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des Nachts; eines Nachts

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tobias b koehler

unread,
Nov 18, 2009, 4:48:47 AM11/18/09
to
Morgen!

Warum wird bei den Begriffen "des Nachts" oder "eines Nachts" der
Genitiv von "Nacht" so gebildet, als ob es "der Nacht" oder "das Nacht"
hieᅵe? Seit wann ist das so?

Gruᅵ!

tobias

Gunhild Simon

unread,
Nov 18, 2009, 5:04:50 AM11/18/09
to
On 18 Nov., 10:48, tobias b koehler <tbk.un...@gmail.com> wrote:
> Morgen!
>
> Warum wird bei den Begriffen "des Nachts" oder "eines Nachts" der
> Genitiv von "Nacht" so gebildet, als ob es "der Nacht" oder "das Nacht"
> hieße? Seit wann ist das so?
Das war gerade kürzlich hier Thema.
Vielleicht kann Dir jemand den Link geen.
Ich habe es so in Erinnerung:

Es ist eine hochsprachliche Angleichung an des Morgens. Eigentlich
etwas gespreizt, finde ich, denn außerhalb von diesen beiden findet
sich der Genitiv weder bei Jahreszeiten noch sonstigen Zeitangaben:
*des Frühlings, *des Jahres.

Ich persönlich glaube, daß die adverbielle Endung -s, die bei nachts,
tags (darauf), morgens, mittags, sommers, winters etc geläufig ist,
diese Form begünstigt hat. Es bedurfte keiner neuen Gewöhung mehr.

Gruß
Gunhild

Klaus Scholl

unread,
Nov 18, 2009, 5:54:14 AM11/18/09
to
Heiᅵt das, daᅵ es sich um eine Verderbung handelt, um ein Scheingenitiv,
da es sich bei "morgens", "nachts", etc. um Adverbien handelt, um
Entsprechungen der lat. Adverbien (mane, nocte). Genau genommen um
Ablative. Man nahm sie fᅵlschlicherweise als Genitive an, und setzt noch
einen Artikel davor: "des Nachts."?

Klaus Scholl

unread,
Nov 18, 2009, 5:55:07 AM11/18/09
to
Verbessert: Um ein-en Scheingenitiv.

Gunhild Simon

unread,
Nov 18, 2009, 6:15:52 AM11/18/09
to
On 18 Nov., 11:55, Klaus Scholl <kl...@sensualium.cjb.net> wrote:
> Verbessert: Um ein-en Scheingenitiv.

Ich halte es für eine hochsprachliche Gespreiztheit, zu der der
Genitiv ja leicht verführt.

Aber vielleicht irre ich mich ja, und der Genitiv war üblich bei
anderen zeitlichen Angaben, wozu die Präpostion "während" ja sehr
Anlaß gibt zu denken.
Also:
Ist "des Jahres, des Winters, des Sommers" denkbar - verblaßt wie "der
Zeit" -> derzeit?

Gruß
Gunhild

Christian Seidl

unread,
Nov 18, 2009, 6:49:20 AM11/18/09
to
On 18 Nov., 11:04, Gunhild Simon <gunhild.si...@yahoo.de> wrote:
> On 18 Nov., 10:48, tobias b koehler <tbk.un...@gmail.com> wrote:> Morgen!
>
> > Warum wird bei den Begriffen "des Nachts" oder "eines Nachts" der
> > Genitiv von "Nacht" so gebildet, als ob es "der Nacht" oder "das Nacht"
> > hieße? Seit wann ist das so?

Seit althochdeutscher Zeit.

> Das war gerade kürzlich hier Thema.
> Vielleicht kann Dir jemand den Link geen.
> Ich habe es so in Erinnerung:
>
> Es ist eine hochsprachliche Angleichung an des Morgens.

Die traditionelle Erklärung geht davon aus, dass es sich um eine
Analogiebildung zum Genitiv "des Tag(e)s" handelt. Das ist auch
deshalb einsichtiger, weil "Tag" und "Nacht" ja ein Gegensatzpaar
bildet.

Ich würde auch nicht schreiben, dass es sich um eine "hochsprachliche"
Angleichung handelt, denn die Sache ist zu einer sehr frühen Zeit
passiert, als es im Deutschen noch flächendeckend einen Genitiv gab.

> Ich persönlich glaube, daß die adverbielle Endung -s, die bei nachts,
> tags (darauf), morgens, mittags, sommers, winters etc geläufig ist,
> diese Form begünstigt hat.

Die Sache ist umgekehrt gelaufen: Die von dir erwähnten Adverbien sind
alte Genitive.

Ch.

Ralph Babel

unread,
Nov 17, 2009, 7:00:00 PM11/17/09
to
Gunhild Simon schrieb:

> Tobias Koehler schrieb:


>
>> Warum wird bei den Begriffen "des Nachts" oder "eines
>> Nachts" der Genitiv von "Nacht" so gebildet, als ob es

>> "der Nacht" oder "das Nacht" hie�e? Seit wann ist das so?
>
> Das war gerade k�rzlich hier Thema.

Ja, so seit 1995.

> Vielleicht kann Dir jemand den Link geen.

http://groups.google.de/groups?q=group:de.etc.sprache.deutsch+insubject:%22(des+OR+eines)+nachts%22
http://groups.google.de/groups?q=group:de.etc.sprache.deutsch+tags+nachts+genitiv
http://faql.de/sonstiges.html#nachts

Gunhild Simon

unread,
Nov 19, 2009, 6:58:23 AM11/19/09
to
On 18 Nov., 12:49, Christian Seidl <se...@indoger.unizh.ch> wrote:
> On 18 Nov., 11:04, Gunhild Simon <gunhild.si...@yahoo.de> wrote:

> ...


> > Ich persönlich glaube, daß die adverbielle Endung -s, die bei nachts,
> > tags (darauf), morgens, mittags, sommers, winters etc geläufig ist,
> > diese Form begünstigt hat.
>
> Die Sache ist umgekehrt gelaufen: Die von dir erwähnten Adverbien sind
> alte Genitive.

Ein paar Beispiele:
anders, weiters, mancherorts, ringsum
zurzeit, derzeit,
tagsüber, zeitlebens, zweifelsohne,
kopfüber, kieloben,
allerseits, flußwärts, vollends, unversehens, andernfalls
rittlings,bäuchlings, blindlings
schrittweise

Alle diese sind eindeutige Adverbien, gekennzeichnet durch
Unveränderlichkeit, also Undeklinierbarkeit.

Einige haben das typisch adverbielle Genitiv-s, das nur bei -seits, da
Seite, wie Nacht (nachts, nächtens) ein Femininum ist, fragwürdig ist.
Bei -wärts war ich unsicher. Es geht aus den Komposita nicht klar
hervor, ob es sich nicht um einen Dativ handelt: landwärts,
heimwärts.

Deutlich wird der Genitiv wieder bei der Gegenüberstellung:
manchentags, selbigenjahrs, und selbigerstund.

Ich weiß nicht, ob es diese Adverbien gibt. Mir kommen sie jedoch
grammatisch einwandfrei vor.

Gruß
Gunhild

Auch zweifelsohne scheint mir ungrammatisch, wenn es nicht wie
nichtsdestotrotz gar eine Verballhornung ist. Ohne steht jedenfalls
mit dem Akkusativ.

Auch bei ringsum und tagsüber ist der Genitiv strittig.

Christian Seidl

unread,
Nov 19, 2009, 8:30:24 AM11/19/09
to
On 19 Nov., 12:58, Gunhild Simon <gunhild.si...@yahoo.de> wrote:
> On 18 Nov., 12:49, Christian Seidl <se...@indoger.unizh.ch> wrote:
>
> > On 18 Nov., 11:04, Gunhild Simon <gunhild.si...@yahoo.de> wrote:
> > ...
> > > Ich persönlich glaube, daß die adverbielle Endung -s, die bei nachts,
> > > tags (darauf), morgens, mittags, sommers, winters etc geläufig ist,
> > > diese Form begünstigt hat.
>
> > Die Sache ist umgekehrt gelaufen: Die von dir erwähnten Adverbien sind
> > alte Genitive.
>
> Ein paar Beispiele:

Ich kann nicht erkennen, was die mit meinem Einwand zu tun haben. Ich
hatte mich auf die von dir erwähnten Adverbien bezogen. Und die sind
nun mal – das kann man drehen und wenden, wie man will – nicht als
Adverbien vom Himmel gefallen, sondern ursprünglich Genitive von
Nacht, Tag, Morgen, Mittag, Sommer und Winter, die mit der Zeit
adverbial aufgefasst wurden.

Ch.

nicked

unread,
Nov 19, 2009, 8:41:34 AM11/19/09
to

Welche Bedeutung enthält denn: "die mit der Zeit adverbial aufgefasst
wurden."?
Die adverbiale Form jedes Qualfikationsterminus entsteht sobald es ein
Verbum qualifiziert, dabei muß es undeklinierbar bleiben. Was die
Formatierung der Termini mit Himmel und Zeit zu tun hat ist mir hier
unklar.

Richard

Thomas Frieling

unread,
Nov 19, 2009, 8:54:32 AM11/19/09
to
On 18 Nov., 10:48, tobias b koehler <tbk.un...@gmail.com> wrote:
> Morgen!
>
> Warum wird bei den Begriffen "des Nachts" oder "eines Nachts" der
> Genitiv von "Nacht" so gebildet, als ob es "der Nacht" oder "das Nacht"
> hieße? Seit wann ist das so?
>
> Gruß!
>
> tobias

Ist das wirklich eine gängige Wendung? Auf mich wirkt es, als hätte
jemand im Dunkeln im Regal mit den besonders hochsprachlichen Floskeln
gestöbert. Vielleicht derselbe, der schon "nichtsdestotrotz"
seinerzeit dort gefunden zu haben glaubte.

Thomas

Christian Seidl

unread,
Nov 19, 2009, 9:04:45 AM11/19/09
to
On 19 Nov., 14:41, nicked <ral8...@hotmail.com> wrote:

> > > > > Ich persönlich glaube, daß die adverbielle Endung -s, die bei nachts,
> > > > > tags (darauf), morgens, mittags, sommers, winters etc geläufig ist,
> > > > > diese Form begünstigt hat.
>
> > > > Die Sache ist umgekehrt gelaufen: Die von dir erwähnten Adverbien sind
> > > > alte Genitive.
>
> > > Ein paar Beispiele:
>
> > Ich kann nicht erkennen, was die mit meinem Einwand zu tun haben. Ich
> > hatte mich auf die von dir erwähnten Adverbien bezogen. Und die sind
> > nun mal – das kann man drehen und wenden, wie man will – nicht als
> > Adverbien vom Himmel gefallen, sondern ursprünglich Genitive von
> > Nacht, Tag, Morgen, Mittag, Sommer und Winter, die mit der Zeit
> > adverbial aufgefasst wurden.
>
> > Ch.
>
> Welche Bedeutung enthält denn: "die mit der Zeit adverbial aufgefasst
> wurden."?
> Die adverbiale Form jedes Qualfikationsterminus entsteht sobald es ein
> Verbum qualifiziert, dabei muß es undeklinierbar bleiben.

Das trifft nicht zu: Wenn ein Substantiv – z.B. eine Zeitbestimmung –
in adverbialer Funktion verwendet wird, dann muss sie im Deutschen
zunächst natürlich in einem bestimmten Kasus stehen. In älteren
Sprachstufen des Deutschen kommt hierfür auch der Genitiv in Frage.

Mit der Zeit kommt die entsprechende Funktion des Genitivs immer mehr
außer Gebrauch. So wird dann z.B. eine Form wie "winters" nicht mehr
so sehr als Genitiv zu "Winter" aufgefasst, sondern einfach als Adverb
mit der Bedeutung "im Winter".

Ch.

Lars Bräsicke

unread,
Nov 19, 2009, 12:58:27 PM11/19/09
to
Gunhild Simon schrieb:

> On 18 Nov., 10:48, tobias b koehler <tbk.un...@gmail.com> wrote:
>> Morgen!
>>
>> Warum wird bei den Begriffen "des Nachts" oder "eines Nachts" der
>> Genitiv von "Nacht" so gebildet, als ob es "der Nacht" oder "das Nacht"
>> hie�e? Seit wann ist das so?
> Das war gerade k�rzlich hier Thema.

> Vielleicht kann Dir jemand den Link geen.
> Ich habe es so in Erinnerung:
>
> Es ist eine hochsprachliche Angleichung an des Morgens. Eigentlich
> etwas gespreizt, finde ich, denn au�erhalb von diesen beiden findet

> sich der Genitiv weder bei Jahreszeiten noch sonstigen Zeitangaben:
> *des Fr�hlings, *des Jahres.

"Eines sch�nen Tages" ist auch ein Genitivus temporalis.
"Eines Abends" ist es auch.

> Ich pers�nlich glaube, da� die adverbielle Endung -s, die bei nachts,
> tags (darauf), morgens, mittags, sommers, winters etc gel�ufig ist,
> diese Form beg�nstigt hat. Es bedurfte keiner neuen Gew�hung mehr.

Andersrum sind auch jenes erstarte Genitive.

Lars

Gunhild Simon

unread,
Nov 19, 2009, 1:42:37 PM11/19/09
to
On 19 Nov., 14:30, Christian Seidl <se...@indoger.unizh.ch> wrote:
> On 19 Nov., 12:58, Gunhild Simon <gunhild.si...@yahoo.de> wrote:
>
> > On 18 Nov., 12:49, Christian Seidl <se...@indoger.unizh.ch> wrote:

>
> > > Die Sache ist umgekehrt gelaufen: Die von dir erwähnten Adverbien sind
> > > alte Genitive.
>

> > Ein paar Beispiele: ...


>
> Ich kann nicht erkennen, was die mit meinem Einwand zu tun haben. Ich
> hatte mich auf die von dir erwähnten Adverbien bezogen. Und die sind
> nun mal – das kann man drehen und wenden, wie man will – nicht als
> Adverbien vom Himmel gefallen, sondern ursprünglich Genitive von
> Nacht, Tag, Morgen, Mittag, Sommer und Winter, die mit der Zeit
> adverbial aufgefasst wurden.

Offenbar faßt Du meine Anmerkungen als Affront auf. Das liegt mir
allerdings ganz fern. Denn nicht einmal der "Einwand hat mich
abgeschreckt, mir die Sache weiterzuüberlegen. Dazu hätte ich auf
Deine Unterstützun als Fachmann gern vertraut.

Ich versuch's noch mal, denn das hat unsereins professionell
implementiert: Geduld üben.

Dein "Einwand" war, das -s, das die zunächst zitierten Adverbien
kennzeichnet, sei ein alter Genitiv. Dies vorausgesetzt habe ich
geschlossen, daß die Endungs-s, die Adverbien sehr häufig
produzierenn, generell ein Genitiv sei.

Nun fand ich Komposita mit zwar femininem Produzenten, jedoch einem -s
als Endung, die, wäre sie einem Genitiv eigen, zu einem Maskulinum
gehören müßten: -seits.[Es gibt noch mehr, die sind mir aber wieder -
nach (zugegeben nächtlichem) Grübeln - wieder entfallen.]

Gruß
Gunhild


Christian Seidl

unread,
Nov 19, 2009, 3:57:53 PM11/19/09
to
On 19 Nov., 19:42, Gunhild Simon <gunhild.si...@yahoo.de> wrote:

> Offenbar faßt Du meine Anmerkungen als Affront auf.

Nein. Als Einwand, der mir als nicht pertinent (ich sage nicht:
impertinent) erschien.

> Dein "Einwand" war, das -s, das die zunächst zitierten Adverbien
> kennzeichnet, sei ein alter Genitiv.

In den zuerst zitierten Beispielen ist es das.

> Dies vorausgesetzt habe ich
> geschlossen, daß die Endungs-s, die Adverbien sehr häufig
> produzierenn, generell ein Genitiv sei.

Das war eben übers Ziel hinausgeschossen: Nicht jedes Adverb auf -s
ist ein Genitiv.

> Nun fand ich Komposita mit zwar femininem Produzenten, jedoch einem -s
> als Endung, die, wäre sie einem Genitiv eigen, zu einem Maskulinum
> gehören müßten: -seits.

Eben: Das -s hat sich mit der Zeit als Adverb-Endung verselbständigt
und ist auch an Substantive angehängt worden, deren Genitiv nie auf -s
auslauten konnte.

Ch.

Yvonne Steiner

unread,
Nov 19, 2009, 4:37:33 PM11/19/09
to
Gunhild Simon <gunhil...@yahoo.de> wrote:

> On 18 Nov., 10:48, tobias b koehler <tbk.un...@gmail.com> wrote:
> > Morgen!
> >
> > Warum wird bei den Begriffen "des Nachts" oder "eines Nachts" der
> > Genitiv von "Nacht" so gebildet, als ob es "der Nacht" oder "das Nacht"

> > hie�e? Seit wann ist das so?
> Das war gerade k�rzlich hier Thema.


> Vielleicht kann Dir jemand den Link geen.
> Ich habe es so in Erinnerung:
>
> Es ist eine hochsprachliche Angleichung an des Morgens. Eigentlich

> etwas gespreizt, finde ich, denn au�erhalb von diesen beiden findet


> sich der Genitiv weder bei Jahreszeiten noch sonstigen Zeitangaben:

> *des Fr�hlings, *des Jahres.

Bei "des Winters" aber schon:

| Des Winters h�teten die Bauern selbst die Schafe ...
<http://tinyurl.com/ye3ysgd>

| De Beyer wohnte in dem Dorfe Vierlingsbeck und kam des Winters
| gen Amsterdam.
<http://tinyurl.com/yctkfzd>

| Mamis tschechische Tante Julia, seine Gro�tante also, die
| mit einem kleinen Bahnbeamten in Prag- zi zkov verheiratet
| war, kam des Winters f�r mehrere Wochen ...
<http://tinyurl.com/yja75nb>

F�r die andern Jahreszeiten habe ich zwar keine Belege gefunden, aber
ich denke, die f�gten sich genauso gut in die obigen Beispiels�tze ein.

--
Yvonne Steiner

Gunhild Simon

unread,
Nov 20, 2009, 1:45:06 AM11/20/09
to
On 19 Nov., 22:37, ystei...@swissonline.ch (Yvonne Steiner) wrote:

> Gunhild Simon <gunhild.si...@yahoo.de> wrote:
> > On 18 Nov., 10:48, tobias b koehler <tbk.un...@gmail.com> wrote:
> > > Morgen!
>
> > > Warum wird bei den Begriffen "des Nachts" oder "eines Nachts" der
> > > Genitiv von "Nacht" so gebildet, als ob es "der Nacht" oder "das Nacht"
> > > hieße? Seit wann ist das so?
> > Das war gerade kürzlich hier Thema.

> > Vielleicht kann Dir jemand den Link geen.
> > Ich habe es so in Erinnerung:
>
> > Es ist eine hochsprachliche Angleichung an des Morgens. Eigentlich
> > etwas gespreizt, finde ich, denn außerhalb von diesen beiden findet

> > sich der Genitiv weder bei Jahreszeiten noch sonstigen Zeitangaben:
> > *des Frühlings, *des Jahres.
>
> Bei "des Winters" aber schon ...

Stimmt. Es war wohl zu kategorisch in der Formulierung. Wenn man das
liest, klingt es zwar altertümlich, ungewohnt. Würde man die
Formulierung selbst wählen?

Ich kann mich seltsamerweise daran erinnern, wie ich aus dem Mund
meiner Grundschullehrerin damals "des Morgens" lernte.

"des Nachts" ist einem so vertraut, weil man es Jahr für Jahr aus der
Weihnachtsgeschichte vernimmt.

Es geht ja noch weiter mit den Genitiven und den Tages- auch
Jahreszeiten: eines Sommers, Winters, eines Morgens, Abends,
Nachmittags, eines Nachts, eines Tages: gerade "eines schönen Tages"
ist idiomatisch und geläufig. Eines schönen Nachts ist aber deutlich
verkehrt.
...
> Für die andern Jahreszeiten habe ich zwar keine Belege gefunden, aber
> ich denke, die fügten sich genauso gut in die obigen Beispielsätze ein.

Ja.

Gruß
Gunhild


Stephen Hust

unread,
Nov 20, 2009, 2:15:44 AM11/20/09
to
yste...@swissonline.ch (Yvonne Steiner) wrote:

> Gunhild Simon <gunhil...@yahoo.de> wrote:

>> Ich habe es so in Erinnerung:
>>
>> Es ist eine hochsprachliche Angleichung an des Morgens.
>> Eigentlich etwas gespreizt, finde ich, denn au�erhalb von
>> diesen beiden findet sich der Genitiv weder bei Jahreszeiten
>> noch sonstigen Zeitangaben: *des Fr�hlings, *des Jahres.

> Bei "des Winters" aber schon:
>
> | Des Winters h�teten die Bauern selbst die Schafe ...
> <http://tinyurl.com/ye3ysgd>
>

> [...]


>
> F�r die andern Jahreszeiten habe ich zwar keine Belege gefunden,
> aber ich denke, die f�gten sich genauso gut in die obigen
> Beispiels�tze ein.

Ich habe einige Belege gefunden. Nat�rlich sind sie alle alt bis
uralt.

Des Fr�hlings:

| Von ohngef�hr waren des Fr�hlings einmal die Fenster und auch
| der Schrank offen geblieben [...]
|
(Adam Gottlob Schirach, "Melitto-Theologia. Die Verherrlichung des
glorw�rdigen Sch�pfers aus der wundervollen Biene", Dresden, 1767,
S. 43.)

| /Bilacha/ (Birche) [...] Dieser Baum wird oft des Fr�hlings
| angezapft, um in dem Safte einen Arzneitrank zu erhalten.
|
("Appenzellischer Sprachschatz", Herausgegeben von Dr. Titus
Tobler, Z�rich, 1837, S. 52.)

| Am rechten Ufer des Manzanares liegt ein Eichenhain, ganz
| deutsch, von respektablen Quercus pedunculata. Dortin ziehen des
| Fr�hlings die deutschen Turner von Madrid und feiern ihr
| Turnfest [...]
|
(C. Sprenger, "El Pardo", im Band "Die Gartenkunst: Zeitschrift f�r
die Gesamtinteressen der Gartenkunst und Gartentechnik", F�nfter
Jahrgang, Berlin, 1903, S. 42.)


Des Sommers:

| Sie leidet nicht von der Hitze, aber auch sie darf nicht oft des
| Sommers bew�ssert werden.
|
(C. Sprenger, "Die B�ume in den Strassen von Paris", im Band "Die
Gartenkunst: Zeitschrift f�r die Gesamtinteressen der Gartenkunst
und Gartentechnik", Dritter Jahrgang, Berlin, 1901, S. 158.)

| Diese K�lte ist wegen der hohen Lage der Ebenen zwischen dem
| 43sten bis 45sten Grade n�rdlicher Breite oft des Sommers so
| stark, da� die Oberfl�che der Brunnen gefriert [...]
|
(Johann Heinrich Moritz v. Poppe, "Ausf�hrliche Physische
Geographie und Atmosph�rologie oder die Naturlehre unserer Erde im
Ganzen", T�bingen, 1837, S. 39-40.)

| Eine furchtbare Glut ist oft des Sommers in den Ebenen.
|
(Friedrich Carl Hermann Kruse, "Hellas oder geographisch-
antiquarische Darstellung des alten Griechenlandes", Leipzig, 1825,
S. 269.)

Des Herbstes:

| Es ist das Gold-H�hnichen so gro�, als ein klein Pimpel-Mei�gen,
| fast Gold-gelb, sie hecken in dem Geb�sche, und bringen bi� 6.
| Junge aus, fliegen h�uffig auf den Weiden-B�umen herum, haben
| ein zartes Gepfeiffe, und suchen daselbst ihre Nahrung, wenn es
| des Herbstes sp�te, und die Weiden-Bl�tter abgefallen sind,
| siehet man sie am allerersten, daher die Bauer-Kinder hinter
| ihnen her sind, und da sie nicht weit fortfliegen, selbige mit
| R�thlein schlagen oder werffen, und also fangen. Es dienet
| dieses V�gelchen zu nichts, wird auch keine M�he an selbiges
| gewendet, solches zu fangen, sie ziehen des Herbstes am
| sp�testen hinweg, und kom[m]en im Fr�h-Jahre wieder.
|
("Kurzer, doch gr�ndlicher Begriff der Edlen J�gerey", "Das dritte
Buch", "Vom Gold-H�hnichen", Nordhausen, 1745, S. 412.)

| Andere Arten aus der Untersippe /Smynthurus/ haben Aehnlichkeit
| in der Gestalt mit Blattl�usen und leben z. B. /Sm. viridis/ auf
| faulen Pflaumenbaumbl�ttern, desgleichen /Podura (Sm.) signata/
| h�ufig des Herbstes unter abgefallenen Bl�ttern, /Podura (Sm.)
| atra/, v�llig schwarz, findet man unter Steinen.
|
(Wilhelm Schilling, "Hand- und Lehrbuch f�r angehende Naturforscher
und Naturaliensammler", Erster Band, Weimar, 1859, S. 153.)

| Aus Westerbothnien werden sie des Herbstes h�ufig, in h�lzernen
| Gef�ssen eingemacht, nach Stockholm gebracht [...]
|
(Des Herrn Joh. Andr. Murray [...] Arzneyvorrath, Aus dem
Lateinischen �bersetzt von L. C. Seger, Dritter Band, Braunschweig,
1785, S. 178.)

Des Jahres:

| [...] was f�r B�cher sie besitzen und lesen? ob sie die
| Kirchenlieder singen? ob sie flei�ig die Kirche besuchen? ob sie
| auf das Wort des Predigers h�ren und es auch verstehen? ob ihnen
| das Herz w�hrend der Predigt klopft? ob und wie oft des Jahres
| sie beim Tische des Herrn erscheinen? [...]
|
(Constant von Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums
Oesterreich, Vierundvierzigster Theil, Wien, 1882, S. 32.)

| "Der Gemeindevorsteher im Einklange mit dem
| Rauchfangkehrermeister bestimmen, mit R�cksicht auf die
| Beschaffenheit und St�rke der Feuerungen, wie oft des Jahres
| gekehrt werden mu�. [...]"
|
(Stenographische Protokolle des nieder�sterreichischen Landtages,
IX. Wahlperiode, II. Session, Vom 20. September 1904 bis 16.
November 1904, 1. bis 24. Sitzung; III. (au�erordentliche) Session,
Vom 21. bis 22. Dezember 1904, 1. bis 2. Sitzung, Wien, 1904, S.
532.)

| Drittens w�re er gezwungen, so und so oft des Jahres und zu ganz
| bestimmten Zeiten zu beichten, w�hrend der Gebrauch des
| Beichtsakramentes in Bezug auf das wann? und wie oft? durchaus
| frei ist.
|
(Grauf Paul von Hoensbroech, "Mein Austritt aus dem Jesuitenorden",
Sechste Auflage, Berlin, 1893, S. 24.)

| Nur der Probst durfte au�erhalb Wiesensteig wohnen, - die
| letzten Pr�bste kamen des Jahres nur ein einziges oder ein Paar
| Male dahin und wohnten sonst in Augsburg, - dagegen mu�ten alle
| Kanoniker in dieser Stadt sich aufhalten [...]
|
("Beschreibung des Oberamts Geislingen", verfa�t von Bibliothekar
Prof. St�lin, Stuttgart und T�bingen, 1842, S. 280.)

| Selbst Herr Kanne, mit dem er in fr�heren Jahren den meisten
| Umgang hatte, und dessen eminenten F�higkeiten er immerhin die
| gr�sste Achtung zollte, kam des Jahres kaum zwei bis dreimal
| mehr mit ihm zusammen.
|
(Anton Schindler, "Biographie von Ludwig van Beethoven", M�nster,
1840, S. 100.)

--
Steve

My e-mail address works as is.

Gunhild Simon

unread,
Nov 20, 2009, 2:46:05 AM11/20/09
to
On 20 Nov., 08:15, Stephen Hust <shNOS...@a1.net> wrote:
> ystei...@swissonline.ch (Yvonne Steiner) wrote:
...
> >> Eigentlich etwas gespreizt, finde ich, denn außerhalb von

> >> diesen beiden findet sich der Genitiv weder bei Jahreszeiten
> >> noch sonstigen Zeitangaben: *des Frühlings, *des Jahres.

Nach der Lektüre der Textbelege korrigiere ich meine obige Aussage von
"gespreizt" in "altertümlich".


> > Bei "des Winters" aber schon

...
>
> | Selbst Herr Kanne, mit dem er in früheren Jahren den meisten
> | Umgang hatte, und dessen eminenten Fähigkeiten er immerhin die
> | grösste Achtung zollte, kam des Jahres kaum zwei bis dreimal
> | mehr mit ihm zusammen.
> |
> (Anton Schindler, "Biographie von Ludwig van Beethoven", Münster,
> 1840, S. 100.)

Deine (auch amüsante*) Recherche - namentlich zu "des Jahres" -
veranlaßt mich, als die einzige - ich sag' mal geläufige - Angabe zu
einer Zeitangabe mit femininem Genus "derzeit" zu betrachten und dies
für einen Genitiv zu halten, was ich bisher für einen erstarrten oder
verkürzten Dativ hielt.

Umso mehr wird mir die Zusammenschreibung von "zur Zeit ->zurzeit",
was ich aus Betonungsgründen ablehne, suspekt. Ich meine daß die
Begründung die Angleichung an "derzeit" war.

*Die Sache mit den heckenden Goldhähnchen, den frechen Bauernkindern
mit ihren Rütlein, ja, sogar die Schreibung von *biß* statt bis habe
ich dabei im Auge.

Gruß
Gunhild


Stephen Hust

unread,
Nov 20, 2009, 2:57:29 AM11/20/09
to
Stephen Hust <shNO...@a1.net> wrote:

>| Am rechten Ufer des Manzanares liegt ein Eichenhain, ganz
>| deutsch, von respektablen Quercus pedunculata. Dortin ziehen

Dorthin ziehen

>| des Fr�hlings die deutschen Turner von Madrid und feiern ihr
>| Turnfest [...]
>|
> (C. Sprenger, "El Pardo", im Band "Die Gartenkunst: Zeitschrift
> f�r die Gesamtinteressen der Gartenkunst und Gartentechnik",
> F�nfter Jahrgang, Berlin, 1903, S. 42.)

--

Yvonne Steiner

unread,
Nov 20, 2009, 4:20:00 AM11/20/09
to
Gunhild Simon <gunhil...@yahoo.de> wrote:

> On 19 Nov., 22:37, ystei...@swissonline.ch (Yvonne Steiner) wrote:
> > Gunhild Simon <gunhild.si...@yahoo.de> wrote:

[des Nachts]

> > > Es ist eine hochsprachliche Angleichung an des Morgens. Eigentlich

> > > etwas gespreizt, finde ich, denn au�erhalb von diesen beiden findet


> > > sich der Genitiv weder bei Jahreszeiten noch sonstigen Zeitangaben:

> > > *des Fr�hlings, *des Jahres.
> >
> > Bei "des Winters" aber schon ... (Beispiele gesnippt).


>
> Stimmt. Es war wohl zu kategorisch in der Formulierung. Wenn man das

> liest, klingt es zwar altert�mlich, ungewohnt. W�rde man die
> Formulierung selbst w�hlen?

Nein. Wir sprachen ja auch davon, dass es veraltete bzw. altert�mliche
Genetive seien. Ich meine, dass uns aber die entsprechenden Adverbien
(fr�hlings, sommers, winters ...) schon noch in etwa gel�ufig sind. Ich
denke dabei vor allem an Poesie.

> Ich kann mich seltsamerweise daran erinnern, wie ich aus dem Mund
> meiner Grundschullehrerin damals "des Morgens" lernte.
>

> "des Nachts" ist einem so vertraut, weil man es Jahr f�r Jahr aus der


> Weihnachtsgeschichte vernimmt.
>
> Es geht ja noch weiter mit den Genitiven und den Tages- auch
> Jahreszeiten: eines Sommers, Winters, eines Morgens, Abends,

> Nachmittags, eines Nachts, eines Tages: gerade "eines sch�nen Tages"
> ist idiomatisch und gel�ufig. Eines sch�nen Nachts ist aber deutlich
> verkehrt.

Ja, dieses feminine Substantiv! - das l�sst es eifach nicht zu.
Glauben wir.
Aber schau mal:

| ... dann verschwanden eines sch�nen Tages oder richtiger
| eines sch�nen Nachts irgendwelche Teile ... "
|
| Emil Abolt - 1928 <http://tinyurl.com/ydf5o99>
****

| Nach dieser Probe kann ich ja keineswegs sicher sein, dass ich
| nicht eines sch�nen Nachts daz komme, ...
|
| Universitas - 1953 <http://tinyurl.com/yj2ppy3>
****
"
| ... Ehrgeiz dem Wohl dieser Stadt widmet, sie eines sch�nen Nachts
| in Brand gesteckt haben soll, ...
|
| Aus: Die kleine Stadt - Heinrich Mann - 1976
<http://tinyurl.com/ygqggs5>
****
"
| Eines sch�nen Nachts sind sie gekommen und haben eingebrochen.
|
| Rotfelden: eine tausendj�hrige Geschichte 1005-2005
****

Dies sind nur einige Beispiele -- Ich bitte, vor allem auf die Jahreszahlen
zu achten.

Viele weitere Beispiele findest du noch hier: <http://tinyurl.com/ybg9m7a>
Vielleicht ergeht es dir ja wie mir gerade: Je mehr man davon liest, desto
weniger auff�llig erscheint einem dieses Konstrukt.*

* Will sagen, es st�rt mich nicht mehr als dieses verflixte "diesen Jahres".

--
Yvonne Steiner

Gunhild Simon

unread,
Nov 20, 2009, 5:38:27 AM11/20/09
to
On 20 Nov., 10:20, ystei...@swissonline.ch (Yvonne Steiner) wrote:
> Gunhild Simon <gunhild.si...@yahoo.de> wrote:
> > On 19 Nov., 22:37, ystei...@swissonline.ch (Yvonne Steiner) wrote:
> > > Gunhild Simon <gunhild.si...@yahoo.de> wrote:
>
> [des Nachts]
>
> Viele weitere Beispiele findest du noch hier: <http://tinyurl.com/ybg9m7a>
> Vielleicht ergeht es dir ja wie mir gerade: Je mehr man davon liest, desto
> weniger auffällig erscheint einem dieses Konstrukt.*
>
Danke. Interessant. Und die oberste Quelle sagt erstmal frisch und
frank, daß die atributive Zusammensetzung falsch sei.

(Vielleicht gelingt es mir mit dieser Adresse auch einmal selbst
Belegmaterial zu recherchieren.)
> * Will sagen, es stört mich nicht mehr als dieses verflixte "diesen Jahres".

Das ist ja zum Glück wieder im Rücklauf. Ich hatte den Eindruck, es
war eine Gemeinschaftsproduktion von Steuerberatern und
Journalistenschulen.

Eigentlich hatte ja niemand je Zweifel, daß es sich hier um einen
Genitiv handelt. In attributivem Gebrauch ist er üblich. Nur der
Genitiv als Adverbiale oder gar Objekt ist nicht immer so geläufig.
Wenn dann auch noch die Beugungsendung eines Attributs oder Pronomens
zu überlegen ist, kann man ja schon mal ins Schleudern kommen.

Interessanterweise betrifft dieser Umstand die Demonstrativpronomen in
ganzb unterschiedlicher Weise:

- desjenigeN Jahres
- jeneS *oder* jeneN Jahres
- dieseS Jahres (aber nicht: dieseN Jahres)
- deS Jahres

P.S. Das soll keine Belehrung sein, sondern nur meine Überlegungen
verfolgbar machen.)

Gruß
Gunhild

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