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Tod der Kritikerin - Als Kommissare Schriftsteller werden wollten

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Werner Pentz

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Mar 25, 2013, 2:27:38 PM3/25/13
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Aber plötzlich sacke ich innerlich zusammen. Ich einfach keinen Plan mehr. Bin ausgepowert, ausgelaufen, futsch, fix und foxi, Ende.

So sitzen wir zunächst einmal nur so da, er hinter seinen riesigen modernen Schreibtisch, ich davor, na, ich hänge wohl mehr in dem Lehnsessel. Meine Arme baumeln links und rechts von der Lehne bis nahe dem Boden herab. So fühle ich mich auch. Hoffnungs-, aussichts-, ergebnislos. Nichts zu machen!

Die Eröffnung liegt auf des Kommissars Seite.

Glaubt man es, aber er legt plötzlich ein Geständnis ab, womit ich mitnichten gerechnet habe. Er bekennt, selbst einmal Schriftsteller werden zu wollen, vielmehr sich in der Absicht getragen zu haben.

„Halt!“ Sagt er, hebt den Zeigefinger. „Allerdings, logisch, dies vor der Zeit meiner Karriere als Polizist.“

Hat man da noch Worte? Ich traue meinen Ohren kaum. Will der mich veräppeln?

Es spielt nun viel Lächeln und Schmunzeln in dessen Gesicht, als er diese Irrung, Wirrung und glücklicherweise nur vorübergehende Periode seines Lebens bekennt, so würde er dies heute sagen wollen.

Bekenntnisse, man lasse sich dieses Wort im Mund zergehen.

Nur Geistes-, Macht- oder sonstige Bekanntheitsgrößen der Menschheit haben am Ende eines erfüllten, ihrer Spezies zum Wohl- oder Missfallen absolvierten Lebens festgestellt, es werde Zeit, endlich seine Bekenntnisse niederzulegen. Befindet sich der Kommissar gleichfalls in diesem Stadium seines Lebens? Und wenn, worin bestehen seine außergewöhnlichen Dienste für uns Menschen?

Nun, er selbst ist wenigstens bestens drauf und tut so, dass er sich in einer solchen Lage befinde. Soviel er vermeintlich Kurioses über sich erzählt, schüttelt er erheitert darüber nicht minder oft den Kopf. Was es doch für ein „törichter Bubenstreich“ gewesen sei, von „Jugendsünde“ nicht zu reden, wohlgemerkt, einfach viel schlimmer, viel, viel „infantiler“ nämlich.

Hier wage ich nicht für den Kommissar zu sprechen. Mir verdirbt dies des Erzählers gemütliche Heiterkeit. Ich denke immer nur, was will er mir denn sagen? Und ich spüre dies: hätten Sie sich nicht so stark aufs Schriftstellerdasein versteift, wäre etwas Gescheites aus ihnen geworden. Anders haben sie es nicht einmal zu einem richtigen Mörder gebracht, sie Gescheiterter und Halbbürger deswegen, weil ihnen die Anerkennung eines richtigen Mordes abgeht.

Zwar hätte ich es als Schmeichelei auffassen können, dass auch ein Vertreter der Staatsgewalt, ungeachtet des Umstandes in seinen Fängen und Klauen zu hängen, sich so weit herablässt zu bekennen, er wäre auch einmal beinahe so weit gekommen bzw. abgestürzt wie ich da vor ihm als Armer-Sünder-Sitzende. Es schwingt also stets mit, dass da eine notwendige Verbindung besteht: Schriftsteller und Mörder-ohne-Anerkennung. Diese Art Vibration füllt den Raum richtiggehend bis zur Decke aus.

Hätte ich jetzt eine Knarre gehabt, hätte ich gnadenlos abgedrückt, so schäumt es über in mir. Aber ich verfalle  erst einmal auf Zynismus und sage: „Wirklich? Geschrieben haben Sie einmal. Hm. Bestimmt einen Krimi?“ Ich muss mir nicht solch Erdrückendes und Demütigendes über mich ergehen lassen, nein. Da schieße ich lieber zurück, hier mit beizender Ironie.

Dafür dass ich nicht aufgefahren bin vorhin, werde ich unversehens plötzlich entlohnt: der Kommissar öffnet unbewusst und lachend den Waffenhalfter, also nestelt daran herum und legt das Ding, seine Waffe, zum Greifen nahe vor meine Nase auf den Schreibtisch.

Noch wage ich nicht zuzuschlagen, kapiere, was die Stunde geschlagen hat und suche instinktiv die Herausforderung, denn solch eine Steilvorlage bekommst du nicht mehr.

Tatsächlich, er versteht den Witz und prustet, wenn auch verhalten, heraus: „Ja, das passte wohl zu einem angehenden Kommissar. Haha.“

Er zieht eine Schublade seines Sekretärs heraus.

Als er sich wieder gefangen hat - er muss ein Lachen wirklich stark unterdrücken - bringt er es auf den Punkt: „Nein, keinen Krimi. Die „Segnungen“ oder den „Fluch“ der Jugend, je nachdem, wie man es sieht, habe ich in meinem Erst- und Letztling verarbeitet!“

Dieser Moment wird damit unterstrichen, dass er die in die Lade hineingelegte Pistole schließlich nachdrücklich schließt.

Gleichzeitig sehe ich da wieder einen Punkt einzuhaken. „Ach, eine unglückliche Liebesbeziehung!“, heuchele ich zwischen Sarkasmus und Empathie.

Der Kommissar räuspert sich: „Nun, nicht direkt. Unglücklich verliebt war ich noch nie richtig.“ Lachen.

„Natürlich!“ Meine totale Schmeichelei, fantastisch.

Das klingt, wie auch, doch nicht bei so einem lebenstüchtigen Menschen wie es ein erfolgreicher Kommissar sein muss, per se und nicht anders denkbar, welcher selbst Mörder von Pseudo-Mördern so traumwandlerisch sicher unterscheiden kann. Ich fühle mich also wieder aufgespießt.

Dennoch erfasst er wohl diesen Zynismus überhaupt nicht. Er redet einfach weiter, als sei er am Stammtisch. So viel Ignoranz und Mangel an Spürsinn hätte ich ihm nicht zugetraut und führe ihn nur darauf zurück, dass das ihm wirklich ernst gewesen sein musste mit der Schriftstellerei.

`Da schau einer mal guck´, denke und wirklich insgeheim sehr paff.

Aber das ist gut, sehr gut, mehr als ich erhofft habe. Ich lasse ihn weiter und weiterreden, ich weiß gar nicht, was, frage nach, versuche seine Gefühle zu erfassen, um sie dann anzusprechen und sich ihm seine Rucksäckchen vom Buckel reden zu lassen. Gleichzeitig, mein Herz macht dauernd freudige Sprünge, bin ich bestrebt, mir nicht meine Freude ansehen zu lassen, so zu tun, als geschehe nichts. Dazu durfte ich mich  überhaupt nicht an diese sich mir bietende Chance erinnert werden, muss ich aus meinen Kopf tilgen, gar nicht in mich hineinlassen, umso instinktiver, zügiger, unbesonnener, unbelasteter, kurzum kaltblütiger zuzupacken, sobald die Gelegenheit da ist. Das ist sehr wichtig. Kopf-Kampf oder so ähnlich nennt das der Amerikaner, nur hier verdeutscht. Es ist jetzt ultrawichtig – nicht den Kopf zu verlieren!

 

Buch erhältlich unter:

http://www.pentzw.homepage.t-online.de/literatur.htm

 

Werner Pentz

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Mar 25, 2013, 2:41:53 PM3/25/13
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Aber plötzlich sacke ich innerlich zusammen. Ich habe einfach keinen Plan mehr. Bin ausgepowert, ausgelaufen, futsch, fix und foxi, Ende.

So sitzen wir zunächst einmal nur so da, er hinter seinen riesigen modernen Schreibtisch, ich davor, na, ich hänge wohl mehr in dem Lehnsessel. Meine Arme baumeln links und rechts von der Lehne bis nahe dem Boden herab. So fühle ich mich auch. Hoffnungs-, aussichts-, ergebnislos. Nichts zu machen!

Die Eröffnung liegt auf des Kommissars Seite.

Glaubt man es, aber er legt plötzlich ein Geständnis ab, womit ich mitnichten gerechnet habe. Er bekennt, selbst einmal Schriftsteller werden zu wollen, vielmehr sich in der Absicht getragen zu haben.

„Halt!“ Sagt er, hebt den Zeigefinger. „Allerdings, dies vor der Zeit meiner Karriere als Polizist.“

Hat man da noch Worte? Ich traue meinen Ohren kaum. Will der mich veräppeln?

Es spielt nun viel Lächeln und Schmunzeln in dessen Gesicht, als er diese Irrung, Wirrung und glücklicherweise nur vorübergehende Periode seines Lebens bekennt, so würde er dies heute sagen wollen.

Bekenntnisse, man lasse sich dieses Wort im Mund zergehen.

Nur Geistes-, Macht- oder sonstige Bekanntheitsgrößen der Menschheit haben am Ende eines erfüllten, ihrer Spezies zum Wohl- oder Missfallen absolvierten Lebens festgestellt, es werde Zeit, endlich seine Bekenntnisse niederzulegen. Befindet sich der Kommissar gleichfalls in diesem Stadium seines Lebens? Und wenn, worin bestehen seine außergewöhnlichen Dienste für uns Menschen?

Nun, er selbst ist wenigstens bestens drauf und tut so, als ob er sich in einer solchen Lage befinde. Soviel er vermeintlich Kurioses über sich erzählt, schüttelt er erheitert darüber nicht minder oft den Kopf, murmelnd: „törichter Bubenstreich“, von „Jugendsünde“ nicht zu reden, einfach viel schlimmer, viel, viel „infantiler“ nämlich.“

Für mich ist des Erzählers gemütliche Heiterkeit verderblich. Ich denke immer nur, was will er mir denn sagen? Und ich spüre nur eins: hätten Sie sich nicht so stark aufs Schriftstellerdasein versteift, wäre etwas Gescheites aus ihnen geworden. Anders haben sie es nicht einmal zu einem richtigen Mörder gebracht, sie Gescheiterter und Halbbürger deswegen, weil ihnen die Anerkennung eines richtigen Mordes abgeht.

Zwar hätte ich es als Schmeichelei auffassen können, dass auch ein Vertreter der Staatsgewalt, ungeachtet des Umstandes in seinen Fängen und Klauen zu hängen, sich so weit herablässt zu bekennen und sich mir auf die selbe Stufe zu stellen wie ich als Armer-Sünder-Vor-Ihm-Sitzende. Aber der Ruf erfüllt schrill den Raum bis zur Decke: Es besteht eine notwendige Verbindung zwischen: Schriftsteller und Mörder-ohne-Anerkennung.

Hätte ich jetzt eine Knarre gehabt, hätte ich gnadenlos abgedrückt, so schäumt es über in mir.

Glücklicherweise verfalle ich erst einmal auf Zynismus und sage: „Wirklich? Geschrieben haben Sie einmal. Hm. Bestimmt einen Krimi?“ Ich muss mir nicht solch Erdrückendes und Demütigendes über mich ergehen lassen, nein. Da schieße ich lieber zurück.

Dafür dass ich nicht aufgefahren bin vorhin, werde ich unversehens plötzlich entlohnt: der Kommissar öffnet unbewusst und lachend den Waffenhalfter, also nestelt daran herum und legt das Ding, seine Waffe, zum Greifen nahe vor meine Nase auf den Schreibtisch.

Noch wage ich nicht zuzuschlagen, kapiere, was die Stunde geschlagen hat und suche instinktiv die Herausforderung, denn solch eine Steilvorlage bekommst du nicht mehr.

Tatsächlich, er versteht den Witz und prustet, wenn auch verhalten, heraus: „Ja, das passte wohl zu einem angehenden Kommissar. Haha.“

Er zieht eine Schublade seines Sekretärs heraus.

Als er sich wieder gefangen hat - er muss ein Lachen wirklich stark unterdrücken - bringt er es auf den Punkt: „Nein, keinen Krimi. Die „Segnungen“ oder den „Fluch“ der Jugend, je nachdem, wie man es sieht, habe ich in meinem Erst- und Letztling verarbeitet!“

Dieser Moment wird damit unterstrichen, dass er die in die Lade hineingelegte Pistole schließlich nachdrücklich schließt.

Gleichzeitig sehe ich da wieder einen Punkt einzuhaken. „Ach, eine unglückliche Liebesbeziehung!“, heuchele ich zwischen Sarkasmus und Empathie.

Der Kommissar räuspert sich: „Nun, nicht direkt. Unglücklich verliebt war ich noch nie richtig.“ Lachen.

„Natürlich!“ Meine totale Schmeichelei, fantastisch. Eben, doch nicht bei so einem lebenstüchtigen Menschen wie bei einem erfolgreichen Kommissar wie er, per se und nicht anders denkbar, welcher selbst Mörder von Pseudo-Mördern so traumwandlerisch sicher unterscheiden kann. Ich fühle mich aufgespießt.

Dennoch erfasst er diesen Zynismus überhaupt nicht. Er redet einfach weiter, als sei er am Stammtisch. So viel Ignoranz und Mangel an Spürsinn hätte ich ihm nicht zugetraut und führe ihn nur darauf zurück, dass das ihm wirklich ernst gewesen sein musste mit der Schriftstellerei.

`Da schau einer mal guck´, denke ich wirklich insgeheim sehr paff.

Aber das ist gut, sehr gut, mehr als ich erhofft habe. Ich lasse ihn weiter- und weiterreden, ich weiß gar nicht, was, frage nach, versuche seine Gefühle zu erfassen, um sie dann anzusprechen und sich ihm seine Rucksäckchen vom Buckel reden zu lassen. Gleichzeitig, mein Herz macht dauernd freudige Sprünge, bin ich bestrebt, mir nicht meine Freude ansehen zu lassen, so zu tun, als geschehe nichts. Dazu durfte ich mich  überhaupt nicht an diese sich mir bietende Chance erinnert werden, muss ich aus meinen Kopf tilgen, gar nicht in mich hineinlassen, umso instinktiver, zügiger, unbesonnener, unbelasteter, kurzum kaltblütiger zuzupacken, sobald die Gelegenheit da ist. Das ist sehr wichtig. Kopf-Kampf oder so ähnlich nennt das der Amerikaner, nur hier verdeutscht. Es ist jetzt ultrawichtig – nicht den Kopf zu verlieren!

Werner Pentz

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Mar 28, 2013, 2:00:29 PM3/28/13
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Aber plötzlich sacke ich innerlich zusammen. Ich habe einfach keinen Plan mehr. Bin ausgepowert, ausgelaufen, futsch, fix und foxi, Ende.

So sitzen wir zunächst einmal nur so da, er hinter seinen riesigen modernen Schreibtisch, ich davor, na, ich hänge wohl mehr in dem Lehnsessel. Meine Arme baumeln links und rechts von der Lehne bis nahe dem Boden herab. So fühle ich mich auch. Hoffnungs-, aussichts-, ergebnislos. Nichts mehr zu machen!

Der Kommissar fährt mit seinem Oberköper nach vorne und legt sich breitarmig auf den Tisch und so sich abstützend schaut er sorgenvoll schräg aus dem Fenster und ins Leere. Ein dicker Brummer poltert unten an der Straße entlang an uns vorbei. Ziemlich laut hier, stelle ich fest, zumindest jetzt.

„Was sollen wir nur machen?“, murmelt er. Vielleicht auch: „Was können wir nur machen!“ Ich bin ganz gerührt, dass er in der ersten Person Plural spricht und nicht im Singular, wenn ich nicht jetzt diese zwei dicken Querfalten seine hohe Stirne spalten sähe. Dieser Mann scheint am Ende seine Lateins zu sein.

Liegen vor ihm ein unüberwindlich erscheinender Berg Akten, zu erledigende Notizen, Berichte, Protokolle, Briefe, Mitteilungen, Memos, etc. pp, die ihn erdrücken scheinen – weit gefehlt. Fast leergefegt ist dieser, außer Telefon, Fax, Computer, das Nötigste eben – so dass ich schließe: Die Ursache des Schwächelns dieses Beamten scheint direkt auf mich zurückzuführen sein:

Ich senke traurig meinen Kopf.

Ihm muss es so gehen wie einem Polizisten, zu dem ein Mann kommt, um sich selbst anzuzeigen wegen Mordes, den er wird begehen. Was bleibt dem Polizisten übrig, solange der Mord nicht begangen sein wird, diesen Mann wieder nach Hause zu schicken?

Kein Beweis für einen Mord, kein Mörder. Ich versetze mich in dessen Lage und begreife: Wer würde da nicht Verrücktwerden?

Mir schmerzt mein Herz bei diesem Anblick eines verzweifelten Ordnungsmenschen, aber ich kann ihm nicht helfen. Ich kann ihn von meiner Tat nicht überzeugen und die Gerichtsmedizin ist wohl von Ertrinken oder möglicherweise Selbstverbrennung durch heiße Wassereinstrahlung ausgegangen. Diese herbeigeführt zu haben, kann sowohl von einem Fremden genauso gut von ihr selbst gemacht worden sein. Eine klassische Pattsituation.

Mein Mitgefühl hilft diesem entmutigten Menschen auch nicht, abgesehen davon, müsste ich selbst noch mehr mit mir empfinden, der ich gerne Mörder sein würde, aber es nicht sein darf.

Aber mit einem Mal, als ob dieser Leerlauf hier nicht stattgefunden hat, schnellt mein Gegenüber mit dem Oberkörper auf und lacht dabei bei dem, was er jetzt macht, wie der allergrößte Weckfresser.

Glaubt man es, aber der Kommissar legt plötzlich ein Geständnis ab, womit ich mitnichten gerechnet habe. Er bekennt, selbst einmal Schriftsteller werden zu wollen, vielmehr sich in der Absicht getragen zu haben.

„Halt!“ Sagt er, hebt den Zeigefinger. „Allerdings, dies vor der Zeit meiner Karriere als Polizist.“

Hat man da noch Worte? Ich traue meinen Ohren kaum. Will der mich veräppeln?

Ich schaue perplex in dessen mit schwimmenden Kaulquappen-Köpfen blinkende Augen, als wollten sie ein Signal abgeben. Es spielt viel Lächeln und Schmunzeln in diesem breitflächigen, teigigen Mondgesicht, als er diese Irrung, Wirrung und glücklicherweise nur vorübergehende Periode seines Lebens bekennt, so würde er dies heute sagen wollen.

Bekenntnisse, man lasse sich dieses Wort im Mund zergehen.

Nur Geistes-, Macht- oder sonstige Bekanntheitsgrößen der Menschheit haben am Ende eines erfüllten, ihrer Spezies zum Wohl- oder Missfallen absolvierten Lebens festgestellt, es werde Zeit, endlich seine Bekenntnisse niederzulegen. Befindet sich der Kommissar gleichfalls in diesem Stadium seines Lebens? Und wenn, worin bestehen seine außergewöhnlichen Dienste für uns Menschen?

Nun, er selbst ist wenigstens bestens drauf und dran und tut so, als ob er sich in einer solchen Lage befinde. Soviel er vermeintlich Kurioses über sich erzählt, schüttelt er erheitert darüber nicht minder oft den Kopf, murmelnd: „„törichter Bubenstreich“, „Jugendsünde“, „infantiles Verhalten““.

In den blassblonden Kopfhaaren schimmern ein paar graue Haare und zudem - was nimmt ihn so mit, dass er sich nicht rasiert hat - da ein Backbärtchen in Sprossen von zwei- bis drei Zentimeter?

 

Für mich ist des Erzählers gemütliche Heiterkeit verderblich. Ich denke nur, was will er mir denn sagen? Und ich spüre nur eine Antwort: hätten Sie sich nicht so stark aufs Schriftstellerdasein versteift, wäre etwas Gescheites aus ihnen geworden. Anders haben sie es nicht einmal zu einem richtigen Mörder gebracht, sie Gescheiterter und Halbbürger, weil ihnen die Anerkennung eines richtigen Mordes abgeht.

Welch vernichtendes Urteil, nicht wahr?

Zwar hätte ich es als Schmeichelei auffassen können, dass auch ein Vertreter der Staatsgewalt, ungeachtet des Umstandes in seinen Fängen und Klauen zu hängen, sich so weit herablässt mir zu bekennen und sich mir auf die selbe Stufe zu stellen wie ich als Armer-Sünder-Vor-Ihm-Sitzender. Aber der Ruf erfüllt schrill den Raum bis zur Decke: Es besteht eine notwendige Verbindung zwischen: Schriftsteller und Mörder-ohne-Anerkennung.

Hätte ich jetzt eine Knarre gehabt, hätte ich gnadenlos abgedrückt.

Glücklicherweise frage ich zunächst mal zynisch: „Wirklich? Geschrieben haben Sie einmal. Hm. Bestimmt einen Krimi?“ Ich muss mir nicht solch Erdrückendes und Demütigendes über mich ergehen lassen, nein. Da schieße ich lieber zurück.

Unversehen werde ich plötzlich entlohnt. Der Kommissar öffnet unbewusst und lachend den Waffenhalfter, also nestelt daran herum und legt das Ding, seine Waffe, zum Greifen nahe vor meine Nase auf den Schreibtisch.

Noch wage ich nicht zuzuschlagen, versuche zu kapieren, was die Stunde geschlagen hat und wie ich das auf die Reihe bringe, aber instinktiv suche ich die Herausforderung, denke, denn solch eine Steilvorlage bekommst du nicht mehr.

Tatsächlich, er versteht den Witz und prustet, wenn auch verhalten, heraus: „Ja, das passte wohl zu einem angehenden Kommissar. Haha.  Einen Krimi zu schreiben, bereits im zartesten Alter. Haha.“

Er zieht eine Schublade seines Sekretärs heraus.

Als er sich wieder gefangen hat,  bringt er es auf den Punkt: „Nein, keinen Krimi. Die „Segnungen“ oder den „Fluch“ der Jugend, je nachdem, wie man es sieht, habe ich in meinem Erst- und Letztling verarbeitet!“

Diese Aussage unterstreicht er damit, dass er die Lade hinter der hineingelegten Pistole schließlich nachdrücklich schließt.

Gleichzeitig sehe ich da wieder einen Punkt einzuhaken. „Ach, eine unglückliche Liebesbeziehung!“, heuchele ich zwischen Sarkasmus und Empathie.

Der Kommissar räuspert sich: „Nun, nicht direkt. Unglücklich verliebt war ich noch nie richtig.“ Lachen.

„Natürlich!“ Welch totale Schmeichelei, fantastisch.

Aber eben, doch nicht bei so einem lebenstüchtigen Menschen wie bei einem erfolgreichen Kommissar wie er, per se und nicht anders denkbar, geht der niemals der „Liebe“ auf dem Leim, welcher selbst Mörder von Pseudo-Mördern so traumwandlerisch sicher unterscheiden weiß.

Dennoch erfasst er meine spitze Bemerkung überhaupt nicht. Er redet einfach weiter, als sei er am Stammtisch. So viel Ignoranz und Mangel an Spürsinn hätte ich ihm nicht zugetraut und führe ihn nur darauf zurück, dass ihm das wirklich ernst gewesen sein musste mit der Schriftstellerei.

Dass die Knarre in einer Schublade des Sekretärs und nicht am Gürtel um die Hüften des Kommissars ruht, ist gut, sehr gut, sehr gut sogar, mehr als ich erhofft habe.

Ich lasse ihn weiter- und weiterreden, ich weiß gar nicht, was, frage nach, versuche seine Gefühle zu erfassen, um sie dann anzusprechen und sich ihm seine Rucksäckchen vom Buckel reden zu lassen. Gleichzeitig, mein Herz macht dauernd freudige Sprünge, bin ich bestrebt, mir nicht meine Freude ansehen zu lassen, so zu tun, als wäre nichts geschehen. Dazu durfte ich mich  nicht an diese sich mir bietende Chance erinnern, muss ich aus meinen Kopf tilgen, gar nicht in mich hineinlassen, umso instinktiver, zügiger, unbesonnener, unbelasteter, kurzum kaltblütiger zuzupacken, sobald die Gelegenheit da ist. Das ist sehr wichtig. Kopf-Kampf oder so ähnlich nennt das der Amerikaner, nur hier verdeutscht. Es ist jetzt ultrawichtig – nicht den Kopf zu verlieren!

Werner Pentz

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Mar 30, 2013, 9:37:48 PM3/30/13
to

 

Aber plötzlich sacke ich innerlich zusammen. Ich habe einfach keinen Plan mehr. Bin ausgepowert, ausgelaufen, futsch, fix und foxi, Ende.

So sitzen wir zunächst einmal nur so da, er hinter seinen riesigen modernen Schreibtisch, ich davor, na, ich hänge wohl mehr in dem Lehnsessel. Meine Arme baumeln links und rechts von der Lehne bis nahe dem Boden herab. So fühle ich mich auch. Hoffnungs-, aussichts-, ergebnislos. Nichts mehr zu machen!

Der Kommissar fährt mit seinem Oberköper nach vorne und legt sich breitarmig auf den Tisch und so sich abstützend schaut er sorgenvoll schräg aus dem Fenster und ins Leere. Ein dicker Brummer poltert unten an der Straße entlang vorbei.

Ziemlich laut hier, stelle ich fest. Ich würde mir am liebsten die Ohren zuhalten wollen.

„Was sollen wir nur machen?“, murmelt er. Vielleicht auch: „Was können wir nur machen!“

Ich schaue auf.

Ich bin ganz gerührt, dass er in der ersten Person Plural spricht und nicht im Singular, wenn ich nicht jetzt diese zwei dicken Querfalten seine hohe Stirne spalten sähe. Er scheint am Ende seine Lateins zu sein.

Liegen vor ihm ein unüberwindlich erscheinender Berg Akten, zu erledigende Notizen, Berichte, Protokolle, Briefe, Mitteilungen, Memos, etc. pp, die ihn erdrücken scheinen? – weit gefehlt!. Fast leergefegt ist dieser, außer Telefon, Fax, Computer, das Nötigste eben – so dass ich schließe: Die Ursache des Schwächelns dieses Beamten scheint direkt auf mich zurückzuführen sein.

Ich senke traurig meinen Kopf.

Ihm muss es so ergehen wie einem Polizisten, zu dem ein Mann kommt, um sich selbst anzuzeigen wegen Mordes, den er begehen wird. Was bleibt dem Polizisten übrig, solange der Mord nicht begangen sein wird, diesen Mann wieder nach Hause zu schicken?

Kein Beweis für einen Mord, kein Mörder. Ich versetze mich in dessen Lage und begreife: Wer würde da nicht Verrücktwerden?

Mir schmerzt mein Herz bei diesem Anblick eines verzweifelten Ordnungsmenschen, aber ich kann ihm nicht helfen. Ich kann ihn von meiner Tat nicht überzeugen und die Gerichtsmedizin ist wohl von Ertrinken oder möglicherweise Selbstverbrennung durch heiße Wassereinstrahlung ausgegangen. Diese herbeigeführt zu haben, kann sowohl von einem Fremden genauso gut von ihr selbst gemacht worden sein. Eine klassische Pattsituation.

Mein Mitgefühl hilft diesem entmutigten Menschen auch nicht, abgesehen davon, müsste ich selbst noch mehr mit mir empfinden, der ich gerne Mörder sein würde, aber es nicht sein darf.

 

Aber mit einem Mal, als ob dieser Leerlauf hier nicht stattgefunden hat, richtet sich mein Gegenüber plötzlich auf. Es ist eine eigenartige Bewegung, denn wie eine Puppe, die aufgezogen wird, versetzt sich der Oberkörper in gerade Position und der Mund prustet ein geradezu mechanisches Lachen heraus, als wäre er der  allergrößte Weckfresser.

Glaubt man es, aber der Kommissar legt plötzlich ein Geständnis ab, womit ich mitnichten gerechnet habe. Er bekennt, selbst einmal Schriftsteller werden zu wollen, vielmehr sich in der Absicht getragen zu haben.

„Halt!“ Sagt er, hebt den Zeigefinger. „Allerdings, dies vor der Zeit meiner Karriere als Polizist.“

Hat man da noch Worte? Ich traue meinen Ohren kaum. Will der mich veräppeln? Ich kann ihm einfach nicht glauben.

Ich erblicke wässrige, mit schwimmenden Kaulquappen-Köpfen blinkende Augen, als wollten sie ein Signal abgeben. Es spielt viel Lächeln und Schmunzeln in diesem breitflächigen, teigigen Mondgesicht, als er diese Irrung, Wirrung und glücklicherweise nur vorübergehende Periode seines Lebens bekennt, so würde er dies heute sagen wollen.

Bekenntnisse, man lasse sich dieses Wort im Mund zergehen.

Nur Geistes-, Macht- oder sonstige Bekanntheitsgrößen der Menschheit haben am Ende eines erfüllten, ihrer Spezies zum Wohl- oder Missfallen absolvierten Lebens festgestellt, es werde Zeit, endlich seine Bekenntnisse niederzulegen. Befindet sich der Kommissar gleichfalls in diesem Stadium seines Lebens? Und wenn, worin bestehen seine außergewöhnlichen Dienste für uns Menschen?

Nun, er selbst ist wenigstens bestens drauf und dran und tut so, als ob er sich in einer solchen Lage befinde. Soviel er vermeintlich Kurioses über sich erzählt, schüttelt er erheitert darüber nicht minder oft den Kopf, murmelnd: „„törichter Bubenstreich“, „Jugendsünde“, „infantiles Verhalten““.

In den blassblonden Kopfhaaren schimmern ein paar graue Haare.

Rührig, anrührig.

Sein flaumiges Backenbärtchen weist Sprossen von zwei- bis drei Zentimeter auf.

Was nimmt ihn so mit, dass er sich nicht rasiert hat?

 

Für mich ist des Erzählers gemütliche Heiterkeit verderblich. Ich denke nur, was will er mir denn sagen? Und ich spüre nur eine Antwort: hätten Sie sich nicht so stark aufs Schriftstellerdasein versteift, wäre etwas Gescheites aus ihnen geworden. Anders haben sie es nicht einmal zu einem richtigen Mörder gebracht, sie Gescheiterter und Halbbürger, weil ihnen die Anerkennung eines richtigen Mordes abgeht.

Welch vernichtendes Urteil, nicht wahr?

Zwar hätte ich es als Schmeichelei auffassen können, dass auch ein Vertreter der Staatsgewalt, ungeachtet des Umstandes in seinen Fängen und Klauen zu hängen, sich so weit herablässt, mir zu bekennen und sich mir auf die selbe Stufe zu stellen wie ich als Armer-Sünder-Vor-Ihm-Sitzender. Aber der Ruf erfüllt schrill den Raum bis zur Decke: Es besteht eine notwendige Verbindung zwischen: Schriftsteller und Mörder-ohne-Anerkennung.

Hätte ich jetzt eine Knarre gehabt, hätte ich gnadenlos abgedrückt.

Glücklicherweise frage ich zunächst mal zynisch: „Wirklich? Geschrieben haben Sie einmal. Hm. Bestimmt einen Krimi?“ Ich muss mir nicht solch Erdrückendes und Demütigendes über mich ergehen lassen, nein. Da schieße ich lieber zurück.

Unversehen werde ich plötzlich entlohnt. Der Kommissar öffnet unbewusst und lachend den Waffenhalfter, also nestelt daran herum und legt das Ding, seine Waffe, zum Greifen nahe vor meine Nase auf den Schreibtisch.

Noch wage ich nicht zuzuschlagen, versuche zu kapieren, was die Stunde geschlagen hat und wie ich das auf die Reihe bringe, aber instinktiv suche ich die Herausforderung, denke: ´Solch eine Steilvorlage bekommst du nicht mehr wieder.`

Tatsächlich, er versteht den Witz und prustet, wenn auch verhalten, heraus: „Ja, das passte wohl zu einem angehenden Kommissar. Haha.  Einen Krimi zu schreiben, bereits im zartesten Alter. Haha.“

Er zieht eine Schublade seines Sekretärs heraus.

Als er sich wieder gefangen hat,  bringt er es auf den Punkt: „Nein, keinen Krimi. Die „Segnungen“ oder den „Fluch“ der Jugend, je nachdem, wie man es sieht, habe ich in meinem Erst- und Letztling verarbeitet!“

Diese Aussage unterstreicht er damit, dass er die Lade hinter der hineingelegten Pistole nachdrücklich schließt.

Gleichzeitig sehe ich da wieder einen Punkt einzuhaken. „Ach, eine unglückliche Liebesbeziehung!“, heuchele ich zwischen Sarkasmus und Empathie.

Der Kommissar räuspert sich: „Nun, nicht direkt. Unglücklich verliebt war ich noch nie richtig.“ Lachen.

„Natürlich!“

Welch totale Schmeichelei, fantastisch. Denn eben, doch nicht bei so einem lebenstüchtigen Menschen wie bei einem erfolgreichen Kommissar wie er, per se und nicht anders denkbar, geht der niemals der „Liebe“ auf dem Leim, welcher selbst Mörder von Pseudo-Mördern so traumwandlerisch sicher zu unterscheiden weiß.

Er erfasst meine spitze Bemerkung überhaupt nicht. Er redet einfach weiter, als sei er am Stammtisch. So viel Ignoranz und Mangel an Spürsinn hätte ich ihm nicht zugetraut und führe sie darauf zurück, dass ihm das wirklich ernst gewesen sein musste mit der Schriftstellerei.

Dass die Knarre in einer Schublade des Sekretärs und nicht am Gürtel um die Hüften des Kommissars ruht, ist gut, sehr gut, sehr gut sogar, mehr als ich erhofft habe.

Ich lasse ihn weiter- und weiterreden, ich weiß gar nicht, was, frage nach, versuche seine Gefühle zu erfassen, um sie dann anzusprechen und sich ihm sein Rucksäckchen vom Buckel reden zu lassen. Gleichzeitig, mein Herz macht dauernd freudige Sprünge, bin ich bestrebt, mir nicht meine Freude ansehen zu lassen und tue so, als wäre nichts geschehen. Ich durfte mich nur nicht auf diese sich mir bietende Chance versteifen, muss sie aus meinem Kopf tilgen, gar nicht in mich hineinlassen, umso instinktiver, zügiger, unbesonnener, unbelasteter, kurzum kaltblütiger zuzupacken, sobald die Gelegenheit da ist. Das ist sehr wichtig. Kopf-Kampf oder so ähnlich nennt das der Amerikaner, nur hier verdeutscht. Es ist jetzt ultrawichtig – nicht den Kopf zu verlieren!

 

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