On Mon, 13 May 2013 13:31:26 +0200, Christoph Maercker wrote:
> Markus Luft wrote:
>> Die Radfahrer sind regelmäßig bereits vorher überholt worden. Es gibt
>> wirklich nur wenige Spezialfälle, wo der Radfahrer vorher nicht
>> überholt wurde, sondern z.B. aus einer Seitenstraße kam.
>
> Im Falle eines vor einer Ampel haltenden LKW kann das vor mehr als einer
> Minute gewesen sein. Dass sich ein Fahrer daran erinnert, sehe ich nicht
> unbedingt als seine Pflicht an, ich würde sogar behaupten, die wenigsten
> Fahrzeugführer tun das und zwar unabhängig davon, ob sie einen Radfahrer
> auf der Fahrbahn oder auf einen "Radweg" überholt haben.
>
Ich denke, man sollte zwischen Haupt- und Nebenstraßen unterscheiden.
Fahren LKW und Rad auf einer Hauptstraße ist es rein statistisch schon
sehr wahrscheinlich, daß der Radfahrer vorher überholt wurde.
Wenn ich mit dem Bus fahre, dann ist es fast immer so, daß der Bus den
Radfahrer (der mit ihm in's Gehege kommen könnte) kurz zuvor überholt hat.
Lediglich wenn sehr dichter KFZ-Verkehr herrscht, kommt es vor, daß KFZ
irgendwo länger warten müssen und die langsamen Radfahrer erst vor
längerer Zeit überholt wurden oder gar nicht.
Ich saß heute mal in einem Flüssiggastransporter zur Probe.
Der tote Winkel ist verdammt klein, da muß man als Radfahrer schon
verdammtes Pech haben um ausgerechnet da zur falschen Zeit reinzufahren.
Der LKW hatte zusätzlich zu seinem Spiegelkabinett noch eine Kamera, die
sich automagisch mit dem Blinker einschaltet. Von dem Weitwinkelspiegel
war ich sehr beeindruckt, man kann damit etwas mehr als eine Fahrspur
neben dem LKW überblicken. Über Autos zwischen Fahrbahn und Radweg kann
man einfach hinweg sehen. Es bleibt wirklich nur noch eine kleiner nicht
einsehbarer Bereich, der sich etwa (2 Uhr) rechts vor dem Fahrzeug
befindet.
Ein Radfahrer Radfahrer kann bei sorgfältigem Verhalten des LKW-Führers
kaum unbemerkt in diesen Bereich fahren, es gelingt am ehesten, wenn er
während des Abbiegens dort hineinfährt und dann auch dort noch recht
langsam wird bzw. dort sogar noch kurz anhält. Das würde sich dann mit
dem von Dir verlinktem Erlebnisbericht des LKW-Führers decken. Der hat ja
auch vermutet, der Radfahrer sei sehr langsam gewesen, sogar langsamer
als Fußgänger.
Insgesamt erscheint mir der tote Winkel bei modernen LKW sehr
überschätzt, weshalb ich bei Unfällen zuerst *die* Hauptunfallursache
vermuten würde, nämlich menschliches Versagen.
>> Die Unfallanalytiker aus Berlin sehen das ähnlich wie ich.
>>
http://www.unfallanalyse.de/unfallforschung/rechtsabbiegender_lkw.html
>>
>> | Erfahrungen der forensischen Unfallanalyse zeigen, dass in den
>> meisten | Fällen der Lkw Fahrer den ungeschützten Verkehrsteilnehmer
>> auch mit den | vorhandenen Möglichkeiten direkter und indirekter Sicht
>> zumindest zu | irgendeinem Zeitpunkt hätte wahrnehmen können. Meist ist
>> es ja ohnehin so,
>> | dass der später verunglückte Radfahrer kurz zuvor vom Lkw überholt
>> worden | war. Der Fahrer hätte sich folglich vergewissern müssen, wo
>> der Radfahrer | geblieben ist, bevor er abzubiegen beginnt.
>
> Unter "kurz zuvor" würde ich im Straßenverkehr <= 10s verstehen. Wenn
> unmittelbar nach dem Überholen abgebogen wird, ist dieser Fall gegeben:
>
Rechne das mal in Meter aus. Ich gehe davon aus, daß die Geschwindigkeit
von Radfahrern, auch die von langsamen, regelmäßig heillos unterschätzt
wird. Die fahren 40-50 m vor dem Knotenpunkt an Dir vorbei und denken
dann, Du würdest für die paar Meterchen dann ewig brauchen. Dann wird
einfach blind abgebogen...
>>> Nur, wenn zuvor überholt wurde. Diese Variante kommt öfter mit
>>> PKW-Beteiligung vor und endet viel seltener mit Toten und
>>> Schwerverletzten.
>
Wieso soll diese Variante bei PKW häufiger vorkommen als bei LKW?
LKW fahren fast genauso schnell, sie fahren nur langsamer um die Ecke.
>> Die Radfahrer sind fast alle vorher überholt worden. Mich beschleicht
>> der Verdacht, Du hast eine andere Vorstellung von vorher.
>
> Eher von davon, was "kurz zuvor" bedeutet.
>
Ich gehe davon aus, daß KFZ-Führer auf Seitenbereiche generell so gut wie
gar nicht achten. Als Radfahrer fährt man vermutlich eh etwas anders und
achtet mehr auf Seitenbereiche, da von da ja meist die Gefahr kommt.
Autofahrer sind fixiert auf das, was unmittelbar vor denen passiert, der
Rest wird weitgehend ausgeblendet. Anders lassen sich viele Phänomene
doch gar nicht erklären.
>> Als Fahrbahnfahrer habe ich nahezu alle Radfahrer auf RVA vor dem
>> Abbiegen bereits überholt. Wenn die Radfahrer nicht hinter
>> irgendwelchen Sichthindernissen versteckt waren oder aus einer
>> Seitenstraße oder Ähnlichem in meine Richtung abbogen, dann habe ich
>> die alle vor dem Abbiegen schon gesehen.
>
> Aber nach spätestens 20s wieder vergessen, egal wo sie fuhren. Bei
> echten Radwegen kommt hinzu, dass Radfahrer dort nicht wirklich überholt
> werden, an ihnen wird vorbeigefahren, ohne dass die Überholer das
> großartig wahrnehmen, sei es wegen Sichtbehinderung, sei es, weil
> Vorgänge jenseits vom Bordstein für Kraftfahrer allgemein ziemlich
> uninteressant sind. In dieser Hinsicht schneiden Radstreifen besser ab,
> dort werden Radfahrer beim *Überholen* i.a. gesehen, ebenso wie ein Kfz
> auf der rechten Fahrspur daneben.
>
Würden sie bereits deutlich vorher überholt, dann kämen sie nur mit KFZ
in Konflikt, wenn die KFZ auch entsprechend aufgehalten worden sind.
>> Hier kommt es sehr häufig vor, das KFZ-Führer auf die Fahrradfurt
>> fahren, obwohl der Radverkehr gesehen werden mußte. Man verläßt sich
>> voll und ganz darauf, daß der Radfahrer schon bremsen würde. Man fährt
>> auch auf die Fußgängerfurt, obwohl dort gerade Fußverkehr stattfindet.
>
> Das ist sicher ein weiterer Nachteil von "Radwegen", hat aber weniger
> mit der schlechten bzw. fehlenden Sichtbeziehung Radfahrer - Kraftfahrer
> zu tun. Dieser Hauptnachteil besteht vor allem deswegen, weil "Radwege"
> prinzipiell die Möglichkeit bieten und dazu einladen, in tote Winkel
> einzufahren.
>
Das hat mit toten Winkeln rein gar nichts zu tun.
Es hat etwas mit der mit der bekloppten Verkehrsführung zu tun.
Geradeausspuren rechts neben Rechtsabbiegerspuren existieren in der Welt
der KFZ-Führer nicht wirklich, darum wird einfach blind abgebogen.
>> Autler beschweren sich regelmäßig über Radfahrer, die sich
>> durchwurschteln würden. Das man auf der Furt gar nicht zu suchen hatte,
>> wird ignoriert.
>> Der Vorrangverstoß geschieht mit Absicht. Man fährt schon mal auf die
>> Furt um dann schnell durch eine Fußgängerlücke zu fahren oder schnell
>> noch vor den Radfahrern abzubiegen. Dabei kommt es regelmäßig zu einer
>> Behinderung des Radverkehrs und wenn es zu knapp war, auch zu einer
>> Gefährdung. Manchmal eben auch zum Unfall...
>
> ... in solchen Fällen vor allem mit Geisterradlern. Auf die achten
> solche Fahrer gleich gar nicht.
>
Logisch, wir haben ja auch Rechtsverkehr, also ist man vor allem auf die
linke Seite konzentriert...
>> Den Unterschied sieht man ja auch nur, wenn wenig Verkehr herrscht und
>> nur gelegentlich Autos kommen. Abends oder am Wochenende kann ich den
>> Effekt vor meiner Haustür bewundern. Ist gerade kein Auto in Hörweite
>> wird die Fahrbahn oft sogar mittig benutzt. Macht es in der Nähe
>> brumm-brumm,
>> ist der Radfahrer - zack - wieder am Fahrbahnrand.
>
> Also immer. Autos sind in Städten ständig zu hören. ;-)
> So deckt sich das mit eigenen Erfahrungen.
>
Also ich höre schon, ob sich da bei mir etwas in der Nähe tut.
Heute morgen wieder, gleich zwei Radfahrer auf dem Gehweg, obwohl da
nicht ein einziges KFZ lang fuhr. Fahrbahnphobie scheint mir nicht
wirklich übertrieben zu sein, das grenzt wirklich an's Kranke.
>> Auf RVA wird gern die Mitte benutzt. Aber auch da kann man beobachten,
>> daß Radfahrer bei von hinten dräuenden KFZ mehr nach links ziehen.
>
> Mittig fahren sie hierzustadt auf RVA ebenfalls, aber sie bleiben in
> etwa in dieser Spur.
>
Mittig erscheint mir auch normal, aber wenn Autos kommen, drückt man sich
noch mal ein Stückchen näher an die Parker. Es hängt wohl schlicht auch
von der Breite der Spürchen ab, genauer vom möglichen Abstand RF-KFZ.