grundgerüst
>>tatsächlich verändert haben. Selbst die Enden sind bis auf
>>den bereits angemerkten Punkt absolut identisch.

> Nunja, haette man ja alles nicht machen muessen. Die Begruendung "Weil
> das dort auch so war" ist irgendwie bloed, wenn es bessere Wege gegeben
> haette. Mittel und Moeglichkeiten hatte Scorsese.

Wie gesagt, ich empfand alles sehr rund und schlüssig. Die
von Dir angemerkten Kritikpunkte sehe ich als völlig
unerheblich, zumal sie überhaupt keine Lücken darstellen.

> Gus van Sant hat in Psycho auch alles genauso wie Hitch gemacht (von der
> Farbe mal abgesehen), trotzdem laesst der Erfolg nun schon 10 Jahre auf
> sich warten.

Schlechtes Beispiel. "Departed" und "Infernal Affairs" sind
stilistisch völlig unterschiedliche Filme - lediglich die
Story inklusive einiger Dialoge ist gleich. Scorsese breitet
in zusätzlichen 45 Minuten zum Original noch ein wenig mehr
Drama sowie Charaktervertiefung aus, während in "Infernal
Affairs" wenig vertieft, weit weniger erklärt, dafür umso
mehr angedeutet wird (dafür gibt es dann noch 2 Nachfolger).
Vielleicht solltest Du Dir das Original anschauen, bevor Du
solche Vergleiche ziehst (DVDs von allen drei Teilen gibt es
von McOne (Teil 1 und 2 als Doppel-DVDs inkl. untertiteltem
AK; Teil 3 von Gallileo als Kinoversion inkl. DC).

Vielleicht liegt unsere gegensätzliche Auffassung an der
unterschiedlichen Herangehensweise an den Film: Ich wollte
den Streifen eigentlich gar nicht sehen, weil ich das
Original sehr mochte und nicht noch eine
Hollywood-Vergewaltigung eines asiatischen Filmes sehen
wollte - und wurde dann sehr positiv überrascht. Du hast
offensichtlich den Namen "Scorsese" in Verbindung mit
"Gangster" gesehen und einen Meilenstein erwartet.

Grüße
Hannes

Stefan Scholl

unread,
May 16, 2008, 9:03:22 AM5/16/08
to
lutz feustel <usene...@nurfuerspam.de> wrote:
> Neulich zum ersten mal Departed gesehen, es gab ja ne Menge gute
> Kritiken und Lob, also war ich gespannt.

Und Oscars.

Ich habe vom Film viel mehr erwartet als er abgeliefert hat.

Hätte ich ihn vor der Verleihung gesehen, hätte ich mich gut
unterhalten gefühlt. Aber er war einfach nur ein 08/15-Krimi mit
ein paar Stars.


--
Web (en): http://www.no-spoon.de/ -*- Web (de): http://www.frell.de/

Gerald Fix

unread,
May 16, 2008, 10:13:23 AM5/16/08
to
On Thu, 15 May 2008 21:42:38 +0200, lutz feustel
<usene...@nurfuerspam.de> wrote:

>Am Thu, 15 May 2008 17:39:51 +0200 schrieb Gerald Fix:
>
>> Mir haben schon die Dialoge gereicht, denen Matt Damon bei den beiden
>> Cops ausgesetzt war. Das war nicht mal Dutzend-Serien-Niveau.
>
>Die good cop/bad cop-Nummer?

Ja. Vielleicht liegts ja auch nur an der Synchro, aber für mich war
der Film damit zu Ende.


--
Viele Grüße
Gerald Fix

Hannes Schwarz

unread,
May 16, 2008, 11:44:31 PM5/16/08
to
Hallo Stefan,

Stefan Scholl schrieb:

> Hätte ich ihn vor der Verleihung gesehen, hätte ich mich gut
> unterhalten gefühlt. Aber er war einfach nur ein 08/15-Krimi mit
> ein paar Stars.

Wenn ein Thriller wie "Departed" oder "Infernal Affairs" nur
Durchschnitt-Krimis wären, dann wäre ich sehr froh über das
durchschnittliche Niveau der Krimis. Bitte benenne doch ein
paar der überdurchschnittlichen Krimis, die genauso
unterhaltend als auch in Teilen tiefschürfend etwa wie
"Infernal Affairs" / "Departed" sind.

Ich fange einfach mal an: "Color of the Truth" ("Hak bak sam
lam", HK 2003) kann es zwar nicht wirklich mit den beiden
vorgenannten Streifen aufnehmen, ist aber dennoch sehr
unterhaltsam (nach Deiner Definition also
unterdurchschnittlich). Selbst moderne verwandte Themen wie
"Dark Blue" (2002) oder "Training Day" (2001) erreichen
nicht diese Dichte bzw. Hervorhebung der beiden sich
bekriegenden Charaktere, was eben die Qualität von IA/D
ausmacht.

Es mag sein, daß nicht das Erwartungsniveau des Zuschauers
erreicht wird. Als "Storytelling" sind beide Streifen auf
höchstem Niveau. Die Bebilderung ist ebenso vieldeutig wie
mögliche Interpretationsmöglichkeiten; dafür ist die
Erzählweise zwar geradlinig, allerdings durchaus in
verschiedene Richtungen interpretierbar.

Nennt mir bitte ein paar Hollywood-Krimis der letzten Jahre
(außer Scorsese-Filmen und "L. A. Confidential"), auf die
diese Kriterien zutreffen. Wenn wir auf mehr als 100 kommen,
nachdem wir jeden einzelnen Beitrag als "Durchschnitt"
eingeschätzt haben, dann mag ich der Einschätzung von
"08/15" zustimmen. Ansonsten liegt "Departed" und "Infernal
Affairs" weit über jedem Krimi der 0'er, die ich bisher
gesehen habe.

Grüße
Hannes

Hannes Schwarz

unread,
May 17, 2008, 12:04:02 AM5/17/08
to
Hallo Gerald,

Gerald Fix schrieb:

>>>Mir haben schon die Dialoge gereicht, denen Matt Damon bei den beiden
>>>Cops ausgesetzt war. Das war nicht mal Dutzend-Serien-Niveau.
>>
>>Die good cop/bad cop-Nummer?

> Ja. Vielleicht liegts ja auch nur an der Synchro, aber für mich war
> der Film damit zu Ende.

Wobei anzumerken ist, daß Wahlberg innerhalb seines
Charakters keine wirkliche Nummer durchzieht, sondern auch
beim Briefing der Polizisten die selbe sprachliche Schiene
fährt. Überhaupt ist die Beziehung zwischen Sheen und
Wahlberg, die leider nicht weiter ausgearbeitet wird (und
somit für Interpretationsspielräume mehr als geeignet ist),
sehr interessant. Immerhin sorgt es für einen typischen
Scorsese-Moment auf der Brücke.

Grüße
Hannes

Stefan Scholl

unread,
May 17, 2008, 4:30:07 AM5/17/08
to
Hannes Schwarz <hannes.schw...@freenet.de> wrote:
> (nach Deiner Definition also
> unterdurchschnittlich).

Gib's auf.

lutz feustel

unread,
May 17, 2008, 9:37:59 AM5/17/08
to
Am Fri, 16 May 2008 02:17:04 +0200 schrieb Hannes Schwarz:

> Davon ab mochte ich Nicholsons Charakter in diesem Streifen.
> Er ist eine Art Verdrehung des typischen Selfmade-Mans, der
> auch, als er es eigentlich gar nicht mehr nötig hat, immer
> noch selbst den Overall überstreift und mit anpackt.
>

Was bei seiner Gurkentruppe sicher notwendig war. Jedenfalls weiss ich
jetzt, warum man sowenig von der irischen Mafia hoert.

>> Was bitte ist das fuer ne Truppe? Beschriften brav den Umschlag? Warum
>> nicht gleich "Daten von allen, die wo bei unserer Bande mitmachen"
>> draufschreiben.
> Warum nicht? Der Umschlag war nur für Nicholson bestimmt;
> keiner der Leute sollte den Raum verlassen. Der Kerl, der
> ihn beschriftete, war obendrein kein besonderes Cleverle.

Ok, wir haben da also dieses "Syndikat", diese Verbrecherhydra, Moerder,
Schutzgelderpresser, schlimme Finger. Und der Big Boss will eines Tages
deren Sozialversicherungs- und Kontonummern. Ohne besonderen Grund.
Naja, vielleicht bietet ja jetzt die Mafiagewerkschaft kostenlose
Vorsorgeuntersuchungen an. Also schreiben all diese gesetzlosen
Mitglieder des menschlichen Abschaums brav ihre
Sozialversicherungsnummer auf. Sicher eine wichtige Nummer fuer
US-Citizen, aber dass die die alle im Kopf hatten ist schon ne Leistung.

Um das unglaubliche Mass der Spiessigkeit voll zu machen, wird auch noch
der Umschlag brav beschriftet, damit der Boss weiss, das der Umschlag
mit den ganzen persoenlichen Daten der Mafiamitglieder der Umschlag mit
den persoenlichen Daten der Mafiamitglieder ist. Wer weiss, wieviel
Umschlaege mit den ganzen persoenlichen Daten der Mafiamitglieder der ja
noch so mit sich rumschleppt.

> Umschlages). Warum komplizieren, wenn es auch schlicht geht?

Noch schlichter?

> Hinweis gibt. Das hat Scorsese noch mit der netten Idee
> verbunden, daß die Mobs DiCaprio auslachen, als er das Wort
> richtig schreibt. Das alles ist prägnanter und eindeutiger
> als ein paar Saftflecken auf einem unbeschrifteten Umschlag,
> wo es sich auch um einen simplen Zufall handeln könnte.

Dafuer enthaelt uns Scorsese vor, warum DiCaprio diese ganzen
Lockvogelinfos nicht an die Cops weitergegeben hat, die Nicholson ihm
extra gegeben hat. Und deren Nichtweitergabe (jedenfalls erreichten sie
nicht Damon) DiCaprio entlastete



> Was der Beseitiger erzählt, ist völlige Nebensache. Entweder
> ist ihm DiCaprio gefolgt, oder er hat tatsächlich völlig
> schlampig gearbeitet - was durchaus vorkommen soll. Ob es
> tatsächlich ein Polizeispitzel war (was ich kaum glaube)
> oder er DiCaprio nicht verraten oder einen besseren Moment
> dafür abwarten wollte, erfahren wir nicht. Warum auch? Muß
> alles immer haarklein erklärt werden?

Nein, wobei haarklein nicht das Wort ist, was mir einfaellt. Wir haben
also den sterbenden *hust* Mobster, der *wuerg* nun weiss, wer der
*roechel* Spitzel ist. Aber nein, das sagt er erstmal nur dem Spitzel
selbst *bluthust*, sobald es ihm wieder besser geht, wird er es auch den
anderen Mobstern erzaehlen *lichtseh*

Das ist sehr, hmm, schluessig. das kann man ruhig so offen stehen
lassen. Darauf kommts nun auch nicht mehr an



> Welchen Beweisen? Der Behauptung eines Mobsters, er wäre
> Polizist und kein Verbrecher, sondern der Topstar des
> Dezernats wäre der Maulwurf? Alles, was DiCaprio als
> "Beweis" hatte, war der Umschlag im Büro Damons. Ob da diese
> Aussage für eine Verhaftung ausgereicht hätte, wage ich zu
> bezweifeln. Die Sache mit den Tapes kommt erst später.

Eine Untersuchung haette es aber sicher gegeben, wir hatten ja auch noch
Wahlberg auf der Habenseite der Guten. Aber auch dann waere denen der
Lebensstil von Damon nicht aufgefallen. Tat er ja vorher auch nicht.


> mit seiner Handschrift auf dem Umschlag an Damon senden, was
> dann der Verlobten in die Hände fällt (das zweite Mal, daß
> eine Handschrift auf einem Umschlag etwas in Gang bringt.

Naja, der Absender war sicher auch hilfreich, der mit der Handschrift
geschrieben war

> Gibt es da noch mehr in "Departed"? Beim nächsten Sehen
> werde ich mal darauf achten).
>

Boah, nochmal sehen? Du bist mutig.

> Vielleicht hat sie auch einfach nur mit Wahlberg geredet -
> oder der hat sich den Lebensstil Damons mal näher
> vorgenommen und daraus seine Schlüsse gezogen.

Jo, als Excop untersucht er den Lebensstil Damons und da ihm das
Ergebniss nicht gefaellt, erschiesst er ihn vorsichthalber. Wenn das
doch Heston haette noch erleben duerfen.

>> Gus van Sant hat in Psycho auch alles genauso wie Hitch gemacht (von der

> Schlechtes Beispiel. "Departed" und "Infernal Affairs" sind

Ja, ich weiss, war auch eher, naja, du weisst schon

> Vielleicht liegt unsere gegensätzliche Auffassung an der
> unterschiedlichen Herangehensweise an den Film: Ich wollte
> den Streifen eigentlich gar nicht sehen, weil ich das
> Original sehr mochte und nicht noch eine
> Hollywood-Vergewaltigung eines asiatischen Filmes sehen
> wollte - und wurde dann sehr positiv überrascht. Du hast
> offensichtlich den Namen "Scorsese" in Verbindung mit
> "Gangster" gesehen und einen Meilenstein erwartet.
>

Witzigerweise nicht, Scorsese ist mir zwar bekannt, aber ich verbinde
wenige Filme mit ihm und war echt erschrocken, als ich gesehen habe,
dass einige meiner Lieblingsfilme von ihm sind. Und auch einige, die ich
ueberhaupt nicht mag. Aviator zB., Kundun, Cape Fear oder Gangs of NY.

Aber als ich den Plot gehoert habe, habe ich mich ueber Spannung und
Nervenkitzel gefreut, gut gemachte Unterhaltung mit Mitdenkoption. Eine
Art "No way out", eine temporeiche Hatz mit verblueffendem Finale.
Statt Spannung und Tempo gabs nur Verwirrung. Haette Scorsese seinen
Focus eher auf die beiden Hauptperonen gesetzt und sich nicht in zig
Subplots verstrickt, wuerden wir uns jetzt nicht streiten.

Casino war ein stimmiger Film, das organisierte Verbrechen wirkte
bedrohlich, kein einziges Mal musste ich mit verwirrtem Gesicht "Hae?"
sagen. Ja, ok, Scorsese hat sich in Departed an seine Vorlage gehalten,
imho waere der Film aber besser geworden, wenn er es nicht getan haette.
Sehgewohnheiten sind von Kontinent zu Kontinent anders.

lutz feustel

unread,
May 17, 2008, 9:40:10 AM5/17/08
to
Am Fri, 16 May 2008 15:03:22 +0200 schrieb Stefan Scholl:

> Und Oscars.

Hab ich extra nicht erwaehnt, ist fuer mich kein Praedikat, eher im
Gegenteil.



> Ich habe vom Film viel mehr erwartet als er abgeliefert hat.

Danke, ich dachte schon, ich bin der Einzige

Joe Kotroczo

unread,
May 17, 2008, 10:00:29 AM5/17/08
to
On 17/05/08 15:37, in article f30wwlw2sued.1k...@40tude.net,
"lutz feustel" <usene...@nurfuerspam.de> wrote:

(...)


> Was bei seiner Gurkentruppe sicher notwendig war. Jedenfalls weiss ich
> jetzt, warum man sowenig von der irischen Mafia hoert.

Hmmm?

Underworld (1927)
The Racket (1928)
The Public Enemy (1931)
Scarface (1932)
Angels with Dirty Faces (1938)
On the Waterfront (1954)
St. Valentine's Day Massacre (1967)
Prime Cut (1972)
The Sting (1973)
The Friends of Eddie Coyle (1973)
The Long Good Friday (1980)
Miller's Crossing (1990)
State of Grace (1990)
Last Man Standing (1996)
Monument Ave. (1998)
Southie (1998)
Hardball (2001)
Gangs of New York (2002)
Ash Wednesday (2002)
Road to Perdition (2002)
Death to Smoochy (2002)
Dirty Deeds (2002)
A History of Violence (2005)
Dead I Well May Be (2007)
Emerald City (2008)

--
Joe Kotroczo kotr...@mac.com

Ralf Callenberg

unread,
May 18, 2008, 2:43:54 PM5/18/08
to
17.05.2008 15:37, lutz feustel:

> Ok, wir haben da also dieses "Syndikat", diese Verbrecherhydra, Moerder,
> Schutzgelderpresser, schlimme Finger. Und der Big Boss will eines Tages
> deren Sozialversicherungs- und Kontonummern. Ohne besonderen Grund.

Den Grund hat er seinen Leuten nicht mitgeteilt, aber er wollte ja die
Leute durch den Polizisten überprüfen lassen.

>
> Um das unglaubliche Mass der Spiessigkeit voll zu machen, wird auch noch
> der Umschlag brav beschriftet, damit der Boss weiss, das der Umschlag
> mit den ganzen persoenlichen Daten der Mafiamitglieder der Umschlag mit
> den persoenlichen Daten der Mafiamitglieder ist. Wer weiss, wieviel
> Umschlaege mit den ganzen persoenlichen Daten der Mafiamitglieder der ja
> noch so mit sich rumschleppt.

Ich kann mich nicht mehr genau an das Detail erinnern, aber im Original
benutzt der Undercover-Polizist den Umschlag zufällig, weil er gerade
herumliegt, um für den "Kollegen" das Wort korrekt hinzuschreiben. Es
würde mich überraschen, wenn das bei Scorsese anders gelöst wäre.

Gruß,
Ralf

Hannes Schwarz

unread,
May 19, 2008, 11:44:15 PM5/19/08
to
Hallo Lutz,

lutz feustel schrieb:

> Ok, wir haben da also dieses "Syndikat", diese Verbrecherhydra, Moerder,


> Schutzgelderpresser, schlimme Finger. Und der Big Boss will eines Tages
> deren Sozialversicherungs- und Kontonummern. Ohne besonderen Grund.
> Naja, vielleicht bietet ja jetzt die Mafiagewerkschaft kostenlose
> Vorsorgeuntersuchungen an.

"Will der etwa jetzt unsere Steuern machen?" ist denn auch
ungefähr der Spruch DiCaprios dazu und tut so, als fühle er
sich verarscht.

> Also schreiben all diese gesetzlosen
> Mitglieder des menschlichen Abschaums brav ihre
> Sozialversicherungsnummer auf. Sicher eine wichtige Nummer fuer
> US-Citizen, aber dass die die alle im Kopf hatten ist schon ne Leistung.

Wir sehen nur einen, der etwas auf ein Formular schreibt. Ob
die anderen zuhause anrufen oder ihren Ausweis zu Hilfe
nehmen, weiß man nicht, weil das einfach nicht gezeigt wird.

Im "Director's Cut" für alle, die's genau wissen wollen, ist
dann die Szene vorhanden, wie die Jungs zuhause oder sonstwo
anrufen, um ihre Nummern zu erfahren bzw. von Nicholson
beauftragte Boten (vorher sehen wir die Szene, wie er diese
anwirbt) diese Informationen einholen. In Echtzeit. Mind. 2
Stunden zusätzlich. Ganz wichtig.

> Um das unglaubliche Mass der Spiessigkeit voll zu machen, wird auch noch
> der Umschlag brav beschriftet, damit der Boss weiss, das der Umschlag
> mit den ganzen persoenlichen Daten der Mafiamitglieder der Umschlag mit
> den persoenlichen Daten der Mafiamitglieder ist. Wer weiss, wieviel
> Umschlaege mit den ganzen persoenlichen Daten der Mafiamitglieder der ja
> noch so mit sich rumschleppt.

Würde da der Typ, der den Umschlag beschriftet, nicht sagen,
daß er nicht mal weiß, wie "Citizen" überhaupt geschrieben
wird, um es dann auf den Umschlag zu schreiben, worauf ihm
DiCaprio zeigt, wie es richtig geht, könnte ich Dir
eventuell entgegenkommen ;).

Davon ab fragt man da mit Sicherheit nicht nach, wozu der
nicht gerade handzahme Nicholson jetzt welche Informationen
braucht. Ich würde da nicht gerade auf eine große Zukunft
des Fragenden wetten.

> Dafuer enthaelt uns Scorsese vor, warum DiCaprio diese ganzen
> Lockvogelinfos nicht an die Cops weitergegeben hat, die Nicholson ihm
> extra gegeben hat. Und deren Nichtweitergabe (jedenfalls erreichten sie
> nicht Damon) DiCaprio entlastete

Stimmt, er enthält es uns vor. Außer einer kleinen Szene, in
der DiCaprio seinem Boss am Telefon genau sagt, daß er ihm
nichts weiter mitteilen werde, weil es sich genauso gut um
Desinformation (wie er sie selbst vorher in Umlauf hat
setzen lassen) handeln könne, erfährt man rein gar nichts
darüber. Nicht wirklich ausreichend, oder? Erklärt mit
Sicherheit nicht, warum Sheen selbst die kleine Information
mit der neuen Crew vor dem Rest des Teams zurückhält, die er
gerade mit dem Hinweis auf "Disinformation" bekommen hat.

> Nein, wobei haarklein nicht das Wort ist, was mir einfaellt. Wir haben
> also den sterbenden *hust* Mobster, der *wuerg* nun weiss, wer der
> *roechel* Spitzel ist. Aber nein, das sagt er erstmal nur dem Spitzel
> selbst *bluthust*, sobald es ihm wieder besser geht, wird er es auch den
> anderen Mobstern erzaehlen *lichtseh*

Er sagt es nicht nur dem Spitzel, er fragt ihn sogar, warum
er nichts gesagt habe. Dann geht er in die Funzel; und
bleibt - der miese Dreckskerl, der er ist - dem Zuschauer
die Antwort schuldig. Wie gemein! Kann doch nicht sein, daß
wir uns jetzt selbst einen Reim darauf machen sollen! Ist's
ein Cop oder mochte er Billy nur? Ging ihm vielleicht auch
nur Nicholson gewaltig gegen den Strich? Ist's vielleicht
der Katholik in Scorsese, der damit andeuten möchte, daß
dieser Gangster im Augenblick seines Ablebens zumindest
etwas in seinem Leben richtig machen möchte (siehe auch den
Ausschnitt aus John Fords "Informer", dessen Story von
manchen Interpretatoren als "Judas-Adaption" gewertet wird
sowie das - recht ironisch verwendete - Marienbildnis, das
direkt nach dem Ausschnitt - "Frankie, forgive me!" - auf
dem Kopf eines "Befragten" landet). Wir wissen's nicht;
einen AK von Scorsese hat die DVD auch nicht, also ist
"Departed" unschlüssiger Müll!

Wenn Du eh annimmst, daß das ein Bulle war, wieso stört Dich
dann eigentlich die Szene? Dann hast Du doch Deine Erklärung
(und zusätzlich die Doppelung: 2 Agenten der Polizei in der
Bande, 2 Agenten der Bande bei den Bullen. Dann 2 Umschläge,
die etwas auslösen - vielleicht macht so ein Such- und
Interpretationsspiel "Departed" ja für Dich interessant ;)).

> Das ist sehr, hmm, schluessig. das kann man ruhig so offen stehen
> lassen. Darauf kommts nun auch nicht mehr an

Darauf kommt es tatsächlich nicht an - das für mich eher
Herumreiten auf Kleinigkeiten, die mindestens anders
interpretiert werden können.

Du hast Dir eine schlüssige Antwort auf den Schluß doch
bereits selbst gegeben: Farmiga hat Wahlberg den Umschlag
überreicht. Was willst Du mehr? Daß dies in einer kurzen
Szene gezeigt wird, damit Du keine offene Fragen mehr hast?

> Eine Untersuchung haette es aber sicher gegeben, wir hatten ja auch noch
> Wahlberg auf der Habenseite der Guten. Aber auch dann waere denen der
> Lebensstil von Damon nicht aufgefallen. Tat er ja vorher auch nicht.

Warum auch? Der Kerl fährt keinen Rolls Royce oder Ferrari.
Über die Geldwäsche, die hinter der Wohnung Damons steckt,
erfahren wir nichts. Eventuell sieht ja eigentlich alles
ganz legal aus? Nur mal so: Wieso fällt Korruption in
höheren Polizeikreisen nicht immer auf, wenn man lediglich
den Lebensstil überprüfen müsste, um diese Leute zu überführen?

>>mit seiner Handschrift auf dem Umschlag an Damon senden, was
>>dann der Verlobten in die Hände fällt (das zweite Mal, daß
>>eine Handschrift auf einem Umschlag etwas in Gang bringt.

> Naja, der Absender war sicher auch hilfreich, der mit der Handschrift
> geschrieben war

Wobei Farmiga wohl eher angenommen hat, daß DiCaprio ihrem
Verlobten ein paar intime Geheimnisse verraten wollte.

[Unterschiedliche Erwartungshaltungen?]

> Witzigerweise nicht, Scorsese ist mir zwar bekannt, aber ich verbinde
> wenige Filme mit ihm und war echt erschrocken, als ich gesehen habe,
> dass einige meiner Lieblingsfilme von ihm sind. Und auch einige, die ich
> ueberhaupt nicht mag. Aviator zB., Kundun, Cape Fear oder Gangs of NY.

"Kundun" habe ich bis heute nicht gesehen. "Aviator" war
ganz nett, "Gangs" sofort nach dem Ansehen vergessen. "Cape
Fear" mag ich im Gegensatz zum Original überhaupt nicht.
Das ist übrigens Scorseses zweites Remake, in dem der
Bösewicht entgegen der Ursprungsgeschichte nicht überlebt
(und gerade "Cape Fear" ist da besonders ärgerlich: Während
Gregory Peck zum "Cape Fear" fährt, um Mitchum dort in eine
Falle zu locken und in "Notwehr" zu töten, flüchtet Nolte in
die vermeintliche Sicherheit (so genau habe ich das
allerdings nicht mehr im Schädel. Kann sein, daß er sich
auch nur ein Alibi verschaffen wollte, während jemand
anderes in seinem Auftrag DeNiro aus dem Weg schaffen
sollte). Im Finale besiegt die Familie im Remake den
Psychopathen - sprich: der schmeißt den Löffel weit weg -,
während Peck zu der Einsicht kommt, daß ein schneller Tod
keine gerechte Strafe für den Mistkerl sei: Er solle in
seiner Zelle verrotten).

> Aber als ich den Plot gehoert habe, habe ich mich ueber Spannung und
> Nervenkitzel gefreut, gut gemachte Unterhaltung mit Mitdenkoption. Eine
> Art "No way out", eine temporeiche Hatz mit verblueffendem Finale.
> Statt Spannung und Tempo gabs nur Verwirrung. Haette Scorsese seinen
> Focus eher auf die beiden Hauptperonen gesetzt und sich nicht in zig
> Subplots verstrickt, wuerden wir uns jetzt nicht streiten.

Wir "streiten" uns eigentlich gerade über ein paar Dinge des
Hauptplots. Für mich war's trotz Kenntnis des Originals
spannend genug. Mehr Tempo hat ein "Casino" übrigens auch
nicht.

> Casino war ein stimmiger Film, das organisierte Verbrechen wirkte
> bedrohlich, kein einziges Mal musste ich mit verwirrtem Gesicht "Hae?"
> sagen. Ja, ok, Scorsese hat sich in Departed an seine Vorlage gehalten,
> imho waere der Film aber besser geworden, wenn er es nicht getan haette.
> Sehgewohnheiten sind von Kontinent zu Kontinent anders.

Zum einen weiß ich gar nicht, inwieweit sich Scorsese bei
"Goodfellas" und "Casino" an die Bücher Nicholas Pileggis
(der auch in den Screenplay-Credits beider Filme neben
Scorsese genannt wird) gehalten hat ("Raging Bull", "Taxi
Driver", "Last Temptation of Christ" sowie "Bringing out the
dead" wurden übrigens alle von Paul Schrader geschrieben -
was eventuell zeigt, daß Scorsese weniger ein Autor denn ein
Interpret vorhandener Bücher ist, denen er mit der
Visualisierung seinen Stempel aufdrückt, was keineswegs
abwertend gemeint ist).

Mal abgesehen von der miserabel gefilmten Eingangssequenz
(die Autoexplosion ist durchschaubar getrickst, weil klar
der Schnitt von DeNiro auf den Dummy erkennbar ist) halte
ich auch sonst nicht allzu viel von "Casino". Im Grunde
verhalten sich alle Charaktere so daneben, daß man sich
fragt, welcher hirnlose Idiot denen ihre Bereiche zugewiesen
hat. Stone verwandelt sich von einem Moment auf den anderen
vom selbstbewußten Glamour-Girl in eine hysterische
versoffene Kuh, während DeNiros Beweggründe aus dem Off
erklärt werden ("Ich wußte, wenn ich ihr das Geld geben
würde, dann würde ich sie nie mehr wiedersehen!" oder so
ähnlich). Nach "Goodfellas" hätte diesmal ich da mehr
erwartet. Beide Filme machen im Grunde nur das, was
"Scarface" schon in den '30ern zeigte: Sie erzählen vom
Aufstieg und Fall des Proleten, der, gelangweilt im leeren
Reichtum schwelgend, seinen eigenen Untergang mehr durch
private denn durch "professionelle" Fehler herbeiführt.

Grüße
Hannes

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Hannes Schwarz

unread,
May 31, 2008, 8:43:26 PM5/31/08
to
Hallo Aleks,

Aleks A.-Lessmann schrieb:

>>durchschnittliche Niveau der Krimis. Bitte benenne doch ein
>>paar der überdurchschnittlichen Krimis, die genauso
>>unterhaltend als auch in Teilen tiefschürfend etwa wie
>>"Infernal Affairs" / "Departed" sind.

> Thread Drift!

Keine Einwände.

> Da steige ich mit ein: "Election" und "Election 2" (Beide Jonnie To
> (sp?)). Hervorragend gemacht, packend inszeniert, mehr Tiefe als üblich
> - aber nichts für schwache Mägen.

Danke für den Tip; bisher sind diese To-Werke meinem
Sichtkreis entgangen. Seit "Running out of time" versuche
ich so ziemlich jeden To-Film zu sehen, der irgendwo
aufzutreiben ist - seit einem Jahr etwa habe ich allerdings
nicht mehr wirklich die Zeit, mich mit dem Hobby "Film"
ausführlich zu beschäftigen.

Bis auf wenige Ausnahmen ist Tos Werk nicht nur aufgrund der
Vielfältigkeit zu empfehlen (siehe "The Mission").

Grüße
Hannes

lutz feustel

unread,
Jun 1, 2008, 4:06:41 AM6/1/08
to
Am Tue, 20 May 2008 05:44:15 +0200 schrieb Hannes Schwarz:

> Wenn Du eh annimmst, daß das ein Bulle war, wieso stört Dich
> dann eigentlich die Szene? Dann hast Du doch Deine Erklärung
> (und zusätzlich die Doppelung: 2 Agenten der Polizei in der
> Bande, 2 Agenten der Bande bei den Bullen. Dann 2 Umschläge,
> die etwas auslösen - vielleicht macht so ein Such- und
> Interpretationsspiel "Departed" ja für Dich interessant ;)).

Nicht interessant, eher billig inszeniert (ja ich weiss, es wuerde
uebernommen) oder lieblos adaptiert



> Du hast Dir eine schlüssige Antwort auf den Schluß doch
> bereits selbst gegeben: Farmiga hat Wahlberg den Umschlag
> überreicht. Was willst Du mehr? Daß dies in einer kurzen
> Szene gezeigt wird, damit Du keine offene Fragen mehr hast?

Genau, sowas wie in Wild Things!!! Nein, nicht wirklich. Ich mag Filme,
bei denen mir der Regisseur etwas Denkarbeit ueberlaesst, aber sry, ich
war nun mal von Departet enttaeuscht. Wegen fehlender Spannung,
fehlender Rafinesse und offenen Fragen.



> ganz legal aus? Nur mal so: Wieso fällt Korruption in
> höheren Polizeikreisen nicht immer auf, wenn man lediglich
> den Lebensstil überprüfen müsste, um diese Leute zu überführen?

Oft genug tut es das

> [Unterschiedliche Erwartungshaltungen?]


> Wir "streiten" uns eigentlich gerade über ein paar Dinge des
> Hauptplots. Für mich war's trotz Kenntnis des Originals
> spannend genug. Mehr Tempo hat ein "Casino" übrigens auch
> nicht.

Nein, aber das war ja auch nicht als Katz-und-Maus-Spiel angekuendigt.
Der Streit ueber die Kleinigkeiten ist eigentlich nebensaechlich und
hochgeschaukelt, waren ja nur ein paar Beispiele, die mir auffielen.

Wahrscheinlich habe ich einfach aufgrund der Werbung einen anderen Film
erwartet, wobei Scorsese je eigentlich kein Suspense-Regisseur ist.

tz

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