Ich kenne nur die Grammatiken, die ich bis zum Abitur benutzt habe,
aber sie sprachen grundsätzlich nicht von langen und kürzen Vokalen,
es sei denn für die Bemerkung, dass, anders als Latein und zB.
Deutsch, Italienisch so etwas überhaupt nicht kennt.
Das will nicht bedeuten, dass ein Italiener beim Sprechen nicht
manchen Vokal kurz, anderen lang ausspricht, und ich bezweifle nicht,
dass ein deutscher Phonetologe sich darauf stürzen wird und alles ins
letzte Detail auf Papier fixieren möchte. Es kann sogar italienische
Phonetologen geben, die kurz von lang unterscheiden können und
unbedingt daruber schreiben müssen.
Ich bleibe aber überzeugt, dass die ganze Anstrengung objekt- und
bedeutungslos ist und dass sie auf ein Missverständniss basieren
könnte: regionalbedingt unterscheiden manche Italiener zwischen
offenen und geschlossenen Vokalen (die meisten nicht), und ausserdem
werden Doppelkonsonanten nicht nur verlängert, sondern auch besonders
betont und das hat wahrscheinlich einen Einfluss auf die Färbung des
vorigen Vokals die einer für eine Längenänderung halten könnte. Aber
erstens hat das keine semantische Bedeutung, zweitens wird das sowieso
nicht bewusst wahrgenommen, und drittens wenn ein Fremder da etwas
anders färben sollte, würde das als Dialektvariante angesehen werden,
nicht als Fehler.
Worauf Deutsche meiner Meinung nach achten sollten, wenn sie
Italienisch lernen, ist nicht die Länge oder die Kürze der Vokalen,
was sowieso 100%ig an italienischen Ohren vorbei fliegt, aber eben:
- die Doppelkonsonanten richtig lang auszusprechen, mit viel Druck der
Zunge gegen den Gaumen und möglichst ohne den vorigen Vokal zu öffnen
- möglichst keine römische Aussprache und keinen römischen Slang mit
nach Hause zu schleppen.
Ciao
Marco
Und wenn das dich tröstet, ich auch nicht. Ich habe gerade je ein
duzendmal "tuta tutta", "casa cassa", "mato matto" wiederholt und im
ersten Vokal keinen Unterschied feststellen können. Aber ich kann den
ersten Vokal beliebig öffnen und schliessen ganz unhabhängig vom
Doppelkonsonant oder schliessen mit und öffnen ohne und umgekehrt und
es kling immer noch italienisch.
Es _könnte_ sein, das vor einem Doppelkonsonant ein sehr weiches
glottal stop vorkommt, und es _könnte_ sein dass nach Doppelkonsonant
der nächste Vokal einen sehr weiches tonischen Akzent bekommt, sonst
nichts.
Ciao
Marco P