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Was tun, wenn der Gegner wiederholt zieht, schraubt, zurücknimmt, anders zieht?

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MichaWeinert

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Nov 10, 2009, 12:58:27 PM11/10/09
to
Hallo Schachfreunde,

eine Regelfrage habe ich.
Was tun, wenn der Gegner mehrmals in der Partie folgendes macht:

1) Er nimmt eine Figur in die Hand,
2) plaziert sie auf dem Zielfeld,
3) schraubt sie dort fast ins Brett,
4) prᅵft und prᅵft den neuen Platz,
5) und stellt die Figur zurᅵck auf das Ausgangsfeld.
6) Dann erholt sich mein Gegner, fasst Mut und dieselbe Figur erneut
und drᅵckt sie auf ein anderes Zielfeld,
7) zᅵgernd, weil er sie nicht loslassen mag.

Irgendwann ist es vollbracht und ich darf ran.

Was tun, wenn mein Gegner das Ritual mehrmals in der Partie wiederholt?

Micha

Friedrich Volkmann

unread,
Nov 10, 2009, 1:34:44 PM11/10/09
to
MichaWeinert wrote:
> eine Regelfrage habe ich.
> Was tun, wenn der Gegner mehrmals in der Partie folgendes macht:
>
> 1) Er nimmt eine Figur in die Hand,
> 2) plaziert sie auf dem Zielfeld,
> 3) schraubt sie dort fast ins Brett,

Evarth Kahn?

> 4) prüft und prüft den neuen Platz,
> 5) und stellt die Figur zurück auf das Ausgangsfeld.

Doch nicht Evarth Kahn. :-/

> 6) Dann erholt sich mein Gegner, fasst Mut und dieselbe Figur erneut

> und drückt sie auf ein anderes Zielfeld,
> 7) zögernd, weil er sie nicht loslassen mag.


>
> Irgendwann ist es vollbracht und ich darf ran.
>
> Was tun, wenn mein Gegner das Ritual mehrmals in der Partie wiederholt?

Wenn er die Figur am ursprünglichen Zielfeld losgelassen hat, ihn aufklären,
dass der Zug ausgeführt ist und er ihn nicht zurücknehmen darf.

Andernfalls sehe ich keinen Handlungsbedarf, da kein Regelverstoß vorliegt.

Volker Gringmuth

unread,
Nov 10, 2009, 2:18:17 PM11/10/09
to
Friedrich Volkmann wrote:

> Andernfalls sehe ich keinen Handlungsbedarf, da kein Regelversto�
> vorliegt.

Wie steht's mit "ber�hrt - gef�hrt"? Ber�hrte eigene Steine m�ssen, wenn
regelkonform m�glich, gezogen werden, sofern nicht deutlich gesagt wurde,
da� man die Figur nur zurechtr�cken wollte.


vG

--
"Die Linke soll das SED-Verm�gen rausr�cken? Ich sag immer, die Regeln
gelten f�r alle. Gut, ich geh zur Linken - wer von Ihnen geht zum Papst?
Und das ist nicht mal ne Nachfolgeorganisation! Die haben sich nach der
Hexenverbrennung nicht mal umbenannt! Das ist Corporate Identity, meine
Damen und Herren!"
(Volker Pispers, "Bis neulich")

Sven Joachim

unread,
Nov 10, 2009, 2:32:48 PM11/10/09
to
Am 10.11.2009 um 20:18 schrieb Volker Gringmuth:

> Friedrich Volkmann wrote:
>
>> Andernfalls sehe ich keinen Handlungsbedarf, da kein Regelversto�
>> vorliegt.
>
> Wie steht's mit "ber�hrt - gef�hrt"? Ber�hrte eigene Steine m�ssen, wenn
> regelkonform m�glich, gezogen werden, sofern nicht deutlich gesagt wurde,
> da� man die Figur nur zurechtr�cken wollte.

Solange die Figur nicht losgelassen und damit ein regul�rer Zug
ausgef�hrt wurde, kann der Spieler sie noch auf ein anderes Feld
umdirigieren, siehe Artikel 4.6 der FIDE-Regeln.

Allenfalls k�me eine Reklamation gem�� Artikel 12.6 in Betracht, da
dieses Verhalten geeignet sein k�nnte, den Gegner zu st�ren. Ob man
damit beim Schiedsrichter durchkommt, ist allerdings eine andere Frage.
Immerhin informiert derjenige, der die Figur anfasst, ja den Gegner auf
seine eigene Zeit �ber den n�chsten Zug.

Sven

Gerald Fix

unread,
Nov 10, 2009, 2:33:38 PM11/10/09
to
On Tue, 10 Nov 2009 20:18:17 +0100, Volker Gringmuth
<vgrin...@gmx.net> wrote:

>Friedrich Volkmann wrote:
>
>> Andernfalls sehe ich keinen Handlungsbedarf, da kein Regelversto�
>> vorliegt.
>
>Wie steht's mit "ber�hrt - gef�hrt"? Ber�hrte eigene Steine m�ssen, wenn
>regelkonform m�glich, gezogen werden, sofern nicht deutlich gesagt wurde,
>da� man die Figur nur zurechtr�cken wollte.

Das h�lt er ja ein. Er zieht die Figur, die er urspr�nglich
angefasst hat. Solange er sie nicht losl�sst, kann er sie auf
ein anderes Feld stellen.

Im Gegensatz zu Friedrich kann ich mir durchaus vorstellen, dass
so ein Verhalten eine St�rung im Sinne des Artikel 12.6 FIDE (Es
ist verboten, den Gegner auf irgendwelche Art abzulenken oder zu
st�ren) darstellt - zumindest, wenn der Gegner es penetrant
macht.

Ich wei� nicht, ob es zu solchen F�llen Urteile gibt. Was macht
man als Schiedsrichter, wenn ein Spieler kommt und sich
beschwert, sein Gegner bohre sich mit den Bauern in der Nase,
bevor er ziehe? Die Grenze ist hier flie�end ... (Ich habe mal
gelesen, es sei verboten, mit dem L�ufer den Kaffee umzur�hren.)

__
Viele Gr��e
Gerald Fix

MichaWeinert

unread,
Nov 10, 2009, 2:57:29 PM11/10/09
to
Gerald Fix schrieb:

>
> Im Gegensatz zu Friedrich kann ich mir durchaus vorstellen, dass
> so ein Verhalten eine St�rung im Sinne des Artikel 12.6 FIDE (Es
> ist verboten, den Gegner auf irgendwelche Art abzulenken oder zu
> st�ren) darstellt - zumindest, wenn der Gegner es penetrant
> macht.
>


Nat�rlich lie� der Spieler die Figur auf dem Zielfeld NICHT los; dann
w�re ja alles klar gewesen.

Er st�rte mich aber schon deswegen, weil er, solange er Springer oder
Turm auf das "vorl�ufige" Zielfeld "schraubte", mit seinem Arm das Brett
abdeckte. Mit der Zeit gingen mir seine "Testz�ge" jedenfalls schwer auf
den Keks.

Ich frage Euch, welcher FIDE-Hilfsparagraph mich bei einem Protest h�tte
unterst�tzen k�nnen. Dass er formal rechtens handelte, wenn er die Figur
zur�ckstellte auf das Ausgangsfeld, und sp�ter woanders hin bugsierte,
ist mir klar.

Micha


Volker Gringmuth

unread,
Nov 10, 2009, 4:43:47 PM11/10/09
to
Gerald Fix wrote:

> Das h�lt er ja ein. Er zieht die Figur, die er urspr�nglich
> angefasst hat.

Axo. Das war mir nicht klar. Lesen bildet :)


vG

--
"Wenn alle Chinesen, alle Inder so viele Autos wie wir haben, dann k�nnen
wir alle nochmal den Z�ndschl�ssel umdrehen, 15 Minuten rumfahren, und dann
ist das �l weg. F�r immer. Und die Atmosph�re nat�rlich auch."

MichaWeinert

unread,
Nov 11, 2009, 4:14:57 AM11/11/09
to
MichaWeinert schrieb:

> Er st�rte mich aber schon deswegen, weil er, solange er Springer oder
> Turm auf das "vorl�ufige" Zielfeld "schraubte", mit seinem Arm das Brett
> abdeckte. Mit der Zeit gingen mir seine "Testz�ge" jedenfalls schwer auf
> den Keks.
>
>

Erg�nzend sei angemerkt:

Nach meiner Meinung bescheren solche "Probez�ge" (d. h. Figur plazieren,
sie festhalten und sich umsehen, ob die Figur auf dem neuen Feld gut
steht) diesem Spieler einen Vorteil.

Er muss sich den Springer auf dem Zielfeld c5 nicht vorstellen - der
Springer steht dort ganz real, wenn auch nur vor�bergehend.
Das ist Stellungsanalyse mit Bewegen einer Figur.

Micha

Marius Fraenzel

unread,
Nov 11, 2009, 7:42:14 AM11/11/09
to
MichaWeinert schrieb:

> Was tun, wenn mein Gegner das Ritual mehrmals in der Partie wiederholt?

Du solltest dden Schiedsrichter ansprechen, damit der das anschaut und
beurteilt.

"Mehrfach in der Partie" bedeutet was? Dreimal, viermal? Wᅵrde ich als
Schiedsrichter fᅵr absolut tolerabel halten. Ist auch kein so
ungewᅵhnliches Verhalten. Beoabachte ich ᅵfter. Wenn es aber etwa bei
jedem zweiten Zug passieren wᅵrde, kᅵnnte ich mir schon vorstellen, dass
ich es, falls sich der Gegner beschwert, er fᅵhle sich dadurch gestᅵrt,
dem Spieler verbieten wᅵrde.

Gruᅵ, Marius


--
Elf Jahre drb!

http://bonaventura.musagetes.de/

MichaWeinert

unread,
Nov 11, 2009, 8:45:43 AM11/11/09
to
Marius Fraenzel schrieb:
> MichaWeinert schrieb:

> "Mehrfach in der Partie" bedeutet was? Dreimal, viermal? Wᅵrde ich als
> Schiedsrichter fᅵr absolut tolerabel halten. Ist auch kein so
> ungewᅵhnliches Verhalten. Beoabachte ich ᅵfter. Wenn es aber etwa bei
> jedem zweiten Zug passieren wᅵrde, kᅵnnte ich mir schon vorstellen, dass
> ich es, falls sich der Gegner beschwert, er fᅵhle sich dadurch gestᅵrt,
> dem Spieler verbieten wᅵrde.
>

Es war ein Mannschaftskampf, einen "gelangweilt herumlungernden" SR gab
es also nicht.

Beim 4.Mal sprach ich den jugendlichen Gegner auf sein Ritual ab. Denn
er hatte nicht einfach nur mit der Figur in der Hand auf dem Zielfeld
verweilt, um dann loszulassen, sondern jeweils den Zug wieder voll
zurᅵckgenommen.

Der Gegner antwortete sinngemᅵᅵ, er kenne die Berᅵhrt-Gefᅵhrt-Regel. Und
solange er die Figur nicht loslᅵsst, kann er sie auf das Ausgangsfeld
zurᅵcknehmen, so oft er will.

Micha

Gerald Fix

unread,
Nov 11, 2009, 9:49:04 AM11/11/09
to
On Tue, 10 Nov 2009 20:57:29 +0100, MichaWeinert
<micha....@gmx.net> wrote:

>Ich frage Euch, welcher FIDE-Hilfsparagraph mich bei einem Protest h�tte
>unterst�tzen k�nnen. Dass er formal rechtens handelte, wenn er die Figur
>zur�ckstellte auf das Ausgangsfeld, und sp�ter woanders hin bugsierte,
>ist mir klar.

12.6.

Ich w�rde, wie Marius auch schon angemerkt hat, hier als
Schiedsrichter sehr sp�t eingreifen. Letztendlich gibt es hier
eine sehr breite Grauzone.

Marius Fraenzel

unread,
Nov 11, 2009, 2:19:18 PM11/11/09
to
MichaWeinert schrieb:

> Es war ein Mannschaftskampf, einen "gelangweilt herumlungernden" SR gab
> es also nicht.

Na, dann spricht man eben den eigenen Mannschaftsfᅵhrer daraufhin an
oder auch gleich den gegnerischen. Eine Garantie, dass in Deinem Sinn
entschieden wird, hast Du ohnehin nicht, egal ob ein Schiedsrichter
anwesend ist oder nicht.

> Beim 4.Mal sprach ich den jugendlichen Gegner auf sein Ritual ab. Denn
> er hatte nicht einfach nur mit der Figur in der Hand auf dem Zielfeld
> verweilt, um dann loszulassen, sondern jeweils den Zug wieder voll
> zurᅵckgenommen.

Dass es sich um einen jugendlichen Gegner handelt, hattest Du noch nicht
geschrieben, oder?. Den wᅵrde ich mir als Schiedsrichter wahrscheinlich
mal zur Seite nehmen und ihm sagen, dass sich das nicht "gehᅵre". Die
stellen solche Unsitten dann auch meist ab.

> Der Gegner antwortete sinngemᅵᅵ, er kenne die Berᅵhrt-Gefᅵhrt-Regel. Und
> solange er die Figur nicht loslᅵsst, kann er sie auf das Ausgangsfeld
> zurᅵcknehmen, so oft er will.

Bei der Umwandlungsregel hat sich da inzwischen schon was getan: Dort
gilt die Auswahl der Figur, in die der Bauer umgewandelt wird, als
abgeschlossen, sobald die Figur das Umwandlungsfeld berᅵhrt hat. Man
kᅵnnte ja eine analoge Regelᅵnderung auch fᅵr normale Zᅵge vorschlagen.
Ich selbst halte das fᅵr unnᅵtig, da das von Dir beschriebene Verhalten
nur selten vorkommt, aber vielleicht sind ja die Schiedsgᅵtter eher
Deiner Meinung.

Hans Schilling

unread,
Nov 12, 2009, 6:59:59 AM11/12/09
to
On Tue, 10 Nov 2009 22:43:47 +0100, Volker Gringmuth
<vgrin...@gmx.net> wrote:

>"Wenn alle Chinesen, alle Inder so viele Autos wie wir haben, dann k�nnen
>wir alle nochmal den Z�ndschl�ssel umdrehen, 15 Minuten rumfahren, und dann
>ist das �l weg. F�r immer. Und die Atmosph�re nat�rlich auch."
>(Volker Pispers, "Bis neulich")

Wenn alle Chinesen, Inder, Europ�er und Amis soviele Autos h�tten wie
ich, w�re die Welt gerettet...

Hans.

Hans Schilling

unread,
Nov 12, 2009, 7:14:37 AM11/12/09
to
On Wed, 11 Nov 2009 14:45:43 +0100, MichaWeinert
<micha....@gmx.net> wrote:

>Beim 4.Mal sprach ich den jugendlichen Gegner auf sein Ritual ab. Denn
>er hatte nicht einfach nur mit der Figur in der Hand auf dem Zielfeld
>verweilt, um dann loszulassen, sondern jeweils den Zug wieder voll

>zur�ckgenommen.
>
>Der Gegner antwortete sinngem��, er kenne die Ber�hrt-Gef�hrt-Regel. Und
>solange er die Figur nicht losl�sst, kann er sie auf das Ausgangsfeld
>zur�cknehmen, so oft er will.


Ich bin der Meinung Deines Gegners. Was st�rt Dich daran, dass er die
Figur mehrmals auf ein Zielfeld bewegt und wieder zur�ck, ohne die
Figur auf einem Zielfeld loszulassen?
Man ist w�hrend der Partie h�ufig sehr angespannt. Wenn jemand mit
diesen Spannungen nicht fertig wird, dann sollte er das nicht dem
Gegner anlasten.

Es gibt ganz andere Dinge, die bei Turnieren und bei
Mannschaftsk�mpfen �blich sind und eigentlich Betrug sind. So ist es
�blich und wird in der Regel nicht unterbunden, wenn sich Freunde und
Mannschaftskameraden �ber eine ihrer laufenden Partien unterhalten.
Da werden Hinweise gegeben �ber Drohungen und ganz konkrete Varianten
diskutiert, manchmal direkt am Brett.
Bei einem Turnier ist ein jugendlicher Gegner von mir nach jedem Zug
zu seinem Betreuer gelaufen und manchmal auch, bevor er gezogen hatte.
Danach kam der Betreuer immer an unseren Tisch. Anschlie�end trafen
sich der Betreuer und mein Gegner irgendwo im Raum und unterhielten
sich. Ich machte einen Schiedsrichter darauf aufmerksam, der nur mit
den Schultern zuckte und sagte, dass man da nichts machen k�nne...

Hans.

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