[ Followup-To: de.etc.sprache.misc ]
On Sat, 18 May 2013, Sam Sung wrote:
> "Eine Reihe von Sprachen kann am Verb nicht nur die Person des
> Subjekts (wie das Deutsche), sondern auch die des Objekts kennzeichnen
> (Polypersonalitļæ½t). Ein Beispiel ist das Swahili:
>
> "Singular:
> mimi ninakupenda (Subjekt 1. Person, Objekt 2. Person, also ļæ½ich liebe dichļæ½)
> mimi ninampenda (Subjekt 1. Person, Objekt 3. Person, also ļæ½ich liebe ihn/sieļæ½)
> wewe unanipenda (Subjekt 2. Person, Objekt 1. Person, also ļæ½du liebst michļæ½)
> wewe unampenda (Subjekt 2. Person, Objekt 3. Person, also ļæ½du liebst ihn sieļæ½)
> yeye ananipenda (Subjekt 3. Person, Objekt 1. Person, also ļæ½er/sie liebt michļæ½)
> yeye anakupenda (Subjekt 3. Person, Objekt 2. Person, also ļæ½er/sie liebt dichļæ½)
> yeye anampenda (Subjekt 3. Person, Objekt 3. Person, also ļæ½er/sie liebt ihn/sieļæ½)
Auf das explizite Pronomen (mimi, wewe, yeye, ...) darf verzichtet werden und
wird auch meist, genau wie im Franzļæ½sischen, wo man auch darauf (moi, toi, lui,
elle, ...) verzichten kann. Die Frage bleibt, ob Subjekt- und Objektmarkierung *am
Verb* stattfindet. Nochmal das Franzļæ½sische:
je t'aime (Subjekt 1. Person, Objekt 2. Person, also ļæ½ich liebe dichļæ½)
je l'aime (Subjekt 1. Person, Objekt 3. Person, also ļæ½ich liebe ihn/sieļæ½)
tu m'aimes (Subjekt 2. Person, Objekt 1. Person, also ļæ½du liebst michļæ½)
tu l'aimes (Subjekt 2. Person, Objekt 3. Person, also ļæ½du liebst ihn sieļæ½)
il m'aime (Subjekt 3. Person, Objekt 1. Person, also ļæ½er liebt michļæ½)
Man sieht, dass in diesem Fall die Morphologie fast genau gleich ist:
1. Optionales explizites Subjektprļæ½fix (moi/toi/lui = mimi/wewe/yeye)
2. Obligates morphologisches Subjektprļæ½fix (je/tu/il = ni/u/a)
3. (Nur sw:) Obligates Tempus/Modus-Prļæ½fix, hier "na" fļæ½r Prļæ½sens
4. Halb-obligatesļæ½ Objektprļæ½fix (m'/t'/l' = ni/ku/m)
5. Verbstamm, in sw meist unverļæ½ndert, in fr mit kleinen ļæ½nderungen nach
Subjektperson und Tempus/Modus
ļæ½) "halb-obligat" heiļæ½t hier, dass es obligat ist, wenn es wie hier die
gesamte Information ļæ½ber das Objekt trļæ½gt, und sonst nur manchmal obligat.
Man sieht, dass in beiden Sprachen die Positionen 1 und 5 selbstļæ½ndige Wļæ½rter
sind, die auch Antwort auf eine Frage sein kļæ½nnen, die Positionen 2 und 4
dagegen Verbprļæ½fixe, die nie allein auftreten, sondern immer nur zusammen mit
einem nachfolgenden Verb. Es ist also die reine Willkļæ½r, die beiden
letztgenannten in einer Sprache wie selbstļæ½ndige Wļæ½rter zu schreiben und in
der anderen als Vorsilben zum nachfolgenden Wort.
Mithin ist die Aussage, am Verb werde nicht nur die Person des Subjekts,
sondern auch die des Objekts gekennzeichnet, entweder fļæ½r diese beiden
Sprachen richtig oder fļæ½r keine der beiden, und des exotischeren Beispiels
hļæ½tte es gar nicht bedurft.
> Es fļæ½llt sofort auf, dass man das auch so schreiben kann:
>
> mimi ninaku penda (Subjekt 1. Person, Objekt 2. Person, also ļæ½ich liebe dichļæ½)
> mimi ninam penda (Subjekt 1. Person, Objekt 3. Person, also ļæ½ich liebe ihn/sieļæ½)
> [...]
Wie man am Franzļæ½sischen sieht, kann man sogar alle morphologischen Prļæ½fixe
als extra Wļæ½rter schreiben. *Wenn* man aber die sw-Verbform zerhacken will,
dann besser *vor* der Objektsilbe. Das sieht man an Verbformen mit vielen
Prļæ½fixen wie "nisingalikupenda" (wenn ich dich nicht geliebt hļæ½tte), wo die
vorletzte Silbe der vorderen Hļæ½lfte (also -nga-) einen Nebenton
abbekommt. Mehr in
http://hhr-m.userweb.mwn.de/sw-fibel/verben/#verbform-ety
> Dann ist doch das 2. Wort vor dem 3. Verb penda die Objektperson, nur
> wird das eben ohne akustische Lļæ½cke gesprochen - oder?
Ohne akustische Lļæ½cke, aber die Betonung legt eine *andere* Lļæ½cke nahe.
--
Helmut Richter