Kon-Tiki (Norwegen, 2012)
http://akas.imdb.com/title/tt1613750/
Wie hat es nur 65 Jahre bis zu diesem Film gedauert?
"Kon-Tiki" erzählt die wahre Geschichte wie der Norweger Thor
Heyerdahl 1947 mit einer Handvoll Gefährten auf einem primitiven
Floß den Pazifik überquert, als Beleg für seine damals wie heute
unsinnige These, Polynesien sei von Südamerika aus besiedelt worden.
Ein schöner Abenteuerfilm. Spannend, wenn er spannend sein soll;
heiter, wenn er heiter sein soll; stimmiger Erzählrhytmus; schöne
Bilder. Viel mehr kann man nicht dazu sagen.
Da ich weder Heyerdahls Buch noch den Dokumentarfilm von 1950 kenne,
kann ich nicht beurteilen, wie viele Freiheiten sich die Macher
dieses Films genommen haben, aber man kann bei einigen Szenen leicht
raten, dass sie dramaturgisch überhöht sind, wie man so schön sagt.
Heyerdahl, wie im Film dargestellt, erscheint als mal liebenswerter,
mal tyrannischer Spinner, der sein bescheuertes Unterfangen nur mit
viel Glück überlebt. Einziges Manko: Heyerdahls Charisma wird mehr
durch die Handlung belegt als durch Pål Sverre Hagens Darstellung
vermittelt.
Heyerdahls Abenteuer und Selbstinszenierung hat ihm damals und in
den folgenden Jahren viel Aufmerksamkeit eingebracht, aber heute
ist er außerhalb Norwegens wenn noch nicht ganz vergessen, so doch
ziemlich aus dem Bewusstsein der Allgemeinheit verschwunden. Was
sicherlich auch daran liegt, dass er seinen Kampf gegen die
wissenschaftliche Orthodoxie verloren hat. Die Geschichte der
Besiedlung Polynesiens ist unstrittig und, egal was hätte sein
können, sie ist nicht von Südamerika aus erfolgt. Bleibt nur Respekt
für eine wagemutige, aber letztlich wenig bedeutsame Unternehmung.
Kein Film, den man gesehen haben muss, aber einer, den gesehen zu
haben, man sicher nicht bereut.
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Christian "naddy" Weisgerber
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