On Tue, 23 Oct 2012 08:51:16 +0200, Christoph Maercker wrote:
> Markus Luft wrote:
>> Ich hab heute spaßeshalber auch mal wieder an meiner
>> Lieblingseinmündung gezählt: 9 von 39 Fahrzeugführern haben einen
>> Schulterblick gezeigt.
>> Einige sind sogar komplett blind abgebogen. Es war sehr wenig
>> Radverkehr,
>> so wurde nur einem Radfahrer der Vorrang genommen. Nicht unbedingt
>> dramatisch, er wurde behindert und mußte bremsen.
>
> Wir wollen so bald wie möglich auch nochmal zählen/beobachten.
>
Wir ist schon mal ne gute Idee, allein ist es nämlich gar nicht so
einfach alles genau zu erfassen.
Wer ist denn Wir?
Nur, was macht man mit den Zahlen? Ich finde nämlich, solche Zahlen
sollten es wenigstens in das lokale Käseblättchen schaffen.
Ich finde es übrigens symptomatisch, daß die Polizei zwar
Rotlichtverstöße von Radfahrern zählen kann, aber eklatante Verstöße von
Autofahrern nicht. So wundert es mich nicht im Geringsten, daß in der
Bevölkerung die meinung vorherrscht die Radfahrer würden die Fehler
machen, obwohl in der Realität bei Unfällen zwischen KFZ und Fahrrädern
die Hauptschuld regelmäßig bei den KFZ-Führern liegt.
>> Die biegen selber so blind ab. Einsatzfahrzeuge der Polizei parken auch
>> grundsätzlich immer auf Radverkehrsanlagen. Vorm Döner-Laden, vorm
>> Sparkassenautomat, vorm Bäcker...
>
> Gute Gelegenheit, ihnen vorzuführen, dass in solchen Fällen § 2 (1) StVO
> für Radfahrer gilt, egal was der betr. Weg für ein Schild hat. ;-)
>
>> Eben weil Polizisten so wenig auf Fahrradfahrer achtende Autofahrer
>> sind, identifizieren sie sich offenbar so gern mit den
>> Unfallverursachern.
>
> Vielleicht hatte die einstige Magdeburger Fahrradstaffel eine positive
> Wirkung: Solange sie existierte und funktionierte, gab es eine relativ
> gute Zusammenarbeit von ADFC und Polizei. Kann Zufall sein, könnte aber
> auch mit Deiner "These" zu tun haben.
>
Das ist bestimmt kein Zufall, denn so schlüpfen die sonst autofahrenden
Polizisten in die Rolle von Radfahrern und erleben Mißstände, die aus der
Windschutzscheibenperspektive unsichtbar sind.
>> Mehr oder weniger gilt das aber auch für PKW-Fahrer, wenn die einmal
>> abbiegen, dann wird auch nicht mehr auf das geachtet, was sich nicht
>> unmittelbar vor denen abspielt.
>
> Ja klar, jeder zusätzliche Straßenteil erfordert zusätzliche
> Aufmerksamkeit. Dass "Radwege" zu einer Überforderung aller
> Verkehrsteilnehmer, besonders aber der Kraftfahrer führen können, wurde
> hierzugroups schon vor Jahren diskutiert.
>
Ich finde das Köpfchendrehen als Radfahrer auch nervig.
Einer der Hauptgründe für mich möglichst nicht in der Stadt mit dem Auto
zu fahren, ist die schlechte Sicht in den Dosen. Man kriegt überhaupt
darin nur noch wenig mit und das verunsichert mich, wenn ich mal Auto
fahre.
Autofahrer ahnen ja gar nicht, was ihnen in den Blechkisten alles entgeht.
>>>> Die haben sich über Geisterfahrer beschwert und über Radfahrer,
>>>> die schnell noch mal vor ihrem LKW herumfahren würden.
>>>
>>> Oder nur während der Rotphase einer Ampel bis zum Fahrerhaus vorfahren
>>> ...
>>>
>> Kann man auch prima ohne Radweg auf der Fahrbahn und wird auch
>> regelmäßig gemacht.
>
> Regelmäßig? Auf Fahrbahnen kommt man selten an LKW rechts vorbei,
> allenfalls an PKW. Und man spürt die Gefahr, wenn man sich so dicht an
> einen Brummi ranmacht. ;-)
>
Wenn da eine RVA ist, dann wird das Radfahrern sogar nahe gelegt sich vor
oder neben den LKW zu stellen. Und auch in Abwesenheit von Streifchen
jeglicher Art, geht das oft noch. LKW halten meist einen deutlich
größeren Abstand vom Bordstein als PKW. Müssen sie ja auch, ansonsten
würden sie ja dauernd beim Abbiegen den Bordstein mitnehmen.
Die Radfahrer hier spüren mitnichten die Gefahr, ich bin stets der
Einzige der auf der Fahrbahn hinter LKW und Bussen bleibt, wenn die
Abbiegen wollen. Ich bin auch der Einzige, der mittig hinter PKW bleibt,
wenn ich mich nicht mittig vor die Stellen kann.
http://goo.gl/maps/suyLu
Linksabbiegende Radfahrer schaffen es auch immer wieder sich auf den Mini-
Aufstellbereich zwischen dem roten und weißem Auto vorzuarbeiten und
werden dann schön abgedrängelt. Ich käm gar nicht auf die Idee mich bis
dorthin vorzuschlängeln, denn wenn es plötzlich grün wird bin ich
zwischen zwei sich bewegenden Autokolonnen und im Arsch.
Dazu kommt noch, daß dieser Austellbereich regelmäßig von
geradeausfahrenden KFZ-Führern mitbenutzt wird wenn vor ihnen ein
Rechtsabbieger warten muß.
"Normale" Menschen halten sich dort auch gar nicht auf, denn das ist
direkt neben dem Führerhaus. Ich glaube, dieser Spiegel heißt auch
Bordsteinspiegel, weil man damit auch nicht viel mehr sieht als den
Kantstein. Aber wie gesagt, das gilt für normale Menschen und nicht für
völlig dämliche Radfahrer, die einen Ampel-Vordrängel-Komplex haben.
>> Übliche (das muß man leider so sagen) PKW-Fahrer beachten beim
>> Rechtsabbiegen nur den Bereich zwischen 2 und 3 und sehen damit weniger
>> als aufmerksame LKW-Fahrer.
>
> Trotzdem passieren schwere Fahrradunfälle mit PKW-Beteiligung meinen
> Informationen zufolge nicht häufiger als mit LKW. Die meisten
Demnach müßten schwere Unfälle mit LKW gemessen an ihrer Anzahl deutlich
überrepräsentiert sein.
Ich weiß nicht, ob ich das noch mal finde, aber für Kiel gab es Zahlen,
die nahelegten, das Unfälle mit LKW und (Linien)bussen nur äußerst selten
vorkommen. Ich habe mich da noch gewundert und hatte sogar Zweifel an den
Zahlen mit den Linienbussen, zumal die fahren wie Sau.
> Abbiegevorgänge verlaufen unfallfrei, weil die Kraftfahrer die Radfahrer
> vorher beim Überholen wahrgenommen haben und sei es nur als Schatten auf
> dem Radweg. Wenn sie aber vor Knoten halten, überholen sie die betr.
> Radfahrer vorher nicht und nehmen deswegen keinerlei Notiz von ihnen.
> Wenn sie danach ähnlich unaufmerksam abbiegen, wie sie es sonst gewohnt
> sind, tauchen die Radfahrer buchstäblich aus dem Nichts auf. In diesem
> Fall sind LKW-Fahrer klar im Nachteil.
>
Richtig schlimm sind Rechtsabbiegerspuren. Der erste Rechtsabbieger
achtet vielleicht noch auf Radfahrer, die darauf Folgenden fahren sehr
oft völlig blind um die Ecke.
Sowas kann man auch zählen und man kann sich auch Stellen suchen, die von
KFZ-Führern im Vorfeld nicht einsehbar sind.
>> Man müßte mal mit dem Bildchen diverse Fahrsituationen durchsimulieren.
>> Ich bin Schnellfahrer und habe auf Radwegen regelmäßig das Problem, daß
>> Autofahrer den Bereich 1 wegen des fehlenden Schulterblicks gar nicht
>> sehen und ich deshalb auf Hochbordradwegen regelmäßig Notbremsungen
>
> Passiert mir sehr selten, aber ich fahre kaum noch auf "Radwegen",
> sondern suche mir möglichst Straßen, die keine haben oder wenigstens
> keine Blauschilder.
Straßen, die gar keine RVA haben, sind hier nahezu auschließlich
Nebenstraßen und für mein Fortkommen nicht geeignet. Ich wähle daher
meist das kleinere Übel und wähle Straßen mit Streifchen. Im Zweifel ist
es mir aber völlig wurscht und fahre trotz diverser RVA auf der Fahrbahn.
Es gibt nur wenige Stellen wo ich das Fahren auf der Fahrbahn für nicht
vertretbar halte. Das sind dann eher typische "Rennstrecken" mit viel MIV.
> Dafür sind mir schon mehrmals Lieferwagen oder PKW
> in die "Fahrrinne" eingeschert, die entweder auf dem sehr breiten Gehweg
> neben dem Zwangsradweg standen oder von der Fahrbahn her auf den Gehweg
> einparken wollten. Einzelne haben gut sichtbaren Beulen abbekommen, ich
> trage in der kühlen Jahreszeit stabile Stiefel. ;-)
Ich habe mehr Probleme mit Seitenraum-Parkern die dann einfach mal so auf
die Fahrbahn fahren. Da mußte ich schon so manches Mal auf die
Gegenfahrbahn ausweichen und hätte die regelgerecht locker überholen
können, wenn die nicht weiter beschleunigt hätten. Wenn ich eine Gotcha-
Pistole hätte, würden hier so einige mit einer markierten Seitenscheibe
auf der Fahrerseite rumfahren. Die Gefahr kann auch von der Gegenseite
kommen, wenn die ganz plötzlich mit Kararacho Wenden.
Ich gehe davon aus, das Dies in voller Absicht geschieht, möglicherweise
aber meine Geschwindigkeit heillos unterschätzt wird.
Bei Schnee und Eis, trage ich Schuhe mit Spikes, aber da hätte ich Angst
im Blech stecken zu bleiben. Beim Schuheabtreten bin ich auch schon mal
im hölzernen Dielenboden unter der Fußmatte steckengeblieben. :)
> Sind das übrigens normale Einmündungen, wo Du zu Notbremsungen gezwungen
> wirst oder Ampelknoten, Stauzonen oder so was? Weil ich eine Straße mit
> Schutzstreifen meinen täglichen Weg nenne, mir dort aber noch nie dgl.
> passiert ist. Die hat keine Ampeln und es gibt nie Staus.
>
Ich fahre ja nur noch selten auf Hochbordradwegen, insofern habe ich nur
noch selten Probleme dieser Art. Ich habe zwar keine Strichlisten
geführt, aber es waren auschließlich übersichtliche Einmündungen.
Ansonsten hätte ich mich ja auch gar nicht gewundert.
Auf Schutzstreifen und Radfahrstreifen kommt das allerdings auch
gelegentlich vor.
>> einleiten muß. LKW-fahrer scheinen mich regelmäßig im Spiegel zu sehen
>> und warten auf meine Durchfahrt. Ist ein LKW jedoch gerade im Begriff
>> abzubiegen (steht schon quer), dann lasse ich den durch fahren.
>
> Hauptsache, Du kommst weit genug vor der Furt zum Halten. Vielen
> Unfallopfern unterstelle ich, dass sie *nicht* auf ihrem Vorrang
> bestanden haben, sondern angehalten, nur zu weit vorn, direkt vor der
> Furt!
>
Ich finde diesen Gedanken auch völlig absurd.
Der letzte LKW-Tote (ein Kind) in KI hat laut Zeugen auch so ordentlich
gebremst, daß er wohl über den Lenker ging. Der 13jährige geriet unter
die Hinterräder und verstarb an seinen Kopfverletzungen.
Das Problem ist doch, daß man nicht damit rechnet, daß der LKW/PKW-Führer
einfach weiterfährt und nicht (noch mal) anhält. Manche KFZ-Führer halten
vor dem Abbiegen ja sogar noch mal an und vermitteln den Eindruck, man
sei gesehen worden, da bremst man nicht mal prophylaktisch.
Lediglich bei Radfahrern will man das Vertrauensprinzip aufheben und
macht aus "hatte grün und Vorrang" ein "hat auf seine Vorfahrt gepocht
und ist selbst schuld".
>> Will ein LKW-fahrer jedoch noch abbiegen, dann passiere ich den "bösen"
>> Bereich 4 noch bevor der LKW überhaupt meine Fahrspur kreuzt.
>> Vom toten Winkel werden vermutlich eher Langsamfahrer überrascht.
>
> In den mir verfügbaren Unfallberichten sieht es ganz danach aus: es sind
> auffallend viele Frauen/Rentnerinnen unter den Unfallopfern.
>
Also die typische Draufgängertruppe die in Rambo-Manier auf ihr
Vorrangrecht beharrt - oder wie?
Ich würde auch davon ausgehen, daß Frauen und Senioren sogar etwas
langsamer fahren als der Durchschnitt, der im Übrigen auch schon recht
langsam fährt und die damit sogar einen kürzeren Anhalteweg haben.
Das tödliche Schicksal scheint die ganz plötzlich und völlig unerwartet
zu ereilen.
>> Toter Winkel hin oder her, in den allermeisten Unfällen mit LKW dürfte
>> die Ursache aber nicht im toten Winkel zu suchen sein, sondern da wo
>> auch bei PKW-Fahrern der Hase im Pfeffer liegt, nämlich im
>> Nicht-Hinsehen.
>
> Der Bericht, den ich von einem LKW-Fahrer habe, liest sich anders. Bei
> PKW-Fahrern ist aber davon auszugehen.
>
Nun ja, ein einzelner glaubwürdiger Bericht.
Ich will den toten Winkel ja auch gar nicht als Ursache ausschließen, nur
denke ich, das er allzuoft als Schutzbehauptung herangezogen wird.
>> Gut, die eigentliche Ursache liegt natürlich an Geradeausspuren rechts
>> neben Rechtsabbiegerspuren.
>
> Und dem Vorrang von Radfahrern gegenüber Rechtsabbiegern. Der sorgt
> dafür, dass wie Du ebenfalls schreibst, solche Abbiegeunfälle sogar auf
> Fahrbahnen passieren können.
>
Falls Du jetzt hoffst, benutzungspflichtige Radwege würden abgeschafft,
muß ich Dich enttäuschen. Eher wird den Radfahrern das Vorrangrecht
zusätzlich zum Recht auf das Fahrbahnfahren genommen...
Und vertrau mir, die Radfahrer werden das akzeptieren.
>>> ACK, ich habe immer wieder festgestellt, dass Kraftfahrer viel
>>> schneller verstehen als reine Radfahrer, was an "Radwegen" so
>>> gefährlich ist!
>>
>> Und ich habe zumindest hier in Kiel die Erfahrung gemacht, daß
>> KFZ-Führer sich über Radfahrer auf der Fahrbahn auch nicht im Mindesten
>> erregen,
>> wenn sie problemlos überholen können.
>
> Dito hierzustädt. Die genannte Voraussetzung ist aber entscheidend.
>
Für gar keine Radwege ist meistens ja genug Platz da.
Eng ist es ja meistens nur deshalb, weil man da irgendwo noch unbedingt
eine RVA hingequetschen mußte. Wenn's irgendwie ging, hat man das auch
gern zu Lasten von Fußgängern gemacht.
Da wo wirklich kaum Platz ist und KFZ-Führern das Überholen tatsächlich
nur schwer möglich ist, kann man auch Tempo 30 anordnen.
Bei Tempo 50 brauche ich auch mit dem Fahrrad schon fast so viel Breite
wie KFZ-Führer und umgekehrt brauchen Autos auch weniger Breite, wenn sie
langsamer fahren.
>> Von einigen wenigen Idioten mit "erzieherischem" Auftrag natürlich
>> abgesehen.
>
> Seltsamerweise scheinen die vermehrt auf mehrspurigen Straßen unterwegs
> zu sein, siehe unten.
>
>> Wenn nun nicht gerade dichter Verkehr herrscht habe ich als Radfahrer
>> auf mehrspurigen Fahrbahnen sogar eine Spur für mich allein, da ein
>> vollständiger Spurwechsel erfolgt. Gedrängelt wird nur, auf einspurigen
>> Fahrbahnen mit viel Gegenverkehr oder wenn Fahrbahnmalereien
>> engüberholen nahelegen.
>
> Das ist hier seltsamerweise anders, zumindest auf einigen Straßen. Dort
> werde ich öfter angehupt als auf ausreichend breiten zweispurigen
> Straßen. Eine davon hat nicht mal einen Radweg, sondern nur einen
> kaputten, freigegebenen Gehweg, auf dem jede Menge Geisterradler
> rumgurken. Obendrein fahre ich auf dieser Straße kaum 100m, bis zur
> nächsten Einmündung. Vollständigen Spurwechsel machen auch nicht alle.
Nun ja, nicht mal die Abwesenheit von Radwegen hält sogar die Polizei
nicht davon ab, einen dahin verweisen zu wollen.;)
Es gibt ganz sicher deutliche lokale Unterschiede.
Ich habe ja immer noch die Theorie, daß man mich weitgehend unbehelligt
meine Kreise ziehen läßt, weil ich meistens mit einem Rennrad oder mit
einem nach Rennrad aussehendem Gefährt unterwegs bin. Erstens sieht sowas
nach schnell aus und zweitens wissen Autofahrer auch, daß damit Radwege
ganz besonders unbequem sind.
Und Nein, ich montiere die finnische Bereifung meines als Winterrad
benutzen Treckingrades jetzt nicht ab. ;)