Hi!
Freitag abend wurde der ganze Kram in den Bus verladen - Motorrad,
Sprit, Leder, Helm, Stiefel, Werkzeug, Zelt und kleinkram.
Ich starte früh morgens los und es geht über Waidhofen/Ybbs
nach Rosenau/Sonntagberg.
Beim Militärmuseum angekommen präsentiert sich mir kurz vor acht Uhr
ein gut gefülltes Fahrerlager. Zu meiner Überraschung treffe ich als
erstes auf zwei alte Freunde, die beim Offroad-Team Austria sind
und heute hier als Streckenposten/Helfer/Mädchenfüralles fungieren
dürfen und mir den Weg ins Fahrerlager weisen.
Kurt (RGV250) der Frühaufsteher ist natürlich schon zugegen und war so
nett, einen Platz für Harald (RG500) und mich zu reservieren.
Harald rückt 10min nach mir an, die Busse werden geparkt,
Motorräder ausgeladen und das Zelt als Schattenspender aufgestellt.
Harald hat 3 Heinzelmännchen mitgebracht, die uns den ganzen Tag über
tatkäftigst unterstützen. Ich hab noch keinen Seiterständer an meine
Maschine geschweißt, irgendwie ist jetzt kein Platz mehr dafür.
Zum Glück sind die 3 Buben immer gleich da, wenns drum geht, den
Eisenhaufen in den Montageständer zu bringen. Sehr praktisch das.
Die Anmeldung geht rasch vor sich, auch die technische Abnahme
ist schnell erledigt, die Bremsen werden kontrolliert und für
ausreichend befunden. Nach einem kurzen Rundgang beschließen wir,
an der Besichtigungsfahrt teilzunehmen. Wenn man sich weit genug
vordrängt, besteht die Chance mit heiler Kupplung oben anzukommen.
Ich hatte vorher nicht wirklich Gelegenheit, mein Motorrad zu testen,
ein paar Meter zu fahren ist also keine schlechte Idee.
Also Sprit rein in den Kunststofftank und ab ins Leder.
Verdammtes Schrumpfleder, der Winter hatte es wieder in sich.
Es gelingt uns, bei der Besichtigungsfahrt gleich hinter dem
Vorausfahrzeug loszufahren, der Fahrer scheucht seine Dose recht flink
den Berg rauf. Die Gänge lassen sich sauber schalten, die Kupplung lässt
aber nie ganz los, ein leichtes Schleifen macht sich bemerkbar.
Oben angekommen hätte man ein Königreich für einen Kerzenschlüssel
gegeben. Leider blieb der in der Werkzeugkiste unten im Bus.
Na was soll, wird schon nicht zu mager sein, die Schalldämpfer-Enden
sind leicht feucht, ein gutes Zeichen.
Der Plan A, ohne Motor runter zu rollen, funktioniert gut. Allerdings
einen halben Kilometer bei den Temperaturen zu schieben ist mir dann
doch zu mühsam, Plan B: im Ausrollen auf der Geraden den zweiten Gang
reinlegen und anlaufen lassen. KKKKRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRR. So, Zähne
geputzt! Achja, die Kupplung. Aber der Gang geht rein, sie springt brav
an und ich rolle bequem ins Fahrerlager, wo die Heinzelmännchen grade
das Würstlstandl plündern und laut die Langos mampfen. Immerhin haben
sie die Füße frei und stemmen sich gegen die Transport-Wippe und ich
kann die Kawa hinstellen. Noch schnell die Kupplung nachgestellt, Daumen
mal pi muss genügen.
Bis zum ersten Lauf ist noch etwas Zeit zum Plaudern und jede Menge
vorbeistreunender Besucher haben Halluzinationen: sie sehen 750er,
wo keine sind. Arge Krankheit. Aber immerhin faselt heute keiner was
von verriebenen mittleren Zylindern.
Dafür dürfen sich Harald und Kurt mit einem alten, grantigen Typen
herumschlagen, der angeblich AlpeAdriaCup oder sowas fährt und nur
herumgscheitelt. Aber zu unwissend ist, die unter der Rennverkleidung
versteckte RG500 zu erkennen. Dabei stehts dick am Rahmen und der
Gabelbrücke. Irgendwie werden wir den dann auch wieder los,
und es geht zum Vorstart für den ersten Lauf.
Ich reihe mich lt. Startnummer ein, obwohl ich schon eine Viertelstunde
später dran bin, steht noch alles. Es ist heiß und ich erkenne, dass ich
hinter den Wakis starte. Vierzylinder Megaphonlärm im Dreierpack vor
mir. Bingo, der Schalldruck dieser recht schön gemachten Replicas haut
einem fast das Visier ein. Zum Glück startet Karl vor mir, der dreht
normalerweise beherzt am Griff und ich rechne nicht damit, aufzulaufen.
Die Flagge fällt auch für mich und reiße das Gas auf. Der Bock macht
einen Satz nach vorne, ohne zu steigen, die Gänge lassen sich gut
schalten. Im langen Bergaufstück macht sich noch immer ein leichtes
Rutschen der Kupplung bemerkbar. Deshalb blieb wahrscheinlich das
Vorderrad am Boden beim Start.
Im Probelauf hat ein Teilnehmer leider Ölspuren durch die Spitzkehren
gezogen, die will ich dort nicht treffen, also lasse ich Vorsicht walten.
Oben angekommen lehne ich den Bock gegen das Garagentor und sehe/höre
mir die anderen Teilnehmer an. Kurt fliegt auf seiner 250er ein, das
Ding ist nicht grade brustschwach.
Kurz darauf folgt Harald auf seinem "schwoazn Teifi", mit
infernalischem, sägendem Zweitakt-Sound.
Ein Schalldämpfer hat sich verabschiedet, abgeprellt.
Wir finden den Dämpfer aber zum Glück beim Runterrollen, eine Montage
ist aber mangels Schweißgerät nicht mehr möglich.
Inzwischen hat sich auch der Fönwind bemerkbar gemacht, das Zelt war
nicht gut genug verankert und hat einen Kratzer
in Kurts neuer Dose verursacht.
Nach dieser kurzen Aufregung ist mittägliche Rast ist angesagt, die für
die Jahreszeit ungewöhnlich hohen Temperaturen und die pralle Sonne
machen sich langsam bemerkbar. Das Würstlstandl gegenüber wartet nur mit
Frittiertem auf, also nix für mich.
Karl mit der CB-Replika lädt für den 18. Mai zum Alteisenreiten am
Euroring/Ungarn ein, ich muss aber wegen Terminkollision dankend ablehnen.
Harri B., 75 Jahre jung, fährt per Achse mit seiner 500Four von Wien zum
Sonntagberg, um hier
teilzunehmen. Respekt! Ich freu mich jedes Jahr wieder, ihn zu treffen,
der alte Haudegen ist zum Glück fit wie ein Turnschuh. Die neue Freundin
scheint ihm gutzutun ;-).
Es ist noch etwas Zeit bis zum zweiten Wertungslauf und ich kläre den
ÖAMTC Mann, dessen Abschleppwagen neben uns parkt, über die beiden
Generationen von Zweitaktern auf: Kawasaki 3Zylinder vs. nebenstehender
RG500 aus dem Hause Suzuki.
Ich hole wieder mal zu weit aus und drück mich in Windeseile ins Leder.
Die haben eh sicher wieder 15min Verspätung, weil die Strecke noch nicht
gesperrt werden konnte.
Ich rolle aus dem Fahrerlager und sehe, wie verdächtlich lang die
Autoschlange am Vorstart schon ist. Jetzt aber gradewegs zum Start, Anni
startet grade, Karl steht 20m dahinter.
Perfekt, das ist ja fast ein fliegender Start, nichmal eine Minute
Wartezeit.
Die Fahne wird geschwenkt, ich ziehe das Gas auf, lass die (zuvor
nochmals justierte) Kupplung rasch los. Yeah! Brav hebt sie das
Vorderrad, ich bleibe am Gas, sie geht ein Stück runter,
fährt aber gleich wieder in die Höh. Herrlich! Gut, dass keiner den
Grinzer unterm Helm sieht.
http://www.youtube.com/watch?v=eMQi6H52ngQ&list=UUfyz3Yyod9Vvw8TMgP1fe8Q&index=1&feature=plcp
Es geht erneut den Berg rauf, gefühlsmässig schneller als vorher, auf
der ersten langen Geraden
lässt sich der Vierer fast ausdrehen. Die Ölspuren komplett vergessen
nehme ich eine Spitzkehre
nach der anderen recht flott. Nur für die Kurve mit der Steinmauer bin
ich zu feig, ich lasse
nicht "stehen". Mit meiner Four ging das, die war aber gefühlte 20PS
schwächer.
Das stärkere Vorspannen des Lenkkopflagers bringt viel mehr Ruhe ins
Fahrwerk, ich bemerke
kein Wackeln mehr. Lediglich die Position der Fußrasten könnte etwas
weiter vorn/innen sein,
ich muss beim Betätigen des Kickstarter die Raste hochklappen.
Auch die neue Auspuffanlage ist recht geil, weil sie zwar tiefer liegt,
aber weiter innen
unter dem Rahmen, die Schräglagenfreiheit ist durchaus konkurrenzfähig.
Nach knapp 2 Minuten ist auch dieser Wertungslauf erfolgreich beendet,
zufrieden parke ich
das grüne Untier wieder neben der Mauer.
Kurt steigt mit einem breiten Grinser von seiner RGV, Harald hat mit
einem Höllenritt
jenseits von gut und böse nun auch Dämpfer #2 ins Gemüse geschossen, wie
man schon von weitem hören kann. Ärgerlich, aber besser das als zu stürzen.
Leider hat niemand dran gedacht, Geld einzustecken, das Abschlußbierli
müssen wir also später trinken. Nachdem alle heil den Berg raufkommen
sind und das Ende der Veranstaltung verkündet wurde, gehts erneut ins
Fahrerlager. Die Jungs warten schon sehnsüchtig, die Fotos und Videos zu
präsentieren und beim Zusammenräumen zu helfen. Nachdem alles verstaut
ist, tritt Harald die Heimreise an, Kurt und ich ziehen uns die
Siegerehrung rein.
Das Gasthaus Lagler ist recht gemütlich, die Küche kann man
weiterempfehlen, das Personal
war gut auf den Ansturm vorbereitet. Nach dem Essen werden die
Teilnehmer mit der geringsten
Zeitdifferenz zwischen den beiden Wertungsläufen geehrt, die große
Überraschung: Sus und sein Spezl
gewinnen auf dem KTM-Cross-Gespann ihre Klasse. Hätte sich der Sus nicht
tags zuvor den Bart gestutzt, hätten man ihm den Kranz nicht umhängen
können.
Nein, scherz. Mit einem Grinser bis zu
den Ohrwaschln wässert sich der Gespanntreiber zufrieden mehrmals den
Bart, ich muss mich aus dem Geschehen ausklinken und trete die Heimfahrt
an. Hoffentlich hat der Bürgermeister nach seiner Rede
nicht noch den Notstand ausrufen müssen, wenn der Kurt und der Sus
feiern, weiß man das nie so genau ;-).
Achja, die inoffiziellen Zeiten: die Gamma500 hat alles in Grund und
Boden gefahren, 5 sekunden schneller als die Pantah 650 und der schnelle
trocken-kuppelnde Zweitakter vom Hr. Mueller.
Ich konnte zwar nicht ganz mithalten, aber bei mir blieb die Uhr
irgendwo in der Gegend von 1:55 stehen, Differenz 1.7 Sekunden soweit
ich das in Erinnerung habe. Also bin ich weit über meine Erwartungen
gekommen, die Kawasaki hat super funktioniert, die Schrauberei hat sich
ausgezahlt.
mfg
Uli