Zum Italiener trete ich voll der Hoffnung ein. Einer Gegenüberstellung steht aber unerwartet einiges im Wege, zwei Seiten einer Medaille, wie es so schön heißt: nämlich die Gastfreundlichkeit und Geschäftstüchtigkeit des Italieners. Er nötigt uns geradezu, zuerst einmal Platz zu nehmen. Wir kommen gar nicht zur Sprache unseres Anliegens.
Aber wenn es denn sein muss: „Können wir wenigstens einen Platz am Fenster haben?“
„Aber natürlich!“ Es klingt so, als wüsste er Bescheid, als wäre im klar, dass das mein Lieblingsplatz ist. Somit ist meine Hoffnung durch und durch gespeist. Aber als ich sitze, verfliegt diese Gewissheit schnell wieder, ich denke mir, entweder kennt er mich tatsächlich oder er sagt das stets, wenn ein paar Gäste Sonderwünsche äußern. So im Sinne, das habe ich doch gewusst, mir gleich gedacht, sehen Sie, ich habe es Ihnen doch schon von den Augen abgelesen, so dass der Betroffene gar nicht mehr weiß, ob er es überhaupt hätte äußern müssen, wenn nicht der Gastgeber es schon erraten und ungesagt seinen Wunsch erfüllt hätte.
Wir erinnern uns, er ist ein großer Psychologe.
Er bringt die Speisekarte.
„Wir sind nur kurz hier und wollen eigentlich mit Ihnen ein paar vertrauliche Worte wechseln, wenn es möglich ist“, sagt der Polizist.
„Copisko! Uno momento!”
Bevor er sich mir nur mehr vom Rücken her zeigt, rufe ich ihm noch zu: „Einen Espresso, bitte!“ Rumzusitzen und Däumchen zu drehen, bringt auch nichts.
„Mir halt auch!“, ergänzt mein Begleiter.
Dann dauert es immer noch seine Zeit, bis der italienische Gastgeber sich zu uns an den Tisch herbemühen kann oder will. Denn natürlich bringt eine Bedienung zunächst einmal die Bestellung.
Polizist und ich haben uns nicht allzu viel zu sagen. Wir beobachten die vielen Menschen, die hier zur spätmittäglichen Stunde ein und ausgehen. Um mich zu beschäftigen, versuche ich bei diesem oder jenem mit einer Einordnung: Beschäftigter, Verwandte oder Bekannter? Es ist fast wie ein Glücksspiel.
„So, jetzt bin ich für Sie da. Was kann ich für Euch tun, meine Herren?“, verkündet er großmütig, als er sich breitärschig neben uns auf einen Stuhl am Tisch niederlässt. Ist er für uns da, dann ganz, halb gibt es nicht, verkündet das großmütig.
Als der Polizist die Sache ausgesprochen hat, fixiert mich der italienische Freund eindringlich und nachgerade langatmig. Nun, das spricht wiederum gegen meine Hoffnung, erkannt worden zu sein. Oder aber ist diese Geste einfach gespielt übertrieben, längst schon hat er mich doch identifiziert? Denn natürlich, the Show must go on!
Und siehe da, es scheint mir, des Chefs pfiffiges Gesicht wird tatsächlich spitz. Zudem, dieses Funkeln in seinen Augen, das zu mir spricht: natürlich kennen wir uns, du und ich und deine verkorkste Signora damals. Wie sonst sehe ich einen Schalk aus ihm herausgrinsen?
Aber leider, er reagiert „natürlich“ dessen gegensätzlich. Er will mir helfen, dieser Freund. Er liest die Zeichen so, dass ich in der Patsche bin, von der Polizei natürlich bedrängt werde und das Letzte, was er will, ist, mich zu verraten. Verrat, nein, unter Freunden doch nicht.
„Ich habe Senior noch niemals gesehen in meinem Leben. Tut mir leid.“
Mein Hoffnung wird also so trügerisch enttäuscht. Ich falle aus allen Wolken. Das habe ich mir als letztes gewünscht. Mein Freund missversteht gründlich die Situation. Freund, Amico, nicht, nicht, so hör doch: „Hören Sie, Sie müssen die Wahrheit sagen, unbedingt.“
Aber längst schon ist alles verloren. Er deutet natürlich diesen Satz von mir als bloße rhetorische Floskel, wie könnte es ja auch anders sein? Er tut so, was man ihm nicht verübeln kann, als verbete er sich entschieden jegliches ihm unterstellende Missverstehen-Wollen, macht dazu ein galantes, unverwechselbares, deutschsprachlich nicht wiederzugebendes: tz, unterstützt mit einem fremdartigen Reiben zweier Finger miteinander. Völlig fasziniert davon, sinniere ich, ob diese dentale Reibung der Konsonanten T und Z nicht durch diese gestische Reibbewegung verdeutlicht werden soll.
Ich hätte noch eine Chance, würde ich nämlich stärker insistieren, vielleicht lauter als der Umgangston es gebietet, damit er den Aufrichtigkeitston hinter meinen Sätzen heraushören könnte und ich so das Ruder noch einmal herumreißen könnte. Aber ich bin von des Mimen schauspielerischer Überzeugungskraft hin und weg und verpasse wohl den rechten Moment und das Schlüsselwort, um anzusetzen, ich kapiere bloß nach ein paar Sekunden, dass es vorbei, das Spiel aus ist und mir bleibt nur noch übrig, resigniert zu murmeln: „Ich verstehe!“
Belämmert lasse ich den Kopf fallen.
Meine Überzeugungskraft im Ton, wenn es denn eine gegeben hat, hat mein Amico schlichtweg der unangenehmen Präsens des Polizisten in die Schuhe geschoben, gedacht, va bene, bist ein guter Schauspieler, aber, Ragazzo, keine Angst, ich verrate Dich schon nicht, ich habe meine Erfahrungen mit der Obrigkeit, da brauchst Dich nicht zu ängstigen, oder mir etwas vorzumachen, ich weiß Bescheid. Er hat, kurzum meinen Appell völlig anders gedeutet: statt als aufrichtige Ausdruck der Angst, jetzt bitte die Wahrheit sagen, jetzt bitte nicht die Wahrheit sagen und mich zu verraten.
Ich war danach völlig am Boden zerstört.
Ich wusste überhaupt nicht mehr, wie es weitergehen sollte.
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"Edith Altmann" <edith....@arcor.de> schrieb im Newsbeitrag news:513a572d$0$6626$9b4e...@newsspool2.arcor-online.net...
danke für deine wahren gefühle,du hast recht, würde mir auch so gehen.ich experimentiere, ich feile, ich arbeite mich ab, hoffe, hier feedback zu bekommen, um mich fortzuentwickeln, doch bin ich nur donquitto della mancha - nun, ich bin wirklich bester dinge, diesen roman hier zuende zubringen, bald, der tod der kritikerin ist bald tot, jappgrußwp
wenn ich meine homepage empfehlen darf, brandneu überarbeitet, top of the time von einem angehenden designergruß