Arno Welzel <
use...@arnowelzel.de>:
> Juergen P. Meier, 2013-05-02 07:26:
>>
>> Es geht nicht einmal um kompromitierte CAs (von denen selbst Mozilla
>> immernoch einer vertraut), sondern auch um CAs die u.A. genau dem
>> Zwecke des /legitimierten*/ MitM-Angriffs dienen. Diesen vertraut auch
>> Mozilla nach wie vor (und natuerlich alle anderen
>> Zertifikatsstore-Verwalter, allen voran Microsoft (die ihre Produkte
>> u.A. auch in Indien weiterhin verkaufen wollen), Apple und sogar Opera.
>
> Und die natᅵrlich auch ᅵberwiegend im Umfeld offener WLANs genutzt werden...
Soll dein Argument hier sein, dass Boesewichte keine offenen WLANs
misbrauchen?
> [...]
>>> gᅵltiges Zertifikat fᅵr den genutzten Mailserver haben, das von einer
>>> dieser CAs signiert ist und einen transparenten Proxy fᅵr IMAP
>>> aufsetzen, der die Kommunikation ᅵbernimmt.
>>
>> Er benoetigt ein gueltiges, von einer der vollautomatisch
>> vorvertrauten CAs signiertes Zertifikat fuer seinen gefaelschten
>> Mailserver. Nicht mehr und nicht weniger.
>
> Ja - genau das sagte ich. Und?
Und das ist nicht schwer zu erzeugen solange du all den tollen bunten
vorinstallierten CAs vertraust.
>> Wenn er in Besitz eines Intermediate-CA-Zertifikats gelangt, kann er
>> sich das vollautomatisch und on-the-fly selbst ausstellen.
>> (Siehe die PR-wirksam hochgekuenstelte Mediale Aufregung um TuerkTrust)
>
> Ja - *wenn* der Angreifer das schafft. Auch wenn das in den Medien
Du scheinst reilich Weltfremd wenn du dem Irrglauben angehoerst, das
sei so besonders schwierig.
> natᅵrlich dankend aufgenommen wurde als die Schilderung der Katastrophe
Bis die Medien das mitbekommen, sind laengst die Mailkonten von
hunderttausenden Nutzern kompromittiert. Und selbst dann interessieren
sich gerade mal die Fachmedien dafuer (siehe z.B. die jeweiligen CAs
mit gefaelschten
google.com Zertifikaten.). Lediglich die Geschichte
mit Diginotar erreichte die Mainstream-Presse (und wurde dort prompt
falsch/unzureichend dargestellt).
Wieder und Wieder und Wieder. Aber nach dem 3. (oder 5.) Mal kann das
ja so nicht noch einmal vorkommen - Ist das etwas dein Argument?
> schlechthin - die Zahl der Leute, die das real hinbekommen, dᅵrfte immer
> noch sehr ᅵberschaubar sein.
Das bekommt derzeit *JEDER* hin, der rund 10.000 US$ auf den Tisch legen
kann. Soviel kostet ein ueberall vollvertrautes Intermediate-CA Zertifikat
inklusive Faxmaschine und dem dafuer angemieteten Buero^WBriefkasten
(fuer den Audit).
Damit kannst du Monate lang JEDES Zertifikat faelschen. Und sobald das
auffliegt*, kannst du trotz Revocation deines Sub-CA Zeritifikates
durch die CA aufgrund der mangelhaften Implementierung von TLS weiterhin
JEDEN in einem Netz mit deinen gefaelschten Zertifikaten ueberlisten,
solange du nur den Zugriff auf die CRL blockierst (z.B. weil du MitM
in einem offenen WLAN bist, oder z.B. weil du massenhaft die CPE-Router
eines Internetproviders per offener Luecke unter Kontrolle gebracht
hast, oder z.B. weil du den CRL-Server per DoS lahmlegst).
*Was nach mittlerweile mehreren einschlaegigen Faellen im
Durchschnitt rund ein halbes Jahr dauert.
Das Traurige daran ist: Einzig Microsoft bietet mit Windows UPdates
und dem ausrollen expliziter Blacklisten abseits jeder CRL-Mechanismen
fuer bekannt kompromittierte Sub-CA Zertifikate ein ganz klein wenig
mehr Sicherheit. Dazu muesstest du allerdings auch einen Brauser
verwenden, der Mickeysoft's Zertifikatstore nutzt. Trotzdem sind
selbst diese Nutzer auch nach Entdeckung solch einer Kompromittierung
bis zum zweiten Dienstag des naechsten Monatgs gefaehrdet.
>> PS: Turktrust Root CA geniesst nach wie vor vollstes Vertrauen in
>> allen Mozilla-Produkten. Ebenso wie Startcom und Digicert.
>
> Bei StartCom (weil ich deren Dienste auch selber nutze): Warum auch
> nicht? Ist von StartCom auch nur ein einziger Fall bekannt, bei dem es
Starcom wurde zeitgleich mit COMODO und Diginotar kompromittiert.
Der erfolgreiche Einbruch wurde sogar bestaetigt, die Folgen aber
heruntergespielt.
Andererseits wurde eine ganze Reihe von Starcom-Zertifikaten
unmittelbar danach ohne Angabe weiterer Gruende revoziert.
Die Tauschung ist hier offensichtlich.
> ein Angreifer geschafft hat, ein Zertifikat fᅵr Domains zu bekommen, die
> ihm nicht gehᅵren?
Schau dir doch einfach mal die CRL genau an.
>>> Ja - technisch nicht unmᅵglich, aber trotzdem nicht sehr wahrscheinlich.
>>
>> Falsche Einschaetzung des Risikos.
>
> Wie wᅵrdest Du es einschᅵtzen? Also bei z.B. 100 offenen WLANs in
Hoch. Die Huerden sind gering. Selbst wenn die Angreifer sich die 10k
Dollars sparen und einfach eine der etablierten CAs bzw. eine von
denen signierte Sub-CA, hast du dennoch verloren.
> Deutschland - wie hoch ist da deiner Ansicht nach der Anteil der WLANs,
> wo man mit entsprechenden Angriffen rechnen muss? Oder meinentwegen in
> Europa?
Bei Hotel-WLANs z.B. muss man von 100% ausgehen. Da *darf* man nicht
glauben auch nur ein offenes aber sicheres WLAN vorzufinden. Egal ob
in Deutschland oder Azerbeidtschan.
Alles andere ist Dummheit, Selbstbetrug und grobe Fahrlaessigkeit.
> [...]
>> Mozilla vertraut derzeit einem knappen Dutzend Root-CAs die von Regierungen
>> oder Staatlichen Organen betrieben werden (darunter Laender die aktiv und
>> unter verletzung internationalen Rechts Minderheiten unterdruecken*).
>>
>> Dazu vertraut Mozilla den Root-CAs von einem knappen dutzend
>> Telekommunikationsunternehmen verschiedener Laender.
> [...]
>
> Und wie oft hast Du selbst gesehen oder aus vertrauenswᅵrdigen Quellen
> erfahren, dass dadurch TLS/SSL-Verbindungen ausgespᅵht wurden - z.B. in
> Deutschland, Europa, China?
Aeh, im Falle Diginotar und den zertifikaten fuer
mail.google.com,
hotmail und microsoft waren es hunderttausende von Nutzern. Darunter
auch Deutsche die sich zufaellig im falschen Land aufhielten.
Ansonsten innerhalb von Deutschland ist das ja verboten. Und wie wir
alle Wissen, halten sich Boesewichte ebenso wie Ermittler natuerlich
streng an alle gesetzlichen Auflagen und Verbote.