Thomas Kreuzer wrote:
> Ich nehme selbstverständlich das Phänomen wahr, allerdings überzeugen
> mich die Erklärungen nicht wirklich.
Ich denk, es ist eine Mischung aus mehreren Punkten.
Eine Software konfigurieren, das will (mit Ausnahme einiger Nerds)
keiner. Beim e-Mail-Zugang wird es (falls überhaupt noch nötig, für die
großen Provider gibt's meist schon Presets) unter Zuhilfenahme
sämtlicher Spezialisten im Bekanntenkreis zähneknirschend in Kauf
genommen, FB-Privacy-Hakerl tut man sich halt einmal an und das war's.
Das ist heute Tatsache und war es schon immer. Firmen wie Apple haben
das erkannt und konsequent umgesetzt, der User schiebt dafür willig
seine Banknoten rüber. Damals wie heute tut man sich das nur mehr dann
an, wenn man muss, sprich, wenn es sich auszahlt, da man dafür deutlich
mehr als anderswo bekommt. Früher einfach, weil es kein Anderswo gab.
Heute für die, die das Usenet kennen, immer noch klar, für den
Normal-User absolut nicht nachvollziehbar, warum er sich jetzt einen
Wikipedia-Artikel durchlesen soll, dann einen Newsserver suchen (was ist
das überhaupt?), vielleicht noch dafür zahlen, dann einen Newsreader
finden, runterladen und konfigurieren, schlussendlich noch mit
Netiquette ruppigen Regulars herumschlagen und das alles, wo er
eigentlich nur bissl über MR quatschen wollte.
Womit wir bei Google Groups wären: Ja, das ist einfach und mit Webforen
vergleichbar, nur findet halt kaum einer hin und beworben wird's auch
nicht gerade. Und es kommt noch ein ganz anderer Punkt ins Spiel: In
zahllosen Diskussionen hat sich herauskristallisiert, dass sich ein
nennenswerter Teil afms (wie wohl auch vieler anderer NGs) gerade
dadurch identifiziert, dass es eben _nicht_ einfach ist und man sich
seinen Weg ins Usenet vor Jahrzehnten erkämpft hat. Und hier sind wir
beim Usenet-Paradoxon: Auf der einen Seite sollen neue User
technologisch dort abgeholt werden, wo sie sind, auf der anderen Seite
wird erwartet, dass sie beim Gedanken an das Gequäke eines
Akkustik-Kopplers feuchte Augen bekommen. Gesucht wird also der
vergleichsweise anpassungswillige, qualitätsbedachte User, der
andererseits natürlich hierzugroups auch zumindest Charakterzüge eines
Libido-gesteuerten Beta-Tiers mitbringen muss, um dem allweil drohenden
Damokles-Schwert der Angepasstheit und der Schwuchtelei im Allgemeinen
entschieden entgegen treten zu können.
Tja, dass das nicht aufzulösen ist, ist offensichtlich. Jeder hat dazu
mindestens eine Meinung, in welche Richtung das aufzulösen wäre, leider
inkompatibel mit den restlichen 94% der Anwesenden. Ich hab natürlich
auch meine, die aber schon oft genug kund getan. Für den Augenblick freu
ich mich einfach, dass wieder bissl Traffic ist!
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Servus, David :: pgp 0x34b5e4cb ::
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