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ISDN korrekt?

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Christian Brandt

unread,
Apr 10, 2012, 2:06:53 PM4/10/12
to
Kurz, meine letzten Erfahrungen mit ISDN unter Linux stammen von einem
800Mhz System mit Teles ISA Karten zu Zeiten von Linux 2.4, damals noch
alles selbst kompiliert, bin also hartgesotten.

Was ist derzeit der offizielle Weg um ISDN unter Linux zu verwenden?

(Ich besitze hier sowohl eine PCI-Fritzcard als auch einige ISA-Teles
die sowohl rauswählen als auch eingehende Anrufe annehmen sollen,
idealerweise raw/hdcl/isdnctrl/ipppd und nicht über X75/pppd.)

isdn4linux/Hisax ist wohl deprecated?

Anscheinend nennt sich das jetzt mISDN. v1? v2? Also ist für einen
Kernelnahen Bastler mISDN v2 wohl "das offizielle"?

Für die Fritzcard wird empfohlen die Treiber von AVM zu verwenden aber
andererseits hatte ich früher mit Hisax nie Probleme und würde gerne
näher am Kernelstandard bleiben. Was sind denn die Unterschiede? Lohnt das?

Christian Brandt

Sieghard Schicktanz

unread,
Apr 10, 2012, 3:25:34 PM4/10/12
to
Hallo Christian,

Du schriebst am Tue, 10 Apr 2012 20:06:53 +0200:

> Kurz, meine letzten Erfahrungen mit ISDN unter Linux stammen von einem
> 800Mhz System mit Teles ISA Karten zu Zeiten von Linux 2.4, damals noch
> alles selbst kompiliert, bin also hartgesotten.

Dann kann Dich ja nicht viel schrecken...

> Was ist derzeit der offizielle Weg um ISDN unter Linux zu verwenden?

Eigentlich: es nicht zu verwenden. Es wird so gut wie nicht mehr gepflegt,
und man muß froh sein, wenn es noch richtig funktioniert. Von den
Entwicklern scheint keiner mehr ISDN zu nutzen, falls die überhaupt noch
wissen, was das ist

> (Ich besitze hier sowohl eine PCI-Fritzcard als auch einige ISA-Teles
> die sowohl rauswählen als auch eingehende Anrufe annehmen sollen,
> idealerweise raw/hdcl/isdnctrl/ipppd und nicht über X75/pppd.)

ISA ist Museum, und PCI ist doch auch schon sowas von überholt...
Aber mit der Fritz-Card könntest Du noch Chancen haben.

> isdn4linux/Hisax ist wohl deprecated?

Ja, aber eher das einzige, was für Deine Zwecke infrage kommt.

> Anscheinend nennt sich das jetzt mISDN. v1? v2? Also ist für einen
> Kernelnahen Bastler mISDN v2 wohl "das offizielle"?

mISDN ist ein anderer Ansatz, der vor vielen Jahren isdn4Linux zügig
ablösen und die Möglichkeiten erweitern sollte. Er ist aber kaum über die
Anfänge hinausgekommen, und die Treiberunterstützung ist eher moderat.

> Für die Fritzcard wird empfohlen die Treiber von AVM zu verwenden aber

Gibt es da überhaupt noch was? AVM hat sich ja aus dem Markt völlig
verabschiedet (wie eigentlich alle Hersteller), lediglich ein paar USB-
Gerätchen und natürlich die "Boxen" gibt es bei denen noch.
Karten nur noch gebraucht.

> andererseits hatte ich früher mit Hisax nie Probleme und würde gerne
> näher am Kernelstandard bleiben. Was sind denn die Unterschiede? Lohnt
> das?

Hisax funktioniert nach wie vor - ich habe das hier für gelegentliche
Zugriffe auf externe Geräte am Laufen. Meine Einrichtung ist zwar relativ
eigenwillig, und das Laden geht etwas holprig, aber wenn alles steht, dann
ist die Funktion einwandfrei. Wen Du nicht _unbedingt_ mit einer passiven
Karte faxen mußt, dann ist der hisax immer noch eine gute Lösung, und für
manche Karten (wie meine Sedlbauer) die einzig mögliche.

--
(Weitergabe von Adressdaten, Telefonnummern u.ä. ohne Zustimmung
nicht gestattet, ebenso Zusendung von Werbung oder ähnlichem)
-----------------------------------------------------------
Mit freundlichen Grüßen, S. Schicktanz
-----------------------------------------------------------

Sven Hartge

unread,
Apr 10, 2012, 4:29:43 PM4/10/12
to
Sieghard Schicktanz <Sieghard....@schs.de> wrote:

> mISDN ist ein anderer Ansatz, der vor vielen Jahren isdn4Linux zügig
> ablösen und die Möglichkeiten erweitern sollte. Er ist aber kaum über die
> Anfänge hinausgekommen, und die Treiberunterstützung ist eher moderat.

"moderat" ist jetzt aber sehr moderat ausgedrückt.



--
Sigmentation fault. Core dumped.

Andreas Kohlbach

unread,
Apr 10, 2012, 7:56:53 PM4/10/12
to
Sieghard Schicktanz wrote on 10. April 2012:
>
> Du schriebst am Tue, 10 Apr 2012 20:06:53 +0200:
>
>> Kurz, meine letzten Erfahrungen mit ISDN unter Linux stammen von einem
>> 800Mhz System mit Teles ISA Karten zu Zeiten von Linux 2.4, damals noch
>> alles selbst kompiliert, bin also hartgesotten.
>
> Dann kann Dich ja nicht viel schrecken...
>
>> Was ist derzeit der offizielle Weg um ISDN unter Linux zu verwenden?
>
> Eigentlich: es nicht zu verwenden. Es wird so gut wie nicht mehr gepflegt,
> und man muß froh sein, wenn es noch richtig funktioniert. Von den
> Entwicklern scheint keiner mehr ISDN zu nutzen, falls die überhaupt noch
> wissen, was das ist

An ISDN ändert sich doch nichts. Müsste es da nicht egal sein, wie alt
das Paket ist? Sollte es nicht wichtiger sein, dass die Treiber für die
verwendete Hardware aktuell ist? Oder stecken die Treiber im ISDN Paket
selbst?
--
Andreas
Linux: The choice of a GNU generation.

Sven Hartge

unread,
Apr 11, 2012, 3:51:50 AM4/11/12
to
Andreas Kohlbach <april12....@spamgourmet.com> wrote:
> Sieghard Schicktanz wrote on 10. April 2012:
>> Du schriebst am Tue, 10 Apr 2012 20:06:53 +0200:

>>> Was ist derzeit der offizielle Weg um ISDN unter Linux zu verwenden?

>> Eigentlich: es nicht zu verwenden. Es wird so gut wie nicht mehr
>> gepflegt, und man muß froh sein, wenn es noch richtig funktioniert.
>> Von den Entwicklern scheint keiner mehr ISDN zu nutzen, falls die
>> überhaupt noch wissen, was das ist

> An ISDN ändert sich doch nichts. Müsste es da nicht egal sein, wie alt
> das Paket ist? Sollte es nicht wichtiger sein, dass die Treiber für
> die verwendete Hardware aktuell ist? Oder stecken die Treiber im ISDN
> Paket selbst?

Das Problem mit den ISDN4Linux-Treibern ist, dass Sie nicht mit udev
harmonieren, weil sie nie dafür aktualisiert wurden, daher keine
udev-events erzeugen und somit udev keine Device-Nodes dafür anlegt.

Dies hat unter anderem dazu geführt, dass z.B. Debian und Ubuntu gar
keinen I4L-Support mehr in den Kernel kompilieren und die benötigten
Tools auch in keinem gutem Zustand sind.

Klassischer Bit-Rot eben.

Joseph Terner

unread,
Apr 11, 2012, 9:02:50 AM4/11/12
to
On Tue, 10 Apr 2012 20:06:53 +0200, Christian Brandt wrote:

> Kurz, meine letzten Erfahrungen mit ISDN unter Linux stammen von einem
> 800Mhz System mit Teles ISA Karten zu Zeiten von Linux 2.4, damals noch
> alles selbst kompiliert, bin also hartgesotten.
>
> Was ist derzeit der offizielle Weg um ISDN unter Linux zu verwenden?

Mit Cologne-Chip-Karten (HFC) und deren Treibern, falls diese noch
funktionieren. Die waren bis vor kurzem im Handel zu recht günstigen
Preisen (20 EUR).

> (Ich besitze hier sowohl eine PCI-Fritzcard als auch einige ISA-Teles
> die sowohl rauswählen als auch eingehende Anrufe annehmen sollen,
> idealerweise raw/hdcl/isdnctrl/ipppd und nicht über X75/pppd.)

Für das Museum nimmst Du am besten eine historische Distribution mit Linux
2.4 (z. B. Slackware 11.0). Da ist die Chance am größten, daß davon
überhaupt noch was funktioniert.

> isdn4linux/Hisax ist wohl deprecated?

Schon lange.

> Anscheinend nennt sich das jetzt mISDN. v1? v2? Also ist für einen
> Kernelnahen Bastler mISDN v2 wohl "das offizielle"?

Wobei mISDN nur wenig Hardware unterstützt: AVM Fritz, CologneChip HFC und
noch ein paar Exoten. Alles gepflegt von einer einzigen Person und wenn
die damit aufhört, ist es vorbei.

> Für die Fritzcard wird empfohlen die Treiber von AVM zu verwenden aber
> andererseits hatte ich früher mit Hisax nie Probleme und würde gerne
> näher am Kernelstandard bleiben. Was sind denn die Unterschiede? Lohnt das?

Funktionieren die CAPI-Treiber überhaupt noch auf 2.6-Kerneln? Ich glaube
nicht.

ciao, Joseph

Wilhelm C. Schütze

unread,
Apr 11, 2012, 12:05:39 PM4/11/12
to
Am 11.04.2012 schrieb Joseph Terner:


> Funktionieren die CAPI-Treiber überhaupt noch auf 2.6-Kerneln? Ich
> glaube nicht.

Ja, läuft anstandslos. Ich kenne zwar die Kernelkonfigurationen der
Distributionen nicht. Bei Ubuntu ist erst ab Kernel 3 Schluss mit
der capi-Unterstützung, wobei es aber zumindest beim Kernel 3.0 kein
Problem sein soll, die capifs-Module aus dem letzten 2er-Kernel
einzubinden.

Andreas Kohlbach

unread,
Apr 11, 2012, 3:12:47 PM4/11/12
to
Aus dieser "Entfernung" hatte ich das gar nicht betrachtet.

> Klassischer Bit-Rot eben.

Dazu noch das Problem, dass ISDN wohl ein mehr oder weniger europäische
Sache ist. Obwohl wohl verfügbar in einigen Teilen, kennt der
Normalbürger der USA das z.B. gar nicht. Wie aber auch UMTS dort völlig
unbekannt ist.

Marcel Pennewiß

unread,
Apr 13, 2012, 3:12:59 AM4/13/12
to
On 04/11/12 15:02, Joseph Terner wrote:
>> Für die Fritzcard wird empfohlen die Treiber von AVM zu verwenden aber
>> andererseits hatte ich früher mit Hisax nie Probleme und würde gerne
>> näher am Kernelstandard bleiben. Was sind denn die Unterschiede? Lohnt das?
>
> Funktionieren die CAPI-Treiber überhaupt noch auf 2.6-Kerneln? Ich glaube
> nicht.

~ $ uname -sr
Linux 3.1.10-gentoo-r1

~ $ capiinfo --help
Number of Controllers : 1
Controller 1:
Manufacturer: AVM GmbH
CAPI Version: 2.0
Manufacturer Version: 3.11-07 (49.23)
Serial Number: 1000001
BChannels: 2

Damit läuft hier Hylafax mit capi4hylafax.

Marcel

Georg Schwarz

unread,
Apr 13, 2012, 4:53:17 PM4/13/12
to
Andreas Kohlbach <april12....@spamgourmet.com> wrote:

> Normalbürger der USA das z.B. gar nicht. Wie aber auch UMTS dort völlig
> unbekannt ist.

der Begriff UMTS möglicherweise, die Technologie sicher nicht.

--
Georg Schwarz http://home.pages.de/~schwarz/
georg....@freenet.de +49 170 8768585

Georg Schwarz

unread,
Apr 13, 2012, 4:53:19 PM4/13/12
to
Christian Brandt <bra...@psi5.com> wrote:

> Was ist derzeit der offizielle Weg um ISDN unter Linux zu verwenden?

ich weiß nicht, was offiziell ist, aber relativ einfach dürfte es mit
einem "ISDN-Modem" gehen, welches AT-Befehle versteht, oder einem
ISDN-Router mit Ethernet-Interface.

Christoph Schmees

unread,
Apr 13, 2012, 5:36:19 PM4/13/12
to
Am 13.04.2012 22:53, schrieb Georg Schwarz:
> Christian Brandt<bra...@psi5.com> wrote:
>
>> Was ist derzeit der offizielle Weg um ISDN unter Linux zu verwenden?
>
> ich weiß nicht, was offiziell ist, aber relativ einfach dürfte es mit
> einem "ISDN-Modem" gehen, welches AT-Befehle versteht, oder einem
> ISDN-Router mit Ethernet-Interface.
>

ja, so ein Modem habe ich noch. Einen Router auch (Lancom), aber
da kann man nur *eine* feste Einwahlnummer hinterlegen.
Ungeeignet, wenn man sich nach CbC Tarifen richten möchte, erst
recht, wenn man zu unterschiedlichen Gegenstellen verbinden möchte.

Christoph

--
email:
nurfuerspam -> gmx
de -> net

Message has been deleted

Wolfram Gloger

unread,
Apr 14, 2012, 8:30:39 AM4/14/12
to
Sven Hartge <sh-...@svenhartge.de> writes:

> Das Problem mit den ISDN4Linux-Treibern ist, dass Sie nicht mit udev
> harmonieren, weil sie nie dafür aktualisiert wurden, daher keine
> udev-events erzeugen und somit udev keine Device-Nodes dafür anlegt.
>
> Dies hat unter anderem dazu geführt, dass z.B. Debian und Ubuntu gar
> keinen I4L-Support mehr in den Kernel kompilieren und die benötigten
> Tools auch in keinem gutem Zustand sind.

Mit selbst gebauten aktuellen kerneln, HiSax und zumindest bis Debian
lenny (ist ja nicht _so_ alt) kann ich das nicht bestaetigen.

Gerade letzte Woche habe ich ein altes System auf die aktuelle
isdnutils-base Version aus lenny gebracht (die alte war aus 2.4er
kernel Zeiten). Kernel ist 2.6.39 und es ist definitiv ein
udev-System. Einwahl mit ipppd (raw, wie vom OP gewuenscht,
allerdings _nicht_ getestet) funktioniert einwandfrei,

Konfigurationsaenderungen in /etc/isdn waren nicht noetig. Man muss
lediglich das laden von HiSax erzwingen z.B. durch
/etc/modprobe.d/options wie

# Netjet PCI
options hisax type=20
blacklist netjet

sonst kommen die per default bevorzugten mISDN module, die man mit
isdn4linux nicht will.

MfG
Wolfram

Sven Hartge

unread,
Apr 14, 2012, 8:50:45 AM4/14/12
to
Wolfram Gloger <wm...@dent.med.uni-muenchen.de> wrote:
> Sven Hartge <sh-...@svenhartge.de> writes:

>> Das Problem mit den ISDN4Linux-Treibern ist, dass Sie nicht mit udev
>> harmonieren, weil sie nie dafür aktualisiert wurden, daher keine
>> udev-events erzeugen und somit udev keine Device-Nodes dafür anlegt.
>>
>> Dies hat unter anderem dazu geführt, dass z.B. Debian und Ubuntu gar
>> keinen I4L-Support mehr in den Kernel kompilieren und die benötigten
>> Tools auch in keinem gutem Zustand sind.

> Mit selbst gebauten aktuellen kerneln, HiSax und zumindest bis Debian
> lenny (ist ja nicht _so_ alt) kann ich das nicht bestaetigen.

In Debian Lenny sah das noch anders aus. Ab Squeeze ist finale mit
ISDN4Linux in Debian.

> Gerade letzte Woche habe ich ein altes System auf die aktuelle
> isdnutils-base Version aus lenny gebracht (die alte war aus 2.4er
> kernel Zeiten). Kernel ist 2.6.39 und es ist definitiv ein
> udev-System. Einwahl mit ipppd (raw, wie vom OP gewuenscht,
> allerdings _nicht_ getestet) funktioniert einwandfrei,

Ja, weil die Start-Scripte noch manuell mit mknod und MAKEDEV die
Devices anlegen, an udev vorbei.
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