Hi!
Das Rennwochenende 14.April
Bei der Anfahrt nach Landshaag muss man ja in Linz ein paar
Ampelkreuzungen überfahren. Wenn man noch schnell beim vierten Mal grün
blinken drüber fährt, blitzt es, speziell wenn man das mit einem
Anhänger macht, der das anscheinend erst bei orange-rot schafft. Mal
schauen was das kosten wird.
08:45 eintreffen in Landshaag. Die Leute vom Triumphclub suchen und
finden. Erstes Staunen. Beim Start geht es ja schön steil bergauf. Das
sieht man auf den Videos im Netz gar nicht. Motorrad abladen, erkundigen
wo man Reifen wechseln kann. Beim Vorjahressieger Schleindlhuber also,
interessant. Vor 3 Tagen habe ich ja in einer Motorradbude angefangen zu
arbeiten und dort mal nachgefragt, ob sie mir nicht Regenreifen borgen
könnten. Einen neuen Hinterreifen haben sie mir zur Verfügung gestellt,
und einen gebrauchten, eher älteren Vorderen. Beim Reifenwechseln
stellen sich leichte Probleme ein, weil der vordere schon so alt (
Schleindlhuber schätzt ihn auf 10-12 Jahre ) und hart ist, dass er auch
bei 6bar Druck nicht vom Felgenbett auf den Felgenrand springen will.
Noch einmal runter, gaaanz viel Schmiermittel drauf, beim zweiten
Versuch springt er schon bei 4bar Druck hinauf.
Administrative Abnahme, danach Technische. Da stehen so viele Motorräder
angestellt, dass ich wieder kehrt mache und beschließe, mich erst wieder
kurz vor dem offiziellen Ende anzustellen. Um 11:45 stelle ich mich also
hinter einer Blondine mit ihrem Mann an. Das Weiberl schiebt das zweite
Motorrad von ihrem Mann, weil der ein Doppelstarter ist. Kommt ein
Pensionist vorbei, mustert das von ihr betreute Motorrad. Dann geht er
weiter zu mir und sagt: "Sixt, des san de österreichischen Rennfahrer.
Soziussitzbankl und Fußraster hinten drauf. Und mit sowos fohrt ma
Rennen? Wos ist des für a Einstellung zum Rennsport?" Ich habe kurz auf
meine hintere Hälfte des Motorrades gezeigt und gesagt: "Hob i a".
So verdutzt habe ich schon lange niemanden schauen gesehen. Aber eh
nicht lange, weil er sich sofort umdrehte und weg ging.
http://www.67er.at/land101.jpg
Um ca 14:00 Lautsprecherdurchsage "Startnummer bis 200 zum Vorstart
kommen". Da ich Startnummer 205 habe wird es Zeit, das Motorrad von
Reifenwärmer zu befreien und herunter zu stellen. Nachdem das gemacht
wurde und ich Richtung Start fahren will, bemerke ich, dass es am
Vorderrad ein Problem gibt. Keine Luft mehr drinnen. Also wirklich
KEINE. Na super. Schnell Luft rein, Speichel auf das Ventil, keine
Blasen, auf zum Start. Übrigens mit einem super Gefühl und viel
Vertrauen zum Material.
Natürlich komme ich viel zu spät zum Start und werde sofort nach vorne
gewunken, weil ich eigentlich schon auf der Strecke sein sollte. Beim
Start selbst bleibt nur noch soviel Zeit um das Startermaxl zu fragen,
ob ich vorne eh Luft drinnen habe. Er deutet ja und die Ampel zeigt
grün. Während der Fahrt selbst kämpfe ich mit der nassen Fahrbahn, der
nicht vorhandenen Streckenkenntnis ( man kann ALLES vergessen, was man
sich vorher auf den Videos angesehen hat ) und der nicht vorhandenen
Erfahrung mit Regenreifen. Als dann ca auf halber Strecke sich doch
recht starke Walkbewegungen des Vorderrades einstellen, beschließe ich
diesen Trainingslauf aus Sicherheitsgründen abzubrechen und rolle ab nun
gemütlich mit ca 100km/h weiter Richtung Ziel. Ergebnis ist eine nicht
aussagekräftige Laufzeit von 2:04. Der Reifen hat übrigens keine Luft
verloren.
Meine nach Landshaag mitgefahrene Göttergattin bekommt in der
Zwischenzeit im Ziel Angstzustände, weil es einen Fahrer hinter mir
zerbröselt hat und sie da unten keine Informationen erhielt, wegen
welcher Startnummer die Unterbrechung ist.
Später erfuhr ich dann aus Gesprächen mit erfahrenen Rennfahrern, dass
dieses Verhalten bei Regenreifen völlig normal ist. Viele Fragen von mir
und viele Antworten über Regenreifen, dazu genaues beobachten des
Luftdruckes vom Vorderreifen während der Zeit zum zweiten Trainingslauf
sollten etwas mehr Vertrauen bringen. Und es wird beschlossen, im
zweiten Lauf auf alle Fälle bis zum Schluss voll zu fahren.
http://www.67er.at/land102.jpg
Im zweiten Training ist die Strecke ab der Mitte trocken. Mit 0,2 mehr
Druck im VR ziehe ich den Lauf trotz der Unruhen im VR durch. Diesmal
ist die nicht vorhandene Streckenkenntnis mein Hauptproblem. Wo ich da
überall vom Gas gehe was eigentlich voll gehen würde ist unpackbar.
Erste aussagekräftige Zeit also 1:41. Reifen hat kein bischen Luft
verloren. Komisch.
Der Renntag 15.April
Am Vormittag findet der dritte und letzte Trainingslauf statt. Die
Strecke ist so wie beim zweiten Training bis zum Waldstück nass, danach
trocken. Nachdem ich jetzt auch an den unübersichtlichen Stellen nicht
so viel vom Gas gehe, kann ich meine Zeit weiter auf 1:37 verbessern.
Trotzdem immer noch Ärger über, die im Nachhinein gesehenen, nicht
nötigen Gasabdreher an Stücken, wo andere Fahrer voll drauf bleiben. Das
ist wohl der Überlebenswillen im Unterbewusstsein, der sich bis in die
rechte Hand fortsetzt. Wenn man es schafft, diesen natürlichen
Schutzreflex abzustellen, kann man in Landshaag sicher gute Zeiten
fahren. Davon bin ich aber noch meilenweit entfernt.
Zu Mittag setzt dann leichter Regen ein, der auch den ganzen Sonntag
anhielt. Gesamte Strecke also durchgehend nass. Bessere Zeiten ganz
sicher nicht möglich. Die zwei Rennläufe eher unspektakulär, weil ich
als bekennender Regenschisser mit noch mehr Gefühl in der Gashand fahre.
http://www.67er.at/land103.jpg
Zweimal 1:45 reichen aber, dass ich nicht Letzter in meiner Klasse
werde. Somit fast alle Ziele, welche ich mir vor Wochen steckte,
erreicht:
* Nicht gestürzt
* Punkte für Clubmeisterschaft geholt (
http://www.triumphclubwien.at )
* Nicht Letzter meiner Klasse
* Gesamt 131. von 196 Startern
Nicht erreicht:
* Zeit unter 1:30
Ich schieb das jetzt einfach mal auf die nasse Strecke. *g*
http://www.67er.at/land104.jpg
Den in der Starterliste unter Nr 13 angemeldeten afmler Ulrich Plaimauer
habe
ich zwecks eines ersten Kennenlernens leider vergeblich gesucht.
Falls wer auch die Vorbereitung lesen will, besucht
http://www.67er.at/Landshaag2012.htm
--
Robert Schreiner, YAMAHA YZF 1000 R Thunderace, KTM 950 Adventure
"Im Zusammenhang mit Kommunikationen an denen du beteiligt bist, kann
der Umstand, dass du ein Trottel bist unabhängig von Nationalität und
Verfassung der Mitdiskutanten durchaus eine Rolle spielen". Hermann Gräf