Richard Fonfara <
junk_s...@yahoo.de>:
> Am 27.02.2012 07:13, schrieb Juergen P. Meier:
>> Richard Fonfara<
junk_s...@yahoo.de>:
>>> ich habe auf meinem Win7 HP 64 Bit Oracle VM VirtualBox Manager
>>> installiert und in der Box selbst die neueste Ubuntu-Version.
>>>
>>> Wenn ich jetzt über Ubuntu ins Internet gehe: Sind meine Daten auf Win7
>>> jetzt sicherer als wenn ich über Win7 ins Internet ginge?
>>
>> Das kommt darauf an, wie du aus der VM heraus "ins Internet gehst",
>> und welche Rolle das Hostsystem (Win7) dabei uebernimmt.
>
> Das verstehe ich jetzt nicht. Ich benutze den Firefox als Browser und
> besuche mit dem täglich ca. 10 Internetseiten. Was Win7 während dieser
> Zeit macht, weiß ich nicht.
Je nach Konfiguration verbindet das Hostsystem dein Virtuelles System
mit der physischen Netzwerkkarte (Bridging), oder es spielt
NAT-Gateway. In letzterem Fall laeuft die Kommunikation zwischen
deinem virtuellen Gast und dem Netz einmal komplett ueber den IP-Stack
deines Hostsystems.
Eventuelle Verwundbarkeiten des TCP/IP-Stacks des Hostsystems sind im
letzteren Falle also relevant fuer die Betrachtung der Sicherheit des
Ganzen. (Ein ungepatchtes Windows 7 ist hier uebrigens verwundbar!)
> Ich habe deshalb die VM installiert, weil ich mehrmals gehört habe, dass
> man dadurch gegen Malware geschützt sei. Da ich aber mit einem Mausklick
Das ist so erstmal nicht ganz richtig.
Tatsaechlich erhoert man rein quantitativ die Angriffsflaeche,
(zwei statt ein System + Anwendungen)
verschiebt aber je nach Konfiguration diese qualitativ. In jedem Fall
solltest du fuer einen aktuellen Patchstand beider Systeme sorgen.
Im Einzelnen betrachtet verringerst du die Angriffsflaeche auf das
Windos-System (insbesondere auf dessen Dienste und Anwendungen, die du
so ja nicht mehr direkt oeffentlichen Datennetzen kommunizieren
laessst), indem du diese auf das Linuxsystem verschiebst (wo die
Angriffsflaeche quantitativ zwar in etwa gleich gross ist, qualitativ
aber einen deutlich geringeren Impact vorweist - wegen der strikteren
und sinnvolleren Rechtetrennung verankert im System).
> wieder in Win7 bin und außerdem eine Netzwerkverbindung mit Win7
> besteht, halte ich diese Aussage für falsch. Oder habe ich da einen
> Denkfehler?
Du abstrahierst sehr stark und uebersiehst dabei ein paar Details der
technischen Umsetzung einer Virtualisierung.
Ein durchaus relevanter Vorteil des VM-Konstruktes ist die
Moeglichkeit, ueber Mittel der Virtualisierungssoftware vom Gastsystem
Snapshots anzulegen und dieses "non-persistent" laufen zu lassen, d.h.
dass alle Veraenderungn *an* dem System selbst (z.B. ein erfolgreicher
Schadsoftwaerangriff gegen das noch nicht durch passende
Sicherheitsupdates geschuetzte System vzw. die Anwendungen) nur bis
zum naechsten Start des virtuellen Systems vorhanden sind, und dieses
bei Neustart wieder Sauber ist. Das bedingt aber ein entsprechend
umsichtiges Patchmanagement (es muss im normalen Modus gestartet
werden, um selbst Sicherheitspatches und Updates sowie andere
Aenderungen am System/software/Einstellungen persistent machen zu
koennen - in diesem Zustand ist es dann wieder verwundbar).
Kein Verlass ist idR. jedoch auf die zuverlaessige Trennung zwischen
Gastsystem und Hostsystem, da die gaengigen Virtualisierungsprogramme
Kommunikationskanaele zwischen Host und Gast implementieren die sich
prinzipiell (und auch praktisch wie bereits in Proof-of-concept
Angriffen gezeigt wurde) dafuer eignen, dass ein Schadprogramm das den
Gast kompromittiert hat darueber auf das Hostsystem ueberspringen
kann.
Letztenendes ist das eine Risikobewertung der Einzelrisiken sowie eine
Abwaegung derselben.
Fuer dich Entscheidungsrelevant sollte sein, wie umsichtig und
vorsichtig du mit dem Windowsystem selbst umgenhen kannst (sprich:
kommst du damit zurecht mit einem unprivilegierten Account zu arbeiten
und dabei die konzetionell Unsichere "UAC" abgeschaltet zu lassen?,
dabei aber das System und alle Zusatzprogramme regelmaessig zu
aktualisieren), wie sehr du deinen Kenntnissen insbesondere in der
Erkennung gefaehrdeter Situationen (Drive-By-Download, Schadsoftware
in E-Mails, etc) unter Windows vs. Linux vertrauen kannst.
Linux ist nicht automatisch sicherer - es ist nur fuer den
ambitionierten Amateur einfacher, sicher damit Umzugehen.
Fuer den Anfaenger hingegen bietet Linux ebenso wie Windows
viele Moeglichkeiten etwas falsch zu machen und eine grosse
Angriffsflaeche aufzureissen.
Microsoft hat mit Windows 7 diesbezueglich durchaus viel verbessert -
leider hat man das mit dem zugrundelegenden Sicherheitskonzept der
"Rechte nur bei Bedarf erhoehen" mit UAC genau invertiert, weswegen
dieses eigentlich als Sicherheitsmassnahme gedachtes Werkzeug selbst
eine Sicherheitsluecke darstellt.
Bei Linux (und allen Unix-Basierten Systemen, inklusive Mac OS X)
hingegen ist der "Sudo"-Mechanismus der gezielten Rechtebeschaffung
fuer beschraenkte (administrative) Aktionen ohne dass der Benutzer von
vorneherein mit allen Privilegien ausgestattet ist, die dann von einer
mehr oder weniger zuverlaessigen Softwareschicht (UAC) blockiert werden
(oder auch nicht), wobei das User-Interface dem Anwender vorgaukelt,
dass es sich um eine Massnahme aehnlich dem Unix-Konzept "su" handelt.
Juergen
--
Juergen P. Meier - "This World is about to be Destroyed!"
end
If you think technology can solve your problems you don't understand
technology and you don't understand your problems. (Bruce Schneier)