Am 12.05.2012 12:47, schrieb Wolfgang Strobl:
> "Homs da ins Hian gschissn?" würde ein Österreicher fragen.
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> verfügbare Originale verweisen.
>
> Zur Zeit ist das noch über den iTunes-Appshop als
>
http://a2.mzstatic.com/us/r1000/068/Purple/13/e7/47/mzl.ubcjagum.480x480-75.jpg
> verlinkt.
>
> Es handelt sich um zwei nebeneinander montierte Stock-Fotos,
> rechts ein eine Betontreppe in einem Treppenhaus hochlaufenden und drei
> Stufen überspringender Geschäftsmann, Handy am linken Ohr, Jacke über
> die rechte Schulter aus der Serie
> <
http://www.fotosearch.de/bilder-fotos/gesch%C3%A4ftsmann-hochklettern-treppe.html>
> (die linke Hälfte von diesem hier:
> <
http://photos3.fotosearch.com/bthumb/CSK/CSK009/pr89067.jpg>)
>
> Auf der linken Seite sehen wir zwei ältliche Radfahrer, die im
> Unisexstil gelb/silbern behelmt irgendwo am Strand langfahren. Beide
> Fahrräder ohne Licht, keine Dynamos, auch Sockel für evtl. Akkulicht
> sind in der hohen Auflösung im PDF erkennbar nicht vorhanden. Beide
> tragen weder feste Schuhe noch benutzen sie Handschuhe.
>
> Dieses Bild ist auch
> Retirement Plans - Bank of the Carolinas Feel the Warmth
>
http://www.bankofthecarolinas.com/business/retirement.asp
> zu finden, was möglicherweise die der deutschen StVZO nicht genügende
> Ausstattung und die absonderliche Bekleidung erklärt.
>
> Im Text zum Bild heißt es dann
>
> "Machen Sie es sich zur Regel, Aufzüge und Rolltreppen links liegen zu
> lassen und dafür Treppen zu steigen"
Eh klar. das sollte auch gut beübt werden.
Ab hier setze ich keine Irony-Tags, es bleibt dir überlassen, sie nach
eigen Belieben zu setzen.
>
> Nicht, daß ich dem widersprechen wollte. Nur frage ich mich, ob der
> Techniker-Krankenkasse der Umstand wirklich unbekannt ist, daß sehr viel
> mehr Menschen durch Stürze auf Treppen zu Tode kommen als durch Stürze
> vom Rad?
Ich glaube nicht, daß dort ohne direkten Anstoß (mit vorgehaltener
Waffe) jemand auf die Idee käme, hier einen Kontext zu suchen.
Ich meine, die Antwort kann ich recht sicher mit nein beantworten.
>
> Ich habe vor einigen Jahren mal aus den Zahlen des statistischen
> Bundesamtes eine Zeitreihe als Grafik aufbereitet und hier
>
http://0x1a.de/static/helmkampagne1/konzertierte_aktion.html#Treppenhelme
> veröffentlicht. Wie man sieht, kommen im Jahr ca. 1000 Personen durch
> Stürze auf Treppen ums Leben, Tendenz leicht steigend.
Man muss schon ein langgedinter drf Regular sein, zu wissen worauf du
gleich hinauswillst.
>
> Ist es insofern nicht unverantwortlich, daß hier ein Geschäftsmann im
> Laufschritt auf einer Treppe ohne den Schutz durch einen Sturzhelm
> abgebildet wird, die Hände gebunden durch das Telefon in der linken Hand
> und durch die Jacke in der rechten?
>
> Im Ernst: Der Realitätsverlust im Marketing geht schon ziemlich weit.
Ich glaube gar nicht, daß es sich um Realitätsverlust handelt, da die
von dir angesprochene verglichene Gefahrenlage ausserhalb unserer
geschützten Werkstatt kaum jemanden bekannt sein dürfte.
(Jedes mal wenn ich den "Dusch-Helm" in einer Diskussion bringe, muss
ich nachher meine Ehre mit einer fehlerfreien Runde Jauch/Assinger vor
dem Fernseher wiederherstellen)
Ausserdem ist ja Marketing nicht da, Realität abzubilden, sondern
vielmehr, Realität zu schaffen.
> Und in der Produktwerbung darf ja bekanntlich gelogen werden, daß sich
> die Balken biegen.
Du missverstehst das Konzept der Wahrheit.
Diese ist nicht, sie entsteht durch Wiederholung.
Somit ist es nur eine Frage des Beobachtungszeitraumes, ob gelogen
wurde. Auch durch Unterschlagung von Details entsteht eine Art von
Wahrheit, die ja unter Umständen nur eine Nicht-Lüge sein kann.
>
> Zumindest in einer Beratungsbroschüre einer gesetzlichen Krankenkasse
> hätte ich aber doch etwas verantwortlichen Umgang mit den Fakten
> erwartet.
Fakten sind überbewertet und Verantwortung beginnt erst, wenn man es auf
dich zurückführen kann. Dann stehst du in Verantwortung, Wahrheit zu
schaffen.
> Nonchalant über die zwar kleinen, aber durchaus vorhanden
> Risiken einer Empfehlung hinwegzugehen, gleichzeitig aber mit Bild und
> Tat die geradezu paranoide Furcht vor dem Radfahren weiter zu schüren,
> obwohl dessen entsprechende Risiken um rund den Faktor zehn kleiner sind
> (und der Nutzen größer), das ist unverantwortlich, infam und ärgerlich.
Ich meine, daß du das bereits zu empfindlich siehst. Ich glaube, daß das
die breite Öffentlichkeit viel gelassener wahrnimmt. Vielleicht eröffne
ich dazu mal wieder einen Helmwahrnehmungsthread, aber dazu ein
andermal. Argerlicher empfinde ich vielmehr, daß von politischer Seite
teilweise bewusst und auch massiv obstruiert wird, da fallen solche
Minimalnebenschauplätze nur noch dem sensibilisierten drf-ler auf.
>
> Mich würde ja interessieren, wer für solche Kampagne als Person
> verantwortlich zeichnet.
Irgendjemand, der nachher ein Bier trinken will bevor er Heim zu den
G'schrappen und ab vor die Glotze will. Da ist weniger dahinter als man
meinen möchte.
Solang nicht Radfahren direkt angesprochen wird und "niemals ohne Helm"
unter den ersten drei Tips steht, juckt es hier nicht.
>
> Unterschrieben hat die Broschüre ein Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer,
> Lehrstuhl für Radiologie und Mikrotherapie der Universität
> Witten/Herdecke, das Copyright hat aber die TK.
Sein wir froh, daß sein Brunder, Cousin, was auch immer, einige nette
Stückchen intoniert hat. Für den Österreicher manchmal hart an der
grenze des Verständlichen, aber im Rahmen einer Atemtherepie für
Astmatiker gut zum Mitschmettern.
>
> Aus der Wikipedia:
>
> "Grönemeyer vertritt einen ganzheitlichen Medizinbegriff, unter dem er
> High-Tech-Medizin und Therapieformen aus dem Bereich der Naturheilkunde
> und anderen Kulturkreisen (z. B. die Traditionelle Chinesische Medizin,
> Ayurveda) versteht."
Ja, das machen viele. Lach nicht drüber.
Die sind im Mittel wesentlich entspannter als die im mentalen Inzest der
Großspitäler paranoidisierten Schulmediziner.
Ich hab zwar nur wenige Nachmittage gebraucht einem hiesigen OA des AKH
das Radfahren dauerhaft schmackhaft zu machen, aber ein halbes Jahr, ihm
die Helmproblematik darzulegen. Er glaubt mir das eh, aber die Kollegen...
>
> und
>
> "Grönemeyers medizinische Ansätze wurden in der Vergangenheit in der
> Fachwelt kontrovers bewertet. Der Vorstand des Deutschen
> Krebsforschungszentrums Otmar Wiestler bezeichnete einige von
> Grönemeyers Ideen als 'wissenschaftlich nicht haltbar'. Nach Auffassung
> des Präsidenten der Deutschen Krebsgesellschaft Michael Bamberg wecke
> Grönemeyer 'unberechtigte Hoffnungen'.[5]"
Wer einen berühmten Bruder, Cousin, wasauchimmer hat, darf sich nicht
wundern, wenn man ihn ans Bein pinkelt.
Ich bin zwar Agnostiker, aber gerade in der Krebsbekämpfuing ist der
Gottesbeweis (Wirkung des Glaubens) besonders leicht, will mir scheinen.
Hoffnungen zu wecken, zu schüren und aufrechtzuerhalten, kann unter
Umständen positive Nebeneffekte haben. Ob das auf Signifikanz untersucht
wurde, weiss ich nicht. In meinem Beobachtungsraum hat es Signifikanz.
(Krebsverwandtschaft Galore)
Aber das ist eigentlich alles OT und deiner nicht würdig.
>
> Danke, keine weiteren Fragen. Man muß nicht alles glauen, was in der
> Wikipedia steht. Ich würde mich aber sehr wundern, wenn sich jemand ohne
> Widerspruch das Quacksalberetikett anheften lassen würde.
Nachdem ich ein paar davon, und auch einige der anderen Seite kenne (hab
ich schon mal erwähnt, daß ich ein geselliger Mensch mit einem sehr weit
verzweigten Bekannrenkreis bin?) kann ich dir sagen, daß das für
gewöhnlich nicht stört, sich dieses Etikett umhängen zu lassen.
>
> Lesenswert ist auch
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-49298906.html
Ah... Bruder
Das wird hier unter den Onkologen, die ich zu meinem
(periphär-eigeheirateten) Bekanntenkreis zähle viel entspannter gesehen
als im Spiegel, aber vielleicht kratze ich ja schon wieder an Gassner.
>
> Erstaunlich, was für ein Sumpf sich auftut, wenn man mal veranlasst
> durch ein irritierendes Detail eine Ecke des Teppichs hochhebt ...
>
Entspann dich, Gassner!