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Zur Verlogenheit der Welt mittels der Sprache

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Werner Pentz

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Mar 13, 2013, 9:28:16 AM3/13/13
to

 

Ach, wie hasst ich diese Aufschneider.

„Besuch mich doch mal auf meiner Internetseite.“

Als ob das Anschauen bunt gestalteter elektronisch oszillierender Seiten einem persönlichen Besuch gleichkommen könne.

„Verfolge doch einmal meinen Auftritt im Internet.“

Genau die gleiche Hybris. Manche definierten ihre Existenz damit, dass sie in eine elektronische Box etwas hineintun oder tippen, dass Tausende Kilometer gleichzeitig anderswo aus einer anderen Box als Output herauskommt - wie der magische Teufel aus der Springkiste herausgeschossen kommt. Das nennt man dann menschliche Begegnung - jämmerlich und armselig.

„Dann kannst Du mich in Echtzeit erleben!“

Das ist nun wirklich die Hybris. Echte und unechte Zeit. Das Internet beansprucht natürlich für sich die echte, wahre, unmittelbare Zeit. Obwohl es gerade nicht der Fall sein k a n n. Kann man die Polemik für seine Sache noch mehr auf die Spitze treiben?

Natürlich weiß ich, dass diese Entwicklung nicht aufzuhalten ist. Will ich mich dagegen stemmen, würde ich unweigerlich hinweggeschwemmt und überrannt werden.

Der andere Computer-Fachmann winkt ab: „Wo lebst Du. Nicht nur IT-Branche lügt das Blaue vom Himmel herab. Schau Dir zum Beispiel mal die Arbeitslosen an. Sie bekommen ihr Essen von der sogenannten „Tafel“, ein Ausdruck, der aus dem mittelalterlichen Rittertum herrührt, wo die denkbar üppigsten und besten Gerichte aufgetischt wurden. Was aber verbirgt sich unter der Tafel heutzutage: Du bekommst Konserven-Essen, Eingemachtes und halb Verdorbenes. Dabei musst Du verdammt aufpassen, dass Du Dir keine Lebensmittelvergiftung holst, hinter solch einem Weißblech lauert allzu viel Toxisches. – Also, alles purer Zynismus, findest Du nicht auch? Da sind wir Computerfachleute noch harmlos dagegen. Und wenn ich mir die Politiker ansehe...“

„Genau. Hör Dir die derzeitigen deutschen Politiker an. Bieten den Türken eine privilegierte Mitgliedschaft in der EU an. Klingt doch herrlich. Wer würde nicht gern privilegiert sein, Vorteile gegenüber anderen genießen?“

„Richtig. Nur, wie schmeichlerisch dieses Wort auch klingen mag, eine volle Mitgliedschaft ist es eben nicht!“

Jetzt winkte ich ab. „Du hast  Recht, leider! Die Welt will betrogen werden, scheint es. Und wer das nicht tut, geht unter.“

Er: „So sieht’s aus!“

„Wie die Indianer, die von den weißen Siedlern überrannt wurden. Und womit wurde dies gerechtfertigt: Jeder Mensch hat das Recht auf Glück.“

„Der Fortschritt kennt keine Rücksicht!“

„Heißt dies nicht Rückschritt?“

„Wieder so einen Lügenwort!“

„Wie die Autos die Pferde von der Fahrbahn gewischt haben!“

„Menschen-Maschinen sind sowieso die neuesten Diktatoren!“

„Es gibt kein Entkommen!“

„Nur, wer keine Mensch mehr sein will...“

„Aber es gibt die Rede: „Selbstmord? Die letzte aller Türen? Nur nicht an alle hat man geklopft. Von Reiner Kunze übrigens.“

„Schön. Schöne Worte als all diejenigen der anderen Heuchler.“

„Mit denen Du sie aber nicht vergleichen kannst!“

„Die Erfahrung lehrt: mit einigen zumindest.“

 

Dorothee Hermann

unread,
Mar 13, 2013, 10:08:16 AM3/13/13
to
Am 13.03.2013 14:28, schrieb Werner Pentz:

> "Aber es gibt die Rede: "Selbstmord? Die letzte aller Tᅵren?
> Nur nicht an alle hat man geklopft. Von Reiner Kunze ᅵbrigens."


Rede? Nein.
*Gedicht*

"Selbstmord - die letzte aller Tᅵren, doch nie hat man an alle schon
geklopft".

Zu gut, um dieses Gedicht nicht richtig zu zitieren.


Dorothee

kap

unread,
Mar 14, 2013, 3:55:06 PM3/14/13
to
Am 13.03.2013 15:08, schrieb Dorothee Hermann:
> Am 13.03.2013 14:28, schrieb Werner Pentz:
>
>> "Aber es gibt die Rede: "Selbstmord? Die letzte aller Türen?
>> Nur nicht an alle hat man geklopft. Von Reiner Kunze übrigens."
>
>
> Rede? Nein.
> *Gedicht*
>
> "Selbstmord - die letzte aller Türen, doch nie hat man an alle schon
> geklopft".
>
> Zu gut, um dieses Gedicht nicht richtig zu zitieren.

Ich kenne das Gedicht nicht, aber dieser Kunze ist ein Arschloch -
er weiß nicht von was er spricht, bzw. über was er schreibt!


Selbstmord

Die letzte aller Türen - offen -
und dennoch die Tür,
an die man am lautesten klopft.

--
kap

kap

unread,
Mar 15, 2013, 12:54:29 AM3/15/13
to
Davon abgesehen, dass Selbstmörder durchaus an alle Türen geklopft
haben, hat mich der Dödel immerhin inspiriert:

Die letzte Tür
steht mir weit offen
und dennoch
klopf ich laut an sie.

--
kap

Werner Pentz

unread,
Mar 15, 2013, 6:18:04 AM3/15/13
to
.
>
>
> Davon abgesehen, dass Selbstmörder durchaus an alle Türen geklopft
> haben, hat mich der Dödel immerhin inspiriert:
>
> Die letzte Tür
> steht mir weit offen
> und dennoch
> klopf ich laut an sie.
>
> --
> kap


endlich mal ein klasse gedicht von dir

wp

kap

unread,
Mar 15, 2013, 1:38:48 PM3/15/13
to
Man darf nicht vergessen, dass das Bild mit der letzten Tür von
diesem Kunze stammt, aber ich gebe zu, so gefällt mir das Ding:


Die letzte Tür

steht mir weit offen
und dennoch

klopf ich laut an sie


--
kap

Jakob Achterndiek

unread,
Mar 15, 2013, 2:22:31 PM3/15/13
to
Am 15.03.2013, 18:38 Uhr, schrieb kap <"kap.
geschlossene.station.dr.fendt"@invalid.invalid>:

> Man darf nicht vergessen, dass das Bild mit der letzten
> Tür von diesem Kunze stammt, aber ich gebe zu, so gefällt
> mir das Ding:
>
>
> Die letzte Tür
>
> steht mir weit offen
> und dennoch
>
> klopf ich laut an sie


Die Tür spricht:
Boller hier
nicht lange rum
sondern drück einfach
die Klinke!

j/\a
--

kap

unread,
Mar 15, 2013, 2:47:58 PM3/15/13
to
Du bist mir schon oft durch außergewöhnliche Intelligenz und deinen
ungewöhnlich guten Witz aufgefallen - dennoch, der Ablenkungseffekt
ist schon wieder dahin. Dies Variante gefällt mir einen Hauch besser:


Die letzte Tür

steht für mich offen
und dennoch

klopf ich laut an sie

--
kap
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