Hallo Lutz,
lutz feustel schrieb:
>>Hat nur am Anfang ein paar Computerchips geklaut, die die
>>Chinesen kaufen wollen. Über den Verbleib der Dinger erfährt
>> man später afair nichts mehr.
> Sicher beim 1. Showdown sichergestellt, die Chips wirkten aber irgendwie
> arg aufgesetzt, wie der Chef eines richtigen Syndikats wirkte der
> ohnehin (IMHO) mies spielende Nicholson eh nicht.
Sichergestellt wurden die Chips doch gar nicht. Es hieß, man
habe ein paar Chinesen mit den Chips geschnappt - die sich
als Fälschungen erwiesen. Ob Nicholsons Verbindung zum FBI
da nicht auch eine Rolle spielte, weiß man nicht. Daß ein
Verbrecher dieser Größenordnung für das FBI tätig ist,
impliziert ja fast schon Korruption in höheren Etagen.
Davon ab mochte ich Nicholsons Charakter in diesem Streifen.
Er ist eine Art Verdrehung des typischen Selfmade-Mans, der
auch, als er es eigentlich gar nicht mehr nötig hat, immer
noch selbst den Overall überstreift und mit anpackt.
>>Dann hast Du nicht aufgepasst (oder die deutsche Synchro
>>geschaut). Das Wort für die "Bürger-Daten" wurde von einem
>>Mafioso falsch geschrieben; DiCaprio schrieb es richtig
>>(wofür er von den Mobs ausgelacht wurde) und erkannte später
>>seine Handschrift.
> Was bitte ist das fuer ne Truppe? Beschriften brav den Umschlag? Warum
> nicht gleich "Daten von allen, die wo bei unserer Bande mitmachen"
> draufschreiben.
Warum nicht? Der Umschlag war nur für Nicholson bestimmt;
keiner der Leute sollte den Raum verlassen. Der Kerl, der
ihn beschriftete, war obendrein kein besonderes Cleverle.
> Wozu dieser daemliche Kunstgriff mit der Handschrift.
> Ein Umschlag mit Cranberrysaftflecken haette es doch auch getan.
Ich empfand es schon im Original als wunderbar einfach. Der
Wiedererkennungswert beim Zuschauer war so in jedem Falle
gegeben (nicht zwischen den Filmen, sondern im Falle des
Umschlages). Warum komplizieren, wenn es auch schlicht geht?
Wichtig an der Szene ist nur, daß es einen eindeutigen
Hinweis gibt. Das hat Scorsese noch mit der netten Idee
verbunden, daß die Mobs DiCaprio auslachen, als er das Wort
richtig schreibt. Das alles ist prägnanter und eindeutiger
als ein paar Saftflecken auf einem unbeschrifteten Umschlag,
wo es sich auch um einen simplen Zufall handeln könnte.
>>Von welchem Polizeispitzel reden wir hier? Doch nicht etwa
>>von dem Gangster, den die Presse zum Spitzel erklärt, um
>>DiCaprio zu schützen?
> Der, der DiCaprio ins Ohr hustet, er haette ihn zur falschen Adresse
> geschickt, dass er trotzdem da war, bewiese, das er der Spitzel sei,
> aber er habe nichts verraten weil *roechel*
> Fuer mich ein Spitzel, dessen Tod und Aufenthaltsort der Leiche
> DiCaprio, ohne das es angedeutet oder gar gezeigt wurde, den Cops
> meldet. Nur eben erzaehlt der eine Mobster, er haette die Leiche allein
> rausgeschleppt.
Was der Beseitiger erzählt, ist völlige Nebensache. Entweder
ist ihm DiCaprio gefolgt, oder er hat tatsächlich völlig
schlampig gearbeitet - was durchaus vorkommen soll. Ob es
tatsächlich ein Polizeispitzel war (was ich kaum glaube)
oder er DiCaprio nicht verraten oder einen besseren Moment
dafür abwarten wollte, erfahren wir nicht. Warum auch? Muß
alles immer haarklein erklärt werden?
>>>Warum wurde nicht aufgeloest, was in dem Umschlag war, den Costigan der
>>>Psychologin gab? Warum hat sie ihn nicht der Poilzei uebergeben?
>>Mußte das noch aufgelöst werden? Der Inhalt des Umschlags
>>hatte sich mit den besseren Beweisen in Form der
>>Überwachungstapes eh erledigt. Und das Frauen nicht
>>unbedingt den Vater ihres ungeborenen Babies verraten, ist
>>nichts Neues.
> Nun, mit den Beweisen waere Damon festgenommen wurden, so konnte er noch
> "Ordnung" schaffen.
Welchen Beweisen? Der Behauptung eines Mobsters, er wäre
Polizist und kein Verbrecher, sondern der Topstar des
Dezernats wäre der Maulwurf? Alles, was DiCaprio als
"Beweis" hatte, war der Umschlag im Büro Damons. Ob da diese
Aussage für eine Verhaftung ausgereicht hätte, wage ich zu
bezweifeln. Die Sache mit den Tapes kommt erst später.
Davon ab war das Material für den Todesfall DiCaprios
bestimmt. Wie wir klar erfahren, will er den Mistkerl selbst
zur Strecke bringen, um endlich seine wahre Identität
zurückzubekommen. Als Farmiga den Umschlag erhält, lebt
DiCaprio noch - sonst könnte er kaum das entlarvende Tonband
mit seiner Handschrift auf dem Umschlag an Damon senden, was
dann der Verlobten in die Hände fällt (das zweite Mal, daß
eine Handschrift auf einem Umschlag etwas in Gang bringt.
Gibt es da noch mehr in "Departed"? Beim nächsten Sehen
werde ich mal darauf achten).
> Lassen wir uns auf die mickrigen Hinweise ein, dann
> hat die Psychaterin wohl das Material an Wahlberg gegeben, denn woher
> haette der sonst wissen koennen, wer der Spitzel war.
Vielleicht hat sie auch einfach nur mit Wahlberg geredet -
oder der hat sich den Lebensstil Damons mal näher
vorgenommen und daraus seine Schlüsse gezogen. Wie schon
beschrieben hätte Scorsese dieses Ende weglassen sollen. Das
Original endet auf der Beerdigung - der Damon-Charakter
kommt ungestraft davon, was man wohl den westlichen
Zuschauern nicht zumuten wollte (vielleicht spielt da auch
Scorseses katholisches "Schuld-/Sühne-Verständnis" eine
Rolle - so ein "gerechtfertigter Mord" hinterläßt bei mir
zumindest einen üblen Nachgeschmack).
>>Keine offenen Fragen auf meiner Seite und kein fragendes
>>Gesicht.
> Ach, du hast bloss nicht aufmerksam genug zugeschaut, gibs doch zu....
Beide Versionen erst kürzlich hintereinander recht
aufmerksam geschaut und immer noch begeistert gewesen.
>>man sieht, wie wenig die Schreiber am Grundgerüst
>>tatsächlich verändert haben. Selbst die Enden sind bis auf
>>den bereits angemerkten Punkt absolut identisch.
> Nunja, haette man ja alles nicht machen muessen. Die Begruendung "Weil
> das dort auch so war" ist irgendwie bloed, wenn es bessere Wege gegeben
> haette. Mittel und Moeglichkeiten hatte Scorsese.
Wie gesagt, ich empfand alles sehr rund und schlüssig. Die
von Dir angemerkten Kritikpunkte sehe ich als völlig
unerheblich, zumal sie überhaupt keine Lücken darstellen.
> Gus van Sant hat in Psycho auch alles genauso wie Hitch gemacht (von der
> Farbe mal abgesehen), trotzdem laesst der Erfolg nun schon 10 Jahre auf
> sich warten.
Schlechtes Beispiel. "Departed" und "Infernal Affairs" sind
stilistisch völlig unterschiedliche Filme - lediglich die
Story inklusive einiger Dialoge ist gleich. Scorsese breitet
in zusätzlichen 45 Minuten zum Original noch ein wenig mehr
Drama sowie Charaktervertiefung aus, während in "Infernal
Affairs" wenig vertieft, weit weniger erklärt, dafür umso
mehr angedeutet wird (dafür gibt es dann noch 2 Nachfolger).
Vielleicht solltest Du Dir das Original anschauen, bevor Du
solche Vergleiche ziehst (DVDs von allen drei Teilen gibt es
von McOne (Teil 1 und 2 als Doppel-DVDs inkl. untertiteltem
AK; Teil 3 von Gallileo als Kinoversion inkl. DC).
Vielleicht liegt unsere gegensätzliche Auffassung an der
unterschiedlichen Herangehensweise an den Film: Ich wollte
den Streifen eigentlich gar nicht sehen, weil ich das
Original sehr mochte und nicht noch eine
Hollywood-Vergewaltigung eines asiatischen Filmes sehen
wollte - und wurde dann sehr positiv überrascht. Du hast
offensichtlich den Namen "Scorsese" in Verbindung mit
"Gangster" gesehen und einen Meilenstein erwartet.
Grüße
Hannes