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Message from discussion Endstation Chaos
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Martin Theodor Ludwig  
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 More options Nov 19 2009, 7:47 am
Newsgroups: de.alt.netdigest
Followup-To: de.talk.jokes.d
From: Martin Theodor Ludwig <m...@nurfuerspam.de>
Date: Thu, 19 Nov 2009 12:47:05 +0000 (UTC)
Local: Thurs, Nov 19 2009 7:47 am
Subject: [de.etc.bahn.misc] Re: Endstation Chaos
Newsgroups: de.etc.bahn.misc
Subject: Re: Endstation Chaos
From: Helmut Barth <Helmut.Ba...@arcor.de>
Date: Wed, 18 Nov 2009 18:57:13 +0100
Message-ID: <4b04357d$0$6734$9b4e6d93@newsspool2.arcor-online.net>

Salut!

Alice M ller schrieb:

> Ich stelle mir ganz gut vor, da es aus der Beamtenbahn kommt, wo
> jeder strikt nach Dienstplan nur seinen Aufgabenbereich hatte und
> sich keiner um des anderen Job geschert hat.

Du musst es ja wissen. Meine Erfahrung ist allerdings eine andere. Zu
Bundesbahnzeiten war die Zusammenarbeit nach meinem Empfinden deutlich
besser, da sich nicht jeder auf "andere Firma, geht mich nichts an"
zur ckziehen konnte und wollte. Ein Betriebseisenbahner sowieso nicht.
F r den steht der sichere und p nktliche Bahnbetrieb im Interesse der
Kunden an erster Stelle.

> Eigenverantwortung gleich Null.

Ah. DB AG und Eigenverantwortung. Sch ne Story aus den ganz ganz fr hen
Nach-GB-Traktion- und Handyzeiten (ca '95 oder '96): Ein Lokf hrer der
ganz jungen DB Regio soll eine Cargo 155 f r eine sp tere Eilzugleistung
von der Unterflurdrehbank in Plochingen nach Stuttgart holen. Als ich
f r ihn beim Oberlokdienst eine Zugnummer erfrage, erfahre ich von einem
liegengebliebenen IC in Reichenbach (kaum 5km von Plochingen entfernt).

Ich biete meine Hilfe an, da ich wei , da der Lokf hrer in Plochingen
mich wegen einer Zugnummer gleich nochmal anrufen wird. Man bittet mich
zu warten da man damals das noch relativ neue DB-Monopoly
(wer-zahlt-was? mit "Spielgeld") spielen wollen musste.

Als mein Mann in Plochingen sich meldete, bat ich ihn, noch nicht
abzufahren, da er ggf. den liegengebliebenen Zug holen sollte. Vom
m glichen Geschehen praktisch ein Hauptgewinn: Ein just
liegengebliebener Zug und eine besetzte Hilfslok kaum 5km weg.

Durch einen Zufall (oder auch eine beabsichtigte Verwechslung vor Ort,
keine Ahnung) haben sich der Lokf hrer und der Fahrdienstleiter ber den
Ortsfunk ebenfalls abgesprochen und bevor die Oberlokleitung ihr OK
geben konnte hing der IC am Haken der 155. Als das verhaltene und
beschr nkte ("erstmal nur bis Plochingen") Ok kam war der Zug schon in
Plochingen durch und ehe man sich versah war der Zug in Stuttgart am
Prellbock. F r mich schien der Fall gegessen: Der Zug war von der
Strecke, meine Lok und die kaputte Lok waren auf dem Weg ins Bw und die
Reisenden konnten mit minimalen Beeintr chtigungen weiterreisen, da in
Stuttgart ohnehin Lokwechsel war.

Eine viertel Stunde sp ter gab es Chefbesuch: Ich h tte meine
Kompetenzen berschritten, die Entscheidungsreihenfolge bergangen und
berhaupt "wie sollen wir einen Regiolokf hrer mit einer Cargolok vor
einem R&T Zug abrechnen?". Der Eisenbahner in mir hat schneller "Was
interessiert mich wie was gerechnet wird, die Reisenden wollen
weiterkommen." gesagt als ich denken konnte. Die Reaktion darauf hat mir
wirklich sehr viel Freude am Eisenbahnerdasein genommen.

>  Mir ist sowieso aufgefallen, da je gr er ein Betrieb
> ist, desto weniger Eigenverantwortung zeigen die Arbeiter, weil es
> keiner honoriert und weil es keinen interessiert.

Manglendes Interesse k nnte ich jetzt noch nicht einmal beklagen. Das
Problem ist vielmehr, da man bei der Bahnprivatisierung funktionierende
Strukturen zerschlagen hat und im Zuge der Vereinfachung und
Vereinheitlichung sehr viel kompetentes Personal abgebaut hat.
Erschwerend kommt hinzu, da man, um weniger kompetentes, sprich gerne
auch "billigeres", Personal einsetzen zu k nnen, die fr her teilweise
recht lockeren Regeln immer enger geschn rt hat um Eigeninitiative durch
weniger kompetentes Personal zu erschweren. Das dient manchmal der
Sicherheit im Betrieb, aber h ufig auch nur der Absicherung Interessen
der unterschiedlichen Bahnbetriebsteilnehmer untereinander.

Zudem kommt durch die Firmenvielfalt im Konzern immer mehr das
Wettbewerbsrecht zum Tragen, welches berm iges unentgeltliches
Zusammenarbeiten auch erschwert. Inzwischen sind wir ja soweit, da per
Netzzugangsbedingungen geregelt ist, wer wem zu welchen Konditionen wie
Hilfe leisten muss.

Diveres Qualit tsmanagements und andere Managerinstrumente erschweren es
einem zus tzlich, noch Initiative zu zeigen:

Ich habe keine Ahnung, was heute passierte, wenn man seiner Lok den
dringend ben tigten Sand eigenh ndig reinschaufelt, weil der damit
beauftragte gerade seine Arbeitsschutzpause hat. Wenn allerdings die Lok
wegen dem Auftrag "Sand fassen" ins Werk gefahren ist, darf sie erst
wieder raus, wenn das ganze im SAP korrekt verbucht ist, was der Tf
selbstredend mangels Zugang zu einem geeigneten System nicht erledigen
kann und auch eigentlich nicht will.

F hrt man allerdings offiziell nur zum Parken ins Bw und fasst den Sand
selbst, also quasi schwarz, weil man den Betrieb im Blick hat tillen die
SAPler gleich ganz und hetzen mit "wir haben 25t Sand gekauft und nur
18t ausgegeben und trotzdem ist nichts mehr da" allen die "Werkspolizei"
zur Sandprobenentnahme in den heimischen Sandkasten im Garten. Ich
m chte gar nicht wissen, ob man da dem Tf nicht gar eine Beihilfe zum
"Sanddiebstahl" anh ngen k nnte, wo der doch eigentlich nur am n chsten
Signal wieder sicher bremsen k nnen m chte ...

Wer jahrelang solche Kaspereien mit anschaut, der klemmt sich irgendwann
beim Betreten des Bahngel ndes 'ne W scheklammer ber die Initiativdr se
und macht nur noch seinen Job. Ab und an bekommt er etwas Augentinitus,
weil er dort wo es mal richtige Eisenbahner mit Ahnung und Leidenschaft
gab heute nur noch Pfeifen sieht.

Gr le, Helmut      

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