Am 12.05.13 13:42, schrieb Bodo Mysliwietz:
> Wahrscheinlich haben wir beide eine andere Les-, Interpretations- und
> Gewichtungsart für solche Statistiken.
> Es heisst dort u.A. "alle 11 STunden verunglückt ein Kind" (im
> Straßenvehrkehr).
Deiner Auffassung, dass wir sehr unterschiedlich lesen kann ich nur
bestätigen, denn auf der selben Seite steht davor:
"... alle
… 4 Minuten wurde die Polizei zu einem Verkehrsunfall gerufen
… 31 Minuten verunglückte ein Verkehrsteilnehmer
… 2 Stunden verunglückte ein Radfahrer
… 4 Stunden verursachte ein 18- bis 24-jähriger einen Personenschaden
… 4 Stunden verunglückte ein Fußgänger
… 7 Stunden verunglückte ein Mitbürger über 65 Jahre
… 11 Stunden verunglückte ein Kind ... "
Du hast also die zahlreichen Ereignisse der ersten 10 Stunden und 57
Minuten "unterschlagen". Und diese zeigen genau das schon mehrfach von
mir geschriebene: Kinder sind in B keine im Straßenverkehr besonders
gefährdete Personengruppe.
Nur, damit Du mir nicht wieder Zynismus vorwirfst: Jeder verunglückte
Verkehrsteilnehmer ist schrecklich und einer zuviel, jedes angefahrene
Kind noch viel mehr und jeder im Straßenverkehr getötete Mensch ist eine
Tragödie. Aber weshalb werden wird hier vorrangig den potentiellen
Opfern vermittelt, durch eigene Verhaltensänderung ihre Situation
verbessern zu werden zu müssen und nicht bei den "Tätern" angesetzt? Und
weshalb werde ich hier bereits nach Andeutung dieser Frage als
überheblicher Zyniker und merkbefreiter Troll bezeichnet. Besten Dank auch!
> Prozentzahlen hin oder her. Dabei muß man gewichten wieviel Kinder im
> Einschulungsalter überhaupt allein am Vehrkehr teilnehmen. Wer Kinder in
> dem Alter mal bewußt beobachtet weiß welche enorm hohe gerausforderung
> es für sie ist z.B. eine Straße sicher zu queren - selbst wenn Ampeln
> genutzt werden.
Das ist unstrittig.
> Die Statistik zeigt das über 50% der Berliner Kinderunfälle durch
> plötzliches hervortreten vor Hindernissen und Nicht beachten des
> Fahrzeugvehrkehrs verursacht werden. Da können beide Partein nur froh
> sein über jede halbe Sekunde verkürzte Wahrnehmung oder Wahrnung im
> Vorfeld ("Achtung - (Gruppe) Kinder auf dem Gehweg").
Die in Relation zur Geschwindigkeit verlängerte Wahrnehmungszeit ließe
übrigens sehr viel stärker als durch farbigen Stoff durch die Reduktion
der innerorts zulässigen Höchstgeschwindigkeit erreichen. Naheliegend
wären 30 km/h gegenüber den momentan zulässigen 50 km/h mit einer
Verringerung des Anhaltewegs auf weniger als die Hälfte (12m statt 26m).
Das selbe gilt sinngemäß natürlich auch außerorts für höhere
Geschwindigkeiten.
> Ich freue mich jedes Jahr wieder wenn erneut in vielen Stadteil die
> Straßen wieder mit Banner überspannt werden die auf den Schulanfang
> hinweisen. Auch so Dinge wie die ADAC-Westenaktion sind zu begrüßen. Wie
> stark eine Gruppewie Kleinkinder von Unfällen betroffen sind, hängt
> nicht nur von deren Erzieheung ab, sondern auch von unserer
> Erwachsenensensibilität und Hilfestellung (Westen, Reflektoren,
> Baumaßnahmen ect.).
Vor allem hängt die Unfallgefährdung der Kinder von den anderen
Verkehrsteilnehmern ab, vor allem also den Autofahrern.
Ich finde es recht offensichtlich, dass der ADAC sich auf die
Durchführung ebenso billiger wie demonstrativer Maßnahmen kapriziert,
die Aktionismus demonstrieren, aber letztlich nichts bewirken. Wichtig
ist hier ganz offensichtlich nur, dass das eigene Klientel am eigenen
Verhalten (schnelles Fahren) nichts ändern muss. Finanziert wird das
ganze Theater übrigens lt. ADAC-Mitgliederheft April 2013 von der dt.
Automobilindustrie, der BILD-Zeitung und der Post. Gibt es eine messbare
Wirkung? Darüber steht nirgends etwas.
> Du wirst sicher Deine eigene Abwägung und die für Dein Kind treffen, lt.
> Deinem Zynismus müßten unsere Städte aber unfallfrei sein. Dem ist nicht
> so - und das trotz immer stärker ausgeweihtetet
> Führerscheinanforderungen, Vehrkehrsregelungen, Kinderschulungen ect..
Nein, weder beabsichtige ich, mein Kind ohne Reflektionsstreifen am
Schulranzen losgehen zu lassen, noch habe vorgeschlagen auf diese
generell zukünftig zu verzichten. Mir ist nur aufgefallen, dass die
Stiftung Warentest in ihrem jüngst veröffentlichten Test alle
Schulranzen, die nur über diese Streifen verfügen und nicht auch noch
farblich extrem auffällig (überwiegend neonfarben) gestaltet sind,
pauschal als "mangelhaft" abqualifiziert hat. Das ist mir uneinsichtig,
denn die Ranzen sind primär ein Transportmittel, kein Rettungsgerät.
Wenn's denn in Schule Warnwesten gibt, wird sie die vermutlich auch
anziehen, aber nach einigen Tagen wird sie das Ding vermutlich genau so
wie all die anderen Kindern nerven, die diese auch nur max. eine Woche
anziehen.
> Beim Schutz von (Klein-)Kindern kann der Schutz, im Vergleich zu allen
> anderen Gruppen, nur um Größenordnungen höher angesetzt werden.
Das sehe ich ja grundsätzlich auch so, nur scheinen mir bei Thema
"Verkehrssicherheit für (Schul)kinder" viele Diskutanten einem
blindmachenden Kindchenschema zu verfallen und nach Nennung der Worte
"Kind" und "Sicherheit" tiefergehenden rationalen Argumenten nur noch
allenfalls eingeschränkt zugänglich zu sein. (Zitate: "überheblicher
Zyniker" und "merkbefreiter Troll"). Mit Angst lassen sich anscheinend
aber gute Geschäfte machen, egal wobei.
Unter den beiden Worten Kind und Sicherheit wird unhinterfragt eine
Menge Unsinn verkauft oder getrieben, was zu tlw. erheblichen neuen
Problemen führt. Genannt sei hier nur die um sich greifende Unsitte von
immer mehr Eltern, ihre K(leink)inder mit Schutzhelmen fürs Fahrrad auf
den Spielplatz zu schicken - der vermeintlichen Sicherheit halber. Hier
funktionieren die auf die Kinderkopfgröße abgestimmten Abstände zwischen
Bauteilen nun nicht mehr, die um die Helme vergrößerten Köpfe bleiben
zwischen Spielgerätekanten stecken und es gab deswegen schon mehrere
tödliche Unfälle.
<
http://www.sauerland-spielgeraete.de/service/helm-ab.html>
Auch in anderen Bereichen der Verkehrssicherheit ist nicht unbedingt
alles so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Genannt sei hier
das sehr kontrovers diskutierte Thema Fahrradhelm
<
http://www.badische-zeitung.de/wirtschaft-3/der-glaubenskrieg-um-den-fahrradhelm--35031580.html>,
aber ich schweife ab.
Trotzdem danke ich denen, die sich bis hier durchgelesen habe für ihre
Aufmerksamkeit!
Rolf