Thomas Humburg <
she...@gmx.de>:
> bietet sich eventuell auch ein Outdoorfähiges Smartphone
derlei ist gerade virale Zielscheibe aller vereinten Zwangshysteriker, die
Kombination Straßenverkehr plus Quasselapparat ist prinzipiell böse & pfui
usw. Ergo tunlichst nicht alles in einer Kiste vereint herumtragen.
> (ich nutze ein etrex Vista HCX mit OSM Karten)
hab gerade ebenso eines günstig erstanden, eben dieses vor einigen Jahren
noch ausgeschlagen, da zwangsläufig die Insignie imperialer Weltenbesetzer.
Bis dahin nun als gelegentlicher Tacho-Ersatz mit Höhenmeteranzeige ganz
nett. Mal schauen, ob ich mich damit näher anfreunden kann.
Und OSM kenne ich bis dahin nur via Rechner - vorsichtig aus der Distanz
mich von dieser Richtung annähernd ... nachdem die OSM-Bastler mit einer
seltsamen, abgespeckten Version jenes Weltenbesetzungssyndroms geschlagen zu
sein scheinen, als da mir vorkommt, überall, wo weiße Flecken erobert
werden, müsse prinzipiell erst einmal die Zugehörigkeit zur Klasse der
separierten Fahrradverkehrsflächen taxonomisch unverrückbar in den
Kartenbestand einbetoniert werden, wo das große Vorbild tatsächlich den
Claim der billigen Verfügbarkeit von Ressourcen fremder Länder zum Raubbau
absteckt. Da hab ich auch so meine skeptischen Anwandlungen.
Besinnung auf die lapidare Beschreibung des Faktischen wäre ja immens
hilfreich für die Nutzbarkeit. Für's Fahrrad interessiert mich, ob es obi
geht geht oder oba, und, ob man tragen muss oder ob es rollt, und ob es
leicht rollt oder nur holprig. Das wäre dann die einfache physikalische
Beschreibung.
Aber dann kommt doch immer wieder der Stempel der Zweckbetonung daher ...
mit dem Holzhammer: Hier steht "Fahrrad" drauf, also hat per Definition
Fahrrad drin zu sein. Ach, wirklich?
So dominiert der stramme Imperativ die Beschreibung des Physikalischen oder
verdrängt sie gar (ich seh ständig die harmlose Miene vor mir: wer kann denn
schon etwas gegen Radwege haben?), im einfachsten Fall aufdringlich störend
(als fette Linien in der Kartenlandschaft, die vor allem eines markieren:
"ich war schon da!"), schlimmerenfalls in weiterer Folge den Gebrauch des
Verkehrsmittels schädigen.
"Switch to Cyclist View" - früher oder später wird da eine Drohung daraus.
Hierzu noch die Vermutung: Bestenfalls möchte man als Grund für solche Art
Bornierung Mimese vermuten. So schließen Schnellstraßen die Fahrradnutzung
aus, und zugleich genießen Schnellstraßen hohes gesellschaftliches Prestige
- aber heißt das nun, dass man diese spezielle Zweckbindung abkupfern muss?
So etwas ist Übertragung aus Denkfaulheit, so etwas ist jedenfalls nicht
"Fahrradperspektive".
Dann gibt es da die grassierende Seuche der Points of Interest, womit die
Unterstellung einer Konsumentenperspektive stillschweigend ins Totalitäre
verallgemeinert wird. Damit geht eine andere Übertragung von Mimese:
.. zu der Markierung (der Separierung) muss ich hin, weil ich gerade ein
Fahrrad dabeihabe.
.. und dann muss ich zu der Markierung schon wieder hin, weil ich das
Fahrrad immer noch dabeihabe.
.. und dann muss dort nochmal wieder hin, weil ich das Fahrrad wirklich
immer noch dabeihabe.
.. und dann nochmal, weil ich das Fahrrad tatsächlich wirklich immer noch
dabeihabe.
****
Die grobschlächtige (nicht-OSM-) Karte, die auf dem Vista drauf war (und ich
hab soweit nichts dazugeladen), sowie Teile der Menüführung, exemplifizieren
beide, wie die vorrangige Motivation zur Aufschlüsselung des physikalisch
Existentiellen in der Geographie eben auch in erster Linie unter diesem
Gesichtspunkt von unterstellter Konsumidiotie erfolgt:
Wichtig ist vorrangigerweise, dass der Bedarf für das Personal zu decken
sei, mit dem die Absteckung der globalen Claims verwaltet wird - wo gibt es
etwas zu essen, wo kann man Geld abheben, wo sind geheizte Häuser, wo man
sich einquartieren kann, und schließlich ganz elementar, wo kann man mit dem
Panzerkombi herumrollen, wo ihn auftanken.
Auch die einfachsten Bundesstraßen hierzugegend, hier irgendwo draußen quer
über die Dörferm sind als "Highway" taxiert. Sagenhaft.
Die schnellen Nachschublinien, sozusagen.
Sorry dass ich solche Details wahrnehme. Das ist ja in erster Linie ein
militärisches Gerät. Und Militär hat seit gut zwanzig Jahren so gut wie
nurmehr die eine Stoßrichtung, den vorherrschenden Konsumidiotismus
möglichst umfassend und einträglich über ausnahmslos den gesamten Planeten
schwappen zu lassen.
Das definiert hernach das, was ungefragterweise in so einem Popularkontext,
wie in so einem Gerät darstellt wird, als "Absolut wichtig!" abgebildet
wird.
Muss das denn nun die OSM mitmachen? oder gar zu überbieten suchen?
Kleine Gegenprobe: Auch wenn da und dort reichlich potentielle
Dreckschleudern in der Gegend herumstehen, wird dennoch kaum jemand auf
Karten effektive Gefährdungsumkreise einzeichnen, gar deren Umgehungen.
Wenn es solche Aspekte je durch ein Instanzen-Hickhack bis zur Feststellung
einer genehm(igt)en Beschreibung schaffen, dann lauert gleich, solcherlei zu
militärischen Fragen einzusortieren, um den Zivilisten in seiner Rolle als
Konsumidioten letztlich nicht zu verunsichern.
Im Zweifelsfall wird in Tokio der Handel mit Geigerzählern verboten - so der
kleine Hinweis auf diese Geschmacksrichtung.
****
Nun, vielleicht kann ich diesen Umgang auch geruhsam in die Phänomenologie
des Alltäglichen integrieren, so rein mal zur lapidaren Praktikabilität,
bevor man als seltsames Relikt bestaunt wird, wenn man irgendwo noch Leute
nach dem Weg fragen will. Bin mir aber nicht sicher - letzteres ist viel
lustiger als die neuerliche Fixierung auf gerade noch ein weiteres
Tipptastenkino.