Am 24.02.2013 00:31, schrieb Ulrich Onken:
> Vielleicht hilft so eine Sendung, dass angesichts der explodierenden
> Kosten von S21 das ganze Projekt nochmal grᅵndlich auf den Prᅵfstand
> gestellt wird.
Naja, ich glaube nicht daᅵ da Fernsehsendungen noch helfen. Die
Situation ist einfach komplett verfahren, und der Groᅵteil derer, die
die Schuld daran tragen, sind lᅵngst auf Tauchstation.
Auᅵerdem ist das Ganze ohnehin nur ein Symptom - die eigentliche
Krankheit liegt viel tiefer, und die wird auch mit einem Baustopp nicht
so einfach verschwinden. Solange Regierende und Wirtschaft hinter
verschlossenen Tᅵren Vertrᅵge ausklᅵngeln dᅵrfen und solange Wᅵhler wie
Mandatstrᅵger bewuᅵt belogen werden, wird sich an der Grundmisere nichts
ᅵndern.
Solange es eine erfolgversprechende Taktik ist, ᅵffentliche Bauvorhaben
erstmal billiger darzustellen, um positive Beschlᅵsse der politischen
Gremien herbeizufᅵhren, und dann hinterher die Kosten ins uferlose
steigen zu lassen, werden wir immer wieder derlei Desaster erleben. Die
einzige positive Entwicklung von S21 ist tatsᅵchlich die, daᅵ das nicht
wie erwartet reibungslos funktioniert hat.
Sollten sich daraus wirklich ernsthafte Konsequenzen entwickeln - z.B.
eine Haftung der Antragssteller an ᅵffentliche Gremien fᅵr die
Korrektheit von Kostenvoraussagen bzw. Abstimmung nur noch ᅵber Angebote
mit fᅵr den Anbieter verbindlichen Fixkosten - dann hᅵtten die
S21-Gegner da einen historischen Erfolg erzielt. Indes glaube ich leider
nicht, daᅵ das derzeit wirklich zur Debatte steht - die Fleischtᅵpfe fᅵr
den Filz sind gar zu verlockend, die vordergrᅵndigen Totschlagargumente
zu bequem.
Das Projekt selber ist weniger ein Problem fᅵr die Bahn als fᅵr die
aktuelle Bahn-Vorstandschaft, vor Allem fᅵr Kefer. Der wᅵrde bei einem
Abbruch sein Gesicht und wahrscheinlich auch seinen Job verlieren.
Wobei die Projektbefᅵrworter politisch gesehen eh nur noch verlieren
kᅵnnen - egal, ob der Bahnhof gebaut wird (und am Ende sicher eher bei
20 als bei 5 Mrd Euro Kosten landen wird, denn die wirklichen
bautechnischen Probleme sind ja noch nicht mal Ansatzweise zutage
getreten, bisher basieren so gut wie alle Kostensteigerungen auf
stᅵmperhafter Planung), oder ob die Baustelle eingestampft wird (womit
sie dann als offensichtliche Verlierer dastehen). Da ist kein Blumentopf
mehr zu gewinnen.
Was ᅵbrigens derzeit vor Allem ein Problem fᅵr die SPD in BW ist, die
die Gelegenheit zum "Absprung" komplett verpaᅵt hat. Die Grᅵnen haben
hingegen ja bereits bei der letzten Wahl deutlich profitiert, und
Kretschmann muᅵ man ehrlichen Respekt zollen, wie er seine nicht gerade
angenehme Zwickmᅵhlen-Situation bisher gelᅵst hat. Ich beneide ihn nicht
um den Job.
Der einzige, der da jetzt noch mit Gewinn rauskommen kann, wᅵre ein
neuer Bahnvorstand, falls der Aufsichtsrat den jetzigen mit abschieᅵt.
Der kᅵnnte sich als "Aufrᅵumer" profilieren, indem er den Bau komplett
stoppt, die komplette involvierte Fᅵhrungsebene rauskantet und ein
Ersatzkonzept mit Augenmaᅵ erarbeiten lᅵᅵt, das ohne riesige
Tunnelbauten auskommt - was ᅵberhaupt keine leichte Aufgabe ist.
--
Erhard Schwenk
Akkordeonjugend Baden-Wᅵrttemberg -
http://www.akkordeonjugend.de/
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