Google Groups no longer supports new Usenet posts or subscriptions. Historical content remains viewable.
Dismiss

[OT] Neues aus den Newsticker: Medikamente gegen unerwünschtes Verhalten?

0 views
Skip to first unread message

Günter Schütz

unread,
Oct 28, 2008, 3:01:34 AM10/28/08
to
Aus den Heise Newsticker vom 27.10.2008:

Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28853/1.html


In Großbritannien grassiert seit Jahren die Bekämpfung des so genannten
"antisozialen Verhaltens" bei Jugendlichen, Wissenschaftler wollen nun deren
physiologische Ursache herausgefunden haben
Seit Jahren wird in Großbritannien unter dem Titel antisoziales Verhalten in
Bezug auf Kinder und Jugendliche sehr Unterschiedliches zusammen gefasst und mit
den ASBOs (Anti-Social Behaviour Order) bestraft . Kreativ werden immer wieder
Ideen entwickelt, wie man möglichst frühzeitig und kreativ die Neigung zu
antisozialem Verhalten unterbinden könnte. Von der Regierung wird darunter alles
von Graffitis über Ruhestörung, in der Öffentlichkeit Trinken oder Müll
Hinterlassen bis zum Pöbeln oder mit Drogen Dealen gerechnet, was "andere
negativ beeinflussen kann".

Trotz des großen Spektrums des antisozialen Verhaltens wollen nun britische
Wissenschaftler der University of Cambridge herausgefunden haben, was in
männlichen Jugendlichen dafür mitverantwortlich sein soll. So sollen die Körper
von Jugendlichen, die "schwerwiegendes antisoziales Verhalten" gezeigt haben,
unter Stress weniger Kortisol ausschütten als Jugendliche, die nicht wegen
antisozialen Verhaltens aufgefallen sind. Die Wissenschaftler hatten die
Kortisolwerte im Speichel über mehrere Tage in stressfreien Zeiten gemessen und
dann unter Versuchsbedingungen, die Frustration erzeugen. Bei den "normalen"
Jugendlichen stiegen hier die Kortisolwerte steil an, bei denen mit
"schwerwiegendem antisozialem Verhalten" nahmen diese hingegen ab.
Die Kortisolwerte steigen normalerweise unter Stress, so die Wissenschaftler,
und lassen die Menschen vorsichtiger werden, während sie gleichzeitig ihre
Emotionen, also auch die Aggressivität, besser steuern können. Wenn es eine
Verbindung zwischen Kortisolwerten und antisozialem Verhalten gebe, dann müsste
man dieses als Ausdruck einer mit physiologischen Symptomen verbundenen
Geisteskrankheit betrachten, sagen sie. Danach hätte es wenig Sinn, die
Jugendlichen mit ASBOs zu disziplinieren, man müsste sie vielmehr medizinisch
behandeln. Manche Menschen würden also leichter "antisozial", ebenso wie andere
zur Depression oder Angst neigen (allerdings ist hier auch umstritten, ob
tatsächlich die Beeinflussung der vermeintlichen physiologischen Symptome durch
Medikamente der therapeutische Königsweg ist).

Die Wissenschaftler meinen jedenfalls, man könne "neue Behandlungsweisen für
schwere Verhaltensprobleme" entwickeln, wenn man genau herausgefunden hat, warum
manche Jugendlichen keine normale Stressreaktion zeigen. Das liefe dann
wahrscheinlich darauf hinaus, auffällige Kinder und Jugendliche medikamentös zu
behandeln, um so "das Leben der betroffenen Jugendlichen und das der
Gemeinschaft, in der sie leben, zu verbessern". Zudem könne sich der Staat
vielleicht Milliarden sparen - und, so könnte man hinzufügen, ändern müssten
sich auch die Gesellschaft und die Bedingungen nicht, unter denen die Kinder und
Jugendlichen aufwachsen.


0 new messages