Tellkamp verbittet sich die Wiederver�ffentlichung seines Erstlings
"Der Hecht ...".
"'Und so bleibt mir nur, Ihnen auf diesem Weg mitzuteilen, da� die
neuerliche Publikation des 'Hecht' ohne meine Zustimmung erfolgt. Mit
freundlichen Gr��en Ihr Uwe Tellkamp.'"
Die FAZ wei� warum.
"es ist ein schlechter Roman. Ein furchtbar schlechter Roman sogar,
der den Vorteil hat, nur 163 Seiten lang zu sein. Ein Roman so voller
Pathos, schiefen Bildern und triefendem Kitsch, dass man das Ganze
auch f�r das Dokument einer feindlichen �bernahme durch einen
b�sartigen Tellkamp�bertreiber halten k�nnte."
"Die irrste Stelle in Tellkamps Fr�hwerk ist �brigens eine ganze
Seite, auf der er die Dresdner Semmel besingt: 'Sie lagen genau im
Zenit des Backgleichgewichts, zwischen Verbrennen und
lau-gleichg�ltiger Engerlingshaftigkeit, so da� das Gold der Tiefe
geweckt wurde und ruhig die Augen aufschlug. (...) Solcherart waren
die weizenblonden Nahrhaftigkeiten, die Frommann buk.' Leider geht es
nicht so lustig weiter."
K�stlich.
>> "'Und so bleibt mir nur, Ihnen auf diesem Weg mitzuteilen, da� die
>> neuerliche Publikation des 'Hecht' ohne meine Zustimmung erfolgt. Mit
>> freundlichen Gr��en Ihr Uwe Tellkamp.'"
>Nun ja, wenn sie ihn damals nicht besprochen haben, kann man es
>nur tendenzi�s nennen, wenn sie es jetzt in dieser Weise tun.
Da� sie ihn damals mangels Ber�hmtheit und Auff�lligkeit in der Flut
der Neuerscheinungen nicht beachtet haben, ist eine S�nde?
Und wer bei einer Erstver�ffentlichung geschwiegen hat, schweige f�r
immer? Das ist eine bestechende Logik!
Die Situation ist ja, da� die FAZ den Text verrei�t und der Autor sich
wegen dieser Jugends�nde eh schon vor Verlegenheit kr�mmt und windet.
Aber klar ist nat�rlich: Die Prominenz des "Turms" und nun auch noch der
Verri� in der FAZ - beides wird die Verkaufszahlen in die H�he treiben. Da
freut sich der Verlag, da freut sich der Autor. Ein Geld ist allemal besser
als kein Geld.
Ciao
Wolfram
--
Mir ham koan dire und mir ham koan dare, / Ja, leck, verreck, koan
diredare.
<http://derfranzehatgsagt.blogspot.com/> <www.theodor-rieh.de/heinrich>
<www.mpu-forum.eu> <www.brueckenbauer.it> <www.theodor-rieh.de>
>Am Fri, 26 Jun 2009 15:19:45 +0200 schrieb Werner Tann:
>
>>Matthias Opatz <m...@privacy.net> schrieb:
>>
>>>>"'Und so bleibt mir nur, Ihnen auf diesem Weg mitzuteilen, da� die
>>>>neuerliche Publikation des 'Hecht' ohne meine Zustimmung erfolgt. Mit
>>>>freundlichen Gr��en Ihr Uwe Tellkamp.'"
>>
>>>Nun ja, wenn sie ihn damals nicht besprochen haben, kann man es
>>>nur tendenzi�s nennen, wenn sie es jetzt in dieser Weise tun.
>>
>>Da� sie ihn damals mangels Ber�hmtheit und Auff�lligkeit in der Flut
>>der Neuerscheinungen nicht beachtet haben, ist eine S�nde?
>>Und wer bei einer Erstver�ffentlichung geschwiegen hat, schweige f�r
>>immer? Das ist eine bestechende Logik!
>
>Die Situation ist ja, da� die FAZ den Text verrei�t und der Autor sich
>wegen dieser Jugends�nde eh schon vor Verlegenheit kr�mmt und windet.
Hoi Wolfram et. all.,
TM selbst hat mal ( in den Tageb�chern 1944-1946 ?)zum Thema Jugends�nden
gesagt, (das soll kein Bildungs-Bonmot sein), " Man erinnert sich, und man
windet sich...".
Ok, so ist das mit der Jugend....auch unter Klassikern.
(Nur hat er in der Jugend die "Buddenbrooks" geschrieben und nicht den
"Hecht von Uwe Tellkamp" oder was.
Ok, viel wichtiger ist: Warum haben _alle_ Zeitungen den Turm so in den
Himmel gelobt, w�hrend er zB hier von den intelligneteren Lesern ( die die
Schwarte bis zuletzt durchgek�mmt haben) so verrisen worden ist?
> Ok, viel wichtiger ist: Warum haben _alle_ Zeitungen den Turm so in den
> Himmel gelobt, w�hrend er zB hier von den intelligneteren Lesern ( die
> die Schwarte bis zuletzt durchgek�mmt haben) so verrisen worden ist?
F�r wen sind den Feuilleton-Kritiken denn eigentlich interessant? Ich
lese sowas seit Jahrzehnten h�chstens mal zuf�llig, wenn nix anderes zu
lesen rumliegt, oder im Urlaub. Und die meisten Belletristik-Kritiken
sind weitgehend unerheblich, weil ich den Autor der Kritik nicht kenne
und sein Urteil azs der Kritik heraus auch nicht einsch�tzen kann. Dass
seine Kritik in der Zeitung erscheint, bedeutet ja blo�, dass da im
Layout sonst ein wei�er Fleck gewesen w�re. Hie rund da f�llt mal ein
inhalticher Hinweis ab, aber Urteile �ber die Qualit�t eines Buchs kann
ich nur Kritiken entnehmen, bei denen ich den Kritiker als Leser
einsch�tzen kann. So war fr�her bei mir z. B. MRR immer nur gut, wenn er
einen Autor auf eine bestimmte Weise verriss; dann konnte das ein
interessantes Buch sein, das MRR wie �blich nicht kapiert hatte.
Nur so nebenbei. Ich habe mir heuer mal wieder ein paar Ausschnitte aus
den Diskussion des Bachmann-Wettlesens angeh�rt und bin erschrocken, mit
welcher bodenlosen Beliebigkeit diese Damen und Herren Kritiker da an
Texten herumfurwerken, die sie offensichtlich nicht verstanden haben.
Was f�r eine unglaublich selbstgef�llige Bande.
Gru�, Marius
--
Elf Jahre drb!
> Was f�r eine unglaublich selbstgef�llige Bande.
Ach, ich m�chte doch Paul Jandl von diesem Geschimpfe ausdr�cklich
ausnehmen.
> Klaus Gauge schrieb:
>
>> Ok, viel wichtiger ist: Warum haben _alle_ Zeitungen den Turm so in den
>> Himmel gelobt, w�hrend er zB hier von den intelligneteren Lesern ( die
>> die Schwarte bis zuletzt durchgek�mmt haben) so verrisen worden ist?
>
> F�r wen sind den Feuilleton-Kritiken denn eigentlich interessant? Ich
> lese sowas seit Jahrzehnten h�chstens mal zuf�llig, wenn nix anderes zu
> lesen rumliegt, oder im Urlaub. Und die meisten Belletristik-Kritiken
> sind weitgehend unerheblich, weil ich den Autor der Kritik nicht kenne
> und sein Urteil azs der Kritik heraus auch nicht einsch�tzen kann. Dass
> seine Kritik in der Zeitung erscheint, bedeutet ja blo�, dass da im
> Layout sonst ein wei�er Fleck gewesen w�re. Hie rund da f�llt mal ein
> inhalticher Hinweis ab, aber Urteile �ber die Qualit�t eines Buchs kann
> ich nur Kritiken entnehmen, bei denen ich den Kritiker als Leser
> einsch�tzen kann. So war fr�her bei mir z. B. MRR immer nur gut, wenn er
> einen Autor auf eine bestimmte Weise verriss; dann konnte das ein
> interessantes Buch sein, das MRR wie �blich nicht kapiert hatte.
>
Vielleicht verwechsle ich jetzt was, aber du schreibst doch auch
Literaturkritiken, oder? Beziehen sich deine Anmerkungen (die ich
nachvollziehen kann, doch) nur auf die Literaturkritik in den F�jetons?
Ciao
Wolfram
--
Ein f�r seinen zersetzenden Humor bekannter Abteilungsleiter einer
weitgehend unbekannten Firma hat einmal in Weinlaune behauptet, ein
Leitender Angestellter sei zum Beispiel Eberhard von Brauchitsch auf dem
elektrischen Stuhl. Klar, da� dem Mann unverz�glich gek�ndigt werden mu�te.
> Vielleicht verwechsle ich jetzt was, aber du schreibst doch auch
> Literaturkritiken, oder? Beziehen sich deine Anmerkungen (die ich
> nachvollziehen kann, doch) nur auf die Literaturkritik in den F�jetons?
Nein, nein, auch meine Texte -- die ich selbst zwar nicht durchweg als
"Kritiken" bezeichnen w�rde -- fallen unter das Diktum. Wenn man's Maul
hielte, w�r's immer besser. Andererseits h�lt man halt die Laterne hoch
in der Nacht. So leben wir alle N�chte ... Der Nachtw�chter mit Pike und
Laterne ist �berhaupt das trefflichste Symbolum des Kritikus.
> Wolfram Heinrich schrieb:
>
>> Vielleicht verwechsle ich jetzt was, aber du schreibst doch auch
>> Literaturkritiken, oder? Beziehen sich deine Anmerkungen (die ich
>> nachvollziehen kann, doch) nur auf die Literaturkritik in den F�jetons?
>
> Nein, nein, auch meine Texte -- die ich selbst zwar nicht durchweg als
> "Kritiken" bezeichnen w�rde -- fallen unter das Diktum. Wenn man's Maul
> hielte, w�r's immer besser.
Ich wei� nicht, es w�r dann halt arg langweilig.
Ciao
Wolfram
--
Alles im Lot
Ich hab' ein Senkblei, aus purem Gold -old -old, / Ich hab' ein Senkblei
aus purem Golde, / Und dieses Senkblei, das gute St�ck -�ck, -�ck, / Bringt
mir im Leben so viel Gl�ck.
> Marius Fraenzel schrieb:
>>
>> Nur so nebenbei. Ich habe mir heuer mal wieder ein paar Ausschnitte aus
>> den Diskussion des Bachmann-Wettlesens angeh�rt und bin erschrocken, mit
>> welcher bodenlosen Beliebigkeit diese Damen und Herren Kritiker da an
>> Texten herumfu(h)rwerken, die sie offensichtlich nicht verstanden haben.
---
> Ist nicht genau das der Sinn dieser Volksbelustigung?
>
Der Ingeborg-Bachmann-Preis, das hei�t, die Art, wie er abl�uft, ist so was
wie die Talk-Shows in manchen Privatsendern. Da wird ein Autor vor
laufenden Kameras fertig gemacht und er darf sich nicht mal wehren.
Ciao
Wolfram
--
- Du? / - Ja. / - Ich glaube, ich werde allm�hlich wahnsinnig. / - Ach? / -
Ja, wirklich. Ich entdecke an mir alle Anzeichen f�r Schizophrenie. / -
Unfug! Du bist ja verr�ckt.
War es nicht so, dass man sich mit der Abfassung eines Textes wie des
obigen nummehr ganz rechts unten in der Reihe der Kritikerkritiker
einordnet, von denen man erst recht nicht wei�, wie sie ohne Angabe von
Gr�nden zu ihren Pauschalurteilen kommen?
--
Roland Franzius
> War es nicht so, dass man sich mit der Abfassung eines Textes wie des
> obigen nummehr ganz rechts unten in der Reihe der Kritikerkritiker
> einordnet, von denen man erst recht nicht wei�, wie sie ohne Angabe von
> Gr�nden zu ihren Pauschalurteilen kommen?
Ja, ja.
Ich stehe ja hier im Ruf, ähnlich spinnert und verschwurbelt zu
formulieren. Und hinter der Formulierungsart steht ja bekanntlich die
Denkungsart.
Ich finde die Beschreibung, wie die Brötchen zur Krone der Backkunst
werden, ganz schön. Der "Zenith" ist doch, wenn ich es mir recht
überlege, der Moment wo sie am Schnitt vollends aufplatzen. Das ist
gleichzeitig der Moment, wo die Seiten gerade braun genug sind, um
herausgefischt zu werden.
In Hamburg gibt es Camping-Wecken, die passen genau auf die
Beschreibung: außen glänzend braun und das Innere quillt weich und
weiß gerade hervor.( Der Teig ist wohl mit Milch und Ei.)
Gruß
Gunhild
Köstlich.
Ich möchte hier doch mal loswerden, was ich so bisher nirgends
geschrieben habe, weil es zu kleinteilig ist und kaum in ein
gefälliges Format zu stecken ist.
Ich habe den Text eben zuweilen "durchgekämmt" ;))
Ich bin bei Tellkamps "Turm" auf allerlei Ungereimheiten getroffen
(interessante Variante des Verbs hier, wenn es mit haben zu
konjugieren ist, gell!). Die könnten die Säulen, die die Handlung
tragen, in Frage stellen, also die Handlung selbst zum Einsturz
bringen.
Und damit meine ich nicht mal das allseits bekannte furiose Spiel auf
nur vier(?) Cellosaiten zu Ehren des Jubilars.
Da fiel mir auf, dass C. in der Woche _jeden Abend_ nach Hause
gefahren war, um das Streichstück zu proben. Trotzdem kommt er am
besagten Abend, bepackt mit gebrauchter Wäsche wie nach langer Zeit im
Internat, nach einem zeitlich und räumlich unwägbaren Ausflug, um das
Thermometer, Geschenk für den Vater, abzuholen, pünktlich an der Turm-
Standseilbahnstation an und wird - der 16jährige, von seinem Onkel
abgeholt, der ihn über alle Neuigkeiten aufklärt, als wäre er seit
langer Zeit von zu Hause weggewesen.
- Warum wird er überflüssigerweise abgeholt? Weil sich dadurch die
Gelegenheit bietet, die Verhältnisse aufzudröseln. Warum schleppt er
sich ausgerechnet heute abend, wo er noch zu entlegensten Orten hatte
fahren müssen, mit soviel Wäsche ab, obwohl er täglich zu Hause
gewesen war?
- Wie konnte er dies überhaupt bewerkstelligen? Das Internat - die EOS
war schließlich sehr streng.
- Wieso erkundigt sich Onkel Meno erst hier danach, wie er
zurechtkäme, obwohl der Umgang so vertraut war, Christian jeden Abend
zum Üben kam, und die Familienbande sehr eng waren.
- Wieso konnte er Anne bei der vorausgehenden Festvorbereitungen so in
die Quere kommen, daß er fürchten mußte, zum Einkaufen geschickt zu
werden?
Oder das langjährige und leidenschaftliche Verhältnis Richards zu
Josta, Sekretärin des Kopierbüros. Das gemeinsame Kind Lucie, das
schon 4 Jahre ist und offenbar mit einem Papa für 10 Minuten an
Donnerstagen lebt, wo die beiden Liebenden auch noch Begegnungen haben
wollen. Lucie aber nicht fragt oder klagt. Man kann kein Verhältnis -
mit Kind gar - pflegen, das nur durch Schwimmbadbesuche (die auch noch
anschließend stattfinden) einmal pro Woche kaschiert wird. Und wie
wurde das geheime Kind finanziert?
Und nachdem Anne offenbar von dem Verhältnis durch Spitzel wußte,
Josta wieder geheiratet hatte, gab es nie eine Aussprache, eine
Problematisierung. Dieses Vater-Tochter-Verhältnis kann doch nicht im
Sande verlaufen, so wie es zuvor geschildert wird! Das ist
unglaubwürdig und verantwortungslos.
Auch daß der ältere Bruder Daniel nicht nur hinterhältig und
feindselig ist, daß er sogar Richard erpressen kann, dieser zahlt und
auch noch Verständnis hat, bleibt eine Anmerkung am Rande.
Oder diese widerliche Frosch-Szene im Lager. Warum stellt Christian
Siegbert nicht anschließend zur Rede? Warum wird die Begebenheit ur
genutzt, um die Freundschaft der beiden Jungen zu bekräftigen?
Oder warum steht die sensible Verena in einem so innigen Verhältnis zu
ihrem brutalen Klassenkameraden, daß sie ihm täglich schreibt?
Oder wie kommt es, daß Christians Freundin Raina ein sexuelles
Verhältnis mit seinem Vater Richard eingegangen ist, daß seine Frau
Anne aufs Neue grob hintergangen wird. Warum wird dies gar nicht
problematisiert?
Spitzen von Eisbergen ...
Gruß
Gunhild
> Ich bin bei Tellkamps "Turm" auf allerlei Ungereimheiten getroffen
> (interessante Variante des Verbs hier, wenn es mit haben zu
> konjugieren ist, gell!). Die k�nnten die S�ulen, die die Handlung
> tragen, in Frage stellen, also die Handlung selbst zum Einsturz
> bringen.
>
> Und damit meine ich nicht mal das allseits bekannte furiose Spiel auf
> nur vier(?) Cellosaiten zu Ehren des Jubilars.
Ein Cello hat i.A. nur vier Saiten. Steht bei Tellkamp vielleicht eine
andere Zahl?
Josef
>> "Die irrste Stelle in Tellkamps Fr�hwerk ist �brigens eine ganze
>> Seite, auf der er die Dresdner Semmel besingt: 'Sie lagen genau im
>> Zenit des Backgleichgewichts, zwischen Verbrennen und
>> lau-gleichg�ltiger Engerlingshaftigkeit, so da� das Gold der Tiefe
>> geweckt wurde und ruhig die Augen aufschlug. (...) Solcherart waren
>> die weizenblonden Nahrhaftigkeiten, die Frommann buk.' Leider geht es
>> nicht so lustig weiter."
>Ich finde die Beschreibung, wie die Br�tchen zur Krone der Backkunst
>werden, ganz sch�n. Der "Zenith" ist doch, wenn ich es mir recht
>�berlege, der Moment wo sie am Schnitt vollends aufplatzen. Das ist
>gleichzeitig der Moment, wo die Seiten gerade braun genug sind, um
>herausgefischt zu werden.
>
>In Hamburg gibt es Camping-Wecken, die passen genau auf die
>Beschreibung: au�en gl�nzend braun und das Innere quillt weich und
>wei� gerade hervor.( Der Teig ist wohl mit Milch und Ei.)
Es geht nun ja nicht eigentlich darum, ob es in der Wirklichkeit der
B�ckerzunft so etwas gibt wie ein "Backgleichgewicht", sondern um die
Versprachlichung dieser Semmelei bei Tellkamp. Zerlegen wird doch mal
diesen - ginge es nicht um eine Semmel, k�nnte man sagen - K�se:
Die Semmeln sind in einem Zustand "zwischen Verbrennen und
lau-gleichg�ltiger Engerlingshaftigkeit". Erstmal ist das Attribut
"lau-gleichg�ltig" in sich von einer faden Redundanz. Alles Laue ist
einem wenig interessant, also gleichg�ltig. Dann das Nomen
"Engerlingshaftigkeit". Sehr geschmackig, im Zusammenhang mit einer
Semmel an Maden zu denken. Aber vielleicht denken weibliche Leser da
eher an Babies.
Das "Gold der Tiefe" schl�gt ruhig die Augen auf. Jetzt schreckt
Tellkamp nicht zur�ck, die Semmeln bzw. ihre innerste Seele lebendig
zu machen. Bei der Metapher "Gold der Tiefe" denke ich zwar eher an
den Titel eines Groschenromans, aber sch�n, vielleicht mein Problem.
Jedenfalls bemerkenswert, da� ein Edelmetall die Augen aufschlagen
kann. Versteht man es als Metapher, wird's auch nicht besser.
Augenaufschlagende Metaphern, naja ...
Auf die Engerlingshaftigkeit folgt die n�chste Haftigkeit, n�mlich die
Nahrhaftigkeit, und sofort f�hlt man sich der Ern�hrungsmedizin
verhaftet und ist irgendwie der Poesie entglitten. Das scheint auch
Tellkamp bemerkt zu haben, weswegen er der Nahrhaftigkeit schnell das
weizenblonde Attribut zugesellt, welches wieder angenehmere
Assoziationen weckt. Das altmodische "buk" wundert einen dann nicht
mehr. Wer ein rechter Dichter sein will, mu� zeigen, da� er wei�, wie
man vorgestern gedichtet hat.
Zugegeben, �ber Stil l��t sich schwer streiten. Immerhin empfand es
der FAZ-Autor so wie ich, sind wir schon zwei. :)
>>In Hamburg gibt es Camping-Wecken, die passen genau auf die
>>Beschreibung: auᅵen glᅵnzend braun und das Innere quillt weich und
>>weiᅵ gerade hervor.( Der Teig ist wohl mit Milch und Ei.)
>
> Es geht nun ja nicht eigentlich darum, ob es in der Wirklichkeit der
> Bᅵckerzunft so etwas gibt wie ein "Backgleichgewicht", sondern um die
> Versprachlichung dieser Semmelei bei Tellkamp. Zerlegen wird doch mal
> diesen - ginge es nicht um eine Semmel, kᅵnnte man sagen - Kᅵse:
>
> Die Semmeln sind in einem Zustand "zwischen Verbrennen und
> lau-gleichgᅵltiger Engerlingshaftigkeit". Erstmal ist das Attribut
> "lau-gleichgᅵltig" in sich von einer faden Redundanz. Alles Laue ist
> einem wenig interessant, also gleichgᅵltig. Dann das Nomen
> "Engerlingshaftigkeit". Sehr geschmackig, im Zusammenhang mit einer
> Semmel an Maden zu denken. Aber vielleicht denken weibliche Leser da
> eher an Babies.
>
> Das "Gold der Tiefe" schlᅵgt ruhig die Augen auf. Jetzt schreckt
> Tellkamp nicht zurᅵck, die Semmeln bzw. ihre innerste Seele lebendig
> zu machen. Bei der Metapher "Gold der Tiefe" denke ich zwar eher an
> den Titel eines Groschenromans, aber schᅵn, vielleicht mein Problem.
> Jedenfalls bemerkenswert, daᅵ ein Edelmetall die Augen aufschlagen
> kann. Versteht man es als Metapher, wird's auch nicht besser.
> Augenaufschlagende Metaphern, naja ...
>
> Auf die Engerlingshaftigkeit folgt die nᅵchste Haftigkeit, nᅵmlich die
> Nahrhaftigkeit, und sofort fᅵhlt man sich der Ernᅵhrungsmedizin
> verhaftet und ist irgendwie der Poesie entglitten. Das scheint auch
> Tellkamp bemerkt zu haben, weswegen er der Nahrhaftigkeit schnell das
> weizenblonde Attribut zugesellt, welches wieder angenehmere
> Assoziationen weckt. Das altmodische "buk" wundert einen dann nicht
> mehr. Wer ein rechter Dichter sein will, muᅵ zeigen, daᅵ er weiᅵ, wie
> man vorgestern gedichtet hat.
Wunderschᅵnes Zitat, sehr gute Analyse - vollste Zustimmung, weil Wasser auf
meine Mᅵhlen. Schon beim Versuch der "Turm"-Lektᅵre hatte ich ein ums
andere Mal das Gefᅵhl, der Autor sei unfreiwillig als seine eigene Parodie
unterwegs, aber das hier schlᅵgt natᅵrlich selbst die "feuerfischenden
Semperopern" oder "Klippen rᅵndenden Dirigate" - und somit dem Fass den
Boden aus (oder die Krone vom Gesicht??)...
> Zugegeben, ᅵber Stil lᅵᅵt sich schwer streiten. Immerhin empfand es
> der FAZ-Autor so wie ich, sind wir schon zwei. :)
Um es in Abwandlung eines Bibelspruchs zu sagen: Fᅵrchte dich nicht, denn
siehe! unsere Zahl ist Legion. ;-)
Gruᅵ
Michael
>> Zugegeben, �ber Stil l��t sich schwer streiten. Immerhin empfand es
>> der FAZ-Autor so wie ich, sind wir schon zwei. :)
>
>Um es in Abwandlung eines Bibelspruchs zu sagen: F�rchte dich nicht, denn
>siehe! unsere Zahl ist Legion. ;-)
Oder mit Schiller:
"So nehmet auch mich zum Genossen an:
Ich sei, gew�hrt mir die Bitte,
In eurem Bunde der Dritte!" :-)
>
> > Und damit meine ich nicht mal das allseits bekannte furiose Spiel auf
> > nur vier(?) Cellosaiten zu Ehren des Jubilars.
>
> Ein Cello hat i.A. nur vier Saiten. Steht bei Tellkamp vielleicht eine
> andere Zahl?
Nein. Ich glaube, er spielt selbst auch Cello.
Danke für die Korrektur.
Ich war einfach zu faul nachzusehen. Im Roman, bei Google...
Das Fragezeichen war ein Hinweis auf diesen mißlichen Umstand.
Gruß
Gunild
Ich will ja nicht behaupten, daß Du und der Kollege von der FAZ die
Krone der Dichtkunst verkennt.
Ich wollte nur anmerken, daß ich das Bild ganz gut erkennen kann.
Ungebackene Brötchen - Backlinge - sehen mit etwas Phantasie
betrachtet aus wie dicke weiße Larven. Da muß man erstmal drauf
kommen.
Dennoch, wenn ich es mir recht überlege, ist das ein wenig eklig. Denn
ich bin selbst kein Verächter rohen Hefeteigs.( Er macht aber
Bauchgrimmen, sagte meine Mutter.
Als etwas eigentümliche Konjunktiv-I-Formen waren mir im "Turm" auch
"gölte" und/oder "hülfe" aufgefallen. Ich habe das unter bewußt
altmodisch nach Vorreformrechtschreibung verbucht.
Die DuGra empfiehlt in diesen Fällen Ersatzformen mit "würde".
Gruß
Gunhild
> Als etwas eigentᅵmliche Konjunktiv-I-Formen waren mir im "Turm" auch
> "gᅵlte" und/oder "hᅵlfe" aufgefallen. Ich habe das unter bewuᅵt
> altmodisch nach Vorreformrechtschreibung verbucht.
> Die DuGra empfiehlt in diesen Fᅵllen Ersatzformen mit "wᅵrde".
Wie schᅵn, daᅵ Martin Luther 1545 die DuGra noch nicht kannte,
vielleicht gar wᅵrde er sonst geschrieben haben [Mt 16,26]:
| Was wᅵrds den [sic] Menschen helffen / so er die gantze Welt
| gewinnen wᅵrde / Vnd wᅵrde doch schaden nemen an seiner Seele?
Horst Janssen hingegen, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden
sein wᅵrde, hat auf einem seiner Plakate dekretiert:
| Das ᅵWᅵrdeᅵ ist unverzichtbar.
:-) j/\a
--
Luthers Sprache in Ehren.
Aber manche seiner berühmten Aussprüche würden sich heute auch nicht
ziemen - zumindest nicht die über die Peristaltik beim Mahle.
Ob die Anweisugen zur Frequenz des ehelichen Beiwohnens heute wirklich
auf dem aktuellen Stand sind, mögen die Psychopathologen
beratschlagen.
Ich habe die saftige Sprache des Luther-Nachbildes, des Theologen
Kumpf aus Doktor Faustus im Auge. Dessen Sprache ist zwar zu Zeiten
Adrian Leverkühns hochattraktraktiv, aber gleichzeitig der Rhetorik
hereinbrechender Zeiten nahe. Er ist nicht von ungefähr auch
mitAssoziationen an den Leibhaftigen versehen.
Gruß
Gunhild
> Luthers Sprache in Ehren.
> Aber manche seiner berᅵhmten Aussprᅵche wᅵrden sich heute auch nicht
> ziemen - zumindest nicht die ᅵber die Peristaltik beim Mahle.
Leider habe ich zur Zeit keine Ausgabe der Tischgesprᅵche greifbar.
Bei frᅵherer Gelegenheit habe ich die mal auf Zeugnisse seines
Weltbildes hin durchforstet - und bei der Gelegenheit keinen der
oft kolportierten Aussprᅵche gefunden. Viele dieser Sprᅵche seien
von Studenten aufgeschrieben worden, die bei ihm und seiner Frau
zu Tische waren. Aber was Studenten ᅵber ihre Professoren reden -
da mag wohl viel Projektion dabei sein.
> Ob die Anweisugen zur Frequenz des ehelichen Beiwohnens heute
> wirklich auf dem aktuellen Stand sind, mᅵgen die Psychopathologen
> beratschlagen.
Zumal die Fachleute nicht darᅵber einig sind, welche Zahl sie denn
auf "ihr" oder "dir" reimen soll. Mᅵcht auch sein, daᅵ der Luther
da ein biᅵchen geprahlt hat. Andererseits: Acht Kinder (und bis
heute 2800 Nachkommen) bezeugen, daᅵ die Luthers auch im Fleische
ganz wacker waren.
> Ich habe die saftige Sprache des Luther-Nachbildes, des Theologen
> Kumpf aus Doktor Faustus im Auge.
Den habe ich mir gerade noch mal aufs Nachtkᅵstlein gelegt, nachdem
ich aus ganz anderem Anlaᅵ lesen muᅵte, wie Hans Egon Holthusen
gegen den zu Felde zieht. "Egon Maria Goldbusen" nannten wir ihn
frᅵher, ganz frᅵher, als noch nicht abzusehen war, was fᅵr ein
Ekelpaket - de mortuis nil nise bene; also nix mehr ᅵber den.
j/\a
--
> Luthers Sprache in Ehren.
> Aber manche seiner berᅵhmten Aussprᅵche wᅵrden sich heute auch nicht
> ziemen - zumindest nicht die ᅵber die Peristaltik beim Mahle.
Leider habe ich zur Zeit keine Ausgabe der Tischgesprᅵche greifbar.
Bei frᅵherer Gelegenheit habe ich die mal auf Zeugnisse seines
Weltbildes hin durchforstet - und bei der Gelegenheit keinen der
oft kolportierten Aussprᅵche gefunden. Viele dieser Sprᅵche seien
von Studenten aufgeschrieben worden, die bei ihm und seiner Frau
zu Tische waren. Aber was Studenten ᅵber ihre Professoren reden -
da mag wohl viel Projektion dabei sein.
> Ob die Anweisugen zur Frequenz des ehelichen Beiwohnens heute
> wirklich auf dem aktuellen Stand sind, mᅵgen die Psychopathologen
> beratschlagen.
Zumal die Fachleute nicht darᅵber einig sind, welche Zahl sich denn
auf "ihr" oder "dir" reimen soll. Mᅵcht auch sein, daᅵ der Luther
da ein biᅵchen geprahlt hat. Andererseits: Acht Kinder (und bis
heute 2800 Nachkommen) bezeugen, daᅵ die Luthers auch im Fleische
ganz wacker waren.
> Ich habe die saftige Sprache des Luther-Nachbildes, des Theologen
> Kumpf aus Doktor Faustus im Auge.
Den "Faustus" habe ich mir gerade noch mal aufs Nachtkᅵstchen gelegt,
Pathologie ist dabei wohl der falsch gew�hlte Begriff, da 2 mal pro
beliebiger Zeiteineiheit ab Tagesl�nge als normal gilt.
S. zB den wunderbar erz�hlten Witz zum Thema im Film "Die Liebenden vom
Pont Neuf".
--
Roland Franzius
Meistens nimmt die Libido in der Ehe ungeahnt schnell ab.
Man heiratet, um das begehrte Geschöpf sein zu nennen. Und dann
richtet man bald seine Energien auf Nachkommenschaft, Hausbesorgung
und den Einsatz fürs tägliche Brot. Da bleibt bald auf der Stecke, was
einen vorher so süß umtrieb:
http://www.gedichte.levrai.de/gedichte/sommergedichte/lilienkron_sommer_sommergedicht.htm
> S. zB den wunderbar erzählten Witz zum Thema im Film "Die Liebenden vom
> Pont Neuf".
Der Witz ist mir entgangen. Der Film war schön trostlos. Und Juliette
Binoche so schön.
Gruß
Gunhild
>On 29 Jun., 19:50, "Jakob Achterndiek" <achternd...@buzemann.net>
>wrote:
>>Am 29.06.2009, 18:25 Uhr, schrieb Gunhild Simon <gunhild.si...@yahoo.de>:
>>
>>>Als etwas eigent�mliche Konjunktiv-I-Formen waren mir im "Turm" auch
>>>"g�lte" und/oder "h�lfe" aufgefallen. Ich habe das unter bewu�t
>>>altmodisch nach Vorreformrechtschreibung verbucht.
>>>Die DuGra empfiehlt in diesen F�llen Ersatzformen mit "w�rde".
>>
>>Wie sch�n, da� Martin Luther 1545 die DuGra noch nicht kannte,
>>vielleicht gar w�rde er sonst geschrieben haben [Mt 16,26]:
>>> �Was w�rds den [sic] Menschen helffen / so er die gantze Welt
>>> �gewinnen w�rde / Vnd w�rde doch schaden nemen an seiner Seele?
>
>Luthers Sprache in Ehren.
>
>Aber manche seiner ber�hmten Ausspr�che w�rden sich heute auch nicht
>ziemen - zumindest nicht die �ber die Peristaltik beim Mahle.
>
>Ob die Anweisugen zur Frequenz des ehelichen Beiwohnens heute wirklich
>auf dem aktuellen Stand sind, m�gen die Psychopathologen
>beratschlagen.
>
>Ich habe die saftige Sprache des Luther-Nachbildes, des Theologen
>Kumpf aus Doktor Faustus im Auge. Dessen Sprache ist zwar zu Zeiten
>Adrian Leverk�hns hochattraktraktiv, aber gleichzeitig der Rhetorik
>hereinbrechender Zeiten nahe.
Naja, Kumpf ist eine Hitlerdeutschland-Kritik -- analog zur Zerst�rug d.
Vernuft (-- von Luther zu Hitler). -- Nach Hitler u. d. DDR kann man
vielleicht auch Lther wieder freundlicher lesen!
(Mein alter Prof. lief an diese Stelle immer mit verschr�nkten Armen
durch die Tische mit dem Ausruf: ER hat Luther nie gelesen!)
> (Mein alter Prof. lief an diese Stelle immer mit
> verschrᅵnkten Armen durch die Tische mit dem Ausruf:
> ER hat Luther nie gelesen!)
Wen meinte er mit ER?
j/\a
--
> > (Mein alter Prof. lief an diese Stelle immer mit
> > verschränkten Armen durch die Tische mit dem Ausruf:
> > ER hat Luther nie gelesen!)
>
> Wen meinte er mit ER?
Sehr einfach: Er meinte IHN - FR
>>> (Mein alter ᅵProf. lief an diese Stelle immer mit
>>> verschrᅵnkten Armen durch die Tische mit dem Ausruf:
>>> ER hat Luther nie gelesen!)
>>
>> Wen meinte er mit ER?
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> Sehr einfach: Er meinte IHN - FR
Tatsᅵchlich, ist DAS die Pointe?
Die ist schᅵn - und paᅵt ja auf fast alles, was Luther ᅵber
sich und seinen Gott geschrieben hat. Mir war dann wohl der
Anknᅵpfungspunkt entgangen; mal sehen, ob ich den noch finde.
j/\a
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> >>> (Mein alter Prof. lief an diese Stelle immer mit
> >>> verschränkten Armen durch die Tische mit dem Ausruf:
> >>> ER hat Luther nie gelesen!)
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> >> Wen meinte er mit ER?
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> > Sehr einfach: Er meinte IHN.
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> Tatsächlich, ist DAS die Pointe?
> Die ist schön - und paßt ja auf fast alles, was Luther über
> sich und seinen Gott geschrieben hat. Mir war dann wohl der
> Anknüpfungspunkt entgangen; mal sehen, ob ich den noch finde.
Vielleicht solltest Du mal Deinen Denkansatz überprüfen? FR