Joerg Lorenz wrote:
> Am 03.05.13 12:51, schrieb Roman Racine:
>> Joerg Lorenz wrote:
>>
>>> Am 03.05.13 07:30, schrieb Juergen P. Meier:
>>>> Arno Welzel <
use...@arnowelzel.de>:
>>>>> Mal eine, vielleicht naive, Frage zum Thema "BitCoins":
>>>>> Die Menge aller mögliche BitCoins ist auf rund 21 Millionen
>>>>> beschränkt. Wenn jemand sein "Wallet" verliert, ist sein Anteil daran
>>>>> weg und für das System verloren - richtig?
>>>>> Bedeutet das nicht im Ergebnis, dass die Menge der real nutzbaren
>>>>> BitCoins mit der Zeit immer weniger wird?
>>>>
>>>> Ach. Das ist aber noch das geringste Problem dieses Schneeballsystems.
>>>>
>>> Jurisitisch gesehen ist Bitcoin eine illegale Parallelwährung wie
>>> Spielgeld. Sich daraus ergebende Verbindlichkeiten sind vor keinem
>>> Gericht einklagbar.
>>
>> Inwiefern sollte die Währung illegal sein? Nach Schweizer Recht ist
>> grundsätzlich die Zahlung in Schweizer Franken vorgesehen, allerdings
>> können Vertragspartner auch im gegenseitigen Einvernehmen Zahlung in
>> anderen Währungen oder gar in Naturalien vereinbaren. Von dem her dürfte
>> die Verwendung von Bitcoins als Zahlungsmittel kein Problem sein, sofern
>> alle Vertragspartner damit einverstanden sind. Während Bitcoins in der
>> Schweiz eher ein exotisches Zahlungsmittel sind, sind Reka-Checks oder
>> WIR-Geld in gewissen Kreisen recht gängig.
>
> Da gebe ich Dir absolut recht. Die Vertragsfreiheit ist nicht in Frage
> gestellt. Es geht darum, dass der Bitcoin nirgendwo als gesetzliches
> Zahlungsmittel gilt und auch keinen "offiziellen" Kurs zu einer Währung
> hat, die als gesetzliches Zahlungsmittel gilt.
Das stimmt. Ausserdem gibt es keine Instanz, die wie z.B. die Schweizer
Nationalbank aktiv ins Geschehen eingreifen würde, um zu grosse
Kursschwankungen zu verhindern. Allerdings: Dies und alles, was du über
Bitcoins geschrieben hast, trifft z.B. auch auf Gold zu.
Das Problem bei Bitcoins dürfte eher sein, dass die Liquidität bei Bitcoins
viel geringer ist als bei regulären Währungen, so dass Spekulanten mit
geringem Volumen grosse Kursschwankungen verursachen können. (In Klammern:
Bei Gold ist die Liquidität zwar grösser, aber auch hier dürfte der Anteil
Spekulanten ziemlich hoch sein.) Sollten Bitcoins in Zukunft breitere
Akzeptanz als Zahlungsmittel finden, dürfte die Liquidität steigen und der
Anteil Spekulanten sinken.
> Wenn jemand Fr. 12000 schuldet ist eine Zahlung in € 10000 eine adäquate
> Begleichung derselben. Eine Begleichung in Bitcoin ist keine adäquate
> Bezahlung, in welcher Höhe auch immer.
Die EUR 10000 sind solange eine adäquate Bezahlung, wie der Empfänger sie
als adäquate Bezahlung akzeptiert, gesetzlich verpflichtend ist das nicht.
Im Prinzip kann der Empfänger auch eine Bezahlung in Bitcoins akzeptieren.
> Uebrigens kann niemand gezwungen werden, für eine Leistung WIR-Geld oder
> Reka-Checks zu akzeptieren.
Natürlich. Beim Schweizer Franken ist im Wesentlichen garantiert, dass der
Staat ihn als Zahlungsmittel (z.B. zur Begleichung von Steuern und Gebühren)
akzeptiert, sowie einige staatsnahe Betriebe (Post, SBB). Im Übrigen ist die
Schweizerische Nationalbank im Prinzip dazu verpflichtet, für Bedingungen zu
sorgen, die die Akzeptanz des Schweizer Frankens fördern, d.h. z.B. die
Inflation gering zu halten, Bargeld in genügender Menge zirkulieren zu
lassen usw. Eine gesetzliche Garantie, dass ein Privatunternehmen oder ein
Privater Schweizer Franken als Zahlungsmittel akzeptiert, hast du dagegen
nicht. In gewissen Ländern, die auch ein gesetzliches Zahlungsmittel haben,
haben sich in der Praxis ja z.B. Fremdwährungen, Zigaretten oder sonst etwas
als Zahlungsmittel etabliert.
Interessant finde ich, dass viele Leute nun von Gold reden. Tatsache ist ja,
dass der Goldpreis zu einem guten Teil von Spekulation bestimmt wird (der
tatsächliche Bedarf an Gold, z.B. in der Industrie, ist ja recht gering) und
dass Gold als Ersatz für eine Währung schon deshalb nur sehr bedingt
geeignet ist, weil die Echtheit und die Reinheit von Laien kaum geprüft
werden kann und weil jede vernünftig handhabbare Stückelung so gross ist,
dass sie zur Deckung des täglichen Bedarfs ungeeignet ist. Genau darum haben
sich in Krisengebieten z.B. häufig Zigaretten oder Spirituosen etabliert.
Diese können auch von Laien geprüft werden und ausserdem ist es bekannt,
dass es für diese Produkte auch Abnehmer gibt, die sie verbrauchen.
Gruss
Roman°