* Helmut Richter:
> [ Followup-To: de.etc.sprache.misc ]
>
> On Tue, 23 Apr 2013, Oliver Cromm wrote:
>
>> Das ist nicht ähnlich, da sie ein völlig anderes Schriftsystem
>> verwenden. Da es sich um eine Silbenschrift handelt, kann man da
>> auch gar keine Transliteration vornehmen.
>
> Es kommt darauf an, was man genau unter einer Transliteration versteht. Klar
> ist: die Transliteration muss im Gegensatz zu einer Transkription eine
> eindeutige Rückübertragung ermöglichen. Offen ist: muss sie das dadurch
> machen, dass jedes Zeichen durch genau ein Zeichen dargestellt wird, oder darf
> sie auch ein Zeichen durch mehrere darstellen, solange die Rückübersetzung
> gewährleistet bleibt?
>
> Ich kenne die japanischen Schriften nicht genau, aber meines Wissens ist es
> ziemlich problemlos möglich, ein Katakana- oder Hiragana-Zeichen so durch eine
> Folge lateinischer Buchstaben -- meist ein Konsonanten- gefolgt von einem
> Vokalzeichen -- darzustellen, dass die Rückübertragung eindeutig ist.
Ja, weil man in dem Fall vom ausdrucksschwächeren zum
ausdrucksstärkeren System geht, das kann man umkehrbar gestalten.
Wie Sergio richtig bemerkte, ging es vorher um die andere
Richtung. Nun transkribiert Japanisch tatsächlich recht präzise,
nämlich normalerweise ausgehend von der Originalaussprache, nicht
etwa von dem, was der Durchschnittsjapaner so hört. Aber eben -
Punkt eins - von der Aussprache. Das heißt, daß Homophone, die in
der Ausgangssprache unterschiedlich geschrieben werden, zwingend
zusammenfallen.
Außerdem - Punkt zwei - im Rahmen der Möglichkeiten, die die
Silbenschrift bietet. Und das heißt im Falle von Japanisch unter
anderem: keine aufeinanderfolgenden Konsonanten, kein Unterschied
l/r, und noch so manche andere Einschränkung.
Bei Punkt zwei kann man sicher noch einiges drehen, man hat -
meines Wissens erst im 20. Jahrhundert - Katakana so ergänzt, daß
man jetzt z.B. den im Japanischen nicht vorkommenden Laut /v/
systematisch wiedergeben kann, oder manche Lautfolgen, die im
Japanischen ausgeschlossen sind, z.B. /tu/ oder /fe/.
Aber an Punkt eins sehe ich keinen Weg vorbei, und darum bleibt
das immer eine Transkription.
> [...] Die Japaner
> scheinen recht präzis zu transkribieren (sprechen die die Ungetüme tatsächlich
> voll aus?), [...]
Schon, jedenfalls, wenn es sich um Namen handelt. Wie Jürgen
schreibt, sind, besonders in der Aussprache von Tokyo und damit
auch der Standardaussprache, einige der Vokale praktisch stumm.
Allerdings nach phonetischen Regeln des Japanischen, da wird kein
Unterschied gemacht zwischen Vokalen, die in der Ausgangssprache
in dem Wort enthalten waren und solchen, die nur aus Zwängen der
japanischen Aussprache heraus hinzugefügt werden.
Es gibt aber durchaus Proteste gegen solche Wörter, wenn sie als
zu lang und umständlich empfunden werden, zu meiner Zeit in Japan
z.B. für das gerade in Mode kommende "bariaa-furii". Ich finde
persönlich auch, daß sie in der Schrift völlig unverhältnismäßig
viel Platz brauchen, besonders im Vergleich zu Kanji.
"bariaa-furii" sind sieben Schriftzeichen, ein entsprechendes
Kanji-Wort hätte vermutlich zwei.
Für längere Lehnwörter bürgert sich im informellen Gebrauch nach
einiger Zeit oft eine Kurzform ein, z.B. "suto" für "sutoraiki"
(Streik). Und jetzt schau mal, was da vom englischen Ursprungswort
noch erhalten geblieben ist!
--
If Helen Keller is alone in the forest and falls down, does she
make a sound?
-- Michael O'Donohue