Erscheint: monatlich in news:de.etc.sprache.deutsch
Stand: September 2009
Keine ᅵnderungen gegenᅵber der August-Ausgabe
Inhalt:
-------
Teil A Allgemeines
1. Was ist eine Sprache?
2. Warum soll ich Deutsch lernen?
3. Wie kann ich gutes Deutsch lernen?
4. Warum die Unterscheidung in "Sie" und "Du"?
5. Ist die deutsche Sprache frauenfeindlich?
6. Wann beginnt das neue Jahrtausend?
7. Wie heiᅵen die Jahre von 2000 bis 2009?
8. Wie heiᅵt das @?
Teil B Grammatik
9. Warum heiᅵt es "der Lᅵffel", aber "die Gabel" und "das Messer"?
10. Welchen Artikel nimmt man im Deutschen bei Verkehrsmitteln?
11. Welchen Artikel fᅵhren Flussnamen?
12. Welcher Artikel kommt vor "E-Mail", "URL" und "Website"?
13. Welche Vergangenheitsform ist korrekt?
14. Wann heiᅵt es "als" und wann "wie"?
15. Wann fᅵgt man ein Fugen -s ein? Heiᅵt es z.B. "Essenmarke" oder
"Essensmarke"?
16. Welcher Fall kommt nach "wegen"?
17. Welcher Fall kommt nach "trotz"?
18. Welcher Fall kommt nach "auᅵer"?
19. Wann nimmt man welchen Konjunktiv?
20. Wie ist das mit "sich" und "einander"?
21. Wie ist das mit dem Genitiv von "voriges Jahr" und "dieses Jahr"?
22. Wie werden zusammengesetzte Eigennamen gebeugt?
23. Was folgt richtigerweise auf "weil"?
24. Wie lautet der Plural von "Status"?
Teil C Regionalismen
25. Heiᅵt es "der Gummi" oder "das Gummi"?
26. Was bedeutet "das Mensch"?
27. Kann man das korrekterweise sagen: "Ich erinnere etwas"?
28. Wie bezeichnet man die Uhrzeit fᅵr 8:15 Uhr und 8:45 Uhr korrekt?
29. Heiᅵt es korrekt "Samstag" oder "Sonnabend"?
30. Was ist der Unterschied zwischen "Mohrenkopf" und "Negerkuss"?
31. Darf man Dialekt sprechen, ohne sich zu blamieren?
Teil D Deutsche Wᅵrter, Anglizismen
32. Gibt es eine offizielle Liste deutscher Wᅵrter oder ein
Wᅵrterbuch mit allen deutschen Wᅵrtern?
33. Gibt es deutsche Wᅵrterbᅵcher online?
34. Wie lautet das Gegenteil von "durstig"?
35. Welches ist das am hᅵufigsten gebrauchte deutsche Wort?
36. Gibt es einen Unterschied zwischen "scheinbar" und "anscheinend"?
37. Gibt es einen Unterschied zwischen "dasselbe" und "das gleiche"?
38. Wie setzt man Wᅵrter zusammen?
39. Wie viele Wᅵrter im Deutschen enden auf -nf?
40. Welche Markennamen sind zu allgemeinen Begriffen geworden?
41. Sagt man "Gewerkschafter" oder "Gewerkschaftler"?
42. Kann es "Unkosten" geben?
43. Was ist der Unterschied zwischen Prozent und Prozentpunkt?
44. Sind Fremdwᅵrter sinnvoll oder ᅵberflᅵssig?
45. Wie kann man englische Fachwᅵrter im Computerbereich auf deutsch
ausdrᅵcken?
46. Gibt es eine Liste mit vermeidbaren Anglizismen?
47. Welche deutschen Wᅵrter haben es ins Englische geschafft?
48. Wie werden fremdsprachige Ausdrᅵcke gebeugt?
49. Wann setzt man einen Apostroph?
Teil E Worterklᅵrungen, Redewendungen
50. Woher kommt der Begriff "Fisimatenten machen"?
51. Woher kommt das Wort "Zigeuner"?
52. Was ist ein "Fuzzi"?
53. Heiᅵt es "Pogrom" oder "Progrom"?
54. Warum hᅵrt man heute meist "Reichspogromnacht" statt
"Reichskristallnacht"?
55. Was heiᅵt "etwas ist in trockenen Tᅵchern"?
56. Woher kommt der Begriff "Handy"?
57. Woher kommt die Wendung "eine auf die Zwᅵlf bekommen"?
58. Woher kommt die Wendung "die Arschkarte ziehen"?
59. Gibt es in Deutschland wirklich einen Ort namens "Fucking"?
Teil F Rechtschreibung und Rechtschreibreform
60. Ist die Rechtschreibreform sinnvoll?
61. Muss ich nach neuer Rechtschreibung schreiben?
62. Ist der Duden verbindlich?
63. Darf man alles klein schreiben?
64. Darf man ein Binnen-I (Majuskel-I) verwenden?
65. Was ist das "ᅵ"? Ist es sinnvoll?
66. Welche Rechtschreibfehler finden sich besonders hᅵufig?
Teil G Aussprache
67. Wie spricht man die Endung -ig (Kᅵnig) korrekt aus?
68. Wo kann ich korrekte deutsche Aussprache lernen?
Teil H Besonderheiten in de.etc.sprache.deutsch, Akronyme
69. Kann ich auch in de.etc.sprache.deutsch schreiben, wenn ich
selbst nicht gut Deutsch kann?
70. Was bedeuten diese komischen Abkᅵrzungen (Akronyme) in
de.etc.sprache.deutsch?
71. Was ist ein "Borealgermanismus"?
72. Was soll diese Liste ᅵberhaupt?
73. Gibt es besondere Regeln in de.etc.sprache.deutsch?
74. Hier gibt es zuviel zu lesen. Kᅵnnte man das Forum nicht teilen?
75. Gibt es eine Liste interessanter Verweise fᅵr das WWW (Links)?
76. Was bedeutet es, wenn jemand nach Popcorn oder gar Popcornf ruft?
77. Warum lacht die Koralle?
78. Wer hilft mir bei meinen Deutsch-Hausaufgaben?
Teil A Allgemeines
1. Was ist eine Sprache?
Ein unterscheidbares Kommunikationssystem nennt man "Sprache". Zwei
Formen gelten als unterschiedliche Sprache, wenn sie untereinander nicht
mehr verstᅵndlich sind. Die Abgrenzung zwischen Sprachen und Dialekten
erfolgt durch die Nutzer der Sprache. Wenn diejenigen, die Plattdeutsch,
Jiddisch oder Rotwelsch sprechen, das als eigenstᅵndige Sprachen
empfinden - und nicht als deutsche Dialekte -, dann ist die Definition
von Sprache jeweils erfᅵllt.
2. Warum soll ich Deutsch lernen?
Weil Deutsch eine schᅵne Sprache sein kann. Um Heine, Goethe, Rilke im
Original lesen zu kᅵnnen. Um einen Arbeitsplatz bei einer deutschen
Firma zu erhalten. Oder um in news:de.etc.sprache.deutsch mitdiskutieren
zu kᅵnnen.
3. Wie kann ich gutes Deutsch lernen?
Durch ᅵbung, z.B. durch Diskussionen in news:de.etc.sprache.deutsch. Es
gibt auch sogenannte Stilkunden, das sind Bᅵcher, die einem helfen
sollen, gut und verstᅵndlich zu schreiben. Welche die beste ist, soll
jeder nach seinem persᅵnlichen Geschmack entscheiden.
4. Warum die Unterscheidung in "Sie" und "Du"?
Um Distanz zu wahren. Um Hᅵflichkeit und Respekt auszudrᅵcken. Um
Rangunterschiede erkennbar zu machen. In deutschsprachigen Foren des
Usenet, also auch in news:de.etc.sprache.deutsch, duzen die
Diskussionsteilnehmer einander.
5. Ist die deutsche Sprache frauenfeindlich?
Viele Bezeichnungen fᅵr Personengruppen (Leser, ᅵrzte, Minister) sind im
Deutschen maskulin. Manche Feministen erklᅵren das so, dass hier eine
frauenfeindliche Wirklichkeit durch die Sprache abgebildet worden sei:
Wenn den Frauen der Zugang zu Amt und Beruf versperrt werde, genᅵge es,
die maskuline Form zu nehmen, um das entsprechende Amt oder den Beruf zu
bezeichnen. Um Frauen auch in der Sprache sichtbarer zu machen, mᅵsse
man die femininen Varianten (Leserin, ᅵrztin, Ministerin) ausdrᅵcklich
ansprechen.
Die feministische Deutung, wie die maskulinen Formen entstanden seien,
ist allerdings umstritten. So wird argumentiert, dass das Genus eines
Wortes nicht nur vom Geschlecht des Beschriebenen, sondern auch durch
die Endung des Begriffs bestimmt werde. Wᅵrter auf -ung sind in der
Regel feminin und Wᅵrter auf -er maskulin. Kritiker meinen auᅵerdem,
dass die Bezeichnungen fᅵr Personengruppen sich immer schon auf beide
Geschlechter erstreckt hᅵtten: Das Lehrerzimmer etwa sei stets fᅵr
Lehrer beiderlei Geschlechts offen gewesen. Wenn die Sprache nur die
gesellschaftliche Wirklichkeit abbilde, so ein weiterer Einwand, mᅵssten
zur Gleichberechtigung der Frau viel eher die realen Verhᅵltnisse
geᅵndert werden als deren sprachliches Spiegelbild. (Vgl. auch Frage 64
zum Binnen-I)
6. Wann beginnt das neue Jahrtausend?
Unsere Zeitrechnung beginnt am 01.01.0001, weil die Geschichtsschreibung
kein Jahr "Null" kennt. Das erste Jahrhundert endet hundert Jahre spᅵter
am 31.12.0100. Das zweite Jahrtausend beginnt nach dieser Rechnung am
01.01.1001 und endet am 31.12.2000. Eine Eselsbrᅵcke hilft, den
Sachverhalt zu verstehen: Der zweite Kasten Bier beginnt mit der 21.
Flasche, nicht mit der 20.
Das zwanzigste Jahrhundert dauert folglich vom 01.01.1901 bis zum
31.12.2000. Die neunziger Jahre dagegen erstrecken sich vom 01.01.1990
bis zum 31.12.1999.
"Millennium" schreibt man ᅵbrigens mit zwei "n" - man kann aber auch
Jahrtausend oder Jahrtausendwechsel sagen.
7. Wie heiᅵen die Jahre von 2000 bis 2009?
Das muss sich erst noch herausstellen. Im Angebot sind u.a. "die nuller
Jahre" oder "die nullziger Jahre". Das hᅵbsche englische Wortspiel "the
naughties" lᅵsst sich leider nicht ins Deutsche ᅵbersetzen.
8. Wie heiᅵt das @?
Auf Englisch "commercial at". Einst diente es dazu, den Preis fᅵr
Waren anzuzeigen. "Lettuce @ 10 cent" hieᅵ damals, dass man pro
Salatkopf 10 Cent zahlen musste; damit entsprach es dem auf Deutsch
ᅵblichen "ᅵ": "Kopfsalat ᅵ 1,-". Im Deutschen wird das @ offiziell nach
DIN mit "kommerziellem ᅵ" ᅵbersetzt.
Seit das @ als Trennzeichen in E-Mail-Adressen dient, sagt man auf
englisch "at" dazu; diese Bezeichnung hᅵrt man auch auf Deutsch recht
hᅵufig. Namen wie "Klammeraffe" und "Kringel-a" sind daneben verbreitet.
Teil B Grammatik
9. Warum heiᅵt es "der Lᅵffel", aber "die Gabel" und "das Messer"?
Weil Deutsch anders funktioniert als Italienisch oder Spanisch. Die
Regeln zur Genusbildung im Deutschen sind sehr kompliziert und folgen
keiner Logik, die sich auf den ersten Blick erschlieᅵt. Fᅵr
Fremdsprachler hilft leider nur: Lesen, lernen, ᅵben ...
10. Welchen Artikel nimmt man im Deutschen bei Verkehrsmitteln?
Schiffe, Flugzeuge, Motorrᅵder und Raumschiffe sind im Deutschen immer
weiblich, auch wenn sie den Namen eines Mannes tragen: "Wir machen eine
Kreuzfahrt auf der 'Kᅵnig Ludwig'."; "Ich finde die neue
'Harley-Davidson' toll."; "Terroristen entfᅵhrten 1977 die 'Landshut'
nach Mogadischu."; "Die 'Endeavour' startet in Cape Canaveral."
Automarken und -typen sind in der Regel mᅵnnlich, auch wenn der Name
weiblich ist. Vielleicht hat die Ableitung von der mᅵnnlichen Form "der
Wagen" zu dieser Regel gefᅵhrt. "Ich habe einen Mercedes gekauft."; "Wir
testen den 528i, den VW Lupo, den Testarossa und den Toyota Carina."
Einige (fahrtᅵchtige) Ausnahmen sind: die Ente, die Isetta, die
Barchetta, die Corvette, die Viper und das Goggomobil.
11. Welchen Artikel fᅵhren Flussnamen?
Da gibt es keine eindeutige Regel, manche Flᅵsse sind maskulin (wie der
Rhein), manche feminin (wie die Ilz). Die Flussgᅵtter der Germanen waren
weiblich, die der Rᅵmer mᅵnnlich, die keltischen Bedeutungen waren und
sind den meisten Leuten unbekannt; die Bezeichnungen und Artikel ziehen
sich bei manchen Flᅵssen aber bis heute durch. Das Genus lᅵsst sich dann
jedoch nicht erkennen: der Po, aber die Rhᅵne (die auf franzᅵsisch
gemeinerweise "le Rhᅵne" heiᅵt, im Gegensatz zur Saᅵne, die auch auf
franzᅵsisch feminin daherflieᅵt).
Auᅵereuropᅵische Flᅵsse sind in der Regel mᅵnnlich (der Nil, der
Mississippi, der La Plata, der Jangtse), auᅵer der Name weckt sofort
weibliche Assoziationen (die Lena).
12. Welcher Artikel kommt vor "E-Mail", "URL" und "Website"?
Man sagt "die E-Mail" (so der Duden) oder auch "das E-Mail" (das ist
laut dem ᅵsterreichischen Wᅵrterbuch gleichwertig). Das englische Wort
"mail" kennt keinen Plural, sowenig wie die deutsche "Post". Als
Fremdwort im Deutschen kann man dagegen die Pluralform verwenden: "Schau
an, ich hab' drei neue Mails erhalten."
Wer Email ohne Bindestrich schreibt, meint kein elektronisches
Kommunikationsmittel, sondern eine Metallbeschichtung ("Emaillierung").
"Website" wird im Deutschen in der Regel weiblich benutzt: "die
Website". Vermutlich liegt das am Gleichklang mit dem Ausdruck "die
Webseite", auch wenn eine Website meist mehr als eine Seite umfasst.
Meistens orientiert sich der Artikel fremdsprachiger Ausdrᅵcke an dem
deutschen Begriff, der dem Ausdruck am nᅵchsten kommt. Wenn mehrere
Mᅵglichkeiten zur Wahl stehen, gibt es auch keinen eindeutigen Artikel,
so wie etwa bei der/dem E-Mail.
Um den Begriff Uniform Resource Locator (URL) streiten sich die
Gelehrten: Fᅵr _den_ URL spricht der Locator, fᅵr _die_ URL die gᅵngige
ᅵbersetzung mit Netzadresse.
13. Welche Vergangenheitsform ist korrekt?
Im Deutschen ist die Wahl der Vergangenheitsform weniger streng geregelt
als etwa im Englischen oder Franzᅵsischen. Meist kann das Prᅵteritum
("sie half mir") durch das Perfekt ("sie hat mir geholfen") ersetzt werden.
Das Prᅵteritum ist die geeignete Zeitform, um Ereignisse rein aus der
vergangenen Perspektive heraus zu erzᅵhlen. Bei Ereignisreihungen,
besonders in der Literatur, ist es hochsprachlich sogar die einzig
korrekte Form: "Bogus trat nach vorne, schob den Riegel des Tores zurᅵck
und lieᅵ seine Soldaten herein."
Das Perfekt muss dagegen immer dann verwendet werden, wenn der Sprecher
einen Bezug zur Gegenwart herstellen will.
a.) Perfekt des Nachzustandes: "Hurra, es hat geschneit!" (wenn der
Schnee noch liegt, ist "Hurra, es schneite!" falsch)
b.) Perfekt der Erfahrung ("experiental"): "Hast du je Froschschenkel
gegessen?" (nicht "Aᅵest du je Froschschenkel?")
c.) Neuigkeitenperfekt ("hot news perfect"): "Der Kanzler ist
zurᅵckgetreten!" (nicht "Der Kanzler trat zurᅵck!")
d.) Gegenwartsrelevanz: "Immerhin hat Jᅵrgen Germanistik studiert, also
kennt er sich mit Sprache aus."
Das Plusquamperfekt bezeichnet die Vorvergangenheit. "Als sie geendet
hatte, ging sie nach Hause." Der Gebrauch des Plusquamperfekts als
normale Vergangenheitsform: "Letzte Woche waren wir in Urlaub gefahren",
ist hochsprachlich nicht korrekt, aber z.B. im Berliner oder
Hannoverschen Regiolekt gebrᅵuchlich. Mᅵglicherweise empfindet man diese
Zeitform weniger formal als das Prᅵteritum, aber vornehmer als das Perfekt.
14. Wann heiᅵt es "als" und wann "wie"?
Nach Steigerungen fast immer "als", aber nie "wie". "Er ist grᅵᅵer als
ich." Man kann bei Steigerungen auch "denn" verwenden, um zwei "als"
hintereinander zu vermeiden: "Es ist besser als freier Mensch zu
sterben, denn als Sklave zu leben." Ein wenig altmodisch klingt das
allerdings schon. Bei Gleichordnungen immer "wie". "Er ist so dick wie ich."
Kniffliger wird die Sache, wenn man Multiplikatoren zum Vergleich
heranzieht. Korrekt heiᅵt es: "Ina ist zweimal so stark wie Peter"
(Gleichordnung), aber "Ina ist zweimal stᅵrker als Peter"
(Steigerung).
Im Sᅵden des deutschen Sprachraumes wird umgangssprachlich gerne "wie"
nach dem Komparativ gesetzt ("Ich bin stᅵrker wie du."), wᅵhrend die
Norddeutschen eher dazu neigen, "als" nach dem Positiv zu verwenden ("so
weit als mᅵglich"). Standardsprachlich ist beides falsch.
Wenn "als" und "wie" nicht zum Steigern, sondern zum Vergleichen
verwendet werden, gilt folgende Faustregel: "Als" nimmt man, wenn ein
identischer Vergleich gezogen wird: "Als deine Schwester rate ich dir
heimzugehen." Ich bin tatsᅵchlich deine Schwester und rate dir
heimzugehen. "Wie" nimmt man, wenn keine Identitᅵt vorliegt: "Sie sorgt
fᅵr mich wie eine Schwester." Sie ist zwar nicht meine Schwester, aber
sie sorgt so fᅵr mich, als wᅵre sie meine Schwester.
15. Wann fᅵgt man ein Fugen -s ein? Heiᅵt es z.B. "Essenmarke" oder
"Essensmarke"?
Es gibt keine eindeutige Regel, und das Fugen -s hat auch nichts mit dem
Genitiv zu tun. Der Gebrauch des Fugen -s unterscheidet sich von Region
zu Region. Der Gesetzgeber in Deutschland vermeidet es allerdings, Fugen
-s zu setzen. So werden die offiziellen Steuerbezeichnungen ohne "s"
gebildet: Einkommensteuer, Versicherungsteuer usw. In ᅵsterreich ist das
Fugen-s verbreiteter; dort ereignen sich sogar "Zugsunglᅵcke".
Analog zum Fugen -s gibt es auch das Fugen -n. Man findet es z.B. im
"Hallenbad".
16. Welcher Fall kommt nach "wegen"?
In geschriebenem Deutsch der Genitiv ("Wegen des Regens sind wir daheim
geblieben."); es heiᅵt ja auch "deswegen" und nicht "demwegen".
Umgangssprachlich verwenden die meisten Leute - mit Zustimmung des Duden
- den Dativ ("Wegen dir hab ich mein Leben vergeudet."). Der Dativ nach
"wegen" schleicht sich auch zunehmend in die geschriebene Sprache: Der
Dativ ist dem Genitiv sein Tod!
In der geschriebenen Alltagssprache wird der Dativ nach "wegen"
besonders verwendet, wenn ein einfacher Singular ohne Artikel folgt:
"Wegen Todesfall geschlossen" an Stelle des eigentlich korrekten: "wegen
Todesfalls geschlossen".
Auᅵerdem folgt im Plural der Dativ, wenn Nominativ, Genitiv und
Akkusativ Plural gleich lauten und kein anderer Zusatz (Artikel,
Adjektiv verwendet wird: "Die Prozedur wurde wegen Fehlern
abgebrochen.", "Die Autobahn war wegen Unfᅵllen gesperrt." Aaaaaber:
"Die Prozedur wurde wegen schwerer Fehler abgebrochen." "Die Autobahn
war wegen der vielen Unfᅵlle gesperrt."
17. Welcher Fall kommt nach "trotz"?
Meistens der Genitiv, obwohl historisch der Dativ richtig wᅵre. Es heiᅵt
ja "trotzdem" und nicht "trotzdessen". Das Wort "nichtsdestotrotz" ist
eigentlich eine spaᅵige Verbindung aus "nichtsdestoweniger" und
"trotzdem". Nichtsdestoweniger setzt sie sich immer mehr durch und wird
z.B. von der Winword-Rechtschreibprᅵfung als richtig akzeptiert.
18. Welcher Fall kommt nach "auᅵer"?
"Auᅵer" ist eine Einschrᅵnkung, statt dessen kann man auch "abgesehen
von", "mit Ausnahme von", "bis auf" oder "nur ... nicht" sagen. Der
Duden meint, dass auf "auᅵer" und "entlang" Genitiv, Dativ oder
Akkusativ folgen.
Der Nikolaus bringt [wem?] allen Kindern Sᅵᅵigkeiten, auᅵer [wem?] den
bᅵsen Schlingeln.
Ich mag [wen?] alle Frᅵchte,
auᅵer [wen?] die grᅵnen Zitronen.
auᅵer [wem?] den grᅵnen Zitronen.
Oft sind beide Formen mᅵglich, wenn "auᅵer" das Subjekt einschrᅵnkt:
Auᅵer ihrer Mutter hatten ihr alle Verwandten ein Geschenk mitgebracht.
Alle Verwandten hatten ihr ein Geschenk mitgebracht, auᅵer ihre(r) Mutter.
Alle Verwandten, auᅵer ihre(r) Mutter, hatten ihr ein Geschenk mitgebracht.
Wenn die Bezᅵge unklar sind und erst aus dem Zusammenhang erschlossen
werden mᅵssen, klingt "auᅵer" oft seltsam. Dann ist es besser, einen
anderen Ausdruck zu verwenden. Eindeutiger ist es, "abgesehen von" oder
"mit Ausnahme von" zu verwenden, weil da immer der Dativ verlangt ist.
Wenn man "bis auf" nimmt, folgt ein Akkusativ. Bei "nur ... nicht" passt
sich der Fall dem Vorangegangenen an:
Abgesehen von [wem?] ihrer Mutter hatten ihr alle ein Geschenk gebracht.
Mit Ausnahme von [wem?] ihrer Mutter hatten ihr alle ein Geschenk gebracht.
[Wer?] Alle hatten ihr ein Geschenk gebracht, nur [wer?] ihre Mutter nicht.
Alle hatten ihr ein Geschenk gebracht, bis auf [wen?] ihre Mutter.
19. Wann nimmt man welchen Konjunktiv?
Das Deutsche kennt zwei Konjunktivformen. Besondere Bedeutung gewinnen
sie in der indirekten Rede.
"Er sagt, er ist ein feiner Kerl." Er sagt es, und ich weiᅵ, dass es stimmt.
"Er sagt, er sei ein feiner Kerl." Er sagt es. Ich weiᅵ nicht, ob er
recht hat, oder ich will mich in meiner Aussage nicht festlegen. Diese
Form ist korrekt, um neutral in indirekter Rede zu berichten.
"Er sagt, er wᅵre ein feiner Kerl." Er sagt es, aber ich weiᅵ, er ist
ein Schuft.
Um konditionale Sachverhalte auszudrᅵcken, nimmt man den Konjunktiv II
(Irrealis): "Wenn es regnete, nᅵhme ich den Schirm", bzw. gᅵngiger:
"Wenn es regnen wᅵrde, wᅵrde ich den Schirm nehmen." Die Konjunktivform
der Verben klingt in vielen Fᅵllen ungewᅵhnlich und wird nur noch selten
verwendet. Statt dessen nimmt man besonders im Alltag normalerweise die
Hilfsform "wᅵrde", also "Es wᅵrde mir helfen, wenn du deutlicher
sprechen wᅵrdest.", an Stelle von "Es hᅵlfe mir, wenn du deutlicher
sprᅵchest."
20. Wie ist das mit "sich" und "einander"?
"Einander" dient in der "gehobenen Sprache" (so der Duden) dem Ausdruck
einer wechselseitigen Beziehung: "Sie wuschen einander die Hᅵnde".
Obwohl "einander" die kᅵrzere und prᅵgnantere Form darstellt, verwendet
man heute in der Alltagssprache meist die Konstruktion "sich
gegenseitig": "Sie wuschen sich gegenseitig die Hᅵnde".
"Sich" steht immer dann, wenn die Beziehung selbstbezogen ist: "Sie
wuschen sich die Hᅵnde" (d.h. jeder fᅵr sich) "Sich" steht im heutigen
Sprachgebrauch meist auch dann fᅵr die wechselseitige Beziehung, wenn
kein Missverstᅵndnis mᅵglich ist: "Sie kᅵssten sich." Die eindeutigeren
Formen "einander" und "sich gegenseitig" wirken hier oft gespreizt: "Was
einander liebt, das neckt einander" oder "Sie kᅵssten sich gegenseitig
und sie schlugen sich gegenseitig."
21. Wie ist das mit dem Genitiv von "voriges Jahr" und "dieses Jahr"?
Das Demonstrativpronomen "dieser" wird mit dem Substantiv gebeugt,
andere Pronomina nicht. Auf Deutsch: "Im Sommer dieses Jahres ..." "Ende
dieses Monats ..." aber "Anfang vorigen Jahres ..." "Zu Beginn letzten
Quartals ..."
Und wenn "heuer" klein geschrieben wird, ist es keine Entlohnung fᅵr
Seeleute, sondern ein Ausdruck fᅵr "dieses Jahr", der im Sᅵden des
deutschen Sprachraumes gᅵngig ist. "Wir wollen heuer Weihnachten zu
Hause feiern."
22. Wie werden zusammengesetzte Eigennamen gebeugt?
Wenn Eigennamen Artikel oder Adjektive enthalten ("Das Goldene Blatt"),
werden diese ᅵblicherweise mit gebeugt. "Nachdem Heinz viele Jahre als
Orchestermusiker bei den 'Lustigen Oberlᅵndern' gearbeitet hatte,
schaffte er den Durchbruch als Solist. In der 'Bunten' gab er ein
Interview, und er durfte sogar im 'Ersten' beim 'Groᅵen Sommerfest der
Volksmusik' auftreten."
Sehr selten bleiben zusammengesetzte Ortsnamen ungebeugt. In Kᅵln bleibt
etwa der "Alter Markt" immer so stehen: "Auf dem Alter Markt tobte das
Karnevalstreiben." Fᅵr auswᅵrtige Ohren klingt das fremd.
23. Was folgt richtigerweise auf "weil"?
Mit "weil" leitet man einen kausalen Nebensatz ein. In deutschen
Nebensᅵtzen kommt das Verb zum Schluss. Deshalb muss es heiᅵen: "Ich
kann nicht kommen, weil ich erkᅵltet bin." Der Satz: "Ich kann nicht
kommen, weil ich bin erkᅵltet." ist grammatikalisch nicht korrekt.
Wem Nebensatzbildungen zu kompliziert erscheinen, kann seine Kausalsᅵtze
als Hauptsatz mit "denn" anfangen. "Ich kann nicht kommen, denn ich bin
erkᅵltet." ist eine standardsprachlich korrekte Lᅵsung.
24. Wie lautet der Plural von "Status"?
Nominativ: Der Status. Genitiv: Es ist eine Frage des Status ... Plural:
Die Status ...
So steht's im Duden, und so entspricht es auch der lateinischen Herkunft
(status, -us; m). Wer die gewᅵhnungsbedᅵrftige Beugung vermeiden will,
kann "Status" ersetzen durch: Zustand, Stand, Bestand, Lage oder
Stellung. In der Informatik spricht man gerne von Statuswerten.
Teil C Regionalismen
25. Heiᅵt es "der Gummi" oder "das Gummi"?
Beides ist richtig. Die Verwendung ist regional unterschiedlich. Genauso
ist es bei "die Cola" und "das Cola". Nur im Bairischen (und in einigen
Ecken im Sᅵdwesten des deutschen Sprachraums) hingegen sind korrekt: der
Radio, der Schokolad', der Butter, das Teller, das Joghurt, das Monat,
das Bleistift und der Zwiebel.
26. Was bedeutet "das Mensch"?
"Mensch" ist ursprᅵnglich "der Mᅵnnische" und gehᅵrt zum Wort "man", das
es im Englischen heute noch so gibt. "Man" bedeutete "Person" (nicht
etwa nur "mᅵnnliche Person"), das unpersᅵnliche Pronomen "man" im
modernen Deutsch leitet sich davon ab.
Frᅵher standen "das" und "der" Mensch gleichberechtigt nebeneinander;
spᅵter hat man "das" Mensch (Plural: Die Menscher) nur noch auf Frauen
bezogen, "der" Mensch auf Personen allgemein. Heute kennt man die Form
"das Mensch" nur noch im Sᅵden des deutschen Sprachraumes.
"Das" Mensch hat dort in einigen Gegenden eine abschᅵtzige Bedeutung
bekommen und heiᅵt etwa "Frau mit zweifelhafter Moral"; noch
abschᅵtziger ist die Verkleinerungsform "das Menschle", was mancherorts
"Flittchen" bedeutet. Anderswo haben sich die ᅵlteren, wertfreien
Bedeutungen noch gehalten; so gibt es Gegenden, wo die "Menscherkammer"
keine negative Nebenbedeutung hat.
27. Kann man das korrekterweise sagen: "Ich erinnere etwas"?
"Ich erinnere meinen letzten Geburtstag." Diese nicht-reflexive Form von
"erinnern" begegnet uns als schlechte ᅵbersetzung aus dem englischen "I
remember my last birthday" immer hᅵufiger. In einigen Gegenden
Norddeutschlands (um Lᅵbeck herum und in Mecklenburg) ist diese Form
aber schon seit Jahrzehnten gebrᅵuchlich.
28. Wie bezeichnet man die Uhrzeit fᅵr 8:15 Uhr und 8:45 Uhr korrekt?
Wenn man "viertel nach acht" und "viertel vor neun" sagt, ist es
eindeutig und wird ᅵberall verstanden. Regional gebrᅵuchlich ist auch
"dreiviertel neun" (8:45 Uhr) und "viertel neun" (8:15 Uhr). Diese
Bezeichnungen werden aber nicht ᅵberall richtig interpretiert.
Wer statt 8:30 Uhr "halb neun" sagt, wird ᅵberall verstanden.
29. Heiᅵt es korrekt "Samstag" oder "Sonnabend"?
Im Norden Sonnabend, im Sᅵden Samstag. Allerdings scheint sich der
Samstag durchzusetzen, da ihn selbst die notorisch norddeutsche
"Tagesschau" verwendet. Bemerkenswert resistent gegen die Ausbreitung
des Samstags scheint sich dagegen die Berliner Medienszene zu zeigen.
30. Was ist der Unterschied zwischen "Mohrenkopf" und "Negerkuss"?
Die Bezeichnungen fᅵr diese Sᅵᅵspeisen unterscheiden sich regional. In
manchen Gegenden wird beides synonym fᅵr eine mit Schokolade ᅵberzogene
Schaumspeise verwendet, die politisch korrekt als "Schaumkuss" oder
"Schokokuss" benannt wird. Anderswo kennt man als Mohrenkopf ein mit
Schokoladenglasur ᅵberzogenes Biskuit, das nach dem Backen halbiert und
mit Schlagsahne gefᅵllt wird.
31. Darf man Dialekt sprechen, ohne sich zu blamieren?
Im Gegensatz zu anderen Sprachen ist im Deutschen der Gebrauch von
Dialekten und Regiolekten in vielen Gegenden auch unter gebildeten
Leuten nicht verpᅵnt (z.B. in Schwaben und im bairischen Sprachraum). Zu
offiziellen Anlᅵssen und in den Medien Radio und Fernsehen wird in
Deutschland in der Regel in Schriftsprache geredet. In der Schweiz wird
der Dialekt (Schweizerdeutsch in seinen Ausprᅵgungen) auch bei
offiziellen Gelegenheiten und in den Medien gesprochen. Auᅵerhalb der
Belletristik ist es ungewᅵhnlich, im Dialekt zu schreiben, selbst wenn
man ihn spricht. In news:de.etc.sprache.deutsch schreiben fast alle
Diskussionsteilnehmer Schriftsprache. In Ermangelung eigener Foren fᅵr
die Dialekte des Deutschen (Ausnahme: Schwᅵbisch in
news:alt.aeffle.und.pferdle) gibt es auch Diskussionen zu Dialektthemen
in news:de.etc.sprache.deutsch.
Teil D Deutsche Wᅵrter, Anglizismen
32. Gibt es eine offizielle Liste deutscher Wᅵrter
oder ein Wᅵrterbuch mit allen deutschen Wᅵrtern?
Nein. Es wird so etwas auch nie geben kᅵnnen, denn im Sprachgebrauch
entstehen stᅵndig neue Wendungen, wᅵhrend andere veralten und
aussterben. Auᅵerdem erlaubt die deutsche Sprache alle mᅵglichen
individuellen Zusammensetzungen, so dass unmᅵglich alle denkbaren
Variationen katalogisiert werden kᅵnnen. Schlieᅵlich fᅵhren Lexika
regelmᅵᅵig nur die Grundformen von Wᅵrtern auf, bei Verben etwa den
Infinitiv, nicht aber alle Beugungsformen. Eine Sammlung aller deutschen
Wᅵrter wᅵre also stᅵndig im Fluss und zudem schier unendlich groᅵ. Das
Wᅵrterbuch, das die Brᅵder Grimm 1838 begonnen haben, umfasst 350.000
Eintrᅵge, aber nicht mal das reicht aus: Die ersten Bᅵnde werden derzeit
neu bearbeitet und aktualisiert.
Anmelden kann man selbst erfundene Wᅵrter nicht. Allein der
Sprachgebrauch entscheidet, ob ein Wort sich durchsetzt. Die Redaktion
des Duden wertet laufend deutschsprachige Verᅵffentlichungen aus. Wenn
ein neues Wort regelmᅵᅵig verwendet wird, dann kommt es in den Duden.
33. Gibt es deutsche Wᅵrterbᅵcher online?
Es gibt mehrere Fachlexika, der Duden ist allerdings nicht komplett im
WWW verfᅵgbar.
Der Adelung, das "grammatisch-kritische Wᅵrterbuch der Hochdeutschen
Mundart": <http://mdz.bib-bvb.de:80/digbib/lexika/adelung/>
Das Wortschatz-Lexikon der Uni Leipzig: <http://wortschatz.uni-leipzig.de>
Der Wahrig unter: <http://wissen.de>
Das Grimmsche Wᅵrterbuch: <http://www.dwb.uni-trier.de>
Der Wikipedia-Ableger Wiktionary:
<http://de.wiktionary.org/wiki/Wiktionary:Hauptseite>
Wᅵrterbᅵcher, die deutsche Begriffe in eine andere Sprache ᅵbersetzen
und umgekehrt, finden sich reichlich bei den gᅵngigen Suchmaschinen.
Suchbegriff: Wᅵrterbuch deutsch.
34. Wie lautet das Gegenteil von "durstig"?
Die deutsche Sprache kennt fᅵr diesen Zustand keinen Ausdruck. Es gibt
von Zeit zu Zeit Wettbewerbe, diese Lᅵcke zu fᅵllen. Der jᅵngste
Vorschlag heiᅵt "sitt". Im tᅵglichen Sprachgebrauch hat sich bislang
keiner der vorgeschlagenen Ausdrᅵcke durchgesetzt, auch nicht
"durstsatt", das der Duden anbietet.
35. Welches ist das am hᅵufigsten gebrauchte deutsche Wort?
Das Wort "der" kommt am hᅵufigsten vor. Die Uni Leipzig fᅵhrt eine
Liste, in der man sehen kann, wie oft ein gesuchtes Wort im Vergleich zu
"der" verwendet wird: <http://wortschatz.uni-leipzig.de>
36. Gibt es einen Unterschied zwischen "scheinbar" und "anscheinend"?
Ja. "Scheinbar" heiᅵt, dass es in Wirklichkeit ganz anders ist. Bei
"scheinbar" trᅵgt der Schein. "Anscheinend" ist dagegen in puncto
Wahrheitsfindung neutral.
"Anscheinend ist er ein reicher Mann." - Ich weiᅵ nicht, ob er reich
ist. Ich schlieᅵe es aber aus dem Anschein, den er erweckt. Vermutlich
ist er reich, so wie er sich gibt.
"Scheinbar ist er ein reicher Mann." - Er gibt sich zwar als reicher
Mann aus, ich weiᅵ aber genau: In Wirklichkeit ist er arm wie eine
Kirchenmaus.
37. Gibt es einen Unterschied zwischen "dasselbe" und "das gleiche"?
Ja. Bei demselben handelt es sich um ein und dasselbe Teil, bei dem
gleichen existieren zwei Stᅵcke, die einander aufs Haar gleichen.
"Tina und Petra trugen dasselbe Kleid." - Die beiden sind bettelarm und
mᅵssen sich ein Kleid teilen. Am Montag darf es Tina tragen, am Dienstag
Petra.
"Tina und Petra trugen das gleiche Kleid." - Tina und Petra sind auf
einer Party, jede hat ein Kleid an, die Kleider kann man aber nicht
unterscheiden.
38. Wie setzt man Wᅵrter zusammen?
Ganz einfach. Man fᅵgt sie, wie sie sind, zusammen (evtl. mit Fugen -s
oder Fugen -n wegen der leichteren Aussprache): Dann wird aus dem
Schrank, der im Wohnzimmer steht, ein "Wohnzimmerschrank". Auf keinen
Fall wird ein "Wohn Zimmer Schrank" daraus und auch kein
"WohnZimmerSchrank", selbst wenn die kreativen Kᅵpfe der Werbewirtschaft
diese Kombinationen derzeit sehr chic finden.
Wenn die Wᅵrter nach dem Zusammensetzen zu lang oder zu unᅵbersichtlich
werden, darf man der Lesefreundlichkeit halber auch Bindestriche setzen.
Dann wird aus dem "Kaffeeexporteur" eben ein "Kaffee-Exporteur". Auch
bei Verbindungen mit Fugen -s ist das zulᅵssig, so z.B. bei der
Versicherungs-Gesellschaft.
39. Wie viele Wᅵrter im Deutschen enden auf -nf?
Sechs. Nᅵmlich fᅵnf, Genf, Hanf, Senf, Sernf (das ist ein Schweizer
Flᅵssli) und Ganf. Das ist laut "Duden" (Band 9: Gutes und richtiges
Deutsch, 4. Aufl., S. 535) eine Nebenform zu "Ganeff", was im Jargon des
Rotwelsch fᅵr einen Ganoven steht. Zusammensetzungen wie hundertfᅵnf
oder Weiᅵwurstsenf gelten natᅵrlich nicht.
40. Welche Markennamen sind zu allgemeinen Begriffen geworden?
Man sagt z.B. allgemein "Jeep" fᅵr Gelᅵndewagen und "Tempo" zum
Papiertaschentuch. Eine Liste derartiger Begriffe, die als Markennamen
geschᅵtzt sind, findet sich im WWW unter
<http://www.oberlehrer.org/gm.html>, eine weitere hat Erik Meltzer
zusammengetragen und unter <http://www.ermel.org/usenet/desd/marken.txt>
verᅵffentlicht.
41. Sagt man "Gewerkschafter" oder "Gewerkschaftler"?
Wenn die Grundform ein Verb ist, wird die Ableitung (von Nomina agentis)
immer auf "-er" gebildet: Kriegsgewinner (den Krieg gewinnen), Sprecher
(sprechen), Weltrekordhalter (den Weltrekord halten), Schneider, Sᅵnger
... Wenn die Grundform ein Substantiv ist, wird die Ableitung auf "-ler"
bevorzugt: Kriegsgewinnler (Kriegsgewinn), Altsprachler (alte Sprachen),
Weltrekordler (Weltrekord), Postler, Kᅵnstler, Sportler, Nachzᅵgler,
Zuchthᅵusler ...
Bildungen auf "-er" mit substantivischer Basis - wie Reeder, Tᅵrmer,
Schᅵfer - geraten heute immer mehr auᅵer Gebrauch. Die Bildungen
"Gewerkschaftler" und "Wissenschaftler" sind grammatisch korrekt und
wertneutral. Dennoch halten viele "Gewerkschafter" und
"Burschenschafter" an den Formen auf "-er" fest - aus Tradition oder
weil sie in den Bildungen auf "-ler" immer noch eine (vermeintliche)
Abwertung erblicken.
(Vgl. P. Eisenberg 1998, "Grundriss der deutschen Grammatik. Das Wort.",
S.266)
42. Kann es "Unkosten" geben?
Die Vorsilbe "Un-" bezeichnet nicht nur das Gegenteil (wie bei Ungeduld
oder Unsinn), sondern dient manchmal auch zur Verstᅵrkung: Ein Unwetter
ist ein besonders heftiges Wetter, und eine Unmenge eine sehr groᅵe
Menge. Folgerichtig hat der Sprachgebrauch vor langer Zeit aus lᅵstigen
Kosten "Unkosten" gebildet.
Die Fachsprache der Betriebswirtschaftslehre nimmt es mit den Kosten
ganz genau und kennt Sachkosten, Fixkosten, pagatorische Kosten und
viele andere. Die Unkosten aber finden keinen Platz in der betrieblichen
Kostenrechnung und sind bei den Betriebswirten verpᅵnt.
43. Was ist der Unterschied zwischen Prozent und Prozentpunkt?
Mit Prozent beschreibt man einen verhᅵltnismᅵᅵigen Anteil, Prozentpunkte
messen den absoluten Abstand von Prozentzahlen. Dieser Unterschied fᅵllt
vor allem bei der Wahlberichterstattung ins Gewicht: Wenn jemand bei der
letzten Wahl 4 % der Stimmen erhalten hat, diesmal aber 6 % bekommt, hat
er seinen Stimmenanteil um die Hᅵlfte steigern kᅵnnen. Das heiᅵt, er hat
sein Wahlergebnis zwar um satte 50 Prozent verbessert - aber eben nur um
zwei Prozentpunkte (von vier auf sechs).
44. Sind Fremdwᅵrter sinnvoll oder ᅵberflᅵssig?
Sprache lebt, Sprache wandelt sich. Neue Ideen, neue Konzepte verlangen
nach Begriffen, um sie zu beschreiben. Daher gibt es Fremdwᅵrter, seit
es unbekannte Dinge aus fremdsprachigen Gegenden gibt. Das Deutsche ist
voll von solchen eingedeutschten Begriffen, und bei den meisten merkt
man gar nicht mehr, dass sie einmal aus fremden Lᅵndern eingefᅵhrt
worden sind. Wer denkt bei "Mauer", "Pfosten" oder "Fenster" an Fremdwᅵrter?
Manche Fremdwᅵrter beschreiben Sachverhalte, fᅵr die es im Deutschen
keinen geeigneten Ausdruck gibt (Esprit, Chuzpe, Fairness). Andere
lassen sich nur umstᅵndlich und verschraubt ᅵbersetzen: Warum soll man
einen Schauspieler fᅵr sein "genaues Gespᅵr fᅵr den richtigen Zeitpunkt"
loben, wenn bei ihm das Timing stimmt?
Wer allerdings Fremdwᅵrter einsetzt, um seine Sprache mᅵglichst
unverstᅵndlich zu machen, wer mit hochtrabenden Ausdrᅵcken verschleiert,
dass er im Grunde nichts zu sagen hat, der liegt mit Fremdwᅵrtern
einfach falsch und wird niemandem imprᅵgnieren kᅵnnen.
45. Wie kann man englische Fachwᅵrter im Computerbereich auf deutsch
ausdrᅵcken?
Gᅵngig sind z.B.:
Computer - Rechner; Newsgroup - Nachrichtengruppe, Diskussionsgruppe,
Forum; Homepage - Leitseite, Startseite, Hauptseite; Website -
Netzplatz, Netzpunkt, Netzauftritt; URL - Netzadresse; E-Mail - E-Post,
E-Nachricht; to boot - hochfahren; to crash - abstᅵrzen; to mail -
senden; to post - verᅵffentlichen; posting - Artikel, Beitrag,
Verᅵffentlichung; mailing - Nachricht; download - herunterladen,
(formlos) herunterziehen, saugen; upload - hochladen
Es ist umstritten, ob ᅵbersetzungen von Begriffen wie "Usenet" oder
"Internet" sinnvoll sind. Umfangreichere Listen mit deutschen
ᅵbersetzungen gibt es auf der Leitseite des Vereins Deutsche Sprache (s.u.).
46. Gibt es eine Liste mit vermeidbaren Anglizismen?
Ja. Beim Verein Deutsche Sprache <http://www.vds-ev.de>. Stefan
Winterstein hat eine umfangreiche Liste mit Anglizismen und
ᅵbersetzungsfallen zusammengestellt:
<http://www.uebersetzungsfallen.de>. Im "Fruchtbringenden Wᅵrterbuch"
<http://de.wikibooks.org/wiki/Fruchtbringendes_W%C3%B6rterbuch> sammelt
die Wiki-Gemeinde deutsche Entsprechungen fᅵr Anglizismen.
ᅵber den Einfluss von Anglizismen auf die deutsche Sprache teilen sich
die Meinungen: Fᅵr die einen bricht schon lᅵngst das Abendland zusammen;
die anderen halten die Sprache fᅵr widerstandsfᅵhig genug, alle paar
Jahre ein paar wechselnde Modewᅵrter oder Anglizismen auszuhalten. Ganz
allgemein gilt: Die Grenze zwischen der Vermeidung ᅵberflᅵssiger
Anglizismen und Deutschtᅵmelei ist flieᅵend. Jeder empfindet das anders.
47. Welche deutschen Wᅵrter haben es ins Englische geschafft?
Am bekanntesten sind wohl der "kindergarten", der "rucksack" oder der
"blitzkrieg". Eine umfangreiche Liste deutscher Fremd- und Lehnwᅵrter im
Englischen hat Robbin Knapp zusammengetragen:
<http://germanenglishwords.com>.
48. Wie werden fremdsprachige Ausdrᅵcke gebeugt?
Wenn sie als Lehnwᅵrter ins Deutsche integriert worden sind, dann werden
sie auch ganz normal gebeugt ("Es ist Aufgabe des Managements ..."). Bei
der Pluralbildung werden dann auch die deutschen Regeln angewendet,
nicht die englischen. So heiᅵt es auf Deutsch: Babys, Hobbys, Partys
statt auf Englisch: babies, hobbies, parties. Wenn die Begriffe (noch)
als fremdsprachig empfunden werden, bleiben sie ungebeugt ("Es ist das
Wesen des Cash-flow ...").
Bei Verben ist die Sache schwieriger ("downgeloadet" oder
"gedownloadet"?). In solchen Zweifelsfᅵllen ist es wohl am besten, einen
deutschen Ausdruck zu nehmen ("heruntergeladen" bzw. "heruntergezogen")
oder auf eine Mischung aus fremdsprachigem Substantiv und deutschem Verb
zurᅵckzugreifen ("Nachdem der Download durchgefᅵhrt wurde, ...").
49. Wann setzt man einen Apostroph?
Seltener als man vielleicht denkt. Jedenfalls nicht beim Genitiv
("Pauls Wᅵrstchenbude"), auᅵer ein Eigenname endet auf einen Zischlaut
wie s, z, x: "Marx' Theorie", "Tacitus' Darstellung". Die neue
Rechtschreibung erlaubt einen Apostroph, wenn damit die Grundform des
Namens deutlich gemacht wird ("Das Kind Andrea's").
Wenn der Genitiv schon durch einen Artikel angezeigt wird, braucht man
auch bei Zischlauten keinen Apostroph zu schreiben: "Die Darstellung des
Tacitus". Kein Apostroph wird beim Plural von gebeugten Abkᅵrzungen
gesetzt (CDs, CPUs). Und erst recht kommt kein Apostroph bei
Verschmelzungen von Verhᅵltniswᅵrtern mit Artikeln, also bei "ans",
"fᅵrs", "am", "beim", "zum" usw. Die genauen Regeln stehen im Duden
unter dem Stichwort "Apostroph".
"Wenn der Deutsche nicht weiᅵ, wie was geschrieben wird, haut er einen
Apostroph rein. Klingt internationaler." (Richard Rogler)
Teil E Worterklᅵrungen und Redewendungen
50. Woher kommt der Begriff "Fisimatenten machen"?
"Fisimatenten machen" heiᅵt soviel wie Unsinn, Unfug oder
Umstᅵndlichkeiten machen. Das "elektronische Klassenzimmer" der
Deutschen Welle bietet folgende etymologische Erklᅵrungsversuche:
Erste Mᅵglichkeit: Aus dem 15. Jahrhundert von visae patentes literae,
kurz visepatentes, ein umstᅵndlich zu erlangendes Patent.
Zweite Mᅵglichkeit: Aus dem mittelhochdeutschen Wort visamente, das
Zierrat oder Ornament bedeutet.
Dritte Mᅵglichkeit: Volkstᅵmliche Deutung: Von "Visitez ma tente"
("Besuchen Sie mein Zelt") als Einladung napoleonischer Offiziere an
deutsche Mᅵdchen.
Vierte Mᅵglichkeit: Volkstᅵmliche Deutung: Von der Ausrede verspᅵteter
Passanten gegenᅵber napoleonischen Straᅵenkontrollen "Je viens de
visiter ma tante." ("Ich habe gerade meine Tante besucht.")
<http://www.dwelle.de/dpradio/bildung/alltagsdeutsch/archiv/Allt1299.html>
51. Woher kommt das Wort "Zigeuner"?
"Secanen nannten sich selber die Nachkommen jener nordwestindischen
Volksgruppe, die, seit sechshundert Jahren auf der Flucht, um 1500 in
Mitteleuropa eintrafen. Andere bezeichneten sie irrtᅵmlich als Egypter -
ein Name, der schlieᅵlich das englische gypsy, das spanische gitano, das
franzᅵsische gitan hergab. Den Namen Secanen hatten sie vom Balkan
mitgebracht. Das gleiche Wort ('tsigan') bᅵrgerte sich in vielen
osteuropᅵischen Sprachen ein, aber auch im Franzᅵsischen (tzigane) und
im Portugiesischen (cigano). Jedesmal paᅵte es sich dabei den Laut- und
Schreibregeln der Landessprache an; im Deutschen ergab es Zigeuner.
Woher 'tsigan' stammte und was es bedeutete, ist unbekannt. Die
gᅵngigste Erklᅵrung leitet es aus dem byzantinischen Griechisch ab:
ath'inganoi oder dann ts'inganoi wurden die unberᅵhrbaren Anhᅵnger einer
phrygischen Ketzersekte genannt, und vermutlich wurde das Wort von ihr
auf die rᅵtselhaften Islam-Flᅵchtlinge aus Kleinasien ᅵbertragen. Es war
jedenfalls kein Schmᅵhwort. Seine Abschaffung macht frᅵhere Schmᅵhungen
nicht ungeschehen und verhindert keine fᅵr die Zukunft."
(Dieter E. Zimmer in der "Zeit")
Wer politisch korrekt "Sinti und Roma" sagt, schlieᅵt alle anderen
Volksgruppen der Zigeuner aus. Im Singular heiᅵt es ᅵbrigens "ein Sinto"
und "ein Rom". Die weiblichen Formen sind "Sintiza" und "Romni".
52. Was ist ein "Fuzzi"?
Mit "Fuzzi", genauer "Fuzzy", bezeichnet man ursprᅵnglich einen
kleinwᅵchsigen Mann auf etwas abschᅵtzige Weise. "Fuzzy" ist eine
komisch-kauzige Westernfigur mit wucherndem Vollbart, die in den
dreiᅵiger und vierziger Jahren von dem Schauspieler Al St. John in etwa
hundert US-Billig-Western verkᅵrpert wurde. Im deutschen Fernsehen
liefen diese Filme in der Reihe "Western von gestern". "Fuzzy" deutsch
ausgesprochen ergab den heute ᅵblichen "Fuzzi". Auf englisch bedeutet
"fuzzy" so viel wie "flaumig, kraus, wuschelig".
53. Heiᅵt es "Pogrom" oder "Progrom"?
Das Wort Pogrom kommt aus dem Russischen und bezeichnet auch dort
gewaltsame Ausschreitungen gegenᅵber ethnischen oder religiᅵsen
Minderheiten. "Progrom" ist ebenso falsch wie hᅵufig - vermutlich
verleitet die gᅵngige lateinische Vorsilbe "pro-" zu diesem Fehler.
54. Warum hᅵrt man heute meist "Reichspogromnacht" statt
"Reichskristallnacht"?
In der Nacht vom 9. auf 10. November 1938 kam es in Deutschland und
ᅵsterreich zu schweren Pogromen gegen Juden und jᅵdische Einrichtungen.
Heutige Quellen berichten von bis zu 400 Menschen, die im Verlauf der
Ausschreitungen umgebracht wurden. Die Propaganda der
Nationalsozialisten hat den Begriff "Reichskristallnacht" nie gebraucht,
die Nazis selbst sprachen unmittelbar danach von einer "Judenaktion",
einer "Vergeltungsaktion" oder von "Protestkundgebungen" - sie legten
groᅵen Wert darauf, dass die Ausschreitungen nicht staatlich organisiert
worden seien, sondern im aufgebrachten Volk ihren Ursprung gehabt
hᅵtten. Welchen Anteil Befehle von oben und straff organisierte
SA-Trupps an den Verbrechen jener Nacht hatten, ist regional
unterschiedlich und in der historischen Diskussion noch umstritten. In
der Rᅵckschau der offiziellen Propaganda folgender Jahre wurden die
Pogrome jedenfalls totgeschwiegen.
In Westdeutschland bᅵrgerte sich spᅵtestens nach Kriegsende der Name
"Reichskristallnacht" fᅵr die Ereignisse jener Nacht ein. Diese
volkstᅵmliche Bezeichnung nimmt ironisch die offiziᅵse Titelsucht der
Nazis aufs Korn, ᅵhnlich wie bei den Spottnamen der "Reichswasserleiche"
(die auf tragisch-melodramatische Rollen spezialisierte Schauspielerin
Kristina Sᅵderbaum) oder der "Reichsklavier-Groᅵmutter" (die Pianistin
Elly Ney). Seit Mitte der achtziger Jahre wird die Bezeichnung
"Kristallnacht" immer seltener im offiziellen Kontext gebraucht,
distanzierend wurde eine Zeitlang von der "sogenannten
Reichskristallnacht" gesprochen, da der verharmlosende Spottname den
Opfern der Pogrome nicht gerecht werde. Schlieᅵlich, so der Einwand, sei
in dieser Nacht nicht nur Kristall zu Bruch gegangen, sondern Menschen
zu Tode gekommen. Zusehends findet sich seither im Gebrauch von Medien
und Politik die Bezeichnung "Reichspogromnacht".
Wᅵhrend einerseits damit die Natur der Ausschreitungen als Pogrom besser
getroffen wird, erweckt die offiziell klingende Bezeichnung andererseits
den falschen Eindruck einer historischen Benennung durch die Nazis
selbst. Darum verwenden manche Schreiber lieber den Begriff
"Novemberpogrom".
55. Was heiᅵt "etwas ist in trockenen Tᅵchern"?
Vertrᅵge oder Geschᅵfte sind "in trockenen Tᅵchern", wenn sie nach
langen Verhandlungen endlich abgeschlossen werden. "Unter Dach und Fach
sein" kann man synonym verwenden. Der Ausdruck "in trockenen Tᅵchern
sein" ist erst seit 1981 belegt. Mᅵglicherweise liegt die Vorstellung
eines gewickelten Babys zugrunde. Genaueres ist aber (noch) nicht bekannt
(Vgl. J. Seifert 1998, "In trockenen Tᅵchern", in: Der Sprachdienst, 42
Jg., S. 214-218)
56. Woher kommt der Begriff "Handy"?
Ja, der Begriff "Handy" ist eine deutsche Erfindung, so wie der Twen,
der Dressman und der Slip. Nein, die Englᅵnder sagen nicht "Handy",
sondern "mobile phone" oder "cell(ular) phone". Nein, auch sonst sagt
niemand "Handy"; in Italien heiᅵen die Dinger "telefonino", in
Frankreich "mobilophone". Ja, man kann auch in Deutschland
"Mobiltelefon" sagen. Ja, wir kennen den Witz, dass die Handys eine
schwᅵbische Erfindung sind ("Hᅵnn die koi Schnur?").
(Vgl. auch <http://www.u32.de/handy.htm>)
57. Woher kommt die Wendung "eine auf die Zwᅵlf bekommen"?
Wer berichtet, dass er eine auf die Zwᅵlf bekommen hat, drᅵckt damit
umgangssprachlich aus, dass er von einem heftigen Schlag auᅵer Gefecht
gesetzt wurde - auch im ᅵbertragenen Sinne.
Fᅵr die Herkunft bieten sich zwei Erklᅵrungen an: Die Zwᅵlf ist auf
Zifferblᅵttern von Uhren und Weckern ganz oben; wer seinen klassischen
Rasselwecker zum Schweigen bringen wollte, musste krᅵftig oben drauf
hauen und hat ihm entsprechend eine "auf die Zwᅵlf" gegeben.
Andere fᅵhren die Zwᅵlf auf den Schieᅵsport zurᅵck, wo manche
Zielscheiben die Zwᅵlf als hᅵchsten Wert aufweisen. Wer ins Schwarze
traf, hat die Zwᅵlf getroffen - was allerdings die Frage offen lᅵsst,
wieso einen das aus der Bahn werfen sollte.
58. Woher kommt die Wendung "die Arschkarte ziehen"?
Wer die Arschkarte gezogen hat, der befindet sich in einer misslichen
Lage oder hat von mehreren mᅵglichen Varianten die ungᅵnstigste
getroffen. Fᅵr diesen derb-umgangssprachlichen Ausdruck, der im ᅵbrigen
erst seit ein paar Jahren belegt ist, wird landlᅵufig der Fuᅵballsport
als Ursprung angenommen: Zu Zeiten des Schwarzweiᅵfernsehens hᅵtten die
Schiedsrichter die rote Karte fᅵr den Platzverweis in der Gesᅵᅵtasche
getragen. Wer Rot sah, so die Erlᅵuterung, erhielt die Arschkarte gezeigt.
Wahrscheinlich liegt dieser Erklᅵrungsversuch aber daneben. Zu Zeiten
des Schwarzweiᅵfernsehens wurden Verwarnungen und Platzverweise noch
rein mᅵndlich vom Schiedsrichter ausgesprochen; erst zur WM 1970 wurden
gelbe und rote Karten verbindlich eingefᅵhrt, um Missverstᅵndnisse
zwischen Spielern und Schiedsrichtern auszuschlieᅵen. Als sich die
Karten etablierten, war auch in Deutschland das Farbfernsehen schon
verbreitet. Auᅵerdem steht es den Schiedsrichtern seit jeher frei, ob
sie ihre gelben und roten Karten in der Brust- oder Gesᅵᅵtasche
aufbewahren wollen.
Die Wendung kann auch vom Kartenspielen kommen. Die Arschkarte wᅵre
demzufolge der Schwarze Peter, den jemand zieht. In England heiᅵt eine
Variante dieses Spiels "Jackass" - vielleicht ist der Arsch-Karte so auf
doppeldeutigen Umwegen in den deutschen Sprachraum gekommen.
59. Gibt es in Deutschland wirklich einen Ort namens "Fucking"?
Nicht in Deutschland, aber in ᅵsterreich. Fucking liegt in
Oberᅵsterreich, ein unscheinbares Bauerndorf, dessen Ortsverwaltung
damit geplagt ist, dass Touristen permanent die Ortsschilder abschrauben
und als Souvenir mitnehmen. Bilder als Beleg findet man unter:
<http://www.fucking.at>, keine Sorge, diese Seite ist jugendfrei!
Daneben gibt es im deutschen Sprachraum eine Reihe von weiteren
Ortsnamen, die komische Bedeutung haben, von Sixtnitgern bei Odelzhausen
in Bayern bis Schieten bei Solingen in Nordrhein-Westfalen.
Teil F Rechtschreibung und Rechtschreibreform
60. Ist die Rechtschreibreform sinnvoll?
Ja. Nein. (Unzutreffendes bitte streichen) Die vollstᅵndige Liste mit
den neuen Rechtschreibregeln ist unter <http://www.duden.de>
erhᅵltlich, die "amtlichen Regeln" zur Rechtschreibung stehen auf der
Seite des Instituts fᅵr Deutsche Sprache unter
<http://www.ids-mannheim.de/reform/>.
61. Muss ich nach neuer Rechtschreibung schreiben?
Die neue Rechtschreibung ist nur fᅵr die Schule und fᅵr Behᅵrden
verbindlich. Im ᅵbrigen gilt: Rechtschreibfehler sind (noch) nicht strafbar.
62. Ist der Duden verbindlich?
Im Prinzip ja. Der Duden ist das am weitesten verbreitete deutsche
Wᅵrterbuch. Allerdings ist umstritten, ob der Duden auch das beste
deutsche Wᅵrterbuch ist. Und manchmal liegt er definitiv daneben.
63. Darf man alles klein schreiben?
Man darf nicht, und man soll nicht. Es ist auch wenig sinnvoll, da die
differenzierte Groᅵ- und Kleinschreibung das Lesen erheblich erleichtert
und beschleunigt. "Die groᅵgeschriebenen Substantive sind die
Leuchttᅵrme ᅵber dem Satz, und der Satz kann sie brauchen - um so
dringender, je schlimmer er verschachtelt ist." (Wolf Schneider)
64. Darf man ein Binnen-I (Majuskel-I) verwenden?
Das Binnen-I ist eine Erfindung der "tageszeitung" (taz), um bei
Berufs- und Gattungsbezeichnungen mᅵnnlichen Genus' anzudeuten, dass
auch Frauen gemeint sind; z.B. "LeserInnen" fᅵr "Leserinnen und Leser"
bzw. fᅵr mᅵnnliche und weibliche Leser. Seit Mitte der achtziger Jahre
hat sich das Binnen-I in links-alternativen Kreisen verbreitet, was z.T.
groteske Zᅵge angenommen hat, etwa beim "KinderInnengarten" oder den
"MitgliederInnen".
Der Vorteil des Binnen-I gegenᅵber anderen Konstrukten wie
"Leser/-innen" oder "Leser(innen)" oder "Leserinnen und Leser" liegt in
der Kᅵrze. Nachteilig ist dagegen, dass man Wᅵrter, die das Binnen-I
enthalten, nur schwer laut aussprechen kann (Leser(<pause>)innen) und
das Binnen-I den Lesefluss stᅵren kann. Weder die alte noch die neue
Rechtschreibung lassen das Binnen-I zu. Korrekt ist die Schreibweise
"Leser(innen)". Man kann auch den ganz altmodischen Standpunkt
vertreten, dass sich Gattungsbezeichnungen unabhᅵngig von ihrem Genus
auf beide Geschlechter erstrecken. Dann ist das Binnen-I ᅵberflᅵssig,
weil es die mitbezeichneten Frauen doppelt moppelt. (Vgl. auch Frage
5).
65. Was ist das "ᅵ"? Ist es sinnvoll?
Das "ᅵ" heiᅵt Eszett (s-z), so wie die Schokoladetᅵfelchen, oder auch
"scharfes s". Ursprᅵnglich war es ein Verbundbuchstabe (Ligatur) in
gebrochenen Schriftsᅵtzen (wie der Fraktur) oder der Antiqua. Den
vorderen Teil bildet das lange "s", das wie ein "f" ohne Querstrich
aussieht. Ob der zweite Teil des "ᅵ" vom runden Schluss-"s" oder vom
Schluss-"z" herstammt, ist umstritten.
Befᅵrworter des "ᅵ" betonen, es verbessere die Lesbarkeit eines Textes,
weil es - im Gegensatz zum "ss" - auch eine Oberlᅵnge hat. Auch erhᅵhe
es die Verstᅵndlichkeit und Eindeutigkeit in Bedeutung und Aussprache
(Als Gegenbeispiel fᅵr Zweideutigkeiten ohne "ᅵ" wird gerne der Satz "Er
trinkt Alkohol in Massen." angefᅵhrt).
Die Gegner des "ᅵ" - darunter die Brᅵder Grimm - weisen darauf hin, dass
es das "ᅵ" in keiner anderen Sprache gibt und der Verzicht die
internationale Verstᅵndigung erleichtern wᅵrde. Bei der Umwandlung von
Klein- in Groᅵbuchstaben und zurᅵck kommt es beim "ᅵ" zu
Informationsverlusten, weil es nicht als eigener Groᅵbuchstabe definiert
ist. Die Schweizer haben das "ᅵ" abgeschafft und leben trotzdem.
66. Welche Rechtschreibfehler finden sich besonders hᅵufig?
"Das" und "dass" verwechselt man gern. Die einfache Merkregel bei
Nebensᅵtzen: Wenn man statt "das" auch "welcher" sagen kᅵnnte ("Das
Haus, welches ich meine" statt "Das Haus, das ich meine"), dann schreibt
man "das" mit einfachem "s".
Den Standard schreiben leider viele als "Standart", den Stegreif als
"Stehgreif". Beim Stegreif hilft einem die Erklᅵrung des Worts
vielleicht auf die Sprᅵnge: Ein Steg-Reif oder Steg-Reifen ist die alte
Bezeichnung fᅵr den Steigbᅵgel; wer aus dem Stegreif etwas erledigen
muss, der steht noch in den Steigbᅵgeln, ist also nicht einmal vom Pferd
abgestiegen und hatte dementsprechend keine Gelegenheit, sich vorzubereiten.
Das Rᅵckgrat leitet sich vom Grat ab (wie der beim Grillen beliebte
Halsgrat), nicht vom Grad, nicht vom Rad und auch nicht vom Rat.
Ein alter Merkvers weiᅵ: Wer nᅵmlich mit h schreibt ("nᅵhmlich"), ist
dᅵmlich! Auch wᅵre es schᅵn, wenn man endlich kein "wᅵhre" mehr lesen
mᅵsste und die "Maschiene" (statt der Maschine) und die "Blondiene"
(statt der Blondine) im Voraus (nicht im "Vorraus") richtig geschrieben
wᅵrden.
"Immernoch" (eine Gegend in Schottland?) wird immer noch (auch nach
neuer Rechtschreibung) getrennt geschrieben, genau wie noch einmal
(nicht: "nocheinmal").
Teil G Aussprache
67. Wie spricht man die Endung -ig (Kᅵnig) korrekt aus?
Wie man will, das ist von Region zu Region unterschiedlich. Es gibt im
Deutschen grundsᅵtzlich keine verbindliche Aussprache. Bᅵcher, die die
deutsche Aussprache festlegen (Siebs), sind nur fᅵr die Bᅵhne
allgemeingᅵltig. Auf der Bᅵhne sagt man also "Kᅵnich", in Bayern besser
nicht.
68. Wo kann ich korrekte deutsche Aussprache lernen?
Auf einer Schauspielschule, mit Hilfe des Buchs ᅵber Bᅵhnensprache von
Herrn Siebs oder im Studiengang "Sprechwissenschaft" der Universitᅵt
Halle (<http://www.sprechwiss.uni-halle.de>). Wer sich an ᅵberregionaler
Lautung orientieren will, kann auch zum "Aussprachewᅵrterbuch" aus der
Duden-Reihe (Band 6) greifen. Im Gegensatz etwa zu Groᅵbritannien sind
weder die Fernsehnachrichten noch das Staatsoberhaupt ein Maᅵstab fᅵr
gute Aussprache. Die ARD-"Tagesschau", die aus Hamburg gesendet wird,
hat ein Faible fᅵr norddeutsche Sprecher. Die Aussprache des
Staatsoberhauptes ᅵndert sich mit den Personen, die dieses Amt bekleiden.
Teil H Besonderheiten in de.etc.sprache.deutsch, Akronyme
69. Kann ich auch in de.etc.sprache.deutsch schreiben, wenn ich
selbst nicht gut Deutsch kann?
Ja. Solange die anderen Teilnehmer verstehen, was gemeint ist, gibt es
keine Probleme. Die Fragen finden eigentlich immer eine Antwort, und
Fehler werden gelegentlich verbessert, entweder auf Wunsch des Fragenden
oder einfach so. Aber bis jetzt eigentlich immer in freundlichem Ton.
Falls jemand gar kein Deutsch kann, um eine Frage oder Stellungnahme zu
formulieren, findet sich in der Regel auch ein Diskussionsteilnehmer,
der auf Englisch antwortet. Wer in news:de.etc.sprache.deutsch keine
Antwort auf seine Fragen findet, kann sein Glᅵck auch in
news:alt.usage.german versuchen.
70. Was bedeuten diese komischen Abkᅵrzungen (Akronyme) in
de.etc.sprache.deutsch?
ARS - Alte Rechtschreibung
BRaZ - Beste Rechtschreibreform aller Zeiten (abfᅵllig-ironisch fᅵr RSR)
DaF - Deutsch als Fremdsprache
desd - news:de.etc.sprache.deutsch
ENGE - Einer Notdurft gehorchend, Entschuldigung (vgl. SCNR)
EUSE - Euer untrᅵgliches Sprachempfinden
GABELNF - Gruppe, Area, Brett, Echo, List, Newsgroup, Forum des Usenet
MUSEN - Meinem unmaᅵgeblichen Sprachempfinden nach
NRS - Neue Rechtschreibung
PPA - Partizip Prᅵsens Aktiv (z.B. gehend)
RS - Rechtschreibung
RSR - Rechtschreibreform
SAHARA - Sammlung hᅵufig registrierter Anfragen (= FAQ)
SINLSP / SINLSIP -- Sprache ist nicht logisch, sondern / sie ist praktisch
WIMRE - Wenn ich mich recht erinnere (= If I remember correctly, IIRC)
WWG - wieder was gelernt
Ansonsten werden alle Akronyme verwendet, die auch anderswo im Usenet
gebrᅵuchlich sind (IMHO, SCNR usw.).
Immer wieder tauchen auch die Namen von Schriftstellern in abgekᅵrzter
Form auf:
Asch - Arno Schmid
FHO - Fritz von Herzmanovsky-Orlando (FHT -- in der Edition von
Friedrich Torberg)
FT - Friedrich Torberg (TJ -- sein Buch "Die Tante Jolesch")
HvD - Heimito von Doderer
KT - Kurt Tucholsky
71. Was ist ein "Borealgermanismus"?
Fᅵr Wendungen, die nur im Norden des deutschen Sprachraumes beheimatet
sind, hat sich in der Gruppe die Bezeichnung "Borealgermanismus"
eingebᅵrgert. Daneben gibt es den "Helvetismus" und den "Austriazismus",
das umfasst Begriffe, die man nur in der Schweiz oder ᅵsterreich so
verwendet. Schlieᅵlich verwendet man die Bezeichnung
"Binnengermanismus", die (amts-) deutsche Begriffe abdeckt, die nur in
der Bundesrepublik Deutschland in Gebrauch sind.
72. Was soll diese Liste ᅵberhaupt?
Zugegeben, es gibt bereits eine sehr umfangreiche FAQL, die Ralph Babel
verfasst hat. Im Web <http://faql.de> wird sie weiter aktualisiert. Das
Dokument ist allerdings urheberrechtlich geschᅵtzt, und der Autor
erlaubt die Verwertung und Verbreitung nur nach Maᅵgabe des UrhG.
Auᅵerdem wird die Babel-FAQL nicht mehr direkt in desd verᅵffentlicht.
73. Gibt es besondere Regeln in de.etc.sprache.deutsch?
Nein. Der Umgangston in diesem Forum ist aber um einiges freundlicher
und hᅵflicher als in anderen Gruppen. Deshalb sollte man sich etwas
zurᅵckhalten, wenn man aus anderen Foren kommt, wo es ruppiger zugeht.
74. Hier gibt es zuviel zu lesen. Kᅵnnte man das Forum nicht teilen?
Man kᅵnnte, aber die Mehrheit der Teilnehmer hat das bis jetzt immer
abgelehnt. Die meisten Leser finden es spannend und abwechslungsreich,
Diskussionen zu verschiedenen Aspekten der deutschen Sprache in einem
Forum zu verfolgen.
75. Gibt es eine Liste interessanter Verweise fᅵr das WWW (Links)?
Ja, die gibt es. Wolfram Meyer-von Gagern hat sie zusammengestellt. Die
Verweise finden sich im WWW unter
<http://www.teckel-report.de/desd-links/>, wo auch diese Fragen-Sammlung
zu finden ist.
Ralph Babel hat einige interessante WWW-Quellen fᅵr desd auf der Seite
<http://faql.de> gesammelt.
Die SAHARA steht im WWW (noch) unter <http://www.schweinebildchen.de>.
76. Was bedeutet es, wenn jemand nach Popcorn oder gar Popcornf ruft?
Manche provozierenden Fragen und Diskussionen tauchen in regelmᅵᅵigen
Abstᅵnden in diesem Forum auf: Jemand klagt etwa, dass die deutsche
Sprache in einem Meer von Anglizismen untergehe (vgl. Frage 44), oder
ein Schᅵler will seine Hausaufgaben erledigt haben (vgl. Frage 78). Die
Reaktionen sind fᅵr erfahrene Teilnehmer vorhersehbar; darum nehmen sie
symbolisch auf einer gepolsterten Bank Platz und kramen ebenso
symbolisch Popcorn heraus, um die sarkastischen Reaktionen in aller
Gemᅵtlichkeit zu betrachten, genau wie im Kino. Andere Leute setzen sich
dazu, bringen Cola, Eiscreme und Chips mit, und so amᅵsiert man sich.
Eine Steigerung findet der Spaᅵ mittlerweile durch den Ruf nach
"Popcornf". Das wᅵre nᅵmlich das siebte Wort auf "-nf". (Vgl.Frage 39)
77. Warum lacht die Koralle?
Die "Koralle" war eine "Wochenschrift fᅵr Unterhaltung, Wissen,
Lebensfreude", die von 1925 bis 1944 erschien. Betulich und belehrsam,
war ihre Humorseite mit "Da lacht die Koralle" ᅵberschrieben. Der Humor
war allerdings mit der Lupe zu suchen oder arg altbacken. Entsprechend
werden in news:de.etc.sprache.deutsch Humorversuche dieser Kategorie hin
und wieder mit dem bissigen Kommentar "Da lacht die Koralle" versehen.
Wo die Koralle lacht, fᅵllt der normal-humorig Veranlagte ins Wachkoma
oder kriegt Maulsperre vom Gᅵhnen.
78. Wer hilft mir bei meinen Deutsch-Hausaufgaben?
In news:de.etc.sprache.deutsch kaum jemand. Konkrete Fragen werden in
der Regel beantwortet, allgemeine Anfragen im Stile von "Was muss ich in
meiner Hausarbeit zu Goethes Faust schreiben?" hingegen weniger. Beim
Schurigeln von Schᅵlern mit derartigen Anfragen wird der Umgangston auch
schnell ruppiger als sonst in diesem Forum. Auᅵerdem lesen viele
Deutschlehrer mit, und man kann nie wissen, ob der eigene darunter ist ...
Anfragen zu Literatur und Bitten um Buchzusammenfassungen bzw.
-interpretationen sind jedenfalls besser in news:de.rec.buecher aufgehoben.
Dank an Jᅵrgen Amrhein, Ralf Arning, Barbara Aselmeier, Thomas
Bliesener, Bᅵrge Bomark, Martin Braun, Wolf Busch, Oliver Cromm, David
Dahlberg, Mirko Driller, Martin Eberle, Karl Eichwalder, Michael
Erskine, Gerald Fix, Markus Gail, Oliver Gassner, Martin Gerdes, Bernd
Gramlich, Mathias Hiller, Martin Hensel, Werner Icking, Fritz Jᅵrn,
Andreas Karrer, Sven Kaiser, Thomas "Theo" Kiaupat, Walter Koch,
Christina Kunze, Uwe Kᅵther, Matthias Kranz, Julian Ladisch, Heinz
Lohmann, Joᅵo Luiz da Costa, Renᅵ Marquardt, Wolfram Meyer-von Gagern,
Martin Mᅵller, Thomas Mᅵller-Bardey, Christoph von Nathusius, Matthias
Opatz, Joachim Pense, Michael Prᅵnay, Peter Ringeisen, Helmut Richter,
Florian Ritter, Andreas Roeschies, Manfred Russ, Holger Sawierucha,
Thomas Schenk, Uwe Schickedanz, Roland Schmitt-Hartmann, Wolfgang
Schwanke, Jan Seifert, Andreas Seybold, Wolfram Steinacker, Renᅵ
Steiner, Matthias Warkus, Ulrich von Welck, Christian Wetzel und Zippo
Zimmermann fᅵr ihre Hinweise.
Korrekturen, Erweiterungen und Anregungen sind willkommen.
Bitte per E-Mail an Jᅵrg Digmayer (joerg.d...@gmx.de).