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|Frederika Gers, "Netzjagd" |
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|Sybex-Verlag, 1996, ISBN 3815502357, vergriffen;|
|später von der Autorin im WWW veröffentlicht.[1]|
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Sebastian Wiesinger erwähnte[2] in de.alt.mud "Netzjagd".
Ein Roman über Usenet, und die Jugend des Internets mit MUDs, IRC
etc.? Den musste ich haben. Wegen ungültig gewordener E-mail-Adressen
der Autorin habe ich angefangen, das Buch elektronisch zu lesen,
und war damit halb durch, bevor ich einigermaßen sicher deren
gegenwärtige Netzidentität identifizieren konnte, so dass ich darauf
verzichtete, sie um ein Restexemplar zu bitten.
Zunächst einmal: Ein Roman ist das von der Länge her nicht - eher
eine Novelle oder Erzählung. Aber das nehmen heutige Taschenbuchverlage
ja auch nicht so genau. Ich hatte das Werk in ein paar Sitzungen
zu je 20 Minuten mit dem Laptop in der U-Bahn durch.
Die Geschichte wurde geschrieben und spielt auch ca. 1995, als (in
Deutschland) "Boxen" noch einen ernsthaften Teil der Netzgemeinde
beheimateten, es aber schon gute Verknüpfungen mit Usenet und teils
-nicht nur an den Hochschulen- mit dem Internet gab.[3]
Die Personen sind Redakteure einer Spielezeitschrift aus München,
ein dortiger FH-Professor, ein Spielehersteller, und der geheimnisvolle
unbekannte, samt ihrer virtuellen Figuren in Mailboxen, IRC und
MUDs.
Ein neues Spiel wird vorab getestet, es scheint manipuliert zu
sein, aber die Auslieferung lässt sich kaum noch stoppen - wird
der Virus rechtzeitig analysiert und neutralisiert werden? Was wird
aus den sich anbahnenden zwischenmenschlichen Beziehungen?
Das Buch ist im Detail gut recherchiert. Ein kleines Manko ist,
dass die Kenntnisse der Autorin sich *sehr* auf die IBM-PC/ Windows/
Linux-Welt beschränken. Z.B. 1995 Linux als das erste und einzige
kostenlose Unixoid?[4]
Das tut dem Buch aber keinen Abbruch. Die Welt von IRC, MUDs und
Usenet wird genau beschrieben; ein bischen zu genau, auch wenn die
Autorin im Vorwort verspricht, sich im Vergleich zu ihrem Erstlingswerk
"Lange Leitung" zurückgehalten zu haben; vielleicht hätte das noch
etwas knapper sein können, um den Fortgang der Handlung nicht zu
bremsen. Auf mich, der ich mich in den Netzen der damaligen Zeit
bewegt habe, wirkte es stellenweise ein bischen langatmig.
Die Struktur der Geschichte erinnert sehr an das jüngere "Yachtfieber"
von Gabi Hauptmann, welches ich an anderer Stelle verriß.[5] Ähnlich
überraschend kommt z.B. außer der, wie soll ich sagen, kriminalistischen?
auch die menschliche Auflösung der Geschichte. Im Gegensatz dazu
ist "Netzjagd" aber, wie schon geschrieben, gut recherchiert und
kann somit als amüsante Detektivgeschichte mit soziohistorischen
Hintergrund durchgehen.
Ein Wort zur Online-Version[1]: Die Autorin hat sich nach eigenen
Angaben das HTML mit Hilfe von Windows Word aus der Originaldatei
erzeugt. Die Formatierung leidet an ein paar Stellen darunter -
besonders die Begrüßungs-ASCII-Grafik des beschriebenen MUDs und
mehrere Stellen der Chatprotokolle. Etwas manuelle Nachbearbeitung
hätte hier geholfen. Es ist nicht fatal; die kundige IRCerin und
Mudderin wird den Originalzustand unschwer erraten können.
-is im März 2009
[1] <http://web.archive.org/web/20001208052900/
http://ourworld.compuserve.com/homepages/gers/netzjagd-so-ins-netz.htm>
[2] <news:gmcbgd$ctt$1...@news.karotte.org>
[3] Das originale Vorwort der Autorin wurde am 18.April 1996 signiert.
[4] 386BSD, drei bis vier Releases von NetBSD und FreeBSD waren
längst veröffentlicht, der Vergleich zwischen AT&T und der Universität
von Kalifornien in Berkeley geschlossen. Siehe z.B.
http://www.levenez.com/unix/redirect_unix_pdf.html