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<1999-09-04> Sieben Thesen zur Hoeflichkeit im Usenet

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Adrian Suter

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Nov 5, 2009, 6:00:33 PM11/5/09
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Archive-name: de-newusers/hoeflichkeit
Posting-frequency: weekly
Last-modified: 1999-09-04
URL: http://www.kirchwitz.de/~amk/dni/hoeflichkeit

Sieben Thesen zur H�flichkeit im Usenet
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Dieser Text entstand in de.soc.netzkultur, einer Gruppe, wo sehr
kontrovers �ber h�fliches Verhalten im Usenet diskutiert wird. Er
umfasst sieben Thesen und dazu einige Erl�uterungen. Hier zun�chst die
Thesen pur:

1. H�flichkeit ist w�nschenswert, aber optional.

2. Wie im realen Leben, so gibt es auch im Usenet unterschiedliche
Wertmassst�be, was h�flich und was unh�flich ist.

3. H�flichkeit im Usenet ergibt sich aus allgemeinen
H�flichkeitsregeln, wie sie auch im realen Leben gelten, und
usenetspezifischen H�flichkeitsregeln, die sich aus dem Charakter,
der Tradition und der Subkultur des Mediums ergeben.

4. Viele Netiquette-Verst�sse entstehen aufgrund der Unkenntnis �ber
die Spezifika des Usenet und �ber die verschiedenen M�glichkeiten,
wie man am Usenet teilnehmen kann.

5. Die Netiquette repr�sentiert eine vergleichsweise strenge
Auffassung in Bezug auf die Kriterien h�flichen Verhaltens. Dies
entspricht ihrer Zielsetzung, Anleitung zum Vermeiden von
Fettn�pfchen zu sein.

6. Das Fehlen nonverbaler Kommunikationsmittel im Usenet macht es
n�tig, auf Netiquetteverst�sse entweder gar nicht oder aber
explizit hinzuweisen.

7. Hinweise �ber Netiquetteverst�sse verlieren an Glaubw�rdigkeit,
wenn sie selbst die Netiquette nicht respektieren. Sie sollten
freundlich und im Normalfall per Mail gemacht werden. Zeigen sie
keine Wirkung, ist meist Ignorieren die sinnvollste Konsequenz.


Das waren die Thesen in konzentrierter Form. Hier noch einmal mit
weiteren Erl�uterungen, die hoffentlich etwas klarer machen, warum es
von mir so gesehen wird und nicht anders:


*1. H�flichkeit ist w�nschenswert, aber optional.*

Dieser vielzitierte Satz - das Original hat "Freundlichkeit"
statt "H�flichkeit" und stammt von Andreas M. Kirchwitz - macht
klar: Niemand kann Dich dazu zwingen, h�flich zu sein. Du kannst
auf s�mtliche H�flichkeitsregeln und auf jeden einzelnen Punkt
der Netiquette pfeifen, wenn Du willst. Allerdings musst Du mit den
entsprechenden Konsequenzen leben.

Die Hauptkonsequenz wird sein, dass Dir viele einfach nicht mehr
antworten werden. Manche werden sogar aufh�ren, Deine Artikel auch nur
zu lesen. Das Recht auf freie Meiungs�usserung beinhaltet nicht das
Recht, von den anderen auch gelesen zu werden. Das heisst: wenn Du an
sinnvoller Kommunikation interessiert bist, ist es besser, Dich
freiwillig an gewisse H�flichkeitsregeln zu halten.

Je nachdem, wie Dein Newsadministrator die Sache sieht, musst Du auch
mit unangenehmeren Konsequenzen rechnen (z.B. Accountsperre).


*2. Wie im realen Leben, so gibt es auch im Usenet unterschiedliche
Wertmassst�be, was h�flich und was unh�flich ist.*

Wenn jemand im Restaurant mit einem Mobiltelephon telephoniert, mag
dies der eine als unh�flich empfinden, der andere als normal. Es gibt
Verhaltensweisen, die nur wenige Leute als unh�flich empfinden
(Mobiltelephon im Zug), andere Verhaltensweisen werden von sehr vielen
Leuten abgelehnt (Mobiltelephon w�hrend einer Beerdigung). Im Usenet
ist die Situation �hnlich. Nicht allen st�sst dasselbe sauer auf, und
was der eine kritisiert, findet der andere halb so wild.


*3. H�flichkeit im Usenet ergibt sich aus allgemeinen
H�flichkeitsregeln, wie sie auch im realen Leben gelten, und
usenetspezifischen H�flichkeitsregeln, die sich aus dem Charakter,
der Tradition und der Subkultur des Mediums ergeben.*

"Sei h�flich" ist eine Grundregel im Alltag, aber sie ist nicht
ausreichend. Dies deswegen, weil der Kontext mitbestimmt, was denn
h�flich ist und was nicht. Am Opernball gelten andere Dinge als
unh�flich als an der Raveparty.

"Sei h�flich" ist eine Grundregel auch im Usenet, aber sie ist nicht
ausreichend. Dies deswegen, weil die Eigenheiten des Mediums
mitimplizieren, was als h�fliches bzw. unh�fliches Verhalten gelten
kann.

So ergibt sich zum Beispiel die Empfehlung, aussagekr�ftige Subjects
zu setzen, aus den Eigenheiten des Medium, konkret aus der
M�glichkeit, Artikel nach Subject in solche, die einen pers�nlich
interessieren, und solche, die einen pers�nlich nicht interessieren,
vorzusortieren.

Die Tatsache, dass sich fast alle im Usenet duzen, und dass ein Siezen
von vielen als unh�flich aufgefasst wird, ergibt sich aus der
Tradition/Subkultur des Usenet.


*4. Viele Netiquette-Verst�sse entstehen aufgrund der Unkenntnis �ber
die Spezifika des Usenet und �ber die verschiedenen M�glichkeiten,
wie man am Usenet teilnehmen kann.*

Die genannten und andere Umgangsformen lassen sich aus
Real-Life-H�flichkeitsregeln nicht ohne Weiteres ableiten, sondern
erfordern Kenntnisse �ber die technische und soziale Struktur des
Usenet. Da diese Kenntnisse insbesondere bei Einsteigern nicht
automatisch vorausgesetzt werden d�rfen, ist Aufkl�rung sinnvoll.

Insbesondere ist die Art und Weise, wie jemand am Usenet teilnimmt,
von grosser Bedeutung daf�r, was er als l�stig, st�rend und damit
unh�flich betrachtet und was nicht. Je nach Software, Netzanbindung,
Gruppenliste entstehen f�r den einen Probleme, die sich der andere
zun�chst gar nicht vorstellen kann.

Eine elementare H�flichkeitsregel im Usenet sollte deswegen sein:
R�cksichtnahme auf den, der auf andere Art am Usenet teilnimmt. Dazu
geh�rt umgekehrt: Geduld mit dem, der das Usenet halt nur so kennt,
wie er es selber nutzt.


*5. Die Netiquette repr�sentiert eine vergleichsweise strenge
Auffassung in Bezug auf die Kriterien h�flichen Verhaltens. Dies
entspricht ihrer Zielsetzung, Anleitung zum Vermeiden von
Fettn�pfchen zu sein.*

Manche Empfehlungen in der Netiquette werden von vielen Usern nicht so
eng gesehen. Sie sind bereit, auch einmal dar�ber hinwegzusehen, wenn
jemand gegen eine solche Empfehlung verst�sst (wenn es mit Mass
geschieht), oder sie halten die Empfehlung f�r gar nicht so besonders
wichtig.

Zum Beispiel regen sich nur wenige wirklich konsequent �ber
f�nfzeilige Signaturen auf. Auch �ber fehlende Realnamen werden viele
User hinwegsehen, wenn sich der Artikel sonst durch Kompetenz und
Sachlichkeit auszeichnet. Andere finden solche eher geringf�gigen
Netiquette-Verst�sse trotzdem daneben. Hier zeigt sich deutlich die in
These 1 angesprochene Verschiedenheit der Wertmassst�be in Bezug auf
H�flichkeit.

Der Massstab der Netiquette ist verh�ltnism�ssig streng. Das liegt
daran, dass sie das Usenet-�quivalent f�r ein Benimmbuch ist: auch ein
Benimmbuch beschreibt ja im Allgemeinen die strengen Massst�be, um
dadurch sicherzustellen, dass sich die Leserin und der Leser auch in
jenen Kreisen benehmen kann, wo solche strengen Masst�be vorausgesetzt
werden.

Genauso setzt die Netiquette strenge Massst�be bei ihren Empfehlungen.
Damit ist sichergestellt, dass jemand, der sich an die Empfehlungen
der Netiquette h�lt, auch bei denjenigen, die selbst strenge Ansichten
�ber die H�flichkeit im Usenet haben, nicht ins Fettn�pfchen tritt.


*6. Das Fehlen nonverbaler Kommunikationsmittel im Usenet macht es
n�tig, auf Netiquetteverst�sse entweder gar nicht oder aber
explizit hinzuweisen.*

Im realen Leben kann man auf ein Verhalten, das man als unh�flich und
fehl am Platz empfindet, auf verschiedene Art reagieren. Insbesondere
hat man zahlreiche M�glichkeiten, dem anderen nonverbal und implizit
(aber trotzdem deutlich) mitzuteilen, dass einem sein Verhalten
missf�llt. Die Nase r�mpfen, sich demonstrativ abwenden, auf die Uhr
schauen etc. sind solche nonverbalen Mitteilungen.

Diese M�glichkeiten fehlen im Usenet. Man kann nicht virtuell die Nase
r�mpfen. Man kann zwar jemanden ignorieren, aber dieser wird das nur
in den seltensten F�llen bemerken, dass er von einer bestimmten Person
ignoriert wird (�ffentliche Plonks und pl�tzlicher Abbruch einer
laufenden Diskussion einmal ausgenommen).

Wenn man also irgendwie auf einen Netiquetteverstoss reagieren und
sein Missfallen mitteilen will, so kann man dies im Usenet nur
explizit tun.


*7. Hinweise �ber Netiquetteverst�sse verlieren an Glaubw�rdigkeit,
wenn sie selbst die Netiquette nicht respektieren. Sie sollten
freundlich und im Normalfall per Mail gemacht werden. Zeigen sie
keine Wirkung, ist meist Ignorieren die sinnvollste Konsequenz.*

Wer andere zur H�flichkeit, Sachlichkeit, Freundlichkeit etc. ermahnt,
sollte dies selbst h�flich, sachlich, freundlich etc. tun. Da solche
Hinweise nur in den seltensten F�llen von �ffentlichem Interesse sind
(Ausnahme: de.newusers.questions), ist ein Hinweis per Mail
angebracht, wie es die Netiquette f�r solche F�lle vorsieht. Eine
weitere sinnvolle M�glichkeit ist es, freundliche Netiquette-Hinweise
beil�ufig in einen kompetenten Artikel zur Sachfrage einzustreuen.

Sollte der Netiquette-Hinweis nicht die gew�nschte Wirkung zeigen, so
ist im Allgemeinen der Abbruch der Diskussion die sinnvollste
M�glichkeit. Wird die Diskussion trotzdem weitergef�hrt, so droht
gegenseitiges Hochschaukeln: Im Laufe einer Netiquette-Diskussion
haben Netzneulinge (Newbies) die Tendenz, zu Trotzk�pfen zu werden,
und alte Hasen die Tendenz, zu Netzsheriffs zu werden.

Adrian Suter

Adrian Suter

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Nov 12, 2009, 6:00:33 PM11/12/09
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