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Re: "Ungleichzeitigkeiten von Technik und Recht"

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Roland Franzius

unread,
Nov 27, 2009, 12:32:42 AM11/27/09
to
Stefan Ram schrieb:
> Und was soll das bedeuten:
>
> �Die Ungleichzeitigkeiten von Technik und Recht m�ssen beseitigt werden�?
>
> http://google.to/search?q=870294.html+site%3Aheise.de
>
> Was bedeutet die Nominalphrase �Ungleichzeitigkeiten von
> Technik und Recht� in der deutschen Sprache?

Nationales Eisenzeitrecht meets 2010 global money technology.

--

Roland Franzius

Gunhild Simon

unread,
Nov 27, 2009, 5:04:17 AM11/27/09
to
On 27 Nov., 06:32, Roland Franzius <roland.franz...@uos.de> wrote:
> Stefan Ram schrieb:

> >   Was bedeutet die Nominalphrase »Ungleichzeitigkeiten von
> >   Technik und Recht« in der deutschen Sprache?
>
> Nationales Eisenzeitrecht meets 2010 global money technology.

Sehr prägnant!

Gruß
Gunhild


Ewald Pfau

unread,
Nov 27, 2009, 5:26:23 AM11/27/09
to
Stefan Ram <r...@zedat.fu-berlin.de>:

> Und was soll das bedeuten:
>

> »Die Ungleichzeitigkeiten von Technik und Recht müssen beseitigt
> werden«?
>
> http://google.to/search?q=870294.html+site%3Aheise.de

Ich denke, das ist ein ideologisch gezielt vergifteter Sprachgebrauch, der
nur im Zusammenhang mit einem passenden politischen Hintergrund seinen Sinn
verrät.

> Was bedeutet die Nominalphrase »Ungleichzeitigkeiten von
> Technik und Recht« in der deutschen Sprache?

Einem höchst ungewissen politischen Begehren muss man nicht analytisch
beistehen, wenn man ihm nicht auch selbst beipflichtet, denke ich: Der Autor
soll dann erst einmal selbst dazu stehen, dass er Macht zu akkumulieren
gedenkt (und genau dies auch artikulieren). Wenn er dazu steht, dass, als
ideologischem Ansatz, die Grundlagen des Zusammenlebens nach den
traditionellen Prinzipien des römischen Rechts beschnitten werden sollen,
dann entfalten sich die hinter dem Satz verborgenen Unverschämtheiten ganz
wie von selbst.

Nach ähnlich haltlosem Schema kann man etwa auch die Anmassung beobachten,
wenn die Neuro-Irgendwas-Spezialisten streng im Rahmen ihrer sprachlichen
Zivilisation quasi mit dem Skalpell im Hirn anfangen wollen, Worte zu
suchen.

In der Karikatur gäbe es da noch den Versuch zur Illustration, auf der Basis
von Ablichtungen das Herstellen von Ablichtungen für absurd zu erklären.

Kurz, auf dem Planeten der Utopien ist für viele Hirnrisse Platz. Und immer
noch steht Sprache als Vermittlung vor dem Gebrauch des Skalpells, wie auch
die gesellschaftliche Institution des Römischen Rechts als Vermittlung vor
der Interpration technischer Eskapaden steht. Alleine das Stricken von
Utopien scheint grenzenlos geworden zu sein.

Bedenklich finde ich hierbei, dass mit der Konstruktion fiktiver
Notwendigkeiten solcherlei Unverschämtheit viel zu leicht ein blind
akklamierender Anhang verschafft werden kann. Dazu bildet die Einbettung von
Unverschämtheiten in den Anklang sprachlicher Normalität, wie als fiktive
Notwendigkeit, den ersten Schritt zur Gewöhnung an diese Form von
Korruption.

Da klingt auch die Absurdität der bereits wieder dekadent gewordenen
Rigorosität von Arbeitsteilung mit: Wenn jemand im Amte stets seine Pfeile
verschiesst, und plötzlich treffen mehr solche, als sich ein kindischer
Spieltrieb hätte ausmalen wollen, dann schiebt so einer natürlich das
Unheil, das er gestiftet hat, wieder weit von sich:

Es war ja nur sein Job.

Jetzt fehlt natürlich noch die Betrachtung der Semantik von allzu stupiden
Nachrichtenaggregatoren, wieweit solche Absonderungen hernach nurmehr
sinnlos werden, alleine schon kraft massierter Anhäufung. Aber das deutet
noch einen Grund an, dem Geplänkel die profunde Analyse nur im politischen
Kontext (in einem kritischen historischen Sinn) zu gönnen, und sonst eben
nicht, weil jede andere, flüchtigere Analyse von der Anmassung sogleich in
Anerkennung umgedichtet wird. Der Bezug auf den Habermas'schen Diskurs ist
dann, im strikten Sinn, nurmehr leichtgläubig. Mit einem Funken Weitsicht,
über die Grammatik des Machtmissbrauchs hinweg, bleibt er hingegen effektiv.

Marc Olschok

unread,
Nov 27, 2009, 1:55:59 PM11/27/09
to
Stefan Ram <r...@zedat.fu-berlin.de> wrote:
> Und was soll das bedeuten:
>
> »Die Ungleichzeitigkeiten von Technik und Recht müssen beseitigt werden«?
>
> http://google.to/search?q=870294.html+site%3Aheise.de
>
> Was bedeutet die Nominalphrase »Ungleichzeitigkeiten von
> Technik und Recht« in der deutschen Sprache?

Das die Technik ihrere rechtlichen Einordnung vorausseilt?
Ich glaube irgendwo gelesen zu haben, dass z.B. der erste
Fall von Stromdiebstahl nicht strafrechtlich verfolgt werden
konnte. Das kann aber auch eine städtische Legende sein.

--
Marc

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Walter Schmid

unread,
Nov 27, 2009, 3:06:06 PM11/27/09
to
Stefan Ram schrieb:

> Marc Olschok <nob...@nowhere.invalid> writes:
>> Das die Technik ihrere rechtlichen Einordnung vorausseilt?
>> Ich glaube irgendwo gelesen zu haben, dass z.B. der erste
>> Fall von Stromdiebstahl nicht strafrechtlich verfolgt werden
>> konnte. Das kann aber auch eine st�dtische Legende sein.
>
> Es ist plausibel, da� der �Diebstahl elektrischer Energie�
> (o.�.) in das Strafrecht eingef�gt wurde, weil von
> bestimmten Interessengruppen gew�nscht wurde, da� die dort
> beschriebene Tat strafbar sein soll.
>
> Es ist jedoch ein Fehler Handlungen, die davor begangen
> wurden, als �Stromdiebstahl� zu bezeichnen, denn sie waren
> davor ja gerade kein Diebstahl.

<Wolfram>
Seit Heraklit weiss man, dass man Strom nicht stehlen kann.
</Wolfram>

Man stielt (elektrische) Energie.

Gruss

Walter

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Walter Schmid

unread,
Nov 27, 2009, 3:37:53 PM11/27/09
to
Stefan Ram schrieb:
> Walter Schmid <paulwalt...@vtxmail.ch> writes:
>> Man stielt (elektrische) Energie.
>
> Genauer: (elektrische) /Exergie/.
>
> Und laut Canoo ist die dritte Person Singular Indikativ
> Pr�sens von "stehlen"
>
> "stiehlt"

Schei.. - ich h�tte den Wolframmodus eine Zeile weiterlaufen
lassen sollen. Wann gibt es endlich den kontextuellen spellchecquer?

Gruss

Walter

Stefan Schmitz

unread,
Nov 27, 2009, 3:40:36 PM11/27/09
to
On 27 Nov., 06:32, Roland Franzius <roland.franz...@uos.de> wrote:

> >   Was bedeutet die Nominalphrase »Ungleichzeitigkeiten von
> >   Technik und Recht« in der deutschen Sprache?
>
> Nationales Eisenzeitrecht meets 2010 global money technology.

Das soll es wohl bedeuten, aber tut es das auch?

Altes Recht und neue Technik treten eben doch gleichzeitig auf. Statt
"Ungleichzeitigkeiten" müsste es MUSEN "Asynchronitäten" heißen.

Message has been deleted

Roland Franzius

unread,
Nov 27, 2009, 4:37:35 PM11/27/09
to
Stefan Schmitz schrieb:
> "Ungleichzeitigkeiten" m�sste es MUSEN "Asynchronit�ten" hei�en.

Eben, der Begriff bezieht sich auf das, was der Physiker Eigenzeit
nennt, also die Z�hlung nach dem dem jeweiligen Entwicklungsprozess
eigent�mlichen Zeittakt. Die Kalenderzeit gibt f�rs Verst�ndnis nichts
her. Auch Griechisch hilft da ja nicht wirklich weiter.

--

Roland Franzius

Christina Kunze

unread,
Nov 27, 2009, 6:20:49 PM11/27/09
to
"Stefan Schmitz" <ss...@gmx.de> schrieb
>"Ungleichzeitigkeiten" m�sste es MUSEN "Asynchronit�ten" hei�en.

Was w�rde das �ndern?
Das Ungleichzeitige hat sich WIMRE Bloch ausgedacht, und
es ist in den GEisteswissenschaften ein eingef�hrter
Begriff.

chr

Volker Gringmuth

unread,
Nov 27, 2009, 7:42:15 PM11/27/09
to
Walter Schmid wrote:

> Man stielt (elektrische) Energie.

Allerdings spricht man eher von "Masten" als von "Stielen",
selbst im Falle von einfachen einbeinigen Holzausf�hrungen.


vG

--
"Es geht um die letzten Reste menschlichen Anstandes in einer
�berflu�gesellschaft. Wenn einer 40 Stunden arbeitet und sich dabei M�he
gibt, soll er auch davon leben k�nnen. Da gibt es doch nichts zu
diskutieren! Entweder Sie sind f�r den Mindestlohn, oder Sie sind ein
Arschloch, fertig, aus!"
(Volker Pispers, "Bis neulich")

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